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    INSIDE: Warum Mut in Schanghai den Unterschied ausmachte Das Team mag beim China GP ...

Das Team mag beim China GP mit den Plätzen zwei und vier für Valtteri Bottas und Lewis Hamilton erstmals in dieser Saison die Führung in der Konstrukteurs-WM übernommen haben...

Aber das dritte Saisonrennen auf dem Shanghai International Circuit hat gezeigt, was für eine schwierige Aufgabe das Team in diesem Jahr erwartet, wenn es seinen fünften Titelerfolg in Folge einfahren möchte. Die Konkurrenz von Ferrari und Red Bull ist groß.

Lewis jagte an diesem Wochenende seinen sechsten Sieg und die siebte Pole Position in Schanghai. Zunächst sah alles gut aus, immerhin führte er beide Freitagstrainings an und erzielte dabei konkurrenzfähige Zeiten auf Rennversuchen. Die Aussichten veränderten sich jedoch am Samstag, als viel kühlere Streckentemperaturen beim W09 für einen Unterschied wie Tag und Nacht sorgten.

Das Ausmaß der Veränderungen zeigte sich beim Abstand zu Ferrari, die beide in der ersten Startreihe standen. Sebastian Vettels Pole-Zeit war eine 1:31.095 Minuten vor Kimi Räikkönen mit 1:31.182 Minuten. Valtteri und Lewis erzielten auf dem Weg in die zweite Reihe Zeiten von 1:31.625 und 1:31.675, jeweils etwas mehr als ein Zehntel schneller als Red Bull-Pilot Max Verstappen auf Platz fünf.
"Es ging darum, den Reifen ins richtige Fenster zu bringen", erklärte Toto Wolff. "In Bahrain haben wir unter Überhitzung gelitten, hier war es andersherum. Die Reifen (die ultraweichen Reifen von Pirelli) waren auf der kühlen Seite, die von Lewis noch kälter als von Valtteri. Uns fehlte der Grip. Im Gegenzug sah der Ferrari so aus, als ob er auf Schienen fahren würde, ähnlich wie bei uns in Melbourne (wo vor drei Wochen der Saisonauftakt stattgefunden hat)."

Aber wie Toto betonte, war noch nicht alles verloren. Valtteri und Lewis erzielten ihre Q2-Zeiten ebenso wie die beiden Ferrari-Fahrer auf der weichen Reifenmischung. Entsprechend gingen sie alle auf den gelb markierten Pirelli-Pneus ins Rennen - und es war unwahrscheinlich, dass einer von ihnen die ultraweichen Reifen im Rennen einsetzen würde. Die Red Bull-Piloten sollten aber mit den UltraSofts aus der dritten Reihe ins Rennen gehen. Da die Temperaturen am Renntag heißer sein sollten, würde ihnen wahrscheinlich die Flexibilität fehlen, einen Stopp zu machen - die Strategie, die laut den Simulationen von Pirelli am schnellsten war.

Der Start war wichtiger denn je für die Aussichten von Valtteri und Lewis im Rennen. Als Vettel nach rechts zog, um Räikkönens Angriff auf der Innenseite von Kurve 1 abzuwehren, nutzte Valtteri die Gunst der Stunde und zog außenherum in der Schneckenkurve in Schanghai an dem Ferrari mit der Startnummer 7 vorbei. Lewis startete auf der gleichen Seite wie Räikkönen, wurde aber eingeklemmt und verlor einen Platz an Red Bull-Fahrer Verstappen. Somit kam er auf Platz fünf aus der ersten Runde zurück.

Vettel fuhr in der Anfangsphase einen Vorsprung von zwei Sekunden heraus und schien dann auf seine Reifen zu achten. Der Ferrari-Pilot führte nach zehn Runden mit 2,5 Sekunden Vorsprung vor Valtteri. Nach 15 der 56 Runden war sein Vorsprung auf 3,8 Sekunden angewachsen und die ersten Boxenstopps rückten immer näher. Interessanterweise fielen Vettels Rundenzeiten in den nächsten drei Runden um beinahe eine halbe Sekunde. Das deutet darauf hin, dass der Ferrari einen erhöhten Reifenabbau auf den weichen Pirelli-Reifen hatte oder dass sie das Potenzial eines möglichen Undercuts unterschätzt haben. Am Ende von Runde 18 lag Valtteri 3,5 Sekunden hinter ihm.

Eine Runde vorher eröffnete Red Bull den Boxenstoppreigen mit einem Doppelstopp für den Dritten Verstappen und den Sechsten Ricciardo. Verstappen lag auf den ultraweichen Reifen innerhalb von sechs Sekunden zu Valtteri und kam weit genug, um möglicherweise nur einen Stopp zu machen. Das bedeutete, dass er alles andere als aus dem Spiel war. Sein Teamkollege Ricciardo fuhr auf seinem ersten Stint hingegen hinter Lewis und lag innerhalb von zwei Sekunden zur Nummer 44, als er sechs Sekunden hinter Verstappen an die Box kam.

Doppelstopps mit beiden Autos können sich strategisch auszahlen, aber das Risiko ist, dass ein Problem mit dem ersten Auto auch zu einer Verzögerung beim zweiten Auto führen kann. Red Bull gelangen jedoch zwei schnelle Stopps, weshalb das Team in Runde 18 mit einem Stopp von Lewis reagierte, um einem Undercut entgegenzuwirken. Es sollte eng werden, aber eine gute "In Lap" von Lewis und ein effizienter Stopp sorgten dafür, dass er vor Ricciardo blieb.

Als nächstes kam Valtteri an die Box, der eine Außenseiterchance auf einen Undercut gegen Vettel hatte, da der Führende weiterfuhr. Valtteri wurde mitgeteilt, dass es extrem eng werden würde, weshalb er alles gab. Das Team musste dennoch hoffen, aber es zahlte sich aus: ein unglaublicher Mercedes-Boxenstopp (um die 1,8 Sekunden bis Valtteri wieder losbrausen konnte) wurde von einer perfekt umgesetzten "Out Lap" von Valtteri gefolgt.

Der Ferrari-Stopp von Vettel war eine Runde später fast eine Sekunde langsamer - möglicherweise verständlich angesichts der Probleme eine Woche zuvor in Bahrain, als Teammitglied Francesco Cigorini sich das Bein brach, als Räikkönen die Box verließ. Vettel kam hinter Valtteri zurück auf die Strecke!

Ferrari beließ derweil Räikkönen auf der Strecke, der nach 21 Runden (35 Runden vor Schluss) das Feld mit 8,5 Sekunden Vorsprung auf Valtteri anführte. Vettel lag mehr als zwei Sekunden hinter dem Mercedes mit der Nummer 77. Danach folgte eine Lücke von sechs Sekunden auf Verstappen, der wiederum zwei Sekunden Vorsprung auf Lewis hatte. Ricciardo fuhr weitere vier Sekunden dahinter.

Auf seinen frischen Medium-Reifen fuhr Valtteri fast zwei Sekunden schnellere Rundenzeiten als Räikkönen auf seinen alten Softs. In Runde 26 befand er sich in DRS-Reichweite des Ferrari. Gleichzeitig stand ihm aber auch eine möglicherweise knifflige Situation ins Haus, da ihm Vettel im Nacken saß.

"Als ich auf Kimi aufholte, konnte ich sehen, was sie (Ferrari) vorhatten", sagte Valtteri mit einem Lächeln. "In ihrer Situation hätten wir das gleiche gemacht. Ich denke, Kimi hat definitiv versucht, mich auszubremsen, damit Sebastian näherkam, aber zum Glück hat ihm das nicht allzu viel geholfen. Kimi kämpfte richtig mit seinen alten Reifen."

Valtteri nutzte das aus und überholte seinen Landsmann erneut, um in Runde 27 in Führung zu gehen. Dabei bremste er am Ende der Gegengeraden vor Kurve 14 spät genug, um einen DRS-Angriff von Vettel auf der Innenseite zu verhindern. Räikkönen wurde dann nach seinem langen ersten Stint sofort and die Box geholt, wo er neue Medium-Riefen erhielt. Valtteri fuhr bis dahin ein perfektes Rennen, aber das Glück sollte ihm nicht hold bleiben...

Im Mittelfeld fuhr Pierre Gasly auf zehn Runden frischeren Reifen als sein Toro Rosso-Teamkollege Brendon Hartley. Gasly hatte das Gefühl, dass der Neuseeländer in Kurve 14 die Tür offenließ. Hartley plante jedoch, Gasly am Ausgang vorbeizulassen, so wie er es schon vorher im Rennen gemacht hatte und lenkte deshalb ein. Die beiden Toro Rossos berührten sich in Runde 29 und hinterließen jede Menge Karbonteile auf der Strecke. Renault-Fahrer Carlos Sainz war einer der Fahrer, die sich im Funk zu Wort meldeten und meinten, dass es genügend Teile waren, um eine Safety Car-Phase zurechtfertigen. Das Safety Car ging dann in Runde 31 auf die Strecke. Valtteri und Vettel hatten zu diesem Zeitpunkt leider schon die Boxeneinfahrt passiert. Somit hatten sie keine Gelegenheit, um an die Box zu fahren und einen weiteren Satz weicher Reifen aufziehen zu lassen, um so dem verlorenen Vorsprung durch die Safety Car-Phase entgegenzuwirken.

Verstappen lag fünf Sekunden hinter Vettel. Somit hatte Red Bull genügend Zeit, um den Niederländer hereinzurufen und auf weichen Reifen wieder herauszuschicken. Lewis lag immer noch nur zwei Sekunden hinter Verstappen, aber er blieb draußen, während Ricciardo (vier Sekunden hinter ihm) ebenfalls an die Box gerufen wurde, um sich die schnelleren gelb markierten Pirellis abzuholen. Er verlor dabei nur eine Position an Räikkönen, da Red Bull zum zweiten Mal an diesem Nachmittag einen problemfreien Doppelstopp absolvierte.

Als das Safety Car hereingerufen wurde, waren noch 21 Runden zu fahren. Entsprechend faszinierend waren die Vorzeichen für den Rest des Großen Preises von China. Valtteri führte das Rennen vor Vettel an, dessen Medium-Reifen eine Runde neuer waren als die des Finnen. Dahinter lag Lewis auf der gleichen Mischung, aber mit Reifen, die zwei Runden älter waren als die der Ferrari-Fahrer. Ihm folgte Verstappen auf neuen Soft-Reifen - damit war er eindeutig eine Gefahr. Dann Räikkönen auf relativ neuen Medium-Reifen, von dem man hätte annehmen können, dass er das Vorankommen von Ricciardo einbremst, der ebenfalls neue Softs hatte.

"Ist es richtig, dass da Fahrer mit frischen Reifen hinter mit liegen?", fragte Lewis im Funk.

"Korrekt, Lewis", lautete die Antwort.

Valtteri und Vettel konnten nicht stoppen. Aber warum hat Mercedes sich nicht dazu entschieden, dem Vorbild von Red Bull bei Verstappen zu folgen, und zumindest Lewis für einen frischen Satz weicher Reifen hereinzuholen?

Mehrere Faktoren führten zu dieser Entscheidung. Zunächst einmal wussten die Strategen von Mercedes, dass sie hinter ihm herausgekommen wären, wenn sie auf Verstappens Stopp reagiert hätten. Zudem hätte Red Bull vielleicht Ricciardo draußen gelassen, wenn Lewis reingekommen wäre. Dadurch hätte auch die Gefahr bestanden, einen Platz gegen den Australier zu verlieren.

Außerdem lag auch noch Räikkönen auf seinen relativ frischen Medium-Reifen innerhalb dieses Fensters, sodass auch hier eine große Gefahr bestand, eine weitere Position zu verlieren. Angesichts des bisherigen Rennverlaufs erschien Überholen nicht gerade einfach.

Da die Medium-Mischung auf dem W09 relativ stark funktionierte und innerhalb der vorhergesagten Lebensspanne bis Rennende blieb, erschien das potenzielle Risiko gegenüber dem Ertrag es nicht wert zu sein. Lewis gab alles, kam aber rasch unter Druck von Verstappen. Dennoch erschien es optimistisch, als Max in Runde 39 versuchte, den Mercedes in der schnellen Kurve 7 außen herum zu überholen!

"Ich habe ihn noch nicht mal gesehen", sagte Lewis. "Ich fuhr die Kurve ganz normal und wenn ich mir die Wiederholung ansehe, dann verstehe ich nicht wirklich, was er da gemacht hat..."

Auf die Frage, ob er je einen anderen Fahrer in dieser Kurve in Schanghai überholt hätte, antwortete Lewis: "Sicherlich keinen Topfahrer."

Verstappen kam tatsächlich nach außen ins Gras und verlor einen Platz an seinen Red Bull-Teamkollegen Ricciardo, der in Runde 40 in Kurve 14 spät bremste und sich mit einem schönen Manöver Platz drei von Lewis holte. Zwei Runden später fiel auch der Zweitplatzierte Vettel ihm zum Opfer, bevor Riccairdo in Runde 45 in Kurve sechs innen an Valtteri vorbei und in Führung ging.

"Er kam sehr schnell näher", sagte Valtteri. "Er hatte ein richtig starkes Auto und zudem frische Reifen. Wenn man sieht, mit welcher Pace er hinterher davonzog, war es ein großer Unterschied. Ich versuchte, mich in Kurve sechs zu verteidigen, aber das ist immer ein Kompromiss. Wenn du zu extrem bist, erwischt er dich definitiv am Ausgang, wenn er mit der normalen Linie reinfährt. Daniel findet außerdem immer Platz, selbst wenn du dich innen verteidigst. Aber angesichts seiner Pace war es nur eine Frage der Zeit."

Verstappen ließ sich von seinem Ausrutscher in Kurve sieben nicht entmutigen und überholte Lewis drei Runden später. Als nächstes lag Vettel in seinem Visier, aber die beiden berührten sich nach 43 Runden in Kurve 14 und drehten sich. Die Rennkommissare belegten Verstappen für den Zwischenfall mit einer 10-Sekunden-Zeitstrafe. In der dadurch entstandenen Verwirrung verlor Lewis einen Platz an Räikkönen.

"Ich sah beide falsch herumstehen, als ich am Scheitelpunkt war. Ich konnte die engere Kurve nicht fahren, die Kimi genommen hat, und musste links vorbei. Das war Pech und kostete mich eine Position", erklärte er.

Für den neutralen Beobachter war es ein unglaublich unterhaltsames Rennen, das Ricciardo mit 8,8 Sekunden Vorsprung vor Valtteri gewann. Es war Ricciardos sechster Grand Prix-Sieg und auch Valtteri hatte eine sehr starke Performance gezeigt. Er kam 0,8 Sekunden vor Räikkönen ins Ziel. An einem Tag, an dem er sich in seinem Auto nicht wohlfühlte und 38 Runden lang auf einem Satz Medium-Reifen fahren musste, war Lewis glücklich, acht WM-Punkte auf Vettel gutzumachen, der sein Auto als Achter ins Ziel schleppte und in den Schlussrunden noch von Nico Hülkenberg und Fernando Alonso überholt wurde.

Rückblickend lässt sich nach dem Sieg von Ricciardo natürlich sagen, dass das Team vielleicht das Risiko hätte eingehen sollen, um Lewis ebenfalls an die Box zu holen. Trotzdem fehlt der Beweis, dass der W09 auf den weichen Reifen die gleiche Pace wie der Red Bull hätte mitgehen können. Ricciardo fuhr auf der vorletzten Rennrunde eine beeindruckende Zeit von 1:35.785 Minuten.

Trotz der starken Leistung von Ricciardo muss man mit Valtteri mitfühlen, der bis zum Safety Car alles unter Kontrolle hatte und auf die SC-Phase nicht reagieren konnte. Vettel befand sich in einer ähnlichen Situation, sagte später jedoch, dass er nach einer ähnlichen Situation beim Ungarn GP 2014 darauf gehofft hatte, dass solche Situationen zukünftig vermieden würden. In China war das nicht der Fall.

"Das überwiegende Gefühl ist natürlich Enttäuschung. Wir sind hier, um zu gewinnen", sagte Valtteri. "Und das ist uns heute nicht gelungen, obwohl wir das Rennen für einen Großteil angeführt haben. Ich habe alle Gelegenheiten genutzt, die sich mir geboten haben, und das Team hat beim Boxenstopp perfekte Arbeit abgeliefert. Danach hat sich die Situation verändert und es kam zu einem anderen Ergebnis."

Lewis sagte derweil rückblickend: "Uns fehlte ab Samstag die Pace. Das Auto fühlte sich sehr instabil an und lenkte in vielen Kurven nicht richtig ein. Wir haben seit Melbourne an Performance verloren und sind im Moment das zweit- oder drittschnellste Team. Wir müssen uns verbessern, aber das Team hat gezeigt, dass es eine großartige Einheit ist und wir alle an einem Strang ziehen."

Obwohl das Team noch seinem ersten Saisonsieg 2018 hinterherfährt, führt es die Konstrukteurswertung mit einem Punkte Vorsprung auf Ferrari an (85:84). Red Bull liegt mit 55 Punkten dahinter auf Platz drei. Vettel führt in der Fahrerwertung mit 54 zu 45 Punkten vor Lewis, Valtteri ist mit 40 Punkten Dritter. Der Sieger von Schanghai, Daniel Ricciardo, hat 37 Zähler und Räikkönen 30.

Das nächste Rennen findet am 29. April in Aserbaidschan statt. Wenn es ähnlich spektakulär zugeht wie im Vorjahr und bei den ersten Saisonrennen 2018 erwartet uns ein echter Klassiker...

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