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Abu Dhabi Grand Prix2016: Fragen und Antworten mit Nico und Lewis

Abu Dhabi Grand Prix2016: Fragen und Antworten mit Nico und Lewis

F: Beginnen wir bei dir, Nico. Wie steht es um die Nerven? Fühlst du dich im Vergleich zum Titel-Showdown 2014 zuversichtlicher?

NR: Es hilft definitiv, es schon mal mitgemacht zu haben. Klar. Wir kämpfen zum dritten Mal gegeneinander um den WM-Titel und das zweite Mal geht es bis zum Schluss. Da hilft es natürlich schon, etwas entspannter zu sein.

F: Hinter euch beiden liegt ein spannendes Jahr. Welches Rennen von Lewis hat dich bislang am meisten beeindruckt?

NR: Wow, das ist mal eine Frage. Darüber muss ich etwas nachdenken, das weiß ich gar nicht so richtig. Ich denke nicht zurück. Selbstverständlich hat er eine großartige Saison absolviert, er ist viele tolle Rennen gefahren, ganz klar. Er war ein großer Gegner, wie immer hart zu knacken, das war zu erwarten. Aber für mich liegt der Fokus auf diesem Wochenende.

F: Lewis, die gleiche Frage an dich. Welche Rennen von Nico aus dieser Saison hat dich am meisten beeindruckt?

LH: Ich habe seine Rennen nicht gesehen...

F: Okay, welche Performance, in anderen Worten, welche besondere Rennwochenende?

LH: Ich kann mich echt nicht erinnern. Genauso wie er. Er war auf vielen Strecken schnell. Ich glaube nicht, dass eine heraussticht.

  • Großer Preis von Abu Dhabi 2016, Donnerstag

PRESSEKONFERENZ

F: Lewis, wenn du an diesem Wochenende gewinnst, ist es dein 53. Sieg. Damit rückst du Schumachers Rekord wieder ein bisschen näher. Wenn es an diesem Wochenende nicht, wie von dir erhofft, läuft, wäre das dann ein bittersüßes Saisonende für dich?

LH: Zunächst einmal ist Michael noch weit, weit entfernt. Es wäre nur ein Millimeter in seine Richtung. Mein Ziel an diesem Wochenende ist es, das Rennen zu gewinnen. Nico war hier in den vergangenen Jahren richtig schnell, also wird das eine Herausforderung. Aber ich bin sicher, dass ich sie bewältigen kann. Mit Blick auf die WM: Wenn es nicht so läuft, wie ich es mir wünsche, dann ist es genauso wie die Saison, die bislang nicht ganz so gelaufen ist, wie ich es mir erhofft hatte. 2016 war insgesamt kein spektakuläres Jahr. Aber es gibt viel Positives, dass ich daraus ziehen kann und ich möchte alles Positive in die nächste Saison mitnehmen.

F: Eine Frage an euch beide: Lewis hatte in diesem Jahr offensichtlich die schlechtere Zuverlässigkeit von euch beiden. Er würde die WM anführen, wenn es Malaysia nicht gegeben hätte. Nico, was würdest du sagen, wenn jemand behauptet, dass dies deinen WM-Titel beeinträchtigt. Und Lewis, was sagst du dazu?

NR: Natürlich ist mir bewusst, wie die Saison bislang für uns beide verlaufen ist. Aber diese Gedanken... Zunächst einmal ist die Saison noch nicht vorbei. Noch steht ein Rennen aus und es wäre zu früh, darüber zu diskutieren. Aber ich habe solcherlei Gedanken ohnehin nicht. Für mich geht es darum, mich an diesem Wochenende auf mich selbst zu konzentrieren. Ich bin gespannt, denn es ist das letzte Rennen, ich kämpfe wieder mit Lewis um die WM und ich bin richtig konzentriert darauf, meine Arbeit zu erledigen. Ich würde dieses Rennen gerne gewinnen und die Saison mit einem Sieg abschließen. Das wäre unglaublich.

LH: Nun ja, ich weiß nicht. Für mich war es eine fordernde Saison. Es ging auf und ab. Aber ich glaube, dass ich mich gefangen habe. Dieses Jahr war es eine echte Herausforderung, Negatives in Positives umzuwandeln. Das ist mir gut gelungen. Darauf bin ich stolz. Es gab Momente in diesem Jahr, in denen ich 43 Punkte zurückgelegen habe und dachte, dass es unmöglich wäre, zurückzuschlagen. Aber irgendwie habe ich den Spieß umgedreht. Ich war 33 Punkte zurück und drehte es um. Das Jahr hat für mich gezeigt, dass alles möglich ist, wenn du dich reinhängst. Genauso werde ich die Rennen angehen.

  • Großer Preis von Abu Dhabi 2016, Donnerstag

F: Nico, ist dies das Wichtigste für deine Familie?

NR: Ha! Das ist einfach zu beantworten. Zunächst einmal bin ich überrascht, dass du keine Statistik aus dem Hut gezaubert hast. Das ist echt überraschend. Und Zweitens ist es nicht das Wochenende für meine ganze Familie. Das ist ganz einfach zu beantworten. Das wurde mir auch immer klarer durch die Geburt meiner Tochter.

F: Nico, du warst zweimal Vizeweltmeister und gehst in einer überlegenen Position in dieses Rennen. Wäre ein zweiter Platz für dich der bitterste Moment für dich?

NR: Warum? Es macht mich nicht schneller, daran zu denken. Über etwas nachzudenken, dass vielleicht in Zukunft passieren könnte. Für mich zählt nur das Hier und Jetzt. Das hat für mich bislang funktioniert und das ist meine Position. Ich kämpfe dank dieses Ansatzes um die WM. Deshalb werde ich so weitermachen und konzentriere mich darauf, dieses Rennen zu gewinnen. Mehr nicht.

F: Nico, kannst du versprechen, dass du keine dubiosen Manöver machen wirst oder ist beim letzten Rennen alles erlaubt?

NR: Nichts davon. Es ist ein Wochenende wie jedes andere auch. Ich werde versuchen, das Rennen zu gewinnen und dafür werde ich alles geben. Mehr nicht.

F: Und was ist dafür nötig?

NR: Innerhalb erlaubter Grenzen natürlich.

  • Großer Preis von Abu Dhabi 2016, Donnerstag

F: Die WM war ein enger Kampf zwischen euch beiden und das Pendel wechselte hin und her. Was waren eure beste und schlechteste Leistung des Jahres?

NR: Wenn es okay ist, werde ich meine beste aufführen. Die gefällt mir besser. Eines meiner Highlights war Singapur. Es war einfach so ein Wochenende... noch dazu zu einem wichtigen Moment der Saison. Es lief einfach für mich. Erst im Qualifying, dann auch im Rennen. Es gab Druck von Red Bull und ich habe dennoch gewonnen. Schlussendlich blicke ich darauf gerne zurück.

LH: Kannst du mich an die schlechten Rennen erinnern? Ich bin mir sicher, dass es welche gegeben hat, aber ich weiß nicht mehr... irgendjemand? Nein, ernsthaft. Ich möchte die negativen Momente nicht einfach wegwischen. Aber ich brauche etwas Hilfe für mein Gedächtnis. Singapur. Auch Baku - aber das war nicht meine Schuld, ich hatte falsche Motoreinstellungen. Für mich ist es wichtig, auch die negativen Momente im Gedächtnis zu behalten. Denn diese Erlebnisse helfen dir dabei, die Siege mehr zu schätzen. Ich bin mir sicher, dass es auch... nehmen wir zum Beispiel Japan. Ich kam am Start ganz schlecht weg, davon gab es mehrere Rennen. Aber trotz dieser schlechten Starts konnte ich immer zurückschlagen und mich mit Kampfgeist vorarbeiten. Darauf bin ich stolz, wenn ich ein Rennen beende. Dass ich alles gegeben habe, egal welche Hindernisse oder Fehler sich mir in den Weg stellten. Eines meiner Lieblingsrennen war Monaco. Es waren harte, knifflige Bedingungen im Regen und dann trocknete es ab. Es war eine echte Herausforderung, vor Daniel draußen zu bleiben und das hat mir richtig gut gefallen.

F: Lewis, du hast die Starts angesprochen. Wenn du diese WM nicht gewinnen solltest, wirst du dann zurückblicken und wie viel Verantwortung wirst du dafür übernehmen? Zusammen mit den Zuverlässigkeitsproblemen, die dich wichtige Punkte gekostet haben...

LH: Ich werde nicht zurückblicken. Am Ende der Saison blicke ich nach vorne. Ich denke grundsätzlich nicht so viel an die Vergangenheit. Ich kann mich kaum an die Rennen erinnern, sodass es eh nicht viel gibt, auf das ich zurückdenken könnte. Aber ich habe dieses Jahr viel gelernt, bin gewachsen, in meiner Beziehung zu den Ingenieuren, meinen neuen Mechanikern. Die Beziehung ist sehr stark gewachsen. Es gibt also viel Positives. Ich freue mich auf ein weiteres Jahr. Je älter wir werden, desto weniger WM-Kämpfe oder Chancen liegen noch vor uns. Deshalb möchtest du sie natürlich alle ausnutzen. Aber wenn ich auf die Saison zurückblicken müsste, würde ich wahrscheinlich daran denken, wenn das Auto kaputt ging. Ein Auto, das bei den Tests einfach fuhr und fuhr und dann hatten wir plötzlich diese Probleme. Aber wie gesagt, Mercedes hat diese Fehler anerkannt und alles gegeben, um sie zu beheben. Das nehmen wir als Team ins nächste Jahr mit und hoffentlich sind wir dann stärker und haben keinerlei Probleme mehr. Wir sind ein Team, wir gewinnen und wir verlieren zusammen. Wie gesagt, ich freue mich einfach auf eine weitere Saison. Ich weiß, was ich kann. Ich denke, das habe ich immer wieder bewiesen. So werde ich auch in Zukunft weitermachen.

  • Großer Preis von Abu Dhabi 2016, Donnerstag

F: Lewis, ein Twitter-User fragt, ob es am Sonntag nicht sinnvoll wäre, Rosberg ins Feld zu drücken, solltest du in der ersten Kurve vorne liegen.

LH: Es ist schön, dass ihr Social Media nutzt. Aber deshalb muss nicht jede Frage an mich aus Social Media stammen. Aber ich weiß das wohl zu schätzen. Ich habe eben erst erfahren, was Christian gesagt hat. Ich dachte an einen Scherz und könnte sagen, dass er mich angerufen hat, um darüber zu reden... denn Toto hat ja ihn angerufen oder so etwas. Aber das werde ich nicht sagen, denn es stimmt nicht. Nein, Nico stand hier in den letzten beiden Jahren auf der Pole und er ist sehr, sehr schnell. Ich war auf dieser Strecke normalerweise recht stark. Aber das konnte ich in den letzten beiden Jahren nicht umsetzen. Also ist es mein einziges Ziel, an diesem Wochenende mein Bestes zu geben, was bei den letzten Rennen der Fall gewesen ist. Die Taktik kommt erst am Sonntag. Darüber muss ich erst nachdenken. Aber daran habe ich nicht wirklich gedacht. Ich habe immer nur versucht, so weit vorne wie möglich zu sein. Wenn man mit 18 oder 30 Sekunden vorne liegt, ist das ein harter Schlag für den Gegner. Beim letzten Rennen hätte ich ohne die roten Flaggen 30 Sekunden Vorsprung gehabt. Das ist für mich eine bessere Leistung als den Teamkollegen zu schlagen. Und obwohl es hier in der Theorie sinnvoll klingt, ist es das praktisch nicht. Wir haben zwei lange DRS-Zonen. Es wäre nicht gerade sehr einfach und klug, das zu tun. Also, nein.

F: Lewis, Nico, könnt ihr bitte beide kurz beschreiben, wie sich eure Beziehung in den vergangenen drei Jahren während des WM-Kampfes verändert hat?

LH: Ja, das war interessant. Wir hatten natürlich schon eine sehr gute Beziehung, als wir Kinder waren. Als Kinder willst du beim Kartfahren Spaß haben. Du gehst raus und fährst und kommst wieder rein und alberst herum. Du bist deinem Mechaniker ein paar Informationen und dann gehst du und spielst Playstation or fährst Einrad. Wir hatten viel gemeinsam. Wir beide lieben Pizza, wir mochten Kellogs Frosties und all diese verrückten Dinge. Und wir machen große Motorradtouren. Das haben wir alles gemacht. Ich mache das alles noch, aber Nico hat sich in der Hinsicht verändert, dass er sehr genau nur auf sich selbst achtet. Als wir jung waren, gingen wir verschiedene Wege: er über BMW, ich über Renault. Dann kamen wir in die Formel 1 und darüber hatten wir schon als Kinder gesprochen. Es gab Höhen und Tiefen, aber letztlich haben wir es geschafft, gut damit umzugehen. Besonders im letzten Jahr, wenn man bedenkt wie alt wir sind und wir sind ziemlich alt, im Vergleich zu dem Zeitpunkt, als wir uns kennen gelernt haben. Ich freue mich für ihn und seine Familie und bin stolz darauf, den Konkurrenzkampf beiseite zu lassen. Dann bin ich stolz darauf, wie er fährt, besonders in diesem Jahr. Aber insgesamt ist es toll, ihn als Teamkollegen zu haben.

NR: Was uns aus dieser Zeit damals geblieben ist, ist der grundlegende Respekt, und dieser wird niemals verschwinden. Das hat uns in diesen Jahren definitiv geholfen. Außerhalb des Autos habe ich ganz sicher viel Respekt vor Lewis, aber auch im Cockpit. Wie gesagt, es gab in den vergangenen Jahren ein paar schwierige Momente, aber auch einige schöne. Insgesamt glaube ich, dass wir Fortschritte erzielt haben und es im Allgemeinen neutral ist. Aber natürlich ist es ein schwieriges Umfeld.

  • Großer Preis von Abu Dhabi 2016, Donnerstag

F: Lewis, haben die sehr traurigen Nachrichten von letzter Woche (der Tod von Dr. Aki Hintsa) Deine Vorbereitungen beeinflusst?

LH: Die letzte Woche war teilweise schwierig. Ich habe letzte Woche definitiv nicht besonders gut geschlafen. Ich kannte Aki seit etwa 2004, glaube ich, also kannte ich ihn für eine ziemlich lange Zeit. Ich war sehr eng mit ihm und seiner Familie verbunden und ich hatte das sehr, sehr große Glück, in den letzten Tagen bei ihm und seiner Familie zu sein und ihn zu sehen in den letzten Tagen seines...

Am Montag nach Brasilien habe ich ihn gesehen und mit ihm Zeit verbracht. Wir haben Musik gespielt, ich habe ihn lächeln gesehen, konnte sehen, was für ein erstaunlicher Mann er war. Ich bin stolz, jemanden wie ihn gekannt zu haben und jemanden wie ihn in meinem Leben gehabt zu haben, der mir unglaublich viel geholfen hat. Er hat mich sehr dabei unterstützt, das Cockpit bei McLaren in der Formel 1 zu bekommen, indem er eine wirklich starke Beziehung mit Ron aufgebaut hat. Ron hat immer gesagt 'Wenn Aki sagt, Du bist bereit, dann glaube ich, dass Du bereit bist!' Aki hat mir durch all diese Tests geholfen, er hat mir tief in die Augen gesehen und gesagt 'Ja, Du bist bereit, das merke ich!' Ich habe all diese großartigen Erinnerungen mit ihm und es ist...

Wir wissen nicht, warum diese Dinge geschehen, diesen wundervollen Menschen. Man hört von Strafgefangenen, die die schlimmsten Dinge getan haben, die dann glücklich im Schlaf sterben. Und dann hörst Du von jemandem, der fast ein Heiliger ist, so wie Aki, der immer helfen würde, der nach Äthiopien gehen und Kindern helfen würde und der so vielen Menschen geholfen hat und jeden, den er traf, positiv beeinflusst hat. Es war definitiv hart zu sehen, dass sein Leben so früh endete, aber jetzt komme ich an diesem Wochenende hierher und habe den Kampfgeist in meinem Herzen von den letzten Rennen. Ich komme jetzt hierher mit doppelter Kraft, wenn man so will, dass ich fühle, dass ich dieses Rennen umso mehr für ihn gewinnen will. Wir haben uns zu jedem einzelnen Rennen während dieses Duells Nachrichten geschrieben und teilweise auch zum letzten Rennen am Sonntag. Also, an diesem Wochenende hierher zu kommen ist eine emotionale Sache für mich. Ich bin hier, um alles zu versuchen und ihn stolz zu machen. Ich will es gut machen, da er mir geholfen hat, soweit zu kommen und an mich geglaubt hat.

F: Nico, Du bist es in Brasilien relativ konservativ angegangen, auch in den Rennen davor. Das könnte aber eng werden dieses Wochenende, wenn die Red Bull nah dran sind.

NR: Ich denke nicht, dass Sie das sagen würden, wenn Sie mit mir im Auto gesessen hätten. Dann würden sie es nicht konservativ nennen.

F: Sind Sie darauf vorbereitet, dass die Red Bull in der Lage sein könnten, Sie beide zu splitten und den Titelkampf interessant zu machen.

NR: Ich bin hier, um zu gewinnen, nicht, um daran zu denken, wer eventuell dazwischenkommen könnte oder direkt dahinter sein könnte oder was auch immer. Nein, ich bin einfach hier, um zu gewinnen und ich weiß, dass ich es mit dem Auto, dass ich habe und der Form, in der ich bin, wahr machen kann und darauf fokussiere ich mich. Das ist es.

F: Nico, ganz ehrlich, was ist wichtiger für Sie hier: Die WM zu gewinnen oder ein Sieg?

NR: Für mich ist hier das Wichtigste, eine tolle Performance abzuliefern, denn dann gibt es beides. Wenn das nicht geht, dann tue ich, was immer nötig ist, um die bestmögliche Performance abzuliefern und das ist das Gleiche, was ich in allen anderen Rennen auch gemacht habe. Ich nehme dies als ein Rennen von vielen, ich halte es einfach, fokussiere mich auf den Sieg und tue alles dafür. Ich denke nicht daran, was wäre wenn, denn das ist nicht die richtige Herangehensweise für mich. So fühlt es sich gut für mich an und daran halte ich mich. Ist das verständlich?

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