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    ANALYSE: Der Finne behält in der Wüste kühlen Kopf Mercedes-AMG Petronas Motor...

Mercedes-AMG Petronas Motorsport krönte eine erfolgreiche Formel 1-Saison 2017 mit zwei Startplätzen in der ersten Reihe und einem Doppelsieg. Valtteri Bottas fuhr nach seiner hart erkämpften vierten Saison-Pole seinen dritten Saisonsieg ein. Sein Teamkollege Lewis Hamilton belegte Platz zwei. Valtteri war einer der wenigen Fahrer, die sich auf ihrem zweiten Versuch im Q3 verbessern konnten. Mit einer Zeit von 1:36.231 war er auf dem Yas Marina Circuit knapp schneller als Lewis (1:36.403).

"Es ist erst die vierte Pole in meiner Karriere und ich musste einige richtig gute Qualifyer dafür schlagen. Somit ist es ein großartiges Gefühl, morgen von P1 ins Rennen zu gehen", sagte der Finne. "Es war ein richtig gutes Qualifying, sauber und rund. Nach den Veränderungen, die wir vorgenommen haben, verhielt sich das Auto im Qualifying besser als im Freien Training. Ich konnte mich von Run zu Run steigern und hier und dort etwas Zeit finden. Ich konnte an den Details arbeiten."

Lewis gratulierte Valtteri zu einer "Mega-Runde" und war nicht davon überzeugt, das er das Maximum aus seinem W08 herausgeholt hat. "Ich änderte etwas am Setup", erklärte er. "Und im Qualifying war danach das Heck nicht so toll. Ich sehe es aber nicht als Fehler an, sondern als eine Lehre für mich und meine Ingenieure. Wir waren das ganze Jahr lang gut, besonders in der zweiten Hälfte. Aber man kann nicht immer perfekt sein! Ich hatte nicht ganz die Pace, die ich im letzten Training hatte."

Genau genommen lag Lewis bis Kurve 19 vor Valtteri, dann machte er einen winzigen Fehler, wodurch sie gleichauf waren. Lewis wusste wahrscheinlich gar nicht, wie eng es tatsächlich zuging. Er versuchte, alles aus dem letzten Versuch herauszuholen und das kostete ihn die Pole.

Mit zwei Poles in den letzten zwei Rennen konnte Valtteri seine Qualifying-Leistungen seit Mexiko steigern. Seine Konzentration lag darauf, einen besseren Start hinzulegen als zuvor in Brasilien, wo ihn Sebastian Vettel in Kurve eins innen überholte.

"Ich hatte einige Male Schwierigkeiten, weil ich zu schnell aufs Gas gestiegen bin", gab Valtteri zu. "Die Reifen sind sehr sensibel und so ist die Power Unit beim Gasgeben. Deshalb haben wir einige kleinere Veränderungen am Pedal-Mapping vorgenommen. Das hat wirklich geholfen."

Damit legte Valtteri den ersten Grundstein für seinen Sieg. Denn es gab nur wenige strategische Möglichkeiten, um einen Rivalen zu überholen und der Yas Marina Circuit ist traditionell eine Strecke, auf der das Überholen sehr schwierig ist. Obwohl es zwei DRS-Zonen und zwei lange Geraden gibt, ist es beinahe unmöglich, dem Vordermann im letzten Sektor eng zu folgen. Der folgende Sektor (Sektor 1) wird mit Vollgas genommen und zusammen bedeutet dies, dass der Überholende nach der Haarnadel in Kurve sieben niemals nah genug dran ist, um das Auto zu überholen. Die Ingenieure haben berechnet, dass ein Speed-Vorteil von 1,3-1,4 Sekunden (pro Runde) nötig wäre, um ein Manöver umzusetzen.

Hinter den beiden Silberpfeilen übernahm Sebastian Vettel im Ferrari die Rolle des Jägers. Ihm folgten Daniel Ricciardo im Red Bull (er sollte nach 20 Runden ausfallen), Kimi Räikkönen im zweiten Ferrari sowie Max Verstappen im zweiten Red Bull.

Red Bull hatte seine Renault-Motoren beim letzten Rennen in Interlagos (auf 800 Metern Höhe) heruntergedreht, nachdem es in Mexiko (auf 2.300 Metern Höhe) Probleme mit dem Turbo und der MGU-H gegeben hatte. Beim Finale hatten sie sich jedoch erhofft, Mercedes und Ferrari in die Suppe spucken zu können. Ricciardo und Verstappen kamen aber nicht über die zweite respektive dritte Startreihe hinaus, da sie im Qualifying die ultraweichen Reifen nicht auf Temperatur bekamen. Max verbrachte den Sonntagabend deshalb hinter Kimi Räikkönen.

Die Strategen erwarteten nur einen Stopp von den ultraweichen auf die superweichen Pirelli-Reifen nach rund 20 der 55 Rennrunden. Valtteri führte das Rennen mit 2,5 Sekunden Vorsprung auf Lewis an, Vettel lag weitere 5,5 Sekunden dahinter. Der Vorsprung auf Ferrari bedeutete, dass keine echte Gefahr eines Undercuts bestand, als Vettel in Runde 20 als erster Fahrer der Top-3 stoppte. Denn die neuen superweichen Reifen waren nur marginal schneller als die gebrauchten UltraSofts.

Wie in Monaco war vielleicht sogar ein Overcut möglich, da bei freier Fahrt mehr Pace drin war. Genau das versuchte Lewis umzusetzen. Valtteri stoppte eine Runde nach Vettel, Lewis blieb jedoch noch drei weitere Runden draußen. Valtteri erklärt das so: "Als ich stoppte, wusste ich, dass die nächsten Runden entscheidend sein würden, wenn Lewis draußen bleiben würde. Das war Fairplay des Teams - wenn er viel mehr Pace gehabt hätte, hätte er einen Overcut machen können. Wir hatten im Training gesehen, dass das möglich gewesen ist."

"Als ich aus der Box fuhr, machte ich mir etwas Sorgen, da es in Kurve fünf für einige Runden gelbe Flaggen gab und auf einer Runde sogar doppelt geschwenkte gelbe Flaggen. Ich war nicht sicher, wie sehr ich vom Gas gehen musste und dachte darüber nach, wie viel Lewis wohl lupfen würde! Ich wusste, dass ich noch etwas mehr Pace in der Hinterhand hatte. Wenn ich richtig hart angreifen würde, würde ich meinen Platz halten. Als Lewis aus der Box kam, war der Abstand ungefähr so wie vorher. Zunächst versuchte er anzugreifen, aber hier ist es so schwer, jemandem im dritten Sektor zu folgen. Also war alles gut für mich."

Ein weiterer Faktor, warum Lewis länger draußen blieb, war, dass Ricciardos Red Bull am Streckenrand ausrollte. Somit war es nicht ganz unwahrscheinlich, dass die Rennleitung das Safety Car herausschicken würde. Dann hätte Lewis einen einfachen Stopp gehabt. Zum Glück für Valtteri kam es aber nicht dazu!

Das Team erlebte aber dennoch eine Überraschung: Nachdem beide Fahrer auf den ultraweichen Reifen einen ordentlichen Vorsprung auf Ferrari herausfahren konnten, war ihr Vorteil auf den superweichen Reifen noch größer. Das führte zum komfortabelsten Abend der Saison am Mercedes-Kommandostand - nach Monza. Und das auf einer Strecke, die normalerweise den Stärken von Ferrari entgegenkommt.

Was war die Antwort auf ein weiterer Performance-Rätsel nach Singapur im Trockenen? Auch hier wurde bei Nacht und Temperaturen um die 30 Grad gefahren. Wären die Ferrari ohne den Unfall in Singapur auch geflogen?

Die beste Theorie, die den Ingenieuren einfiel, war, dass es in Singapur nur sehr wenige Geraden gibt, um die Reifen zu kühlen. Sobald der Fahrer aber die Kurven zwei und drei in Abu Dhabi hinter sich gelassen hat, kann er etwas Zeit in den Kurven fünf bis sieben verlieren, aber dann auf den beiden langen Geraden die Reifen wieder kühlen. Er heizt sie im letzten Sektor wieder auf, aber auf Start/Ziel vor Kurve eins kühlen sie wieder ab.

In Abu Dhabi gibt es also genügend Geraden, um die Reifentemperaturen zu kontrollieren. Auf einer Strecke wie Singapur folgt eine Kurve auf die nächste und dadurch tendieren die Reifen zum Überhitzen. Das kommt dem Chassis mehr entgegen. Beim W08 war es nicht dramatisch anders. Bei gleichem Radstand und ähnlichem Setup war das Streckenlayout der größte Unterschied. Somit ist er die beste Erklärung.

Der Vorteil gegenüber Ferrari war so groß, dass Lewis bereits nach 15 Runden ein Boxenstoppfenster auf den Ferrari von Vettel herausgefahren hatte. Somit hätte man darüber nachdenken können, ihn reinzuholen, auf UltraSofts zu wechseln und ihm eine starke Position zu verschaffen, falls es zu einem späten Safety Car kommen sollte. Die Wahrscheinlichkeit dafür war aber nicht gearde hoch, in den vergangenen acht Rennen gab es auf dieser Strecke nur zwei SC-Einsätze.

Schlussendlich kam es nicht dazu und Valtteri hatte ohnehin auf seine Reifen geachtet. Am Ende des Rennens fuhr er Rundenzeiten (inkl. einer 1:40.650 in Runde 52, die ihm die schnellste Rennrunde sicherte), die selbst auf neuen Reifen nicht unbedingt hätten geschlagen werden können. Somit hätte Lewis die 21 Sekunden für einen weiteren Boxenstopp nicht aufholen können.

Das beduetet aber nicht, dass die Silberpfeile herumcruisten. Der Abstand zu Vettel beweist das. Lewis verbremste sich auf seiner Jagd nach Valtteri in Kurve 17 und gab danach doppelt so viel, als die beiden Fernando Alonso im McLaren fünf Runden vor Schluss überrundeten.

"Ich verbremste mich ein wenig in Kurve fünf", gab Valtteri zu. "Und Lewis kam in den Kurven acht und elf sowie am Ende der Geraden näher, aber nie nah genug für einen Angriff. Ich musste nur kühlen Kopf bewahren. Ich denke, dass ich mich unter Druck gut schlage, aber ich hätte leicht einen Fehler machen können. Wenn du Lewis hinter dir hast, braucht es nicht viel und er geht vorbei. Er sagt, dass er alles probiert hat und nur auf einen Fehler wartete. Aber zum Glück machte ich keinen. Es fühlt sich großartig an, das letzte Rennen zu gewinnen!"

Es bestand kein Zweifel daran, dass die Reifen von Lewis gelitten hatten, weil er das gesamte Rennen so nah hinter Valtteri fuhr und zwischendrin sehr aggressiv zu Werke ging, um ihn zu überholen. Für Lewis sprach, dass er nach seinem Qualifying-Unfall in Brasilien die frischere Power Unit hatte. Das Team gab den Fahrern alle Modi frei, bis sie 18 Sekunden Vorsprung auf Vettel hatten. Danach bat es die Fahrer, sie herunterzudrehen, als es so schien, dass Lewis Valtteri nicht würde überholen können.

"Einspruch, Euer Ehren...", sagte Lewis - oder so ähnlich. Nachdem es kurz überdacht wurde, durften beide Fahrer ihre Motoren wieder hochdrehen. Lewis konnte etwas mehr Power nutzen, aber es reichte nicht, um den Reifennachteil auszugleichen, weil er einem Auto gefolgt ist.

Schlussendlich kam der Silberpfeil mit der Startnummer 77 3,89 Sekunden vor dem mit der Nummer 44 ins Ziel. Ein relativ komfortabler Vorsprung, wenn man die 0,6 Sekunden bedenkt, die Valtteri bei seinen ersten beiden Siegen in Sotschi und Spielberg auf Vettel an Vorsprung hatte! Nach dem Rennen galt die Frage: Ist Ferrari in Abu Dhabi an seine Grenzen gegangen oder hat es einen sicheren zweiten WM-Platz für Vettel vorgezogen?

Nach einer weiteren äußerst erfolgreichen Saison für Mercedes-AMG Petronas Motorsport lauteten die Schlussworte von Teamchef Toto Wolff: "Nach einigen schwierigen Zeiten ist dieser Sieg die beste Medizin für Valtteri. Er hat ein außergewöhnliches Wochenende gezeigt."

"Aber wir sollten uns selbst nicht zu sehr auf die Schultern klopfen. Lasst uns skeptisch bleiben. Aber heute hatten wir das schnellste Auto und das ist befriedigend. Im Verlauf der Saison war es eine launische Diva. Wir würden die Diva gerne behalten, aber ihren launischen Charakter loswerden! Ein Doppelsieg ist fantastisch. Ich habe das Racing in diesem Jahr genossen, Siege und Niederlage, all die Emotionen. Dafür sind wir hier. Davon möchte ich mehr sehen."

"Mit Blick auf 2018 darf man niemanden abschreiben. Als die cleveren Jungs ihre Köpfe für 2017 zusammengesteckt haben, war Ferrari noch nicht auf dem Schirm... und heute darf man nicht nur Ferrari und Red Bull im Auge haben. Ich bin gespannt, wie sich McLaren und Renault im nächsten Jahr schlagen. Die Regeln bleiben gleich und es sollte erneut eine hart umkämpfte Saison werden."

17 Wochen scheinen eine lange Zeit bis zum nächsten F1-Rennen zu sein. Aber hinter den Kulissen laufen die Vorbereitungen auf 2018 bereits auf Hochtouren. Die Formel 1 schläft nie!

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