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    Mein Tagebuch aus Singapur Hallo! Mein Name ist Charaf...

Hallo! Mein Name ist Charafeddin. Ich bin seit meinem 20. Lebensjahr blind. Hier könnt ihr euch ein Video ansehen, das die F1 letztes Jahr über mich gemacht hat. Kürzlich hat mich Mercedes zum Singapur GP eingeladen.

Ich habe Toto kurz nach dem Kanada GP kontaktiert, um zu erfahren, ob es möglich wäre, bei diesem Grand Prix etwas Zeit mit dem Team zu verbringen. Die Antwort kam postwendend: Lass uns das machen! Seit 2010 und der Rückkehr von Mercedes mit einem eigenen Team konnten wir eine ganz besondere Beziehung aufbauen. Los ging es mit dem Comeback von Michael Schumacher in der Saison 2010. Ich traf Michael beim Training in Spa 2005 und er hatte schon immer einen besonderen Platz in meinem Herzen. Später war ich bei den Wintertests von 2010 bis 2012 regelmäßig in seiner Box und hörte dem Funk zu.

Später freundete ich mich während dieser schwierigen Jahre für Mercedes mit Nico Rosberg an. Nico ist einer der cleversten, freundlichsten und bescheidensten Fahrer, die ich je getroffen habe. Als Lewis 2013 zum Team gestoßen ist, habe ich auch ihn kennengelernt. Er ist ein sehr interessanter, charismatischer Champion. Von 2014 bis heute steht Mercedes an der Spitze der F1.

In Singapur war ich das erste Mal an einer Rennstrecke außerhalb von Europa. Ich muss zugeben, dass ich etwas gestresst war, weil in Europa sind die Motorhomes und Hospitalities alle unterschiedlich und immer gleich angeordnet. So weiß ich rein durch eine Berührung, zu welchem Team es gehört und wo ich mich im Fahrerlager befinde. In Singapur sind die Hospitalities mehr oder weniger alle gleich und ich benötigte etwas Zeit, um mich zurechtzufinden. Was mich im Paddock immer ganz besonders fasziniert, ist, dass die Fahrer ab Donnerstag pausenlos Meetings haben.

Ihr habt sicher schon Fahrer im Paddock herumrennen sehen. Das müssen sie, weil sie ansonsten alle paar Meter anhalten und ein Foto machen oder Autogramme schreiben müssen. Ich war zum Beispiel mit Esteban im Paddock und bin von der Mercedes Hospitality zur Box gelaufen - eine Distanz von rund 50 Metern. Wir haben dafür gute fünf Minuten gebraucht. Er hat höflich für ein Bild nach dem anderen posiert. Aber stellt euch das mal bei Lewis vor. Ich sage euch das nur, damit ihr nicht beleidigt seid, wenn ein F1-Fahrer ohne anzuhalten an euch vorbei eilt.

Es war klasse, das Training am Freitag aus der Mercedes Box zu verfolgen. Es war wie in alten Zeiten. Ich saß komfortabel auf einem Stuhl, hatte den Funk auf den Kopfhörern und überall waren Bildschirme, die für mich natürlich nicht unbedingt entscheidend sind 😎. Viele der anderen Gäste müssen sich aber wohl wie im Kino vorgekommen sein. Die Kommunikation zwischen den Ingenieuren ist sehr intensiv. Sie sprechen immer sehr ruhig und höflich miteinander, beenden ihre Sätze mit einem 'bitte' oder 'danke'.

Ich war in der Box, als Valtteri in Kurve 19 das Heck seines Mercedes verloren hat. Der Funk war ganz unaufgeregt. Alles war ruhig und still. Nachdem Valtteri bestätigt hatte, dass er in Ordnung ist, versuchten die Ingenieure, noch vor der Rückkehr des Autos den Schaden einzuschätzen. Sie gehen ihre Arbeit stets methodisch an. Die Ingenieure veränderten das Programm von Lewis, weil er nun das einzige ihrer Autos auf der Strecke war und sie so viele Daten wie möglich benötigten.

Am Freitagnachmittag hatte ich ein nettes Gespräch mit Toto über die Zukunft der Formel 1 und die bevorstehenden Regeländerungen. Ich hatte noch mehr Gespräche als Jean Todt am Wochenende im Fahrerlager war. Beim Abendessen am Freitag kam Lewis netterweise zu mir. Er ist immer von Fans und Gästen, die ihn bewundern, umgeben, aber es hat mich sehr bewegt, dass er aus eigenem Antrieb zu mir herübergekommen ist und mit mir gesprochen hat. Wenn man mit Lewis spricht, gibt es so viele Dinge, die man ihm sagen möchte, aber gleichzeitig will man ihn nicht zu lange aufhalten.

Das Rennen verlief nicht nach Plan, aber es hat meine Liebe für das Team, das die Formel 1 seit mehr als fünf Jahren dominiert, noch mehr zementiert. Die Fahrer, die Verantwortlichen und die Ingenieure haben allesamt ihre Leidenschaft für diesen Sport gezeigt, selbst in der Niederlage. Im Nachhinein ist es immer leicht gesagt, dass man die Strategie anders hätte machen sollen. Ich war das gesamte Rennen über in der Box und habe dem hektischen Funkverkehr zwischen den Ingenieuren zugehört, die versuchten, die Strategie von Lewis zu ändern. Nichts ist einfach. Es gibt sehr viele verschiedene Faktoren, die man berücksichtigen muss. Es geht darum, auf den Verkehr zu achten, den Reifenabbau deines eigenen Autos und auch den der anderen Teams.

Ich bin nur ein Fan dieses Sports, aber es war fantastisch, an diesen vier Tagen die Gelegenheit zu haben, Teil des Mercedes Teams zu sein. Vielen Dank an Toto und all die Ingenieure sowie die Fahrer, aber ich möchte auch allen, die im Hintergrund arbeiten, von ganzem Herzen danken. Die Leute in der Hospitality und viele mehr. Die Verantwortlichen für die Kommunikation waren absolut wundervoll und haben sich sehr gut um mich gekümmert. Hoffentlich treffe ich sie schon bald wieder bei meinem nächsten großen Abenteuer. Ich möchte dem Team und allen in diesem fantastischen Sport alles Gute für die Zukunft wünschen.

Charafeddin Aittaleb

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