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    ANALYSE: Furiose Aufholjagd von Lewis in Brasilien In einem actiongeladenen Br...

In einem actiongeladenen Brasilien GP belegte Valtteri Bottas knapp hinter Sebastian Vettel Platz zwei. Lewis Hamilton zeigte unterdessen eine beeindruckende Aufholjagd auf Platz vier. Er kam nur 5,4 Sekunden hinter dem Sieger ins Ziel, obwohl er das 71-Rundenrennen aus der Boxengasse in Angriff genommen hatte.

Nachdem Lewis im Q1 am Samstag in der schnellen Rechtskurve sechs abgeflogen war und dabei seinen W08 schwer beschädigt hatte, musste er vom Ende des Feldes starten. Da das Team Veränderungen an seinem Auto vornahm, darunter der Einbau einer frischen Power Unit, entschied es sich dazu, Lewis aus der Boxengasse ins Rennen gehen zu lassen.

"Es hat mich etwas überrascht", gab Lewis zu. "Das Auto saß während der ganzen Kurve auf und das passiert oft, wenn das Auto und die Reifen kalt sind. Der Reifendruck war auf der niedrigeren Seite, aber der Grip fühöte sich gut an und ich fuhr nicht schneller in die Kurve als zuvor. Aber es war mein Fehler, ich nehme das voll auf meine Kappe. Es ist lange her, seit ich das Auto in die Mauer gesetzt habe. Aber auch ich bin nur ein Mensch!"

Valtteri wuchs mit der Aufgabe und hielt die Fahne des Teams hoch. In einem spektakulären letzten Run in Q3 sicherte er sich 0,04 Sekunden vor Vettel die Pole Position.

"Ich bin happy, dass ich abliefern konnte", sagte Valtteri mit einem Lächeln im Gesicht. Der Finne fuhr seine dritte Pole des Jahres ein. "Die Runden wurden immer besser und besser und es war alles ganz eng zusammen."

Lewis nahm sich die Zeit, um seinem Teamkollegen persönlich zu gratulieren. "Ich habe mich richtig für Valtteri gefreut. Er hat das ganze Jahr über sehr hart gearbeitet und seine Performance im Training deutete an, dass wir heute einen Kampf gehabt hätten, wenn ich nicht abgeflogen wäre. Er hat eine großartige Runde hingelegt."

Die Experten erwarteten ein Ein-Stopp-Rennen unter den Spitzenfahrern. Dabei kam zunächst der superweiche Pirelli-Reifen zum Einsatz, auf dem sich die Top-10 qualifiziert hatten, bevor ein Wechsel auf die weichen Reifen anstand. Die Möglichkeiten für strategische Eingriffe sahen gering aus und so kam dem Start angesichts zwei ähnlich starker Autos noch mehr Bedeutung zu. Lewis startete hingegen aus der Boxengasse und setzte auf eine andere Strategie. Er begann das Rennen mit den gelb markierten Pirellis und wechselte im zweiten Stint auf die superweiche Mischung.

Leider erwischte Valtteri nicht gerade einen seiner besten Starts: "Wir haben das Rennen am Start verloren, weil ich Wheelspin hatte. Sobald ich die Kupplung kommen ließ, verlor ich an Traktion. Ich versuchte, die Innenbahn abzudecken, abe rehrlich gesagt konnte ich im Rückspiegel nur Kimi sehen. Ich konnte Sebastian nirgends sehen. Ich musste quasi raten, dass er innen hineinstechen würde und das hat er getan. Danach war unsere Pace sehr, sehr ähnlich."

Lewis profitierte von jeder Menge Action auf der ersten Runde, was zu einem Einsatz des Safety Cars führte. Kevin Magnussen, Stoffel Vandoorne und Esteban Ocon schieden direkt aus, Romain Grosjean wurde zurückgeworfen und später für die Berührung mit Ocon bestraft. Pascal Wehrlein musste ebenfalls an die Box und Daniel Ricciardo (der wie Lewis auf den weichen Reifen startete) verlor Zeit, als sein Red Bull im Senna S umgedreht wurde.

In der Folge musste das Feld drei Runden lang durch die Boxengasse geführt werden, damit die Strecke von den Teilen gesäubert werden konnte. Erst in Runde sechs wurde das Rennen wieder aufgenommen. Auf das Rennen von Lewis hatte diese Verzögerung einen realtiv neutralen Einfluss. Vorteilhaft für ihn war, dass die Fahrer auf den superweichen Reifen diesen Vorteil hinter dem Safety Car nicht ausspielen konnten. Aber auf der anderen Seite hätte Lewis das Feld bis zum Ende der ersten Runde ohnehin eingeholt gehabt. Jetzt blieben ihm jedoch weniger runden, um seinen Pace-Vorteil auszuspielen. Der kleine Vorteil war, dass er vier Autos weniger überholen musste.

Sobald das Rennen wieder freigegeben war, verschwendete Lewis keine Zeit. Er überholte Brendon Hartley in Runde sechs, Lance Stroll und Marcus Ericsson in Runde sieben, Pierre Gasly in Runde acht, Carlos Sainz in Runde neun, Nico Hülkenberg in Runde elf, Sergio Perez in Runde 14, Fernando Alonso in Runde 20 und Felipe Massa in Runde 21. Danach lag er in den Top-5 und nur zehn Sekunden hinter dem viertplatzierten Max Verstappen im Red Bull sowie 17 Sekunden hinter dem Führenden Vettel.

In den nächsten sechs Runden konnte Lewis den Rückstand auf Vettel weiter verringern, was überraschend war, da er durch seine umgedrehte Strategie auf den vermeintlich langsameren Soft-Reifen fuhr. Obwohl die Teamstrategen vor dem Rennen wahrscheinlich gesagt hätten, dass die Reihenfolge in welcher die Teams die beiden Reifenmischungen einsetzten keinen Einfluss hatte, war der Grund dafür, dass die entgegengesetzte Strategie sich in Interlagos als schneller erwies, dass die Streckentemperaturen so hoch waren - rund 55 Grad. Dadurch kämpften die Fahrer mit Blasenbildung an den Hinterreifen. Der weiche Reifen bot etwas mehr Belastbarkeit bei höheren Benzinmenge zu Beginn des Rennens.

Dennoch sollte niemand den Beitrag von Lewis unterschätzen. Obwohl seine Strategie insgesamt besser gewesen sein mag, waren es keine riesigen Unterschiede - wir sprechen hier von drei bis vier Sekunden über 71 Rennrunden. Was das Mercedes Team so sehr beeindruckte, war die Tatsache, dass Lewis - abgesehen von Räikkönen in der Schlussphase - nie länger als zwei Runden hinter einem anderen Auto war. Das zeigt seine Leistung.

Derweil richtete sich die Aufmerksamkeit auf Valtteri und seine Chance, den führenden Ferari bei den Boxenstopps mittels Undercut zu überholen. Das war realistisch betrachtet die einzige Möglichkeit, das Rennen zu gewinnen. Das Team war sich sicher, dass der weiche Reifen ab Runde 20 bis ans Ende halten würde. Aber zu diesem Zeitpunkt hatte Valtteri nicht das nötige Boxenstoppsfenster auf Massa, Alonso und Perez, die auf den Plätzen sechs bis acht lagen. Sie lagen 16 Sekunden hinter ihm und der Zeitverlust bei einem Boxenstopp betrug 22 Sekunden.

Man mag vielleicht erwartet haben, dass Ferrari zuerst an die Box gehen würde, aber für sie kam erschwerend hinzu, dass Lewis dank seiner Pace noch innerhalb von Vettels Boxenstoppfenster war. So hätte er möglicherweise den Ferrari-Fahrer einbremsen können, um Valtteri einen Vorteil zu bringen.

In Runde 25 wies das Team Valtteri an, alles zu geben und signalisierte damit den anstehenden Boxenstopp. Weil jeder Fahrer den Reifenabbau gut im Griff hatte, waren sich die Teamstrategen angesichts des Undercuts nicht ganz sicher, aber sie berechneten, dass es im Bereich von 1,4 Sekunden sein würde. Vor Valtteris Stopp in Runde 27 betrug der Abstand 1,6 Sekunden auf Vettel. Eine enge Kiste!

Vettel reagierte auf der nächsten Runde und kam gerade so vor ihm aus der Box. Es ging um gerade einmal eine Zehntelsekunde und Valtteris Daten zeigen eine kleine Anomalie bergauf in der wichtigen letzten Kurve, Junção, die ihn ungefähr so viel Zeit gekostet hat. Es hätte also noch enger sein können.

Nachdem Verstappen ebenfalls an der Box gewesen war, führte Lewis das Rennen in Runde 30 an. Er hatte vier Sekunden Vorsprung auf Vettel und Valtteri, Räikkönen lag weitere 6,5 Sekunden dahinter. Zu diesem Zeitpunkt hätte das Team bei Lewis die Pace rausnehmen können, um zu versuchen, Vettel vor Valtteri einzubremsen. Darüber dachte es aber nicht nach. Das Team glaubte daran, dass Lewis eine Chance auf das Podium hatte und wollte diese nicht verlieren.

Danach ging es darum, das Timing von Lewis' Stopp richtig hinzubekommen. Der ursprüngliche Plan sah einen Stopp in Runde 37 vor. Dann hätte er noch 34 Runden auf den superweichen Reifen fahren müssen. Da die Streckentemperaturen immer noch sehr hoch waren und es jede Menge Blasenbildung bei den Fahrern gab, die zuerst auf den SuperSofts gefahren waren, wurde Lewis angewiesen: "Target + 7".

"Als ich das rund um Runde 30 hörte, dachte ich: "Verdammt, ich weiß nicht, ob ich noch weitere 13-14 Runden auf diesen Reifen fahren kann. Aber ich glaube, ich habe ganz gut auf die Reifen geachtet", sagte Lewis. "Vielleicht hätten wir eine Runde oder so früher hereinkommen können, bevor ich in den Verkehr gekommen bin, aber ich denke nicht, dass das einen großen Unterschied gemacht hätte."

Lance Stroll erwies sich bei der Überrundung als wenig kooperativ und kostete Lewis rund eine Sekunde in Runde 41. Somit führte er nur noch mit 2,7 Sekunden, als er an die Box ging und auf die superweichen Reifen wechselte. "Ich wusste, dass ich beinahe einen ganzen Boxenstopp aufholen musste, aber ich wollte es versuchen", sagte er.

25 Runden vor Schluss führte Vettel mit 2,5 Sekunden Vorsprung auf Valtteri. Räikkönen war auf den weichen Reifen besser unterwegs und hatte einen ähnlich Rückstand auf Valtteri. Verstappen lag weitere vier Sekunden zurück. Lewis war 16 Sekunden hinter dem führenden Ferrari und viel schneller unterwegs.

In den nächsten 20 Runden griff Lewis hart an und überholte Verstappen in Runde 59. Fünf Runden vor Schluss lagen die ersten Vier innerhalb von 4,7 Sekunden und Lewis war in DRS-Reichweite von Räikkönen. Bis dahin hatte er seinen SuperSofts alles abverlangt und Ferrari hatte die Motoren etwas hochgedreht. Es war ein Patt. Eine super Leistung wurde letztlich nicht ganz mit einem Podium belohnt, aber der neue viermalige Weltmeister war erneut der Star des Tages.

"Das war der beste vierte Platz, den ich je gesehen habe", gab sich Toto Wolff begeistert. "Wenn man bedenkt, dass er aus der Boxengasse gestartet ist und nur 5,4 Sekunden ihnter dem Sieger ins Ziel kam, ist das eine beeindruckende Leistung."

Valtteri war nach seiner Pole Position mit dem Ergebnis nicht zufrieden. Insbesondere angesichts seines Ziels, Vettel im Kampf um WM-Rang zwei noch abzufangen.

"Ich bin nach dem Qualifying definitiv enttäuscht und natürlich ist es nicht gut für den Kampf um Platz zwei. Sebastian hat nun eine gute Führung, sodass wir in Abu Dhabi eine Art Wunder brauchen." Genau genommen muss Valtteri auf dem Yas Marina Circuit gewinnen und Vettel muss schlechter als P8 sein.

Lewis blickte derweil auf eine gute Leistung zurück: "Zu einem Zeitpunkt des Rennens konnte ich Sebastian vor mir sehen und ich begann nachzudenken... aber als ich hinter Kimi war, waren die Reifen praktisch schon hinüber und ich kam nie nah genug heran. Am Start dachte ich vielleicht an Platz fünf, also habe ich einen Rang besser geschafft!"

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