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    INSIDE: Was hätte in Bahrain sein können? Mercedes erzielte in Bahrai...

Mercedes erzielte in Bahrain ein Doppelpodium, fragte sich bei der Abreise jedoch, was vielleicht möglich gewesen wäre...

Mercedes hätte Ferrari beim Großen Preis von Bahrain hinter sich lassen können. Die Kombination aus einer Getriebestrafe für Lewis Hamilton und einem engen, strategischen Rennen bescherten Sebastian Vettel seinen zweiten Sieg in Folge. Valtteri Bottas lag beim Überqueren der Ziellinie nur 0,69 Sekunden dahinter, während Hamilton sich den dritten Platz erkämpfte.

Die Testrunden am Freitag bestätigten, was Toto Wolff bereits seit dem Beginn der Winter-Testfahrten sagt: dass dieses Jahr einen engen Wettbewerb zwischen Mercedes, Ferrari und Red Bull verspricht. Ferrari sicherte sich im Qualifying am Samstag auf dem Sakhir Circuit die komplette erste Startreihe, doch es war unglaublich eng. Vettel sicherte sich die Pole mit einer 1:27.958, Kimi Räikkönen war Zweiter mit einer 1:28.101, während dem Drittplatzierten Valtteri nur 0,02 Sekunden fehlten. Lewis lag eine weitere Zehntelsekunde dahinter. Dadurch startete er nach seiner Fünf-Platz-Getriebestrafe von der neunten Position.

Pirelli brachte seine SuperSoft-, Soft- und Medium-Mischungen mit nach Bahrain. Toto sagte: "Man konnte sehen, dass wir auf einer Strecke wie Bahrain mit ihrem sehr rauen Asphalt und der starken Hitze Schwierigkeiten hatten. Auf der Soft-Mischung war das Auto viel besser, doch mit den SuperSofts kam es zu Überhitzungen und wir konnten nicht den maximalen Grip herausholen."

Die Ingenieursabteilung stimmte zu: "Fraglos haben wir im Qualifying nicht die gewünschte Performance erzielt. Red Bull und Ferrari gelang es, während wir mit Blick auf Melbourne und den Test in Barcelona aus dem Rahmen fielen. Den Grund dafür müssen wir schnellstmöglich verstehen. Auf der Gegenseite lief es im Rennen anders. Es liegt an den stabilen Temperaturen: Die eine schnelle Runde war nicht unsere Stärke, aber bei zehn Runden am Stück befand sich jeder in derselben Situation und das Auto ist wieder wettbewerbsfähig."

Es war klar, dass die optimale Rennstrategie eine knappe Angelegenheit zwischen einem und zwei Boxenstopps sein würde - je nach Entwicklung des Rennens und der Streckenbedingungen. Da Lewis sich durch das Feld kämpfen musste, entschied das Team, den vierfachen Champion im Q2 auf die langsamere Soft-Mischung zu setzen, um ihm dadurch eine potenziell längere Reichweite im ersten Stint zu ermöglichen.

Als die Startampeln ausgingen, gelang Valtteri von der sauberen Seite der Startaufstellung ein besserer Start als Räikkönen. Er übernahm den zweiten Platz hinter Vettel, als das Feld durch die ersten drei Kurven hindurchtauchte. Weiter hinten kam Lewis großartig vom Fleck. Doch als sich jeder in eine gute Position zu drängeln versuchte, wurde er durch einen Kontakt mit Max Verstappen beeinträchtigt. Der Zwischenfall sorgte letztendlich für das Rennende des Niederländers. Lewis war danach nur Zehnter, als jeder am Ende der ersten Runde über die Linie fuhr.

"Das war eine unnötige Kollision", sagte Lewis. "Zwischen Fahrern muss ein gewisser Respekt herrschen. Letztendlich war es unsinnig für ihn, denn er beendete das Rennen nicht. Zuletzt tendierte er dazu, einige Fehler zu machen und es war einfach unnötig von ihm, so etwas zu tun."

Das Mittelfeld der F1 liegt 2018 enger zusammen als je zuvor. Als sich Esteban Ocon im Force India, Nico Hülkenbergs Renault und der McLaren von Fernando Alonso gegenseitig bekämpften, gelang Lewis ein fantastisches Manöver: Zum Start der fünften Runde überholte er alle drei auf dem Weg in die erste Kurve.

'Das war ein großartiges Gefühl. Ich bekam einen katapultartigen DRS-Schwung durch Fernando, der mich direkt an die beiden anderen Jungs heranbrachte.'

Lewis Hamilton

"Das war ein großartiges Gefühl", sagte er mit einem Grinsen. "Ich bekam einen katapultartigen DRS-Schwung durch Fernando, der mich direkt an die beiden anderen Jungs heranbrachte. Und dann probierte ich es einfach. Bis zu diesem Zeitpunkt verlor ich Zeit und es war fantastisch, drei auf einen Streich zu erwischen."

In der darauffolgenden Runde übernahm Lewis den fünften Platz von Haas-Pilot Kevin Magnussen, zwei Runden später überholte er auch den beeindruckenden Pierre Gasly im Toro Rosso. Als er erstmals freie Fahrt hatte, betrug sein Rückstand 14,3 Sekunden auf den Führenden Vettel im Ferrari.

Nachdem Valtteri im vergangenen Jahr in Bahrain seine erste Pole erzielt hatte, tat er sich im ersten Stint schwer mit den Soft-Reifen. Diesmal knabberte er im Verlauf der Runden allerdings an Vettels Führung. Als sich das erste Boxenstopp-Fenster öffnete, hatte er den Rückstand von 3,3 auf 2,2 Sekunden verkürzt.

Vettel bog in die Box ab und wechselte nach 18 Runden auf die Soft-Reifenmischung. Ferrari holte Räikkönen (5,5 Sekunden hinter Vettel) in der folgenden Runde rein. Dadurch wurde das Team effektiv gezwungen, das Auto mit der Nummer 77 in der nächsten Runde an die Box zu beordern, um Valtteri vor einem möglichen Undercut durch Räikkönen zu schützen.

Das Team entschied sich dazu, die größtmögliche strategische Flexibilität zu bewahren, indem es Valtteri die Medium-Mischung von Pirelli gab. Lewis fuhr auf den länger haltbaren Soft-Reifen bis zur 26. Runde, bis das Team das Auto mit der Nummer 44 reinholte und einen weiteren Satz Mediums draufschraubte.

Zur Hälfte des 57 Runden langen Grand Prix stand das Rennen auf Messers Schneide. Vettel führte mit 5 Sekunden Vorsprung vor Valtteri auf den Softs, bei denen das Team es unwahrscheinlich fand, dass sie die 39 Runden bis zum Ende durchhalten würden. Der Finne verkürzte seinen Rückstand um fast 3 Sekunden, obwohl er auf der härteren Medium-Mischung fuhr. Räikkönen lag mit seinen Softs nur etwas mehr als zwei Sekunden hinter Valtteri. Lewis hatte mit seinen frischeren Mediums 24 Sekunden Rückstand auf den Führenden.

Nach nur 16 Runden auf den Softs rief Ferrari Räikkönen zu einem zweiten Boxenstopp für die rot markierten SuperSofts herein. Wahrscheinlich, um herauszufinden, wie schnell sie sind, damit sie die beste Strategie für den führenden Vettel übernehmen können. Leider ging der Stopp schief, weil das Team das linke Hinterrad nicht lösen konnte. Da der Sensor aber noch angebracht war, bekam Räikkönen grünes Licht, um loszufahren, nachdem seine anderen drei SuperSofts angeschraubt worden waren. Dabei traf und verletzte er einen Ferrari-Mechaniker, der noch am klemmenden linken Hinterrad arbeitete.

Da der verletzte Mann in der Boxengasse auf dem Boden lag und medizinisch versorgt wurde, konnte Ferrari in den folgenden paar Runden Vettel effektiv nicht reinholen - selbst, wenn sie es gewollt hätten. Das könnte sie noch mehr zu einer Ein-Stopp-Strategie bewegt haben, die angesichts der Pace von Valtteri auf den Mediums nötig hätte sein können.

Die Teamstrategen steckten in einem Dilemma. Sie hätten Bottas zu diesem Zeitpunkt für einen zweiten Stopp auf die SuperSofts reinholen können. Damit hätten sie effektiv den Vorteil eines 'freien' Boxenstopps gehabt, den Ferrari mit einem Mann weniger nicht hatte. Aus mehreren Gründen verfolgten sie diesen Weg jedoch nicht.

Vettel hatte am Funk mitgeteilt, dass alles unter Kontrolle sei. Das war aber vor allem eine Falschinformation, um Valtteri davon abzuhalten, Gas zu geben!

Zunächst war da die Frage der Ethik, von einem verletzten Mann zu profitieren und einen beängstigenden Boxenstopp nur wenige Meter entfernt von dort einzulegen, wo er ärztlich versorgt wurde (Die Boxen von Mercedes und Ferrari grenzten aneinander). Zweitens war Valtteri 5 Sekunden hinter Vettel und Ferrari hätte zwei Runden lang Zeit gehabt, um zu reagieren und Sebastian vor einem Undercut zu schützen. In diesem Fall hätten sie sich allerdings neu organisieren und ihr verletztes Teammitglied bewegen müssen, was die Sache vielleicht verschlimmert hätte. Drittens war es eine knappe Entscheidung, ob der zweite Stopp die bessere Strategie sein würde. Lewis hätte Valtteri vorbeilassen müssen - an sich kein Problem, aber das bisherige Wochenende hatte gezeigt, dass sich der W09 auf den härteren Pirelli-Mischungen wohler fühlt.

In der Zwischenzeit, als unklar war, ob Vettel einen zweiten Stopp einlegen würde oder nicht, war es knifflig für das Team und Valtteri, zu entscheiden, wie viel Gas er auf seinen Medium-Pirellis geben sollte. Zum Zeitpunkt des Reifenwechsels hatte er 7,8 Sekunden Rückstand. In den folgenden 10 Runden konnte er ihn auf 4,1 Sekunden verkürzen. In Runde 40 betrug der Abstand aber wieder 7,5 Sekunden und es wurde offensichtlich, dass Vettel nicht mehr stoppen und Valtteri in der Schlussphase seine Reifen für einen Angriff noch brauchen würde. Dass Valtteri etwas Tempo rausnahm, war beabsichtigt. Es half der Sache aber nicht, dass er beim Überholen der Hinterherfahrenden im Vergleich zu Vettel rund 2,7 Sekunden verlor.

Das Team hatte zunächst angenommen, dass es für Vettel unwahrscheinlich sein würde, 39 konkurrenzfähige Runden aus einem Soft-Pirelli herauszuholen, dessen erwartete Lebensspanne bei 25 bis 30 Runden lag. Nachdem sie aber die Abnutzung der Softs gesehen hatten, die Lewis in seinem ersten Stint über 26 Runden drauf gehabt hatte, schätzten sie, dass 33 bis 35 Runden wahrscheinlicher seien. Das war ziemlich nah dran. Vettel hatte am Funk mitgeteilt, dass alles unter Kontrolle sei. Das war aber vor allem eine Falschinformation, um Valtteri davon abzuhalten, Gas zu geben!

In den letzten fünf Runden steckte der Führende mit seinem Grip in argen Schwierigkeiten und Valtteri verkürzte den Rückstand unaufhaltsam. In Runde 51 waren es 3,7 Sekunden, dann 2,88, dann 1,70, dann 1,35, dann 1,02 und als sie zum Start in die letzte Runde die Linie überquert hatten, lag er endlich innerhalb des einsekündigen DRS-Fensters.

"Ich zog heraus, um es in der ersten Kurve zu probieren, aber ich war einfach zu weit hinten", erklärte Valtteri. "Uns beiden mangelte es an Grip und es wäre ein Leichtes gewesen, sich zu verbremsen und einen Unfall zu bauen. Ich habe so spät wie möglich gebremst. Als ich realisierte, dass ich nicht nah genug dran war, war es schon zu spät, die Linie zu ändern und wieder links zu fahren (für einen besseren Kurvenausgang)."

"Zweiter zu sein, so nah dran, und mit einer guten Pace am Ende, ist extrem frustrierend. Wenn du in den Bremszonen dicht herankommst, verlierst du etwas Downforce wegen der verwirbelten Luft. Das wirkt sich vor allem auf die Vorderseite aus und deshalb ist es einfacher, beim Bremsen die Vorderräder zu blockieren."

Tatsächlich stieg eine kleine Rauchwolke von Valtteris linkem Vorderreifen auf, als er dies in Kurve 10 beim kühnen Unterfangen tat, in der letzten Runde für die kürzere, zweite DRS-Zone näher heranzukommen. Doch Vettel hielt durch.

Lewis überquerte die Ziellinie nur 6,5 Sekunden hinter dem Sieger-Ferrari. Er war im Verlauf des Rennens bis auf acht Sekunden herangekommen ab dem Zeitpunkt, an dem er zum ersten Mal freie Fahrt hatte.

'Ich zog heraus, um es in der ersten Kurve zu probieren, aber ich war einfach zu weit hinten.'

Valtteri Bottas

"Ich muss damit zufrieden sein, nach Startplatz neun Dritter geworden zu sein", sagte er. "Der Zeitgewinn zeigt, dass wir im Rennen die stärkste Pace hatten. Das macht uns wieder zuversichtlich. Ich denke, dass es schwierig ist zu sehen, wo du wirklich stehst, bis nicht ein paar Rennen mit vielen unterschiedlichen Temperaturen und Streckenarten vergangen sind. Aber Ferrari hat offensichtlich tolle Arbeit geleistet. Ihr Motor ist definitiv nicht schwächer als unserer. Wir müssen schauen, wie es mit der Zuverlässigkeit aussieht. Der Vorteil kann sich von Rennen zu Rennen verlagern. Ich kann aber sagen, dass es eine mächtig enge Meisterschaft wird. Auf uns allen lastet großer Druck."

Diese Bemerkung wurde von den Ingenieurs- und Strategie-Abteilungen des Teams aufgegriffen. Sie glaubten, dass das Team zu unterschiedlichen Punkten des Wochenendes seine Möglichkeiten hatte. Sie glaubten, dass es ohne Getriebe-Strafe und zwei Autos vor der Nase einen anderen Ausgang hätte geben können. Rückblickend hätten sie vielleicht auch entschieden, dass sich Valtteri auf den Softs statt auf den SuperSofts qualifiziert, um ihn strategisch flexibler zu machen. Drittens wären sie vielleicht etwas weniger konservativ mit dem Reifenhaushalt an Valtteris Auto im zweiten Stint umgegangen. Priorität hat auch, die Funkkommunikation während des Rennens zu verbessern, da Lewis wegen eines sporadischen "Geräuschs" am Funk etwas im Dunkeln gelassen wurde. Das hat sich letztendlich aber nicht aufs Ergebnis ausgewirkt.

Nach zwei Rennen und bei noch 19 ausstehenden, hat Ferrari in der Konstrukteurs-Meisterschaft einen Vorsprung von 10 Punkten. In der Fahrer-Meisterschaft kommt Vettel auf 50 Punkte, Lewis und Valtteri haben 33 beziehungsweise 22. Das Ziel lautet, beide Rückstände zu verringern, wenn die F1 in nur einer Woche auf eine ganz andere Strecke in Shanghai reist.

Der Kampf geht weiter...

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