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Am Kommandostand: Der Silverstone Strecken-Guide

Am Kommandostand: Der Silverstone Strecken-Guide

Paddys Ausblick

Es war ein großartiges Ergebnis für unser Team, in Österreich einen weiteren Doppelsieg einzufahren, insbesondere wenn man unsere schwächeren Startpositionen bedenkt. Ganz besonders Lewis hat mit seiner Aufholjagd von Startplatz neun bis an die Spitze eine beeindruckende Leistung gezeigt. Gleichzeitig war es äußerst zufriedenstellend, zu sehen, dass sieben Autos in den Top-10 von Mercedes-Benz Power angetrieben wurden. Während wir ein schwieriges Wochenende erlebten, war die Veranstaltung an sich absolut fantastisch. Uns hat die Rückkehr nach Österreich sehr gefallen und wir freuen uns darauf, in den kommenden Jahren wieder dort zu fahren. Jetzt blicken wir jedoch nach Silverstone, wo uns eine ganz andere Herausforderung erwartet als bei den bisherigen Rennen in diesem Jahr. Die Strecke besitzt ein sehr schnelles Layout, das die aerodynamische Performance bis ans Limit ausreizt. Wir haben unsere Wettbewerbsfähigkeit dort im vergangenen Jahr mit Nicos Sieg und der Pole Position von Lewis unter Beweis gestellt. Lewis hatte mit seinem Reifenschaden im letztjährigen Rennen extremes Pech, nicht das verdiente Ergebnis zu erzielen. Wir hoffen sehr, dass wir unsere starke Form dort fortsetzen können und freuen uns auf einen weiteren engen Kampf zwischen unseren beiden Fahrern. Die Strecke liegt nur einen Katzensprung von unseren Werken in Brackley und Brixworth entfernt. Aus diesem Grund wollen wir für jeden im Team sowie die fantastischen britischen Fans eine großartige Show abliefern.

Silverstone: Am Kommandostand

Die Strecke

Silverstone ist eine der ältesten Strecken im Rennkalender. Obwohl der Kurs im Verlauf der Jahre verändert wurde, gehört er seit dem Beginn der Formel 1-Weltmeisterschaft fast durchgängig zum Inventar eines Formel 1-Jahres. Ein Blick auf den Streckenverlauf verrät: Es gibt nur sehr wenige langsame Kurven, dafür aber viele mittelschnelle und schnelle. Das stellt eine ganz andere Herausforderung dar, als die bisherigen Strecken in dieser Saison. Ein interessanter Bestandteil der aktuellen Streckenvariante ist die neue Boxengasse, die 2014 zum dritten Mal genutzt wird. Das Ungewöhnliche daran ist, dass es - selbst bei einem Speedlimit von 80 km/h - einen Tick schneller ist, durch den ersten Abschnitt der Boxengasse zu fahren, als auf der Strecke zu bleiben. Denn so lässt man die drei Kurven Vale, Club und Abbey aus. Natürlich ist die Gesamtzeit in diesem Sektor immer noch langsamer, wenn man einen Boxenstopp absolviert, aber es ist selten, dass es so einen engen Zeitunterschied zwischen der Fahrt durch die Boxengasse und auf der Strecke gibt. Die Strecke wird im Laufe eines Jahres regelmäßig befahren, womit die Weiterentwicklung an einem Wochenende weniger wichtig ist als auf vielen anderen Kursen. Im Verlauf der Freitagstrainings gibt es einige Veränderungen, wenn sich Gummi auf der Oberfläche ablagert, aber ab Samstag verhält sich das recht konstant - vorausgesetzt es bleibt trocken.

Die Fahrer

Die Leistungen von Lewis waren in Silverstone stets außergewöhnlich. Diese Strecke gehört neben Montreal zu jenen, auf denen er traditionell stark ist. Der High-Speed-Charakter der Strecke kommt seinem Fahrstil sehr entgegen. Natürlich ist es auch sein Heimrennen, was verschiedene Fahrer auf unterschiedliche Art und Weise beeinflusst. Einige haben mit dem zusätzlichen Druck, vor ihrem Heimpublikum zu fahren, Schwierigkeiten, Lewis nutzt diesen hingegen, um sein Bestes zu geben und seinen Fans eine gute Show zu bieten. Der psychologische Effekt, die Menge hinter sich zu wissen, macht ihn zweifelsohne stärker. Das ist umso interessanter, wenn man bedenkt, dass ein starker Lewis auch das Beste aus Nico herausholt. Der Zweikampf der beiden sollte an diesem Wochenende so eng wie noch nie sein.

Klima

Die Wetterverhältnisse in Silverstone sind traditionell sehr wechselhaft. Selten gab es hier ein Rennwochenende, an dem es nicht wenigstens einmal im Verlaufe einer Session geregnet hat. In der Saison 2013 fanden zum Beispiel beide Freitagstrainings im Nassen statt. Das Samstagstraining begann derweil im Trockenen und endete im Nassen. Das Qualifying war ebenfalls verregnet, aber im Rennen blieb es trocken. Umso schwieriger sind Vorhersagen, insbesondere für die Reifenwahl. Im vergangenen Jahr war das Wissen um das Verhalten der Trockenreifen zu Rennbeginn relativ gering. Auch Temperaturveränderungen können großen Einfluss haben. Es ist hier nicht ungewöhnlich, dass die Umgebungstemperaturen von einem Tag zum anderen zwischen 18 und 27 Grad schwanken. Das ähnelt den Schwankungen, die wir oftmals in Melbourne oder Montreal erleben. Aus diesem Grund können die Autos nicht so sehr am Limit abgestimmt werden, wie es die Teams gerne hätten, ganz besonders mit Blick auf die Kühlung. Die Wettervorhersagen sind in Silverstone normalerweise recht verlässlich und stimmen meistens bis auf ein paar Grad überein. Dennoch kann die Wolkendichte einen merklichen Einfluss haben, weshalb die Teams stets vorsichtig sind. Die Lage auf einem ehemaligen Flugplatz ist ein weiterer Schlüsselfaktor, vor allem für die Fahrer. Auf den meisten Strecken sind Windgeschwindigkeiten bis zu acht km/h die Norm. In Silverstone sind jedoch Windgeschwindigkeiten von 22-23 km/h und Windböen bis zu 40 km/h keine Seltenheit. Auch die Windrichtung kann sich von einem Tag auf den anderen radikal verändern. Der Wind kann sich durchaus um 180 Grad drehen. In der Vergangenheit musste man danach die Getriebeübersetzung anpassen. Die Teams fuhren die bestmögliche Konfiguration und ließen einen gewissen Spielraum für den nächsten Tag. Heutzutage sind die Getriebeübersetzungen festgeschrieben und spielen somit keine Rolle mehr. Die Einstellung der Flügel und des Autos werden vom Wind aber immer noch beeinträchtigt.

Safety Cars

Safety Car-Einsätze sind in Silverstone normalerweise nicht sehr verbreitet. Die Strecke ist recht breit und bietet in den meisten Kurven weitläufige Auslaufzonen. Somit gibt es im Normalfall genügend Raum, um ausgefallene Autos ohne Unterbrechung zu bergen. Außerdem gehören die Streckenposten hier zu den Besten der Welt. Der Rennsport ist in Großbritannien in der Kultur verankert und die Streckenposten lösen die meisten Zwischenfälle schnell und effektiv.

Überholen

Es mag nicht so deutlich sein wie in Montreal, aber Silverstone gehört zu den Strecken im Rennkalender, auf denen sich die meisten Überholmöglichkeiten bieten. Die High-Speed-Charakteristik des Kurses bedeutet, dass die Fahrer mutig sein müssen, aber dann gibt es einige Schlüsselbereiche im Verlauf einer Runde, die Überholmanöver ermöglichen. Es gibt viele Kurven, in die der Fahrer viel Speed mitnehmen kann. Dabei kann er aber auch verschiedene Linien fahren - sowohl in der Kurve als auch am Ausgang. Das kann zu Überholmanövern führen.

Reifen

Bei diesem Rennen kommen die mittlere und die harte Reifenmischung zum Einsatz. Im vergangenen Jahr hat sich gezeigt, dass diese Strecke mit Blick auf die Belastung der Reifen zu den anspruchsvollsten des Jahres zählt. Aus diesem Grund ist es unerlässlich, die härtesten Mischungen zu verwenden. In der Saison 2013 gab es einige Reifenschäden, die aufgrund der Streckencharakteristik nur in Silverstone auftreten konnten. Wir sind jedoch zuversichtlich, dass sich dies in diesem Jahr nicht wiederholen wird. Die Mischungen für die Saison 2014 sind konservativer als jene im Vorjahr und haben auf den bisherigen Strecken in diesem Jahr sehr gut funktioniert - zum Beispiel in Sepang.

Energierückgewinnung

Anders als auf Strecken wie etwa in Barcelona gibt es hier nur sehr wenige starke Bremszonen, in denen Energie schnell zurückgewonnen werden kann. Aus diesem Grund gilt: Je effizienter eine Power Unit beim Sammeln und Abgeben von Energie ist, desto besser wird ihre Leistung sein. Obwohl Silverstone nicht wie Montreal an der Spitze der "Power Circuits" liegt, kann ein starkes Power Unit-Paket aufgrund der Anforderungen an eine gute Energie-Effizienz auch hier den Unterschied ausmachen.

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