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    INSIDE: Der Mann hinter dem Wolff Toto spricht über seine Kin...

Toto spricht über seine Kindheitserinnerungen, seine Karriere als Rennfahrer und was die Zukunft bereithält...

Simon Lazenby von Sky Sports F1 setzte sich vor der Sommerpause mit Toto zusammen, um über dessen Weg in die F1 zu sprechen.

-  SL: Du wurdest vor 46 Jahren als Sohn polnischer und österreichischer Eltern geboren, Du sprichst sechs Sprachen und Du führst jetzt ein sehr erfolgreiches Motorsport-Team. Wie kam es dazu? Wo hat Deine Reise begonnen?

Toto Wolff: "Alle Eltern, die ihre Kinder inspirieren möchten, sollten jetzt nicht mehr weiterlesen. Denn in meiner frühen Kindheit gab es nicht viel Inspiration. Ich wurde in Wien geboren und hatte das Glück, auf eine französische Schule zu gehen."

"Dort habe ich zusätzliche Sprachen gelernt. Das Aufwachsen war hart. Mein Vater war sehr krank, als er jung war, und er stark, als ich noch ein Teenager war. Wir hatten nicht viele finanzielle Mittel und wenn Du in einer Stadt aufwächst, in der Du es vor dir siehst, es aber selbst nicht haben kannst, ist das schwierig."

"Ich würde nicht sagen, dass es die beste Kindheit war und in der Schule war es ebenfalls nicht großartig. Ich bin jedes Jahr geradeso durchgekommen."

"Zu meiner Überraschung machte ich mit 18 mein Abitur und entschloss mich dann dazu, Rennfahrer zu werden und Wirtschaft in der Universität in Wien zu studieren."

"Die Rennen liefen durchwachsen und das Studium war sogar noch schlimmer. In diesem Moment habe ich mich dazu entschlossen, für ein Unternehmen zu arbeiten und mein eigenes Geld zu verdienen."

-  SL: Was war zuerst da? Wann hast Du deine Liebe für den Rennsport entdeckt?

TW: "Das war purer Zufall, weil ich mit ein paar Freunden zusammen war. Wir waren in Amsterdam, frag nicht warum, und wir sind auf der Rückfahrt am Nürburgring vorbeigekommen."

"Einer meiner Freunde gehörte zu den Spitzenleuten in der deutschen Formel 3-Meisterschaft zu der Zeit und ich war von dem Umfeld fasziniert, liebte die Autos und Fahrer und entschied mich dazu, dass ich es auch einmal probieren wollte."

"Ich habe fast alles herausgefunden und mich dazu entschlossen, mir einen SEAT Ibiza zu kaufen, einen klitzekleinen SEAT. Ich konnte ihn von meinem Taschengeld bezahlen und verdiente mir etwas dazu."

"Ich konnte geradeso die monatlichen Leasingraten bezahlen und startete mit dem Auto bei Rennen. Dann habe ich mein Straßenauto verkauft, bin mit dem Auto Rennen gefahren und habe es auf der Straße zurückgefahren. So hat meine Rennkarriere begonnen."

-  SL: Warst Du gut?

TW: "Ich kam zum ersten Rennen und dachte mir: Es ist der SEAT Ibiza Cup mit 30 Teilnehmern: Die werde ich alle wegblasen, das steht schon mal fest."

"Ich erinnere mich noch, dass ich im ersten Qualifying 18. Wurde und mir wurde gesagt, dass das klar war, weil der Motor 1.000 km braucht, um richtig zu funktionieren. Meiner war schließlich brandneu."

"Das Rennen war übrigens in Spielberg auf dem Red Bull Ring. Also bin ich mit dem SEAT die ganze Nacht über 1.000 km gefahren, zurückgekommen und im Qualifying erneut 18. geworden."

"So habe ich gelernt, dass mehr dazu gehört, als ich gedacht hatte. Danach habe ich an einer richtigen Rennfahrerschule teilgenommen, bin in die Formel Ford gegangen und dann wurde es langsam besser."

-  SL: Du hast eine Weile mit Blick über die Strecke in Spielberg gewohnt? Und als Instruktor gearbeitet?

TW: "Ja, ich lebte von der Hand in den Mund, da ich von Zuhause keine finanzielle Unterstützung erhalten habe. Ich habe versucht, es an der Uni zu schaffen und dann erhielt ich ein Angebot vom besten Formel Ford-Team, um für sie als Instruktor auf der alten Strecke in Spielberg zu arbeiten."

"Es gab ein Bauernhaus und ich habe ein oder zwei Euro für das Bett und Frühstück bezahlt. Das Tolle daran war, dass ich als Instruktor nicht nur den Jungs etwas gezeigt habe, sondern selbst auch am Vormittag und am Abend mit den Autos gefahren bin."

"Dadurch habe ich mehr Kilometer abgespult und mehr Erfahrung gesammelt. Und so glaubte ich, dass mir das beim Rennfahren helfen würde."

-  SL: Ich habe gelesen, dass Du zu diesem Zeitpunkt wohl nicht ganz das Zeug zur absoluten Spitze hattest. Du bist auf Alex Wurz gefolgt und hast gesagt, dass Du nicht kannst, was er kann. War das ein Moment, in dem Du dir gedacht hast, dass Du etwas anderes ausprobieren solltest?

TW: "Ja, es war bizarr, denn es war genau dieser Moment. Er wird es wahrscheinlich gar nicht wissen. Es gab eine sehr schnelle Kurve auf dem alten Österreichring, genannt Bosch Kurve. Dort ging es bergab."

"Damals musste man die Formel Ford-Autos über alle vier Räder rutschen lassen. Er hatte die Fahrzeugkontrolle dafür, ich nicht."

"Mir fehlte die Erfahrung aus dem Go-Kart, die Möglichkeiten zu testen, weil ich nicht genug Geld hatte. In diesem Moment habe ich mir gedacht: Ich werde es in diesem Sport nicht bis an die Spitze schaffen."

-  SL: Du beschreibst Dich selbst als Unternehmen. Du bist ins Investment gegangen und so in die F1 gekommen. Aber wann hast Du festgestellt, dass Du gut darin bist, Geld zu machen?

TW: "Das habe ich gar nicht bemerkt, weil ich das Glück habe, in meinem aktuellen Job meine Leidenschaft für Motorsport und Finanzen vereinen zu können."

"Finanzen war ein Zufall, weil ich ein kleines Unternehmen gründen konnte und einer unserer größten Kunden Pleite gegangen ist. Der einzige Weg, um unsere ausstehenden Forderungen zu retten, war, das Unternehmen zu kaufen."

"Das war meine erste Rettungsmaßnahme und sie wurde aus der Not geboren, weil ich uns selbst retten wollte. Ich war noch sehr jung, 25 oder 26, und das hat mein Interesse geweckt."

"Mitte bis Ende der 90er Jahre kam das Internet in Mode und ich war für ein oder zwei Monate in den USA. Dort haben Netscape und America Online mein Interesse geweckt und als ich nach Europa zurückkam, habe ich damit begonnen, winzige Summen zu investieren oder Anteile für die Beratung dieser technischen Unternehmen zu erhalten. Und einige davon machten sich ziemlich gut."

-  SL: Ich habe einmal für KFC gearbeitet und dann habe ich für einen Freund meines Vaters in einer Fabrik gearbeitet, die Kotschaufeln für Haustiere gebaut hat. Das war wahrscheinlich mein schlimmster Job, was war Deiner?

TW: "Der schlimmste war, als ich es als Rennfahrer versuchte. Vor Weihnachten musste ich in einer der betriebsamsten Gegenden einer österreichischen Stadt ein goldenes Cape tragen, mein Gesicht Gold färben und Flugblätter für den örtlichen Elektroladen verteilen."

"Das war so peinlich, weil mich die Leute erkannt haben. Ich erinnere mich daran, wie schlimm es war, aber ich habe es überstanden, weil ich das Geld wirklich gebraucht habe."

-  SL: Stimmt es, dass Du mit Deiner zweiten Ehefrau Susie Euer erstes Date in Hockenheim hattest? Du alter Romantiker...

TW: "Ja, das war das erste Date, aber es war alles andere als romantisch. Wir haben dort in einem kleinen Hotel übernachtet, keinesfalls ein besonders schickes, ein Dreisterne-Hotel."

"Sie wäre nicht so glücklich, wenn ich mehr ins Detail gehen würde, aber es war unser erster gemeinsamer Abend. Deshalb verbinde ich eine Rückkehr nach Hockenheim immer mit romantischen Erinnerungen."

-  SL: Sie ist selbst sehr erfolgreich, sehr ambitioniert, unabhängig, betreibt eine fantastische Kampagne mit "Dare to be Different" und nun leitet sie ihr eigenes Formel E Team. Hast Du ihr ein paar Lektionen gegeben, wie man ein Team führt?

TW: "Wenn man sie sieht, würde man nicht glauben, wie viel Ehrgeiz in dieser kleinen Person steckt, aber sie hat es als Testfahrer bis in die Formel 1 gebracht und auch die schwierigen Jahre in der DTM in einem B-Auto überstanden. In der Anfangsphase ihrer Karriere ist sie in der Formel Renault gegen Lewis Hamilton und Paul Di Resta gefahren."

"Wenn man als Frau eine von 100 ist, die das schafft, zeigt das, was für Durchhaltevermögen und Kraft in ihr steckt."

"Sie hat schon immer klar gesagt, dass sie nach dem Baby etwas Unternehmerisches mit einem langfristigen Plan angehen wollte. Dann hat sich die Chance in der Formel E ergeben und das macht sie sehr gut."

"Sie hat mir die letzten fünf Jahre zugehört, aber ich möchte ihr nichts vorschreiben, weil sie das nicht braucht. Sie hat ein gutes Herz, gute Qualitäten und eine gute Strategie."

-  SL: Ihr seid König und Königin von Mercedes Motorsport. 2019 oder 2010 kommt Mercedes auch in die Formel E. Dann könntest Du die F1 leiten und sie die Formel E?

TW: "Es ist gefährlich von König und Königin zu sprechen. Erfolg kann andere Leute verleiten und wir wollen das nicht. Wir arbeiten sehr hart. Der Rennsport ist unsere Nische und unsere Leidenschaft."

"Sie geht ihren eigenen Weg, Venturi ist ein unabhängiges Team, es hat nichts mit Mercedes zu tun. Wenn sie zu Mercedes gewollt hätte, wäre das nicht das richtige Bild gewesen, deshalb sagt sie: Mach Du Deine Sache bei Mercedes und ich mache mein Ding hier."

"Wir wollen beide erfolgreich sein, aber der große Vorteil ist, dass wir 24/7 darüber sprechen können. Es gefällt uns, darüber beim Frühstück zu sprechen oder beim Abendessen. Es ist nur unser Sport."

-  SL: Was ist das Beste an Deinem Job?

TW: "Das Beste ist, dass man dazu in der Lage ist, zu beurteilen, ob man gute Arbeit abgeliefert hat oder nicht."

"Wenn du verloren hast, wenn deine Rundenzeiten zu langsam waren und wenn du kein Rennen oder keine Meisterschaft gewonnen, dann warst du nicht gut genug. Das ist die brutale Wahrheit der Rundenzeiten."

-  SL: Erlebst Du gerade die schwierigste Zeit seit Du die Geschicke leitest?

TW: "Ich habe einige schwierige Zeiten erlebt, aber diese ist besonders schwierig, weil wir vier Titel in Folge gewonnen haben und so erfolgreich gewesen sind."

"Die Leute mögen es, wenn der Underdog gewinnt. Das erlebe ich bei mir persönlich ja auch, wenn ich mir andere Sportarten ansehe. Du wünschst dir Abwechslung."

"Das ist eine der Herausforderungen, der wir uns stellen müssen. Wie können wir weiterhin zu den Guten gehören, was wir hoffentlich bislang auch schon waren, und die richtigen Werte vertreten, aber auf der anderen Seite gegen Ferrari und Red Bull bestehen, die sehr gute Arbeit leisten und nach mehr streben."

"Wir müssen uns nur motivieren und jeden Tag antreiben, um an der Spitze zu bleiben."

-  SL: Du hast gesagt, dass Dich Macht nicht interessiert. Aber Du befindest dich in einer Position mit sehr viel Macht. Würdest Du sagen, dass Du aktuell der mächtigste Mann in der F1 bist?

TW: "Nein, Macht interessiert mich ganz und gar nicht. Ich möchte meine Rolle gut ausüben, meine eigenen Erwartungen erfüllen. Das ist das Wichtigste für mich. Ich möchte die Erwartungen von Mercedes erfüllen, weil am Ende des Tages ist es ihre Marke, die wir repräsentieren. Das möchte ich mit den richtigen Werten schaffen."

"Danach gibt es vielleicht so etwas wie Macht, aber das ist nichts, was mir wichtig ist."

-  SL: Was halt die Zukunft für dich bereit? Du bist schon weit gekommen, führst das erfolgreichste Team der Hybrid-Ära. Was siehst Du dich in fünf oder zehn Jahren machen?

TW: "Das habe ich noch nicht entschieden. Das werde ich im nächsten Jahr machen. Mein Ziel in diesem Jahr ist, weiter um die WM zu kämpfen und unser Bestes zu geben. Ich möchte mich nicht von Gedanken über die Zukunft ablenken lassen."

"Aber es ist alles möglich. Vielleicht bleibe ich in einer Rolle in der Formel 1 oder ich gehe wieder ins Investmentgeschäft zurück. Oder ich reise einfach für sechs Monate durch die Welt und sehe mir die schönsten Orte an, ohne dass ich jeden Tag mit dem Stress aufwache, im nächsten Rennen abliefern zu müssen. Ich weiß es nicht."

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