f12016gp02bahww1875981jpg1280x496q85crop-smartmask-0203px200203pxsubjectlocation-27632C2078upscalejpg

11.04.2016

Feature der Woche: Rennstarts

Nach den ersten beiden Rennen wurde viel über die Starts gesprochen. Was ist die größte Herausforderung für die Teams, um einen sauberen Start hinzulegen?

Seit der Einführung von stehenden Starts in der Formel 1 fielen diese sehr unterschiedlich aus. Die große Herausforderung für die Teams ist nicht nur, die besten Starts im Feld zu haben, sondern Schwankungen so gut wie möglich abzustellen.

Wie misst das Team einen Rennstart? Und wer war 2016 bislang am besten?

Bei Mercedes messen wir einen Start bezogen auf die zurückgelegte Distanz innerhalb der ersten vier Sekunden. Die meisten Teams verwenden eine ähnliche Messung. Unter diesem Gesichtspunkt hatten die Silberpfeile in der Saison 2015 im Durchschnitt die besten Starts im Feld. Das Problem dabei ist, dass aufgrund der Schwankungen trotz starker Durchschnittswerte einige schlechte Starts dabei waren, die zu Positionsverlusten führten. Bei den bisherigen beiden Rennen 2016 hatte Nico den sechstbesten Start im Feld in Melbourne – und den besten in Bahrain. Im Gegenzug dazu zählten vier der fünf Fahrer, die in Melbourne einen besseren Start hinlegten, in Bahrain zu den schlechtesten Startern. Die Ausnahme ist Vettel, der gar nicht erst am Start stand. Innerhalb von zwei Rennen könnte man also kein besseres Beispiel für diese Schwankungen finden. Der beste Starter war in Melbourne übrigens Pascal Wehrlein – ein Rookie bei seinem Grand Prix-Debüt, der für das zweitneueste Team in der Startaufstellung antritt!

Was ist die größte Herausforderung bei einem Rennstart im Cockpit?

Eine der wichtigsten Herausforderungen für den Fahrer tritt in der Mittelphase des Losfahrens auf, wenn sie das Drehmoment kontrollieren, bevor sie die leistungslimitierte Phase erreichen. Das Team kann ihnen mit der Kupplung helfen, welche die erste Phase des Losfahrens steuert. Aber sobald sie die Kupplung loslassen, sind die Fahrer auf sich allein gestellt. In dieser Mittelphase versucht der Fahrer, die Balance für den perfekten Reifenschlupf zu finden. Ein bisschen zu viel in die eine Richtung und die Räder drehen durch. Ein bisschen zu viel in die andere Richtung und es gerät ins Stottern. Bei all dem Lärm und dem Betrieb der anderen Autos um sie herum, ist es sehr knifflig, das richtig hinzubekommen.

Kürzlich wurden die Regeln für die Einstellung der Kupplung geändert. Wie groß ist der Einfluss dieser Regeländerung?

Die Schwankungen wurden während der Saison 2015 absichtlich erhöht und dies für 2016 weiter verstärkt. Die Einschränkungen haben dafür gesorgt, dass die Rennstarts mehr vom Fahrer gesteuert werden und somit so „manuell“ wie möglich stattfinden müssen. Zur Erklärung: Das Team darf dem Fahrer via Funk keine Anweisungen geben. Der Fahrer muss die Kupplung mit nur einer Wippe manuell kontrollieren. Die Performance hängt mehr denn je von den Fähigkeiten des Fahrers ab – allerdings nicht gänzlich. Es liegt immer noch am Team, dem Fahrer leistungsstarkes und konstantes Equipment zur Verfügung zu stellen. Damit erhält die Aufgabe für alle Beteiligten eine zusätzliche Ebene, weswegen es nicht überraschen sollte, wenn wir in dieser Saison noch mehr Unterschiede innerhalb des Feldes erleben werden.

Haben die Regeln dadurch ihr Ziel erreicht?

Die Regeln sollen für unvorhersehbarere Rennen sorgen. Wenn es mehr Schwankungen bei den Rennstarts gibt, finden sich mehr Fahrer abseits ihrer Startpositionen wieder. Das sorgt für interessantere Rennen. Das ist in Melbourne und Bahrain passiert. Somit lässt sich durchaus zusammenfassen, dass die Regeln ein Erfolg sind. Wenn „vermischte Startaufstellungen“ das Ziel sind, dann ist dieser Weg viel fairer. Denn das Ergebnis wird weiterhin auf Basis der Leistungen von Fahrer und Team erreicht. Eine umfassendere Aussage lässt sich nach einer halben Saison unter einem konstanten Reglement treffen.

Können die Teams etwas gegen die Schwankungen bei den Rennstarts unternehmen?

Egal, wie die Regeln aussehen mögen, die Unterschiede gehören zur Natur von Rennstarts. Trotz jahrzehntelanger Entwicklung, Forschung und Übung hat noch niemand diesen Bereich perfektioniert. Die Formel 1 hat in den vergangenen Jahren als Sport viele sehr schwierige und beeindruckende Lösungen gefunden. Wenn also die gesamte technische Kompetenz des Fahrerlagers dieses Rätsel noch nicht geknackt hat, dann muss es ziemlich schwierig sein!

Geht es also nur darum, das Unvermeidliche zu akzeptieren und sich auf andere Dinge zu konzentrieren?

Die Teams werden niemals aufgeben, wenn sie sich einer technischen Herausforderung gegenüber sehen. Jeder ist stets auf der Suche nach Verbesserungen. Die Lehren aus den ersten beiden Saisonrennen unter dem neuen Reglement haben diesen Prozess bereits in Gang gesetzt. Es scheint sich jedoch keine Wunderlösung am Horizont abzuzeichnen, welche die Variabilität einfach auslöscht. Die wahre Frage ist eher jene, ob sie unbedingt etwas Schlechtes darstellt. Angesichts der guten Unterhaltung auf den Startrunden in Melbourne und Bahrain könnte man meinen, dass sie für ein besseres Spektakel gesorgt hat...

Sorry, es scheint so, als sei die Version deines Browser zu alt!

Bitte aktualisiere deinen Browser oder lade eine aktuelle Version der unten aufgelisteten Browser herunter.

Internet Explorer Mozilla Firefox Opera Browserr Google Chrome