Back
Back
  • 1

    INSIDE: Bonus-Geschichten aus Singapur Ein aufregendes Wochenende ...

Ein aufregendes Wochenende auf dem Marina Bay Street Circuit sorgte für hochgezogene Augenbrauen und viel Gesprächsstoff...

Jetzt wird's anstrengend

Die Hitze, die Luftfeuchtigkeit und lange 61 Runden auf einem anspruchsvollen, von Bodenwellen übersäten Straßenkurs machen Singapur für die Fahrer zu einer der körperlich härtesten Herausforderungen des Jahres.

"Ich komme gerne ein paar Tage früher hierher, um mich zu akklimatisieren", verrät Valtteri.

Sein Trainer, der früher mit der finnischen Leichtathletik-Olympiamannschaft gearbeitet hat, fügt hinzu: "Einige Leute wünschen sich Kühlanzüge und so etwas, aber daran braucht man wegen des Gewichts gar nicht zu denken."

"Es kommt darauf an, die Elektrolyt-Balance richtig hinzubekommen und die Ausdauer zu trainieren. Wenn das stimmt, ist es okay. Vielleicht wirft man noch ein paar eisgekühlte Handtücher dazu!"

Einige Fahrer verwenden normalerweise keine Trinkflasche im Auto. Normal wird angenommen, dass zehn zusätzliche Kilo rund 0,3 Sekunden kosten.

Die zwei Kilo für ein Trinksystem samt Inhalt kosten also rund 0,06 Sekunden pro Runde, was auf die Renndistanz hochgerechnet rund drei bis vier Sekunden bedeutet - den möglichen Unterschied zwischen einer Punkteankunft oder nicht.

Aber diese Denkweise wird verdrängt, wenn die Konzentration in Singapur durch Dehydrierung sinkt. Die Nähe zu den Mauern und Leitplanken wird als ein viel größeres Risiko angesehen als ein bisschen verlorene Rundenzeit.

Macht die an Senna erinnernde Qualifying-Leistung von Lewis den Unterschied aus?

Red Bull mag unter einem Elektronikproblem gelitten haben und Ferrari mag sich in ihren eigenen Worten im Qualifying in Singapur unter Wert geschlagen haben - aber nichts kann von der beeindruckenden 79. F1 Pole Position von Lewis ablenken. Sie war ein entscheidender Faktor auf dem Weg zu seinem 69. Grand-Prix-Sieg.

Toto Wolff nannte es eine "Zauberrunde": "Die epischste Runde, die ich von ihm je gesehen habe. Ich habe ihn im Funk angesprochen, weil ich so etwas noch nie zuvor gesehen hatte."

Für unseren Technischen Direktor James Allison war es "ein Privileg Zeuge" der Runde gewesen zu sein. Chefstratege James Vowles fügte hinzu: "Ich war zu diesem Zeitpunkt sehr überrascht, dass Lewis diese Zeit herausholen konnte. Ich dachte, das Ferrari, Red Bull und wir alle um die Pole kämpfen würden, aber nicht mit so einem Abstand."

Lewis beschrieb den Marina Bay Street Circuit als "Monaco für echte Männer" und es besteht auf beiden Strecken (Monaco und Singapur) eine enge Beziehung zwischen der Wichtigkeit der Pole Position und der Fähigkeit, auf die Reifen zu achten. Lewis hat 2009, 2014 und in diesem Jahr dort von der Pole gewonnen. Nico Rosberg ist es 2016 gelungen und Sebastian Vettel in den Jahren 2011, 2013 und 2015.

Die Leistung von Lewis im Regen-Qualifying von Budapest brachte ihn und das Team in eine Position, ein Rennen zu gewinnen, bei dem wir nicht damit gerechnet hatten. Aber in Singapur hat er es im Trockenen geschafft und mit einem so großen Vorsprung. Dadurch konnte das Team ein Rennen gewinnen, bei dem man davon ausgegangen war, dass es zu den schwächeren in dieser Saison zählen würde.

Die F1-Experten von Channel 4 diskutierten die Pole-Runde im Paddock und David Coulthard schlug vor, dass Ayrton Senna und Lewis als die größten Qualifyer in die Geschichte der F1 eingehen werden. Das bestätigt auch ein Blick in die Statistikbücher: Lewis hat die 68 Poles von Ayrton bereits 2017 überboten.

Eddie Jordan betonte, dass er Michael Schumacher in der gleichen Liga sieht. Mark Webber fragte daraufhin: "Was, an einem Samstagnachmittag?" Aber der Australier zweifelte nicht daran, dass Lewis in diesen Kreis gehört.

Was ist der Unterschied zwischen einem Genie und einem Idioten?

Mit seiner unglaublichen Pole-Runde stahl Lewis zwar das Rampenlicht am Samstagabend, aber auf dem Weg dahin floss einiges an Schweiß in der Box!

Das Team kam mit sechs Reifensätzen der HyperSoft-Mischung nach Singapur, Ferrari brachte hingegen neun davon mit.

Um vier frische Reifensätze für je zwei Runs im Q2 und Q3 zu haben, musste das Team sich im Q1 auf den viel langsameren UltraSofts qualifizieren. Dafür mussten die Fahrer unter die Top-15 gelangen.

Das gelang sowohl Valtteri als auch Lewis, aber nur knapp. Valtter kam in einer Zeit von 1:39.291 auf P12, Lewis wurde in 1:39.403 Vierzehnter.

Haas-Pilot Kevon Magnussen belegte in 1:39.544 P16. Mit anderen Worten: Wenn Lewis eine Viertelsekunde langsamer gewesen wäre, wären alle Sieghoffnungen schon in Q1 vorbei gewesen...

Nach dem großen Jubel über die Super-Runde in Q3 gestand Toto rückblickend auf Q1: "Mein guter Freund Frederic Vasseur (Sauber Teamchef) hat mir eine Nachricht geschickt, die besagte: 'Kennst Du den Unterschied zwischen einem Genie und einem Idioten? Zwei Zehntel!' Ich denke, dass fasst es perfekt zusammen!"

Ein Überfluss an Talenten

Toto gab zu, dass er aktuell über die zukünftige Richtung des Mercedes-Nachwuchsfahrerprogramms nachdenkt. Der Mangel an konkurrenzfähigen Plätzen in der Formel 1 und die Politik hinter den Kulissen zeigen sich ganz besonders im Fall von Esteban Ocon, der trotz seiner starken Leistungen noch immer ohne ein Cockpit für die Saison 2019 ist.

Nachdem er gerade den Vertrag mit Pascal Wehrlein zum Ende der Saison 2018 nicht verlängert hatte, sagte Toto in Singapur: "Es gibt viele Gründe, warum wir ein Nachwuchsprogramm gestartet haben. Eines davon war es, Talenten zu helfen, die nicht die Mittel haben, um es alleine zu schaffen."

"Wir haben Zeit und Geld in Pascal sowie Esteban und George Russell investiert, aber wir kommen an einen Punkt, an dem wir kein Junior-Team haben und wenn es dann an Möglichkeiten mangelt, sie zu platzieren, müssen wir darüber nachdenken, unser Fahrerprogramm zurückzufahren und sie freizugeben - oder unsere Strategie zu ändern. Wir befinden uns gerade am Scheideweg."

"Das sieht man bei den meisten anderen Nachwuchsprogramm. Wenn sie kein Partnerteam wie Red Bull mit Toro Rosso oder vertragliche Beziehungen wie Ferrari mit Sauber und Haas haben, ist es sehr schwierig, den richtigen Platz für junge Fahrer zu finden. Sie sind sehr aufregend, aber abgesehen von der emotionalen Bindung muss es auch kommerziell Sinn machen. Wenn man dann an einen Punkt kommt, an dem das nicht der Fall ist, dann ist es nichts für uns."

Aus zwei mach drei?

Ein möglicher Ansatz, um das Problem für junge Talente zu lösen, wäre es, wenn die Top-Teams ein drittes Auto einsetzen dürften.

Der Vorschlag ist nicht neu, aber er wird in der kommenden Woche abermals besprochen.

"Es gibt mehr talentierte Fahrer in der F1, als wir Cockpits haben", sagte Toto. "Pascal (Wehrlein) verdient eine Chance und wenn man sich erfahrene Piloten und junge Fahrer ansieht, dann kann man auch festhalten, dass Kimi Räikkönen es verdient, bei Ferrari zu sein - genauso wie Charles Leclerc."

"Esteban (Ocon) hatte im Juli zwei bestätigte Angebote auf dem Tisch, die Verträge waren da und er entschied sich für einen, aber dann haben sie vergessen, was sie angeboten haben. Dann ging es Schlag auf Schlag. McLaren verpflichtete Carlos Sainz, der es genauso verdient, in der F1 zu sein."

"Ich mag die Idee von dritten Autos, weil je mehr Fahrzeuge wir im Feld haben, desto mehr Chancen können wir spannenden Fahrern geben, um in einem konkurrenzfähigen Auto gegen erfahrene Piloten zu kämpfen. Das würde für großartige Geschichten sorgen und wäre für Talente zugänglicher, aber es gab einige Gegenstimmen zu dieser Idee und deren Gründe respektiere ich."

"Wir haben uns verschiedene Szenarien angesehen. Man kann sie sogar am Training und Qualifying teilnehmen lassen und dann fahren sie ihr eigenes Rennen, wenn glauben, dass es nicht richtig ist, sie in der Weltmeisterschaft mitfahren zu lassen. Oder sie erhalten keine Konstrukteurspunkte, sondern nur Fahrerpunkte."

"Es gäbe viele fantastische und aufregende Wege, um sie ins Starterfeld zu integrieren, aber man muss es respektieren, dass es schwierig umzusetzen ist, wenn einige Teams dagegen sind."

"Persönlich würde es mir sehr gefallen. Wenn wir Pascal oder George (Russell) oder Esteban in einem dritten Mercedes hätten und dann sehen können, was sie erreichen können. Ich glaube, ein drittes Auto ließe sich ganz einfach finanzieren - es könnte mit einer anderen Marke und Lackierung fahren. Es wäre einfacher, einen Nachwuchsfahrer zu vermarkten, der in einem Mercedes oder Ferrari sitzt."

Klingt toll, oder? Aber erwartet bloß nicht zu viel. Toto sagte mit einem Lächeln: "Vielleicht ist es besser, wenn ich nichts sage und jemand anderes es anspricht..."

Sorry, es scheint so, als sei die Version deines Browser zu alt!

Bitte aktualisiere deinen Browser oder lade eine aktuelle Version der unten aufgelisteten Browser herunter.

Internet Explorer Internet Explorer Firefox Mozilla Firefox Opera Opera Browserr Chrome Google Chrome