Back
Back
  • 1

    INSIDE: Bonus-Geschichten aus Sotschi Wirf einen Blick hinter die...

Wirf einen Blick hinter die Kulissen eines dramatischen Rennwochenendes beim Großen Preis von Russland...

Eine starke Verteidigung

Im Vorjahr gewann Valtteri in Sotschi seinen ersten Grand Prix nach einem engen Duell mit Sebastian Vettel, dass das gesamte Wochenende andauerte. Ferrari sicherte sich die erste Startreihe, Valtteri ging von Rang drei ins Rennen, dabei lag er nur neun Hundertstel hinter Vettels Pole-Zeit.

Aber das Team wusste, dass noch nichts verloren war. Die Hochrechnungen verrieten, dass Sotschi eine von nur zwei Strecken im Rennkalender ist, auf denen ein Startplatz in Reihe zwei tatsächlich ein Vorteil sein kann.

Warum das? Nun, der Abstand zwischen den Startplätzen beträgt acht Meter, aber die linke Seite der Startaufstellung - auf der die Ideallinie liegt - bietet mehr Grip. Die erste Kurve ist genau genommen eine Vollgasrechtskurve kurz nach dem Start, auf die ein langer Weg bis zur engen zweiten Kurve folgt. Wenn der Fahrer auf P3 dabei einen Windschatten erwischt, zeigen die Berechnungen, dass er den Nachteil von 16 Metern bei der Startposition wiedergutmachen kann.

Obwohl bei einem F1-Start nichts sicher ist, konnte Valtteri einen Raketenstart hinlegen, Ferrari-Pilot Kimi Räikkönen überholen, sich in Vettels Windschatten schieben und das zusätzliche Momentum nutzen, um vor Kurve zwei auf die Innenseite zu wechseln. Obwohl Vettel das gesamte Rennen über Druck ausübte, war der Start entscheidend für Valtteris ersten F1-Sieg, den er um 0,617 Sekunden einfuhr!

In diesem Jahr konnte Valtteri, der immer stark war in Sotschi, die Pole Position einfahren und gemeinsam mit Lewis die erste Reihe besetzen. Diesmal startete Vettel von P3. Die Vorzeichen hatten sich gedreht!

Das Team konzentrierte sich darauf, zu verhindern, dass Vettel den Windschatten zu seinem Vorteil nutzen konnte. Das Teamwork begann mit dem Erlöschen der Startampeln und Toto bestätigte, dass die Strategie beim Start vorher besprochen worden war.

"Wir haben sogar darüber gesprochen, wann passieren würde, wenn einer von ihnen einen schlechteren Start hätte als der andere. Aber sie konnten sich gegenseitig ziehen und vor Kurve zwei ausschwärmen. Das war sehr schön anzusehen. Sie ließen sich in Kurve eins auch genügend Platz."

Dass Valtteri und Lewis durch Kurve zwei kamen, ohne dass einer von beiden einen Platz an Vettel verloren hat, war entscheidend für den dritten Doppelsieg des Teams nach Spanien und Deutschland.

Toto hält die Hand hoch

Der einzige Boxenstopp des Russland GP sollte entscheidend sein. Entsprechend sah sich das Team einer Herausforderung gegenüber: Vettel gefährdete den Doppelsieg, da er knapp hinter Lewis lag.

In dieser Situation ist es normalerweise von Vorteil, zuerst zu stoppen. Dabei bevorzugt das Team normalerweise den besser platzierten Fahrer. Wenn das Team vorgehabt hätte, Lewis im Rennen zu bevorzugen, hätten sie ihn also in diesem Moment einfach zuerst hereinholen können. Dann wäre er vor Vettel geblieben, es hätte aber Valtteri beeinträchtigt.

Stattdessen wurde Valtteri zuerst hereingerufen - nach zwölf Runden auf seinen HyperSoft-Reifen. Viele erwarteten, dass Lewis als nächstes kommen würde. Aber es war Vettel, der in Runde 13 die Box ansteuerte. Lewis blieb eine weitere Runde draußen und kam dann in Runde 14 herein - und fiel so hinter den Ferrari zurück.

Was ist da schiefgelaufen? Toto hält die Hand hoch. "Das war ich... Lewis kam eine Runde zu spät herein. Wir haben Valtteri hereingeholt und dann hat Lewis im Funk gesprochen und ich war vielleicht eine Sekunde zu lange mit James (Vowles) in einer Diskussion darüber und so musste Lewis noch eine Runde mehr fahren."

Lewis beschreibt die Situation weiter: "Ich lag knapp hinter Valtteri und er kam herein. Sobald ich vorbei war, fuhr ich eine gute Runde. Ich konnte vielleicht etwas länger auf den Reifen fahren als Valtteri. Er sagte, dass er etwas Graining hatte. Meine Runde war gut und dann bin ich eine weitere Runde gefahren, was wahrscheinlich nicht die richtige Entscheidung gewesen ist, da die Reifen abgebaut haben. Sebastian kam eine Runde vorher herein, machte einen Undercut und ich verlor sechs Zehntel oder so hinter einem Überrundeten."

Was rückblickend eindeutig aussieht, war in diesem Moment nicht ganz so klar. Vettels Undercut war stärker als erwartet - rund 1,8 Sekunden gegenüber den erwarteten 0,9 Sekunden. Dadurch kam Ferrari auf den zweiten Rang. Aber nicht für lange...

Hamilton auf der Jagd

Da Lewis beim Boxenstopp eine Position gegen Vettel verloren hatte, kam es jetzt aufs Teamwork an, um ihn wieder auf Platz zwei zu bringen!

Nach 14 von 53 Runden führte Valtteri vor Vettel und Lewis. Alle drei Fahrer hatten gestoppt. Valtteri erklärt, warum er in Umlauf 14 1:40.223 fuhr, eine Runde später aber fast eine Sekunde schneller (1:39.398):

"Ich bin im zweiten Sektor langsamer gefahren, sodass Lewis näher an Sebastian herankommen konnte und dann habe ich im dritten Sektor wieder gepusht, damit Sebastian auf der Start-/Zielgeraden nicht in DRS-Reichweite kam."

Lewis griff sofort auf seinen frischen Soft-Reifen von Pirelli an. Er hatte hinter Vettel einen Windschatten auf der Geraden und holte sich Platz zwei zurück.

"Ich hatte den Grip von den Reifen und ich musste die Chance ergreifen", erklärte Lewis. "Ich war auf dem Weg zu Kurve zwei im Windschatten und zog dann herüber. Aus meiner Sicht hat sich Sebastian bewegt und dann noch einmal weitergezogen. Wenn ich in diesem Moment nicht gebremst hätte, wäre ich in der Mauer gelandet und wir hätten einen Unfall erlebt. Für mich waren es zwei Bewegungen, worüber wir oft sprechen und sagen, dass wir das nicht machen sollten. Aber egal, zum Glück ist nichts passiert und ich konnte in der nächsten Kurve stark zuschlagen..."

Channel-4-Kommentator Ben Edwards sagte: "Verärgerte Zeichensprache von Lewis, der den schlechten Kurvenausgang von Vettel in Kurve zwei nutzte, in der Vollgas-Kurve drei hinter dem Ferrari blieb und dann in Kurve vier innen hineinstach, um sich den zweiten Platz zurückzuholen. Das war fantastisch, ein starkes Manöver."

Die Rennkommissare untersuchten Vettels Manöver in Kurve zwei, aber es wurden keine Maßnahmen ergriffen. Die Attacke von Lewis hatte sich ausgezahlt. Allerdings zahlte er dafür den Preis von Blasenbildung auf seinen Hinterreifen. Das waren schlechte Nachrichten für Valtteri.

Für das Team

Sobald die drei Führenden (Valtteri, Lewis und Vettel) ihre Boxenstopps absolviert hatten und der Kampf in Kurve zwei die vorherige Reihenfolge wiederhergestellt hatte, führte Red-Bull-Pilot Max Verstappen, der auf den Prime-Reifen gestartet war und noch keinen Boxenstopp absolviert hatte.

Der Red Bull war konkurrenzfähig (möglicherweise gut genug, um an der Spitze mitzufahren, wenn er nicht eine Strafe für einen Motorwechsel erhalten hätte) und sie holten nur langsam auf ihn auf. Sobald das aber der Fall war, hatten die Strategen des Teams Sorgen, dass Lewis nun mit den Blasen an seinen Reifen unter Druck von Vettel geraten könnte. Deshalb wurde Valtteri in Runde 25 angewiesen, Lewis in Kurve 13 vorbeizulassen.

Die Blasen am linken Hinterreifen von Lewis rührten daher, dass er nach seinem Boxenstopp direkt so stark angreifen musste. Es bestand eine berechtigte Sorge, dass das Team den Platz verlieren könnte. Lewis konnte sich nicht verteidigen, aber Valtteri schon. Das führte schlussendlich dazu, dass die beiden Autos die Positionen tauschten, um Lewis zu schützen. Wenn Verstappen nicht da gewesen wäre, wären die Blasen zwar auch noch besorgniserregend gewesen, aber mit Verstappen gab es keinen Raum zum Atmen.

Valtteri zeigte sich als Teamplayer, wohlwissend, dass Lewis und nicht er um die Fahrer-Weltmeisterschaft kämpft, und ließ seinen Teamkollegen vorbei. Dennoch muss es wahnsinnig hart für den Finnen gewesen sein, seine beste Chance auf seinen ersten Saisonsieg so herzugeben.

"Als wir die Plätze getauscht haben, gab es zwei Möglichkeiten", erklärte Toto. "Im Idealfall blieb alles wie es war und wir beendeten das Rennen mit Valtteri und Lewis auf den Plätzen eins und zwei. Im schlimmsten Fall hätten die Blasen auf dem Reifen nicht bis zum Schluss gehalten und Lewis wäre von Sebastian überholt worden. Deshalb haben wir uns entschieden, Valtteri zwischen den beiden zu platzieren. Vernünftig betrachtet, war das die richtige Entscheidung - obwohl unser Sportlerherz dabei geblutet hat."

Lieber der Bösewicht als der Dumme

Die Entscheidung für den Platztausch sorge nach dem Rennen in Sotschi für jede Menge Diskussionen im Paddock. Lewis möchte nicht auf diese Weise gewinnen und Valtteri möchte nicht so verlieren. Aber beide Fahrer wissen, dass es im Interesse des Teams und der Weltmeisterschaft war. Toto gab zu, dass ihm die Entscheidung für die letzte Stunde des Rennens schwer im Magen gelegen hat, es schlussendlich aber richtig gewesen ist.

Das Team habe beinahe schon verloren, weil es am Anfang des Rennens fair dachte: "Wir hätten Lewis als erstes hereinholen und damit den Sieg sichern können. Aber wir haben Valtteri hereingeholt, um ihn vor Vettel zu halten und dadurch hat Lewis eine Position verloren. Wir waren auf P3 und ich fühlte mich ehrlich gesagt wie ein Idiot. Aber dann hat uns Lewis mit seinem Manöver gegen Sebastian gerettet."

Gleichzeitig wurden Vergleiche zu Österreich 2002 gezogen, als Ferrari Rubens Barrichello anwies, Platz für Michael Schumacher zu machen, obwohl es erst das sechste Saisonrennen war und Schumacher vier der ersten fünf Grands Prix gewonnen hatte. Auch wurde in Frage gestellt, ob die Entscheidung von Mercedes notwendig war, wenn Lewis selbst bei einem Sieg von Valtteri noch 43 Punkte Vorsprung gehabt hätte.

"Das ist ein ordentlicher Vorsprung", gab Toto zu. "aber wir haben in Österreich gewesen, wie schnell es gehen kann. Dort haben wir auf den Plätzen eins und zwei gelegen und keines unserer Autos kam ins Ziel. Wenn wir dann nach Suzuka reisen, eine Katastrophenwochenende erleben und Vettel gewinnt... dann beträgt der Vorsprung plötzlich 25 statt 50 Punkte. Dann ist es eine komplett andere Situation. Vielleicht gingen wir zu sehr auf Nummer sicher, aber ich habe im Motorsport schon verrückte Dinge erlebt."

Toto war sogar 2002 in Österreich dabei, als Jean Todt die kontroverse Entscheidung bei Ferrari getroffen hat, die zu einem Verbot von Stallregie in der Formel 1 führte. Damals war Toto selbst ein begeisterter Sportwagenfahrer.

Darauf angesprochen sagte Toto: "Jean Todt ist einer der erfolgreichsten Manager in der Geschichte des Motorsports. Niemand wird je seine Bilanz erreichen - er hat Le Mans, Dakar, die Rallye-WM und fünf Doppel-Weltmeisterschaften in der F1 gewonnen, davon sechs Titel in Folge. Wenn ich in seine Fußstapfen treten kann, dann werde ich das machen! Ja, ich glaube, dass er damals die richtige Entscheidung getroffen hat, aber vielleicht nicht mit genügend Fingerspitzengefühl bei der Kommunikation."

"Es gibt schwierige Momente wie heute", fasste Toto zusammen. "Und manchmal musst du eine Entscheidung treffen und dazu stehen. Aber aus Racing-Sicht verstehe ich, dass es sich für Valtteri nicht gut anfühlt, weil ich auch kein gutes Gefühl dabei habe..."

"Manchmal muss jemand den Bösewicht spielen und das war heute ich. Du musst dabei abwägen: Möchtest du an einem Sonntagabend aus vielen richtigen Gründen der Böse sein oder möchtest du am Saisonende in Abu Dhabi der Dumme sein? Schlussendlich bist du der größte Idiot, wenn dir am Ende drei oder fünf Punkte fehlen, nur weil du das Rennergebnis von Valtteri in Sotschi über die Weltmeisterschaft gestellt hast. Da bin ich lieber heute der Bösewicht..."

Grandios, George!

Mercedes-AMG Petronas Motorsport Ersatzfahrer George Russell steht kurz davor, die Formel 2 in seiner Rookie-Saison zu gewinnen, wie auch Ferrari-Neuzugang Charles Leclerc seinerzeit.

George beendete das Hauptrennen am Samstag auf Platz vier und gewann am Sonntag das Sprintrennen mit umgekehrter Startreihenfolge der Top-8. Dabei erzielte er auf dem Weg zu seinem sechsten Saisonsieg auch die schnellste Rennrunde.

Nach einem langen Kampf gegen seinen Rivalen Lando Norris, der in Russland ohne Punkte blieb, reist der amtierende GP3-Champion Russell im November mit einem Vorsprung von 37 Zählern zum Saisonfinale in Abu Dhabi. Dort ist Alexander Albon sein einziger verbliebener Gegner im Titelkampf. Er konnte auch das Hauptrennen am Samstag in Sotschi gewinnen, es war sein dritter Saisonsieg.

Sorry, es scheint so, als sei die Version deines Browser zu alt!

Bitte aktualisiere deinen Browser oder lade eine aktuelle Version der unten aufgelisteten Browser herunter.

Internet Explorer Internet Explorer Firefox Mozilla Firefox Opera Opera Browserr Chrome Google Chrome