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1934 – Der W25: Ein neuer Stern geht auf

1934 – Der W25: Ein neuer Stern geht auf

Arbeitslosigkeit und Wirtschaftskrise – das Jahr 1932 ist kein günstiger Hintergrund für Motorsport-Aktivitäten in Deutschland. Selbst die Werksrennabteilung von Mercedes-Benz, deren Kompressor-Tourenwagen der Typen K, S, SS, SSK und SSKL den europäischen Motorsport Ende der 1920er- und Anfang der 1930er-Jahre dominiert haben, ist geschlossen.

Doch es gibt eine Perspektive für die Zukunft. Denn im Herbst 1932 gibt die Motorsportbehörde AIACR (Association Internationale des Automobile Clubs Reconnus) in Paris eine neue Formel für den Grand-Prix-Rennsport bekannt, die 1934 in Kraft tritt: Die Wagen dürfen ohne Kraftstoff, Öl, Kühlmittel und ohne Reifen maximal 750 Kilogramm schwer sein, darüber hinaus sind den Konstrukteuren keine Grenzen gesetzt. Mercedes-Benz entscheidet 1933, für die neue Formel einen völlig neuen Rennwagens zu entwickeln. Zum Rennteam von 1934 werden Manfred von Brauchitsch, Rudolf Caracciola, Luigi Fagioli, Hanns Geier und Ernst Henne gehören.

Die AIACR will mit der 750-Kilogramm-Formel die Geschwindigkeiten der Rennwagen im Vergleich zur vorherigen Generation begrenzen: Die Regelhüter gehen offenbar davon aus, dass in einem leichten Fahrzeug nur kleine Motoren mit geringer Leistung montiert werden können. Doch die Funktionäre haben den Fortschritt der Technik unterschätzt: Der in Stuttgart für die neue Formel entwickelte W 25 ist ein überaus leistungsfähiger Rennwagen. Und alleine in der Zeit der 750-Kilogramm-Formel bis 1937 wird sich die Motorleistung der Mercedes-Benz Rennwagen durch kontinuierliche Weiterentwicklung fast verdoppeln und bis maximal 475 kW (646 PS) ansteigen.

Ein starker Siegertyp

Der W 25 ist der erste Mercedes-Benz Rennwagen für die ab 1934 gültige neue Grand-Prix-Formel. Diese Formel schreibt ein Höchstgewicht von 750 Kilogramm für das Fahrzeug (ohne Betriebsstoffe und Reifen) vor – so wollen die Organisatoren die Leistung der Rennwagen und damit die möglichen Höchstgeschwindigkeiten beschränken.

Die Konstrukteure bei Mercedes-Benz setzen auf eine klassisch ausgelegte Fahrzeugarchitektur: Der vorn eingebaute Motor gibt seine Leistung über ein an der Hinterachse sitzendes Getriebe an die Hinterräder ab. Der Reihenachtzylinder hat anfänglich 3,4 Liter Hubraum und ist mit der im Rennsport bestens bewährten Kompressoraufladung ausgerüstet, später sind es maximal 4.740 Kubikzentimeter. Je nach Ausführung leistet er 260 kW (354 PS) bis 363 kW (494 PS), was eine Höchstgeschwindigkeit bis zu 300 km/h ermöglicht.

Mercedes-Benz entscheidet sich beim W 25 erstmals für die Lackierung in der neuen Karosseriefarbe Silber. Wie der Rennwagen zu dieser Farbgebung kommt, aus der später die Gattungsbezeichnung „Silberpfeil“ entsteht, ist eine der großen Geschichten aus 120 Jahren Motorsport von Mercedes-Benz: Angeblich, so will es die Legende, wiegen die neuen W 25 vor dem Start genau ein Kilogramm zu viel, um die Bedingungen der 750-Kilogramm-Formel zu erfüllen. Am Abend vor dem Start kommt Rennleiter Alfred Neubauer dann die Erleuchtung: Der weiße Lack muss runter von der Karosserie, das wird die nötige Gewichtseinsparung erbringen. In seinem 1958 erschienenen Erinnerungsband „Männer, Frauen und Motoren“ beschreibt Neubauer die nächtliche Szene an der Box: „Die ganze lange Nacht schrubben die Mechaniker den schönen weißen Lack von unseren Silberpfeilen. Und als sie morgens nochmals auf die Waage kommen – da wiegen sie haarscharf 750 Kilo.“

In der deutschen Rennfarbe Weiß lackiert, ist der W 25 einen Tag vor seinem ersten Renneinsatz beim Internationalen Eifelrennen auf dem Nürburgring ein Kilogramm zu schwer. Der Legende nach schleifen die Mechaniker den Lack ab, sodass der Bolide in der silbernen Farbe seiner Karosserie glänzt. Mit Manfred von Brauchitsch am Steuer gewinnt er das Rennen und begründet damit die einzigartige Erfolgsgeschichte der Silberpfeile. Der W 25 wird von 1934 bis 1936 eingesetzt und in dieser Zeit ständig weiterentwickelt. 1935 verhilft er Rudolf Caracciola zum Titelgewinn in der Europameisterschaft und 1936 immerhin zu zwei Grand-Prix-Siegen in Tunis (Algerien) und Monaco.

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