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04.05.2016

Ein Brief an die Fans

An die Fans,

Wir kehrten am Montag mit gemischten Gefühlen im Gepäck aus Russland zurück. Auf der einen Seite waren wir stolz auf einen weiteren Doppelsieg - eine seltene Leistung in der wahnsinnig eng umkämpften Formel 1-Welt und noch dazu eine, die man genießen, aber niemals als selbstverständlich ansehen sollte. Auf der anderen Seite plagten uns die Gedanken an ein stressiges Wochenende - sowohl im Cockpit, als auch am Kommandostand, in der Box, in den Werken und für euch alle zuhause vor den Fernsehern.

Nach den mechanischen Problemen in Sotschi haben wir online viel Frust gesehen. Wir teilen diese Emotionen mit euch, aber für uns gehen sie noch weit über den Frust hinaus. Für die Zuschauer zuhause beginnt ein Grand Prix-Wochenende am Donnerstagvormittag und endet Sonntagabend. Ein schlechtes Ergebnis hält danach vielleicht ein paar Stunden an, dann geht das Leben weiter. Für mehr als eintausend Menschen in Brackley und Brixworth stellt es jedoch unser Leben dar. Diese Frauen und Männer leben den Rennsport, Tag ein, Tag aus. Oft arbeiten sie rund um die Uhr und verbringen viele Wochen getrennt von ihren Lieben. Das machen sie aus Leidenschaft für ihre Arbeit, Loyalität zu ihren Teamkollegen und dem Wunsch, die Besten sein zu wollen.

Unsere Erfolge der letzten Zeit waren kein Zufall. Um es mit den Worten von Herrn Toto Wolff zu sagen: Wir haben uns den Ar*** aufgerissen, um dahin zu gelangen, wo wir heute sind - und zwar als Team. Die Gesichter, die ihr an der Rennstrecke seht, sind nur die Spitze des Eisbergs. Aber sie sind das perfekte Beispiel dafür, wofür dies steht. Sie absolvieren nicht nur gemeinsam die Boxenstopps. Sie reisen gemeinsam, teilen sich die Zimmer, essen zusammen, bauen die Boxen auf, bauen die Autos, reparieren beschädigte Autos und Teile und verladen viele Tonnen an Material - all das machen sie gemeinsam. Sie schwitzen, arbeiten, lachen, weinen, schreien, feiern und trauern gemeinsam. Und wie einer der unsrigen gerne sagt: sie gewinnen und verlieren gemeinsam. Wir haben die besten Jungs und Mädels auf der Welt, die Woche für Woche unglaubliche Arbeit leisten - und all das für das Team. Nicht für den einen oder den anderen Fahrer, sondern füreinander. Es gibt bei uns kein "A" oder "B" Team. Jedes Teammitglied hat sich seinen Platz in der Elite seines Fachs verdient - und dafür sehr viel geopfert.

Was in Sotschi passiert ist, hat der Welt gezeigt, wozu ein Team fähig ist, das an einem Strang zieht. Wir waren von dem wiederholten Defekt an der MGU-H von Lewis' Auto im Qualifying verdutzt und enttäuscht. Aber wir blieben ruhig, sammelten unsere Gedanken und schritten zur Tat über. Es benötigte einer monumentalen Anstrengung einer großen Anzahl an Menschen in Großbritannien und Russland, um die Ersatzteile an die Strecke zu fliegen, sie in die Erwsatz-Power-Unit einzubauen, die Nacht durchzuarbeiten und sicherzustellen, dass Lewis am Sonntag von Platz zehn starten konnte - ohne die Parc Fermé-Regeln zu brechen. Dadurch wurde der Sonntag für uns umso anstrengender. Aber am Ende waren wir erleichtert, als beide Autos die Zielflagge sahen.

Kurz nach seinem Boxenstopp entdeckten wir ein alarmierendes Verhalten an Nicos MGU-K. Wir verbrachten eine Reihe von Runden damit, ihm zu versichern, dass er einen guten Vorsprung auf Lewis hatte und Gas rausnehmen konnte. Dann gab uns die FIA die Erlaubnis, ihm eine Einstellung mitzuteilen, die das Problem kontrollieren würde. Im Cockpit bekam Nico nichts von dem Stress am Kommandostand mit. Als er auf der vorletzten Runde die schnellste Rennrunde fuhr, befand er sich weiterhin in dieser "sicheren" Einstellung. Das zeigt, wie viel Pace am vergangenen Wochenende im Auto steckte.

Nicht lange nachdem sich Nicos Probleme bemerkbar gemacht hatten, fiel der Wasserdruck am Auto von Lewis. Zu diesem Zeitpunkt gab er alles, um Nico einzuholen und sich von Kimi abzusetzen. Er fuhr dabei mehrere violette Rundenzeiten. Auch hier mussten wir wieder auf eine Bestätigung durch die FIA warten, um zu erfahren, was wir ihm über den Funk sagen durften. Nach mehreren Funksprüchen, in denen wir ihn baten, es ruhiger angehen zu lassen, bekamen wir die Freigabe, um ihn wissen zu lassen, dass er an Wasserdruck verlor. Er hatte auf den letzten 16 Runden null - ja, null! - Wasserdruck. Seine Leistung, das Auto ins Ziel zu bringen und Platz zwei zu halten, was absolut bemerkenswert. Er musste das Auto so kühl wie möglich halten, um zu verhindern, dass der Motor beschädigt wurde. Gleichzeitig musste er Kimi auf einer sicheren Distanz halten, was keine einfache Aufgabe war. Wir sind uns noch immer nicht ganz sicher, durch welches Wunder das Auto ins Ziel humpelte. Aber wir werden uns gewiss nicht darüber beschweren!

Schlussendlich verändert aber nichts davon die Tatsache, dass wir mit Blick auf die Zuverlässigkeit unsere eigenen Erwartungen in dieser Saison bislang nicht erfüllt haben. Die Performance haben wir auf den Punkt genau getroffen. Unser Punktekonto weist nur zwei Zähler weniger auf als zum gleichen Zeitpunkt im Vorjahr. Es gibt aber noch Arbeit zu erledigen. Unser Ziel ist, nicht nur schnell, sondern auch standfest zu sein. Wir wollen nicht nur mit den Problemen richtig umgehen, sondern sie verstehen, beheben und sicherstellen, dass sie sich nicht wiederholen. Wir arbeiten pausenlos daran, dies zu erreichen und werden dies auch weiterhin tun. Aber es gibt keine Garantien. Dies ist ein technischer Sport. Wir balancieren sowohl bei der Performance als auch der Zuverlässigkeit auf des Messers Schneide. Wir müssen ans Limit gehen und dann können Defekte vorkommen.

Und dann gibt es noch das große Gesamtbild. Wir sitzen nun hier und nehmen ein Wochenende voller verschiedener Herausforderungen auseinander - sowohl auf als auch neben der Strecke. Aber sehen wir uns doch einmal das Ergebnis an. Wir sollten nicht nur dankbar dafür sein, dass beide Autos die Ziellinie überquert haben. Stattdessen sollten wir stolz auf dieses Mannschaftsergebnis sein, das nicht stärker hätte ausfallen können. All das liegt am Einsatz der Jungs und Mädels in den Werken, den Ingenieursbüros, an der Boxenmauer, in der Box und natürlich im Cockpit.

Vier Rennen sind absolviert, 17 liegen noch vor uns. Soweit wir es sehen können, erwartet uns eine echte Achterbahnfahrt. Es wird Höhen und Tiefen geben, gute und schlechte Tage, Erfolge und Niederlagen. Aber während all dem halten wir als Team zusammen - wie wir es schon immer getan haben. Wer uns dabei beisteht, dem danken wir. Und zum Rest - den Hatern, den Neinsagern, den Verschwörungstheoretikern... sagen wir: Wenn wir nur die Hälfte von euch davon überzeugen können, wofür wir wirklich stehen, sehen wir es als einen Sieg an.

Gemeinsam, #WeAreW07
Gemeinsam, #WeAreTheSilverArrows

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