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29.03.2016

ERKLÄRT: Die Reifenwahl 2016

Als die geänderten Regeln für die Reifenwahl an den Rennwochenenden 2016 bekannt gegeben wurden, sorgte das bei einigen Experten und Fans für rauchende Köpfe. Sie fragten sich: Wie funktioniert das neue System genau? Nach dem Auftaktrennen dieses Jahres in Melbourne stehen zwei Dinge fest. Erstens: Diese Neuerung ist bei Weitem nicht so komplex, wie sie auf dem Papier erscheint, und zweitens: Sie funktioniert...

Warum führt eine dritte Reifenmischung zu mehr strategischer Abwechslung?

Es ist simple Mathematik. Wenn einem drei Ziffern zur Auswahl stehen, kann man diese in mehr verschiedenen Kombinationen arrangieren, als wenn es nur deren zwei wären. Ebenso eröffnen drei verfügbare Reifenmischungen pro Team und Rennwochenende zwei oder drei zusätzliche, durchführbare Strategieoptionen.

Hatte die Verfügbarkeit einer dritten Reifenmischung einen Einfluss auf das Rennen in Melbourne?

Beim Großen Preis von Australien 2015 wurde jeder Fahrer zu einer Ein-Stopp-Strategie gedrängt – er startete auf dem weichen Reifen und kam auf dem Medium ins Ziel. Hätten 2016 erneut die gleichen Reifen zur Wahl gestanden, wäre es wahrscheinlich genauso gekommen. In diesem Jahr war es jedoch anders. Die Teams hatten den Spielraum, zwei oder drei verschiedene Strategien einzusetzen, die gegen Ende des Rennens zu einer ungefähr ähnlichen Lösung führen konnten. Das führte zu einer interessanten und unvorhersehbaren Mischung aus ein und zwei Stopps. Selbst ohne die rote Flagge wäre es ein sehr unterhaltsames Rennen geworden.

Wie hat sich das auf das Racing ausgewirkt?

In Melbourne sahen wir mehr Überholmanöver als in den vergangenen Jahren – 40 Manöver im Vergleich zu 13 in der Saison 2015. Ein nicht zu vernachlässigender Anteil daran liegt am neuen Reifenreglement. Auf anderen Strecken, auf denen es schwierig ist, zu überholen, etwa in Barcelona, Monaco, Budapest oder Silverstone, wird die Position auf der Strecke wahrscheinlich wieder einen kleineren Faktor einnehmen. Der Unterschied zwischen den drei Mischungen kann nun für Überholmöglichkeiten sorgen.

War Melbourne eine Ausnahme oder wird sich der Trend auch auf anderen Strecken fortsetzen?

Es gibt bereits Anzeichen, dass auch beim nächsten Rennen in Bahrain mehr Strategie-Optionen zur Auswahl stehen werden. Für China sieht es sogar noch spannender aus. Es wird für spannende Rennen sorgen, wo eine Strategie ursprünglich besser als die andere aussah. Aber dann könnte es sich umkehren. Dabei ist es nicht entscheidend, ob mehrere Autos sich für einen, zwei oder drei Stopps entscheiden. Die Abwechslung und Spannung entsteht dadurch, dass abweichende Strategien nun absolut mögliche, potentiell siegreiche Optionen sind. Das führt zu mehr Überholmanövern und mehr Unbekannten gegen Rennende.

Natürlich besteht ein schmaler Grat zwischen interessanten strategischen Unterschieden und Chaos. Wenn die Teams bei jedem Rennen freie Wahl aus allen Mischungen hätten, könnte jemand die Hackordnung komplett durcheinander bringen. Das aktuelle Konzept scheint die richtige Balance zwischen einem spannenden und nachvollziehbaren Rennverlauf gefunden zu haben.

Was machen die Teams aus der Änderung?

Pirelli hat eine Palette an Reifenmischungen produziert, die für Spannung sorgt, wenn sie richtig eingesetzt und gefördert werden. Die Welt wünscht sich, dass Fahrer und Teams unterschiedliche Dinge ausprobieren und genau das erlauben ihnen diese Regeln. Die Reifen sind jetzt schon vor einem Rennwochenende ein positives Gesprächsthema. So hat die unterschiedliche Wahl der Reifenmischungen zwischen den Silberpfeilen und Ferrari schon vor Bahrain für viel Aufsehen gesorgt. Zudem wird durch die weicheren Mischungen bereits zu einem Großteil das Ziel erreicht, die Autos schneller zu machen. Im Qualifying werden die Rundenzeiten jetzt nah an den Rundenrekorden liegen – so wie wir es schon in Melbourne gesehen haben. Die aktuellen Autos bewegen sich bei der Chassis- und Motor-Performance auf historisch hohem Niveau – und das wird jetzt in starke Rundenzeiten umgesetzt.

Gibt es noch Verbesserungsspielraum?

Erwartungsgemäß gibt es ein paar Anfangsschwierigkeiten. Zum Beispiel mussten die Teams ihre Reifenwahl unter einem anderen Qualifying-Reglement bekannt geben, als es jetzt Gültigkeit hat. Aber dies ist nur eine unwesentliche Beanstandung. Die neuen Reifenregeln hatten wohl den größten Einfluss aller Änderungen in jüngster Vergangenheit. Ein Großteil der Beobachter scheint von diesem Einfluss eher begeistert zu sein – und so soll es noch lange bleiben.

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