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    EIGENE WORTE: Lewis & Toto im Gespräch Beim Bahrain GP 2018 erlebt...

Beim Bahrain GP 2018 erlebten Lewis und Toto ihr jeweils 100. Rennen mit dem Mercedes F1 Team. Wir setzten uns mit ihnen zusammen und blickten auf ihren Weg zurück...

Was hat Euch davon überzeugt, zum Team zu stoßen?

Lewis Hamilton: "Ich erinnere mich daran, dass ich in Monaco am Pool war, irgendwann im Sommer 2012. Niki hat mich angerufen und sagte: "Wir wollen Dich!" Niki und ich hatten vorher nie so richtig gesprochen. Er hatte kein gutes Bild von mir. Ich weiß auch nicht wieso. Er kannte mich gar nicht richtig. Wir hatten uns noch nicht mal getroffen und miteinander gesprochen."

"Also habe ich diese Dinge in den Medien gehört, die er über mich gesagt hat, und dachte mir: 'Warum hasst mich Niki so?' Als wir dann anfingen, miteinander zu sprechen, besonders nach dem ersten Treffen, bemerkten wir, dass wir viel gemeinsam hatten und unsere Ansichten vom Rennsport sehr ähnlich sind. 'Eigentlich ist er kein schlechter Kerl!'"

"Dann hat Ross (Brawn) mich bei meiner Mutter besucht und wir saßen in der Küche, was ziemlich cool war. Als ich aufgewachsen bin, hat Michael all die Titel gewonnen und Ross saß bei all diesen Grands Prix am Kommandostand und jetzt saß er in der Küche meiner Mutter und fragte mich praktisch, ob ich Michael ersetzen würde."

"Mir gefiel die Idee, dass Michael zu Ferrari ging und sie zum Erfolg geführt hat. Diese Entwicklung war fantastisch anzusehen und ich wollte etwas Ähnliches schaffen."

"Ich hatte bereits alles bei McLaren erreicht. Ich sah Mercedes als ein Baby an, das langsam erwachsen wurde und ich wollte ein Teil des Ganzen sein. Die Leute sahen es als großes Risiko an, aber ich gehe Risiken ein und das ist aufregend. Wenn du keine Risiken eingehst, lebst du nicht richtig."

'Warum bist Du zum Team gekommen?'

Toto Wolff: "Das lag an Dieter (Zetsche) und Wolfgang Bernhard, die im Vorstand waren. Ich bekam im Sommer 2012 einen Anruf. Ich war zu diesem Zeitpunkt bei Williams und unsere Saison verlief okay. Wir haben ein Rennen mit Pastor Maldonado in Barcelona gewonnen..."

LH: "Aber hast Du das Team geführt?"

TW: "Nein, es war eine verrückte Situation. Ich stieß 2009 als Investor dazu. Ich war am Tagesgeschäft nicht interessiert. Über die Jahre habe ich dann etwas mehr übernommen."

"Aber ich war nur ein nicht-exekutives Mitglied. Nach dem Saisonstart 2012 entschloss sich der (Williams) CEO Adam Parr dazu, das Team zu verlassen. Er ging und es war niemand mehr in dieser Rolle da. Ich war der einzige, der es übernehmen konnte und gemeinsam mit Frank sprang ich ein, schnappte mir meine Teamklamotten und wir hatten eine gute Saison."

"Im Sommer bekam ich einen Anruf von den (Mercedes)-Vorstandsmitgliedern, von Wolfgang (Bernhard), der mich fragte: 'Wollen wir zusammen frühstücken?' Ich wusste nicht, was mich erwartete. Er sagte: 'Wir möchten, dass Du das Team führst' und ich antwortete: 'Es ist nicht so mein Ding, für einen großen Konzern zu arbeiten. Ich bin Teilhaber bei Williams. Das ist eine echte Chance für mich.'"

"Er antwortete: 'Wir wollen Dich als Teilhaber. Wir glauben, dass das das Modell für die Formel 1 ist. Du musst voll dabei sein und wir möchten Dich als unseren geschäftsführenden Gesellschafter.' Danach dachte ich mir: 'Geschäftsführender Gesellschafter für Mercedes, das ist eine echte Chance.' Aber ich kämpfte damit, Williams zu verlassen. Ich hatte eine gute Beziehung mit den Leuten dort aufgebaut und hatte ein tolles Verhältnis mit Claire, Frank, Mike O'Driscoll, dem CEO. Ich war kurz davor, bei Williams zu bleiben. Aber dann glänzt der Mercedes Stern natürlich sehr hell..."

'Ich liebe es, dass er in dem Film als ein sehr ernsthafter Rennfahrer dargestellt wird. Er ging früh ins Bett und all das. Aber wenn man seine Geschichten hört, dann war er damals genauso schlimm wie James Hunt!'

Lewis Hamilton

Was ist Euer lustigstes Erlebnis mit Niki Lauda?

TW: "Ich habe viele lustigste Geschichten mit Niki Lauda erlebt. Einige davon kann ich zum Besten geben, da wir oft gemeinsam von den Rennen zurückfliegen. Die beste war ungefähr vor einem Jahr. Wir saßen beim Abendessen in Tokio in einem sehr noblen Restaurant mit vielen eleganten Leuten."

"Ich saß mit einem gemeinsamen Freund und Niki kommt etwas zu spät und fragt: 'Leute, wisst ihr, wie das Pay TV funktioniert?' Ich fragte: 'Pay TV? In welchem Jahrhundert lebst Du?' Also erklärten wir ihm, wie man so etwas auf dem Handy schauen kann."

LH: "Was wollte er im Pay TV schauen?!"

TW: "Ich glaube, irgendeinen Action-Film. Er hatte nur die Vorspeise und ist dann schnell gegangen..."

LH: "Mein Problem ist, dass ich mich nicht an alle Geschichten erinnere. Aber Du kennst ja den Film Rush, der recht gut ist. Ich erinnere mich, wie nervös er war, darüber zu reden, als sie ein Screening auf dem Nürburgring gemacht haben. Das ist schon Jahre her."

"Ich liebe es, dass er in dem Film als ein sehr ernsthafter Rennfahrer dargestellt wird. Er ging früh ins Bett und all das. Aber wenn man seine Geschichten hört, dann war er damals genauso schlimm wie James Hunt! Vielleicht ohne das Trinken..."

TW: "Ich weiß nicht, was Du meinst?!"

LH: "Ich darf es nicht sagen..."

Was ist Deine schönste Erinnerung?

LH: "Vergangenes Jahr war ein ganz Besonderes für uns. Wir waren eine Einheit und konnten einen echten Lauf aufbauen. Wir haben uns gegenseitig unterstützt. Wenn ein Teil des Teams ausrutschte, waren wir stark genug, ihn wieder aufzuheben und wenn ich einen Ausrutscher hatte, konnte das Team mich wieder aufrichten."

"Alles in allem war es ein sehr wichtiges Jahr in unserer Beziehung. Natürlich ist diese über all die Jahre gewachsen. Es wäre nicht das gleiche, wenn wir nicht konkurrenzfähig wären. Du kannst erkennen, wie wettbewerbsfähig du bist."

"Ich hoffe immer, dass ich gute Arbeit abliefere, wenn ich im Qualifying über die Linie fahre, weil Du sonst auf den Tisch haust."

TW: "Aber Du willst doch, dass ich auf den Tisch haue..."

LH: "Wir müssen das Geld in das Auto investieren, nicht in neue Tische! Was war Dein bester Moment?"

TW: "Ich bin immer skeptisch. Ich versuche, herauszufinden, wo wir uns steigern können und ich vergesse leider die guten Momente. Das ist nicht so gut für dich. Ich erinnere mich nur an die harten Tage."

"Ich habe kein sehr gutes Langzeitgedächtnis. Ich denke an Monaco im letzten Jahr, was sehr wichtig für uns war. Ich konnte nicht schlafen und bin in der Nacht aufgestanden..."

'Ja, als wir ein schwaches Wochenende hatten. Ich konnte nicht schlafen, bin um drei Uhr nachts aufgestanden, habe mich angezogen und bin durch die Straßen gelaufen.'

Toto Wolff

LH: "Letztes Jahr in Monaco?"

TW: "Ja, als wir ein schwaches Wochenende hatten. Ich konnte nicht schlafen, bin um drei Uhr nachts aufgestanden, habe mich angezogen und bin durch die Straßen gelaufen. Ich habe betrunkene Leute aus der Amber Lounge kommen sehen..."

LH: "Warum erinnerst Du Dich an die negativen Momente?!"

TW: "Ich weiß es nicht, aber hinterher hat es sich verändert. Wir haben uns danach verbessert. Ich erinnere mich immer an das Negative."

LH: "Du denkst also immer an Dinge, die Du verbessern kannst?"

TW: "Ja"

LH: "Ich denke, selbst in einer Beziehung oder Freundschaften erinnere ich mich nur an die guten Dinge. Ich weiß nicht warum, aber ich sage immer, dass alles Negative in der Vergangenheit irrelevant ist."

"Die großartigen Erlebnisse, die wir gemeinsam hatten - den Erfolg, die tollen Momente in der Box, wenn ich zurückkomme und sehe, wie glücklich die Jungs sind, oder wenn ich auf den Bildschirm sehe und sie alle jubeln, dann fühle ich mich als Teil von etwas ganz Besonderem."

TW: "Ich brauche einen Trainer, vielleicht dich! Ich lege mich aufs Sofa und Du sitzt hinter mir..."

LH: "Du saugst einfach das Positive auf und fegst das Negative weg - so mache ich das."

TW: "Das ist vielleicht besser..."

Was bringt die Zukunft?

LH: "Ich hoffe, dass wir zukünftig so weitermachen - weiterwachsen, gedeihen und immer vorwärtskommen. Natürlich möchte ich unsere Beziehung ausbauen. Aber ich möchte das dahin bringen, wo es noch nie gewesen ist."

"Ich möchte Teil dieses Wegs sein, der Mercedes zum erfolgreichsten Formel 1-Team in der Geschichte macht."

"Ich möchte das Team innerhalb meiner Zeit als Fahrer so weit wie möglich pushen, damit es sehr lange dauert, bis irgendjemand aufholen kann. Das würde die roten Autos und das rote Team sicher sehr ärgern. Das ist mein Ziel..."

TW: "Genauso für mich. Das ist einfach. Wir haben das Rad in den letzten vier Jahren in Schwung gebracht. Es macht mir sehr viel Spaß, mit Dir und dem Team zusammenzuarbeiten. Ich möchte nirgends lieber sein."

"Es gefällt mir, in der Fabrik zu sein, dort herumzulaufen. Selbst bei den Rennen, bei denen viel Druck vorherrscht, ist es schön."

"Ich denke, dass wir etwas aufbauen können. Wenn wir in 20 oder 30 Jahren zurückblicken, können wir von uns sagen, dass wir Teil der Silberpfeil- und Mercedes-Ära in der Formel 1 waren, die am erfolgreichsten war."

"Du erhältst nicht oft die Gelegenheit, mit und für solch eine Marke zu arbeiten. Wir haben erst damit angefangen."

LH: "Wollen wir jetzt etwas Negatives sagen?"

TW: "Hoffen wir es nicht... gibt es etwas Negatives zu sagen?"

'So dass wenn wir in 20 oder 30 Jahren zurückblicken, wir von uns sagen können, dass wir Teil der Silberpfeil- und Mercedes-Ära in der Formel 1 waren, die am erfolgreichsten war.'

Toto Wolff

LH: "Es ist ein wundervolles Gespräch. Normalerweise haben wir so etwas nicht. Normalerweise streiten wir uns immer... nein, Scherz."

TW: "Immer zum Wohle des Ganzen. Du bist überall wettbewerbsorientiert."

LH: "Toto ist super wettbewerbsorientiert. Es ist verrückt und er glaubt, dass er besser als ich ist."

TW: "Du musst immer bei allem gewinnen."

LH: "Ich muss immer gewinnen, ich hasse es, zu verlieren. Hasst Du es auch, zu verlieren?"

TW: "Ja, es ist schmerzhaft."

LH: "Was denkst Du, wenn Du Dir nach dem Rennen ein Video ansiehst, in dem Du auf den Tisch schlägst?"

TW: "Dass ich dumm aussehe, aber das sind nun einmal die Emotionen, die ich habe. Ich bin in diesen Situationen so verärgert, weil der Schmerz einer Niederlage viel länger anhält. Die Freude über einen Sieg sind zwei oder fünf Stunden, aber Niederlagen..."

LH: "Aber der Vorlauf ist so lang. Ich habe die gleiche..."

TW: "Als ich vor drei oder vier Tagen über Dein Getriebe gehört habe, bin ich um vier Uhr morgens aufgewacht. Susie fragte: 'Was ist los?' Ich antwortete: 'Ich denke über dieses verdammte Getriebe nach!'"

LH: "Mir geht es genauso. Das Schlimmste, was viele Leute oft nur schwer verstehen, ist, dass ich heute nach dem Qualifying schmerzen habe. Ein Schmerz, den ich nicht beschreiben kann. Egal wie viele Jahre ich schon Rennsport betreibe, er ist immer da."

"Du weißt, dass du es besser kannst, aber es hat nicht gereicht. Es ist kein Weltuntergang, aber es begleitet dich. Nach dem letzten Rennen hatte ich schlaflose Nächte. Ich bin von Albträumen aufgewacht, aber die Albträume waren über mich im Rennen und andere Dinge sind passiert, all diese verschiedenen Szenarien."

"Was wäre, wenn ich dies gemacht hätte? Oder das? Hätten wir gewonnen? Ich weiß nicht, ob Du das durchlebst."

TW: "Erinnere Dich an unser Gespräch am Sonntag nach Melbourne. Es ist einfach ein richtig schwieriger Moment, der mir körperliche Schmerzen bereitet."

LH: "Ja, aber es wäre nicht das gleiche ohne diese Schmerzen. Stell Dir vor, dass wir einfach nur weitermachen würden, egal ob wir gewinnen oder verlieren. Alles ist cool. Das wäre nicht das Gleiche. Wenn Du keine Rückschläge erlebst, weißt Du auch die Highlights nicht zu schätzen..."

12:21

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