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    INSIDE: Bonus-Geschichten aus Brasilien Von Rennlegenden über Prior...

Von Rennlegenden über Prioritäten bis zum Pushen (wörtlich zu nehmen): die Bonus-Geschichten aus Interlagos.

Renn-Adel gibt sich die Ehre

Das Team empfing in Interlagos einen besonderen Gast: Juan Manuel Fangio II, der Neffe des legendären fünfmaligen Weltmeisters, dessen WM-Titelanzahl Lewis gerade eingestellt hat.

Der 62-Jährige ist selbst gefahren: In der ersten FIA F3000-Saison 1985 (dem Gegenstück zur heutigen F2) erzielte er einen Punkt in Spa. Das Rennen gewann der heutige RTL Co-Kommentator Christian Danner, Platz drei belegte der Rennkommissar des letzten Rennwochenendes Emanuele Pirro!

Fangio freute sich, alte Bekannte aus Europa wiederzutreffen. Selbst hatte er viel Erfolg in den USA. Er gewann die 12 Stunden von Sebring zweimal (wie sein Onkel) und erzielte nicht weniger als 21 IMSA GTP-Siege auf dem Weg zu zwei Titeln. Er fuhr für den ehemaligen F1-Fahrer und Sportwagen-Teambesitzer Dan Gurney.

"Wir haben einen Pokal vom Fangio Museum erhalten", erklärte Toto. "Und für Lewis ist es unglaublich, dass sein Name im gleichen Satz wie Juan Manuel Fangio genannt wird. Er mag die sieben Titel von Michael Schumacher ins Auge genommen haben, aber vorher muss er erst Titel Nummer sechs gewinnen und ich kann euch versichern, dass es im nächsten Jahr sehr schwierig und kompliziert wird!"

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Man muss seine Prioritäten kennen

Für ein Team voller Racer war es hart, in Brasilien einen Sieg für das größere Gut, den Gewinn der Konstrukteurs-WM, aufzugeben. Umso größer fiel der Jubel aus, als das Team nach dem Zwischenfall zwischen Max Verstappen und Esteban Ocon doch noch zum Sieg kam.

Obwohl Lewis sich die Pole Position sicherte und das Rennen bis zu seinem Boxenstopp in Runde 19 anführte, wusste das Team, dass ein Sieg schwierig werden würde. Ihnen fehlte die Motorleistung in Folge eines Problems, das schon vor seinem ersten Stopp zu erkennen war und dazu führte, dass er hinterher einen Modus mit weniger Leistung wählen musste.

Das war der Grund dafür, warum Verstappen Lewis kurz nach der Rennmitte locker überholen konnte. Die weichen Reifen von Max gaben ihm mehr Traktion aus der Junção Kurve auf das Bergaufstück in Richtung Zielgeraden. Zu diesem Zeitpunkt war er schon an der Nr. 44 vorbei und benötigte gar keine DRS-Unterstützung.

"Nach dem Boxenstopp haben wir den Motor heruntergedreht und Lewis war ein Opferlamm", bestätigten die Ingenieure. "Es gab nichts, was er hätte tun können, um Verstappen aufzuhalten."

Unterdessen erhielt Toto an der "Fantasy Island" in der Box Informationen, die ihm gar nicht schmeckten...

"Wir haben Motoren-Jungs hinten und in der Fabrik und was wir hören konnten, weil ich ungefähr zehn Kanäle offen habe, war, dass bei der Power Unit von Lewis "ein Defekt kurz bevorstand. Sie wird innerhalb der nächsten Runde kaputtgehen."

"Ich habe die Lautstärke hochgedreht und gefragt: Bitte was?! Sie sagten, dass wir ein massives Problem hatten und die PU in der nächsten Runde kaputtgehen würde. Das passierte nicht und ich fragte: "Wenn ihr etwas Zeit habt, verratet mir, was los ist."

"Der Auspuff war kurz vor einem Defekt und wir schossen bei allen Temperaturen über das Limit. Sie haben das behoben, indem sie alles heruntergedreht haben. Die Temperaturen fielen unter 1.000°C, aber das war immer noch zu hoch. Dann ging es eine weitere Runde so. Das war echt furchtbar."

Die Auspuffrohre mögen keine Temperaturen über 900°C, aber alles hielt. Das führte zu Totos Kommentar nach der Zieldurchfahrt, dass dies die größte Erleichterung war, die er jemals bei dem Team gespürt habe.

"Wer weiß, wie man Teile reparieren kann, die kurz davor sind, kaputtzugehen und dann doch bis ins Ziel halten."

Nach ein paar Gläsern Champagner sagte Toto: "Den Rekord von Ferrari einzustellen schien unerreichbar, aber es ist großartig. Ich kann mich an diese Ferrari-Jahre mit Jean Todt und Michael Schumacher erinnern. Ich habe zu ihnen aufgeschaut und sie bewundert. Jean hat mich gerade angerufen und gesagt: Es ist mir eine Ehre, euch im Club der Fünf zu begrüßen. Das hörte sich unglaublich an. Ich bin sprachlos."

Wähle deine Kämpfe mit Bedacht

Aber nicht nur das Rennen von Lewis wurde durch die konservative Herangehensweise mit Blick auf den Titelgewinn beeinträchtigt.

Während Lewis durch seine Motorschwierigkeiten nicht die Pace hatte, um gegen Verstappen zu kämpfen, gab Valtteri alles, um sich gegen Daniel Ricciardo im zweiten Red Bull zu verteidigen. Zeitweise war der Australier sogar schneller als Verstappen und holte dadurch rasch auf die Spitze auf - trotz seiner Strafversetzung.

Valtteri kam in Runde 18 zu einem frühen Stopp für Medium-Reifen, die er nun für 53 Runden bis ins Ziel behutsam behandeln musste. Ricciardo fuhr ebenfalls einen langen ersten Stint wie Verstappen und war danach auf den schnelleren weichen Reifen, als er das Auto mit der Startnummer 77 einholte.

Valtteri meldete sich im Funk und sagte, dass er einen stärkeren Motor-Modus benötigte, um vor dem Red Bull zu bleiben. Aber den konnte ihm das Team nicht bieten. Das wäre ein Risiko gewesen, das ernsthafte Konsequenzen für den Ausgang der WM hätte haben können, besonders angesichts der Schwierigkeiten von Lewis. Deshalb wollte das Team lieber eine Position an Ricciardo opfern als das Risiko einzugehen.

Es war die gleiche Situation, als das Team Valtteri zu seinem zweiten Stopp hereingeholt hat, um zwölf Runden vor Schluss auf Soft zu wechseln. Der Finne konnte Ricciardo zehn Runden lang hinter sich halten, ohne den Motor hochdrehen zu müssen. Vettel lag im Ferrari weitere 25 Sekunden dahinter. Oberflächlich betrachtet schien es eine fragliche Entscheidung gewesen zu sein.

Die Strategen deckten jedoch alle Fälle ab. Räikkönen lag auf Platz drei und fuhr in Richtung einer starken Punkteankunft, besonders angesichts der Probleme bei Lewis. Deshalb wurde entschieden, Vettel abzudecken, der fünf Runden vorher auf SuperSofts gewechselt hatte und nun schnell näherkam.

Die Medium-Reifen von Valtteri hätten bis ins Ziel gehalten, wenn es aber eine späte Safety-Car-Phase gegeben hätte, wäre er für Ricciardo und Vettel ein leichtes opfer gewesen. Deshalb wurde Valtteris vierter Platz für Ricciardo geopfert, um sicherstellen, dass er Vettel schlägt. An diesem Tag war Ferrari der Gegner, nicht Red Bull.

Eine kleine Genugtuung für Valtteri war immerhin, dass er auf frischen Reifen die schnellste Rennrunde gefahren ist.

Jede Geschichte hat zwei Seiten

Die Kontroverse um den Clash zwischen Max Verstappen und Esteban Ocon, die Lewis beim Brasilien GP wieder in Führung brachte, ist nicht ganz so unkompliziert, wie sie vielleicht im ersten Augenblick erscheinen mag.

Überrundete, die versuchen, sich zurückzurunden, kommen nicht oft vor. Der Geschwindigkeitsunterschied zwischen ihnen ist normalerweise der offensichtliche Grund dafür. Aber es ist nicht neu oder verboten. Der bekannteste Vorfall war sicherlich Eddie Irvine, der sich bei seinem F1-Debüt in Suzuka gegen Ayrton Senna zurückrundete, was zu einer Schlägerei nach dem Rennen führte!

Ironischerweise fuhr Irvine damals für das gleiche Team wie Ocon, damals noch unter dem Namen Jordan Grand Prix. In beiden Fällen kam es dazu, weil der Unterschied bei der Reifenperformance dazu führte, dass der Überrundete zwischenzeitlich eine bessere Performance hatte.

Ocon startete nach einer Getriebestrafe von P18. Er ging auf den weichen Reifen ins Rennen und fuhr einen langen ersten Stint mit 40 Runden. Danach wechselte er auf die schnellsten Reifen, die superweiche Mischung, um bis zum Ende zu fahren. Nach seinem Stopp kam er direkt hinter dem Führenden, Red-Bull-Fahrer Verstappen, wieder heraus, der auf der härteren Soft-Mischung fuhr.

Der Schlüssel zur herausragenden Rennpace von Red Bull in Brasilien war der Umgang mit den Reifen, dank dem Verstappen fast bis zur Rennmitte auf den SuperSofts fahren konnte. Lange genug, um für den zweiten Stint auf die weichen Reifen statt den Mediums zu wechseln. Mit diesen waren Lewis und Valtteri unterwegs, da sie viel früher an die Box gekommen waren.

Verstappen kam rund drei Sekunden hinter Lewis heraus und überholte ihn bald. Er fuhr eine Reihe sehr schneller Runde hintereinander: 1:12.678; 1:12.143; 1:12.656; 1:12.348.

Aber sobald Verstappen vorne lag und dafür gesorgt hatte, dass Lewis außerhalb der DRS-Reichweite lag, hielt er sich zurück, um die Reifen nicht zu stark zu belasten. Seine nächsten drei Rundenzeiten waren: 1:13.650; 1:13.340 und 1:13.116. Die letzte war, als Ocon gerade aus der Box kam und auf neuen SuperSofts 1:12.876 fuhr.

Ein Fahrer möchte nie seine "goldenen Runden" auf einem frischen Reifensatz verschenken, deshalb wollte sich Ocon zurückrunden. Später sagte er, dass er es wieder machen würde und dass er in Kurve zwei sieben Überholmanöver gezeigt hätte, unter anderem eines gegen Fernando Alonso, der ihm genügend Platz gelassen hatte.

Ein Teammitglied sagte: "Das ist schon 2013 zwischen Valtteri (als er bei Williams war) und Lewis geschehen, auf der gleichen Strecke. Es passiert hier immer (weil der Reifenabbau so hoch ist)."

"Ein Fahrer kommt aus der Boxengasse und glaubt mir, ich habe mit Valtteri darüber gesprochen, er denkt: Warum ist das Auto vor mir so langsam? Weil der Unterschied mit den frischen Reifen so groß ist. Sie denken: Warum sollte ich diesen Vorteil verschenken? Ich werde es einfach machen."

"Lewis hat Valtteri genauso getroffen wie Esteban und Max kollidiert sind. Ich bin sicher, dass Esteban an nichts anderes gedacht hat als "er ist viel zu langsam, ich muss vorbei und dann kann er später damit umgehen. Es ist uns passiert - wir haben uns berührt, weil du einfach nicht erwartest, dass ein Überrundeter nahe bei dir ist."

Die offizielle Entscheidung der Rennkommissare war eine 10-Sekunden-Stop-and-Go-Strafe für Ocon und drei Strafpunkte für seine Superlizenz. Sie sagten, dass er die Kollision ausgelöst hätte, weil er "das Manöver nicht vor Kurve eins abschließen konnte. Er kämpfte gegen den Führenden um eine Position und verursachte in Kurve zwei eine Kollision."

In einem interessanten Gespräch zwischen Lewis und Verstappen nach dem Podiums-Raumaufenthalt sagte Lewis zu Max, dass Ocon sich zurückrunden durfte und dass "du mehr zu verlieren hattest als er".

Nach ein paar Schubsern von Verstappen gegen Ocon im Waageraum wurde Max mit zwei Tagen Sozialarbeit für die FIA belegt, während Esteban sich der Presse stellen musste.

Toto sagte über Ocons Zukunft: "Es liegt nicht in unseren Händen. Wir haben alles für eine Auszeit als Unterstützung für uns und Force India eingerichtet, mit viel Simulatorarbeit, vielleicht als Ersatzfahrer für uns und Force India und mit einer Vorbereitung auf das Jahr danach. Wenn sich überraschend doch noch eine Tür bei Williams öffnen sollte, wird er die Chance ergreifen, aber es liegt in den Händen von Claire (Williams) und Paddy (Lowe), nicht in unseren."

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