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    INSIDE: Was in Melbourne los war Das erste Rennwochenende de...

Das erste Rennwochenende der Saison 2018 in Australien verlief nicht ganz nach Plan. Aber wir nehmen auch viel Positives und ein paar Lehren mit...

Trotz einer überlegenen Qualifying-Performance und einer Führung vom Start bis zum Ende des ersten Stints belegte Lewis nur Platz zwei hinter Ferrari-Pilot Sebastian Vettel. Der Deutsche profitierte von einem gut getimten virtuellen Safety Car (VSC), während dessen er die Führung übernahm und danach gewann.

Valtteri erwischte einen kniffligen Start in die neue Saison und belegte Platz acht. Voranging ein heftiger Qualifying-Unfall, bei dem sein Getriebe beschädigt wurde, was ihm eine Strafversetzung auf P15 einbrachte.

Der legendäre Ayrton Senna erzielte sechs Pole Positions beim Großen Preis von Australien in Adelaide. Lewis hat nun nach einer seiner spektakulären Qualifyingrunden eine Rekordzahl von sieben Poles in Melbourne auf seinem Konto stehen. Es war die 73. In seiner Karriere. Vettel führte das Q2 mit einem Zehntel Vorsprung an, aber Lewis holte sich auf seinem zweiten Run im Q3 mit 0,55 Sekunden Vorsprung die Bestzeit.

Die letzte Runde von Lewis im Q3 war wirklich etwas Besonderes. Aber tatsächlich rührte die Hälfte seines Zeitgewinns aus dem ersten Sektor, in dem er auf seinem ersten Versuch in den Kurven eins und zwei konservative zu Werke gegangen war, da nach Valtteris Unfall zu Beginn des dritten Qualifyingabschnitts vielleicht noch Hydraulikflüssigkeiten auf der Strecke hätten sein können.

"Ich strebe immer nach Perfektion und das war so nah dran wie es nur geht", sagte Lewis. "Ich musste die Reifen rannehmen, auf die richtige Temperatur bringen und dann die Runde zusammenbekommen. Es war nicht unkompliziert. Es war eine echte Überraschung, wie schnell Ferrari schon ab dem Q1 war. Diese Geschwindigkeit auf der Geraden... sie haben bei ihrem Power-Modus offensichtlich Fortschritte gemacht."

Nach Platz drei im Q2 (nur 0,03 Sekunden hinter Lewis) hatte Valtteri eingangs Kurve zwei einen Unfall mit einem Einschlag von 27G. Er war dabei zu Beginn seines ersten Versuchs im Q3 weit nach draußen gekommen und verlor am Ausgang von Kurve eins das Heck seines Autos. Während das Chassis des neuen W09 in Ordnung war, traf dies nicht auf das Getriebe zu. Entsprechend erhielt er eine Zurückversetzung um fünf Plätze und musste das Rennen von P15 aus angehen. Keine einfache Aufgabe, schließlich zeigen die Daten, dass Melbourne die zweitschwierigste Strecke zum Überholen ist.

"Ich hatte etwas Schwierigkeiten, die Reifen bei den kühleren Bedingungen auf Temperatur zu bringen und griff ein wenig zu sehr an", gab Valtteri zu. "Ich kann es etwas fühlen. Menschen sind nicht dafür gebaut, um 27G wegzustecken!"

Lewis setzte sich am Start durch und führte nach der ersten Kurve vor den Ferrari-Fahrern Kimi Räikkönen und Sebastian Vettel sowie Schnellstarter Kevin Magnussen im Haas, Max Verstappen im Red Bull und Romain Grosjean im zweiten Haas.

Die Pirelli-Reifenpalette besitzt 2018 eine weitere Auswahl an Slicks, die zu mehr strategischen Optionen führen sollen. Dennoch war davon auszugehen, dass Melbourne ein Einstopprennen bleiben würde. Die Top-10 sollten dabei auf den ultraweichen Reifen aus dem Qualifying starten und dann beim einzigen Stopp auf die weichen Reifen wechseln.

Red Bull entschied sich jedoch dazu, sich auf den superweichen Reifen zu qualifizieren. Das gab ihnen die Möglichkeit, einen längeren ersten Stint zu fahren. Allerdings war das wahre Potenzial des Teams nicht zu erkennen, da Daniel Ricciardo eine Zurückversetzung um drei Plätze erhielt und Max Verstappen im ersten Stint hinter Magnussen festhing.

Lewis schien das Feld von der Spitze weg zu kontrollieren. Bis Runde 15 fuhr er einen Vorsprung von drei Sekunden gegenüber Räikkönen heraus. Vettel lag weitere drei Sekunden dahinter.

Als Räikkönen nach 18 der 58 Runden an die Box fuhr, lag er 3,38 Sekunden hinter Lewis. Der Ferrari-Pilot wechselte auf die Soft-Reifen und brachte das Team damit dazu, Lewis in der folgenden Runde hereinzuholen und so die Gefahr eines Undercuts abzuwehren. Der Stopp verlief ohne Probleme und am Ende der 20. Runde hatte Lewis 4,8 Sekunden Vorsprung auf Räikkönen, der auf Rang zwei lag. Vettel führte das Rennen mit 13 Sekunden Vorsprung an, musste aber noch an die Box kommen.

Der Zeitverlust bei einem Boxenstopp liegt in Melbourne bei rund 23 Sekunden und es gab keine Anzeichen dafür, dass Vettel seine Pace dramatisch steigerte. Lewis konnte seinen Rückstand sogar auf 11,3 Sekunden verkürzen, obwohl er auf den härteren Reifen unterwegs war. Er schien nicht in Gefahr zu sein. Aber das war vor dem doppelten Drama bei Haas, deren beide Autos ausfielen, während sie auf dem Weg zum besten Teamergebnis der Geschichte waren.

Magnussen hatte bei seinem Stopp in Runde 22 ein Problem hinten links und fiel dann mit einer kaputten Radmutter auf seiner "Out-Lap" aus. Der Haas-Kommandostand konnte es nicht fassen, als zwei Runden später ein ähnliches Problem dazu führte, dass auch Grosjean ausfiel.

Nachdem das Auto des Franzosen am Streckenrand stehen geblieben war, wurde das Rennen mittels VSC (virtuelles Safety Car) neutralisiert. Das Timing der Unterbrechung spielte in Zusammenspiel mit den Schwierigkeiten am Mercedes-Kommandostand Vettel direkt in die Hände. Denn er musste noch seinen Stopp absolvieren.

Toto Wolff erklärt: "Wir versuchten, die Abstände richtig zu kontrollieren. Lewis hatte einen ausreichenden Vorsprung auf Kimi herausgefahren, um einen Undercut zu vermeiden. Außerdem war unser Vorsprung auf Haas groß genug für ein Safety Car. Alles schien unter Kontrolle zu sein. Wir gingen ein kleines Risiko ein und ließen Lewis mit den weichen Reifen bis zum Ende durchfahren. Aber es war unsere einzige Chance, um zu verhindern, dass Kimi vorbeiging."

Was Toto damit meint: Wenn Lewis in Runde 19 auf eine Einstoppstrategie setzt, muss er 39 Runden auf dem Soft-Reifensatz von Pirelli zurücklegen. Der Reifenhersteller gab die Haltbarkeit dieses Typs auf rund 40 Runden an. Angesichts der Fähigkeiten von Lewis beim Reifenmanagement schien dies kein Problem zu sein, gerade da Vettel einen längeren Stint fuhr. Damit wäre er gegen Rennende auf einem frischeren Satz und deshalb waren Lewis und das Team vorsichtig, den Reifen nicht zu früh zu viel abzuverlangen. Erst recht da vielleicht auch noch das Benzinsparen eine Rolle spielen sollte.

Es ist stets wichtig, alle Eventualitäten abzudecken. Eine davon war die Anfälligkeit von Lewis für ein VSC, sodass Vettel mit einem einfachen Stopp vorbeikommen könnte. Mercedes war sich dieser Gefahr bewusst, wie Toto erklärt.

"Die Pace war gut und unser Computer berechnete, dass der VSC-Vorsprung 15 Sekunden betrug. Das war die nötige Zeit für Vettel, um uns zu überholen."

Mit anderen Worten: Vettel konnte möglicherweise rund acht Sekunden bei einem regulären Boxenstopp sparen, wenn das VSC ihm in die Hände spielte. Der Ferrari konnte zu einem Zeitpunkt an die Box gehen, als der Rest des Feldes langsamer fuhr und die Deltazeiten beachtete, die von der FIA ECU im Cockpit vorgegeben wurden.

Als Lewis in Runde 25 (kurz vor dem VSC, während dem Grosjeans Auto geborgen werden sollte) die Ziellinie überquerte, lag er 11,3 Sekunden hinter Vettel. Theoretisch war er also im sicheren Bereich.

"Wir lagen immer drei bis vier Sekunden innerhalb des Bereichs und dann schnitten die Kameras um und zeigten uns den Boxenausgang - und plötzlich kam Sebastian vor uns heraus!", erklärte Toto. "Wir haben noch keine Erklärung dafür. Es könnte ein sehr unglückliche Situation gewesen sein, bei der Sebastian einfach an die Box kam, während Lewis aus hoher Geschwindigkeit stark herunterbremsen musste. Oder ein Softwaresystem, das wir seit fünf Jahren verwenden, hat uns die falschen Zahlen ausgespuckt."

Die TV-Zuschauer hörten Hamiltons Funknachricht an das Team: "Was ist da gerade passiert, Jungs? Habe ich etwas falsch gemacht?"

Die Antwort lautete nein, wie Toto bestätigte: "Die Fahrer fahren stets in dem Zeitdelta innerhalb von einer Sekunde und er hat absolut nichts falsch gemacht. Es lag an einem Softwarefehler oder einem falschen Algorithmus."

Das wird sich das Team ansehen, aber Lewis erlitt dadurch einen Rückschlag und Vettel ging in Führung. Kurz darauf ging das Safety Car auf die Strecke. Wäre das sofort nach dem Ausfall von Grosjeans Auto geschehen, wäre das Feld hinter Vettel näherzusammengerückt, der es dann schwer gehabt hätte, überhaupt Punkte zu holen.

Sobald der Ferrari vorne lag, war es eine schwierige Aufgabe für Lewis. In Melbourne ist das Überholen sehr schwierig und die dritte DRS-Zone, die 2018 neu eingeführt wurde, hatte wenig daran geändert. Der nötige Geschwindigkeitsunterschied, damit ein Fahrer den Vordermann überholen kann, beträgt im Albert Park rund 1,8 Sekunden.

Zudem fahren die Teams aus aerodynamischen Gründen immer mit einem Bodywork, das soweit geschlossen wie möglich ist. Es ist nur soweit geöffnet, wie es die Motorkühlung verlangt. Wie extrem dies ausfällt, wird meistens davon vorgegeben, wie gut man seine Pace einschätzt. Wenn man also davon ausgeht, auf der Pole zu stehen und freie Fahrt zu haben, dann geht man extremere Wege als wenn man glaubt, keinen Qualifyingvorteil zu haben. Dann muss man im Rennen anderen Autos hinterherfahren. Lewis holte auf Vettel auf und gab alles, aber es reichte nicht.

Toto bestätigte: "Wenn du hinter einem Auto festhängst und alles gibst, überhitzen die Systeme. Das haben wir auch bei anderen Autos gesehen. Lewis versuchten, Sebastian anzugreifen, aber wir wissen, dass man mit diesen Autos Abtrieb verliert, wenn man zu nah heranfährt. Außerdem beginnen die Reifen dann zu rutschen. Er versuchte es drei, vier oder fünf Mal und kochte jedes Mal die Reifen. Am Ende war nichts mehr davon übrig."

Obwohl Lewis wusste, dass er die Pace für den Sieg beim Auftaktrennen hatte, musste er sich mit einem anderen Rekord zufriedengeben: seinem achten Podium in Australien. "In meinem Herzen weiß ich, dass ich an diesem Wochenende alles gegeben habe", sagte er. "Ich bin sicher, dass das Team den Schmerz spürt, aber wir werden uns sammeln und daran arbeiten."

Das Überholprobleme in Melbourne unterstrich Valtteri, der trotz der offensichtlichen Pace des W09 nicht über Platz acht hinauskam. Auf dieser Strecke kann man keine Aufholjagd vom Ende des Feldes bis auf das Podium starten!

"Tatsächlich hat Valtteri wahrscheinlich mehr Leute überholt als jeder andere", sagte Toto. "Er hat Lance Stroll, Esteban Ocon und Stoffel Vandoorne überholt. Danach hatte er Glück mit dem Safety Car. Sein Timing war auf den Punkt und er hätte es sonst nicht in die Top-10 geschafft. Die Strecke ist eines, aber das gesamte Feld liegt viel enger zusammen und du kannst nicht mehr durch das Feld cruisen, wie das früher der Fall gewesen ist."

Valtteri fügte hinzu: "Ich hatte ein gutes Auto, aber leider konnten wir nichts daraus machen, weil das Überholen auf dieser Strecke so schwierig ist. Ich hatte auch etwas mit Überhitzen zu kämpfen, als ich hinter anderen Autos hergefahren bin. Dadurch musste ich oft zurückstecken. Das war definitiv kein ideales erstes Saisonrennen, aber es stehen noch 20 an."

Obwohl Lewis Australien nicht mit 25 Punkten auf dem Konto verlässt, führte seine überlegene Pole dazu, dass viele Experten glauben, dass Mercedes einen Pace-Vorteil hat und dadurch Favorit auf einen fünften Konstrukteurs-Titel in Folge ist.

Toto lässt sich davon jedoch nicht einlullen. "Ich bin mit der Pace zufrieden, aber ich habe schon immer gesagt - auch wenn es keiner geglaubt hat -, dass es drei siegfähige Teams gibt, die um die WM kämpfen können. Wir haben heute gegen Rennende eine sensationelle schnellste Rennrunde von Daniel Ricciardo im Red Bull gesehen, als er versuchte, Kimi zu überholen. Ferrari hat heute ganz klar fair gewonnen."

"Der Rest hängt von den Strecken ab. Auf Strecken, auf denen die Leistung nicht so entscheidend ist, ist Red Bull vielleicht etwas näher dran, aber ich erwarte, dass drei Teams Rennen gewinnen und um die Weltmeisterschaft kämpfen können."

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