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09.05.2015

Paddy: “Allem voran müssen wir dafür sorgen, dass Formel 1-Autos die Königsklasse des Motorsports bleiben”

F: Ferrari hat mit großen Schritten aufgeholt. Bedeutet das vielleicht, dass ihr ein wenig zu konservativ gewesen seid bei eurer Weiterentwicklung vom letzten zu diesem Jahr? Vielleicht habt ihr euch zu Beginn dieses Jahres zu sehr auf die Zuverlässigkeit als auf die Performance konzentriert?

PL: Nein, überhaupt nicht. Wir haben über den Winter ein sehr aggressives Programm gefahren – sowohl bei der Power Unit als auch der Aerodynamik und anderen Teilen des Autos. Also ein klares nein diesbezüglich. Wir haben im zweiten Jahr der neuen Formel eine sehr harte Saison erwartet und das werden wir nicht schaffen, wenn wir nicht viel Weiterentwicklung bei der Performance des Autos betreiben. Das Lob gebührt Ferrari. Sie haben im Winter gute Arbeit abgeliefert, um so einen großen Schritt zu machen und uns damit näher zu kommen und unsere Performance hin und wieder sogar zu übertreffen. Damit ist die Bühne für einen extrem harten Wettkampf in diesem Jahr gerichtet.

F: Wie sieht es mit euren beiden Fahrern aus? Nico hat Lewis noch nicht geschlagen. Hat er einfach nur nicht gut genug gearbeitet oder gibt es einen technischen Grund dafür?

PL: Nein, ich denke, Lewis zeigt momentan einfach eine Topleistung. Ich habe seine gesamte Formel 1-Karriere lang mit ihm gearbeitet. Ich würde sagen, dass er im Moment in Bestform ist. So gut wie noch nie bislang. Dagegen hat es jeder Fahrer schwer. Nico zeigt eine großartige Leistung und wir waren mit seiner Performance in Bahrain besonders zufrieden. Wir haben ihn in der letzten Minute im Stich gelassen – dadurch hat er den zweiten Platz verloren. Aber er hat einige fantastische Manöver gezeigt. Damit hat er bewiesen, dass er ein großartiger Rennfahrer ist. Nico leistet gute Arbeit, es ist nur einfach schwierig, Lewis zu schlagen. Die Saison ist aber noch jung und es gibt noch viele Möglichkeiten für tolle Zweikämpfe zwischen den beiden.

F: Die Regeln könnten sich 2017 ändern. Welche Punkte würden auf Ihrer Wunschliste ganz oben stehen, selbst wenn sie nicht umsetzbar sind?

PL: Allem voran müssen wir dafür sorgen, dass Formel 1-Autos die Königsklasse des Motorsports bleiben. Dadurch erhalten wir die Show und die Attraktivität für ein weltweites Publikum. Dazu gehören auch Themen wie Kostensenkungen, die oft aufkommen, aber allen voran müssen wir die Show beibehalten und das bedeutet, dass die Autos absolut spektakulär sein müssen. Mit Blick auf Regeländerungen denke ich aber nicht, dass es notwendig ist, die Autos radikal zu verändern. Darüber wird gerade gesprochen. Die Performance wird ohnehin durch die normale Weiterentwicklung steigen. Also erreichen wir den gewünschten Punkten vielleicht eh durch den gewöhnlichen Entwicklungsprozess. Das sportliche Reglement ist hingegen ein ganz interessantes Gebiet. Es gibt viele Dinge, die wir unternehmen können, um die Show zu verbessern und das, ohne enorm viel Geld auszugeben oder die Autos zu verändern. Veränderungen am sportlichen Reglement bringen normalerweise keine großen Kosten mit sich. Sie können den Sport auf einfache Weise verändern und das Spektakel dabei verbessern. Sie erhöhen das Interesse und die Unvorhersehbarkeit. Das erwartet man sich von einem Rennen. Es soll nicht total klar sein, wer am Ende gewinnt.

F: Können Sie uns verraten, woran Sie dabei denken?

PL: Wir haben darüber gesprochen, wie die Reifen genutzt und verteilt werden... Wir befinden uns gerade auf der Suche nach Leuten, die interessante Ideen haben. Aber trotzdem betone ich i diesem Zusammenhang, dass unser Sport sich nicht in meinen Augen nicht in einer schlechten Verfassung befindet. Wir müssen nicht herumrennen und darüber nachdenken, drastische Änderungen vorzunehmen.

F: Pierre Gasly ist heute Vormittag im GP2 Training zehn Runden gefahren. Er begann mit einer 35,4, fuhr dann eine 34,5 und endete mit einer 33,9. Das ist rund 2,5 Sekunden weg von Mercedes, aber auf einem Level mit vielen anderen Autos, vielen eurer Autos. Wie kann man das richtig einordnen? Warum ist das hier passiert?

PL: Ich bin kein großer GP2-Experte, aber es könnte sein, dass sie sich etwas verbessert haben. Die Formel 1 befindet sich in einer frühen Phase einer großen Regeländerung. Wir befinden uns im zweiten Jahr der neuen Regeln. Das bedeutet, dass die Performance bis zur nächsten Änderungen stetig steigen wird. Diese Regeländerungen werden normalerweise dann eingeführt, wenn man die Sicherheit durch geringere Kurvengeschwindigkeiten gewährleisten möchte. Deswegen werden wir jetzt eine Zeit erleben, in den wir uns relativ zu anderen Formeln strecken. 2017 müssen wir es vielleicht etwas anpassen und darüber wird gesprochen. Möglicherweise können wir etwas aerodynamische Performance hinzugewinnen, aber rückblickend haben wir diese stets Schritt für Schritt reduziert. Ich kann mich nicht daran erinnern, dass wir sie je erhöht hätten.

F: Wir sprechen alle darüber, die Autos schneller zu machen, die Aerodynamik zu verändern, mit den Motoren zu spielen oder etwas in dieser Richtung. Aber niemand scheint über die Reifen zu sprechen. Wir wissen alle, dass die Fahrer sich das gesamte Rennen zurückhalten. Warum nicht?

PL: Dieses Thema kommt immer wieder auf. Ich denke, dass es in der Formel 1 schon immer ein Thema gewesen ist, auf die Distanz so viel wie möglich aus den Reifen herauszuholen. Es gab nur sehr wenige Reifen im Verlauf der Jahre, mit denen man auf jeder Runde einen Sprint hinlegen konnte. Ich glaube, dass wir mit den aktuellen Reifen eine interessante Situation haben, die das Spektakel sehr verbessert hat. Die Natur der Reifenabnutzung zwingt die Autos dazu, an bestimmten Punkten zu stoppen – und sie sorgt damit für viel mehr Abwechslung. Ich glaube, dass wir seit dem Formel 1-Einstieg von Pirelli viel mehr spannende Rennen gesehen haben. Es gibt den Punkt, dass die Fahrer auf die Reifen achten müssen und nicht immer so schnell fahren können, wie sie möchten – aber das war auch in der Vergangenheit schon so. Es mag im Moment ein bisschen mehr der Fall sein, aber es fügt den Fähigkeiten des Fahrers auch eine weitere nötige Ausprägung hinzu. Es ist immer noch ein spannendes Paket. Und im Qualifying fahren sie natürlich absolut Vollgas.

F: Wenn Sie sich die WEC ansehen, scheinen Porsche, Audi und Toyota auf einem kompletten Langstreckenrennen zuverlässig zu sein. Und sie haben viel Leistung. Können Sie irgendetwas von ihnen lernen und auf die neuen Regeln anwenden?

PL: Ich fürchte, ich bin kein großer Experte dafür. Ich möchte es so sagen: Unsere Power Units sind extrem anspruchsvoll. Sie verwenden Hybrid-Systeme, die sehr entscheidend für die Straßenautos sind, und das ist eine großartige Richtung für die Formel 1. Ich sehe keinen großen Grund, die Motorenformel zu verändern. Wir haben sie schließlich gerade erst eingeführt. Mit Blick auf die WEC ist es wichtig, zu betonen, dass diese Motoren bereits riesige Laufleistungen erfüllen – vier, fünf, sechstausend Kilometer im Vergleich zu gerade einmal dreihundert Kilometern früher. Sie sind also bereits Langstreckenmotoren. Das sollte man nicht vergessen. Diesen Fakt sollten wir anerkennen und feiern.

F: Nächste Woche gibt es ein Treffen der Strategie-Gruppe. Dort werden Sie wohl mitentscheiden, ob es eine fünfte Power Unit geben wird oder nicht. Angesichts des Unterschiedes zwischen einigen Power Units besteht die Gefahr, dass die WM dadurch auf die eine oder andere Weise beeinflusst wird. Wenn Sie das im Hinterkopf behalten: Wie schätzen Sie die Chancen ein, dass ein fünfter Motor von der Strategie-Gruppe durchgewunken wird?

PL: Der Grund, warum die Leute ursprünglich über einen fünften Motor sprachen, ist, dass es bei der Reduzierung auf vier recht wenig Fahrbetrieb am Freitag gegeben hat. Dies wurde als Erklärung dafür angesehen. Deshalb beschlossen wir, über einen fünften Motor nachzudenken, um den Fahrbetrieb am Freitag zu erhöhen. In diesem Zusammenhang würden wir zustimmen. Warten wir ab, was in der Strategie-Gruppe beschlossen wird.

F: Wir haben über die Verbesserung der Rundenzeiten gesprochen. Wir sprechen aber auch stets über Kostensenkungen. Ich könnte mir vorstellen, dass ein Großteil Ihres Forschungs- und Entwicklungsbudgets dafür aufgewendet wird, vorherige Kostensenkungsmaßnahmen aufzuheben. Wir wollen nicht mit den Motoren spielen, wir wollen nicht zu sehr mit dem Downforce spielen. Könnte es sein, dass wir 2017 oder danach mögliche innovative Technologien verlieren? Vielleicht Dinge wie aktive Aerodynamikteile oder aktive Aufhängung, um die Kurvengeschwindigkeiten zu verbessern, ohne zu viel Geld ausgeben zu müssen?

PL: Mit Blick auf die Kosten geben wir manchmal mehr Geld für die Entwicklung von Systemen aus, die auf indirekte Art um die Einschränkungen des Reglements herumgebaut werden. Die Aufhängung ist ein interessantes Beispiel, das wir über die letzten Jahre studiert haben. Einige Aufhängungssysteme, die wir im Moment einsetzen, sind unglaublich komplex, teuer und wären vielleicht billiger, wenn sie mit Elektronik eingebunden würden.

F: Sie haben darüber gesprochen, wie entscheidend es ist, dass die Technologien relevant sind. Nicht nur für Unternehmen, Zulieferer und Ingenieure. Glauben Sie, dass genug getan wird, um die Technik des Sports hervorzuheben. Und wenn nicht: Könnten wir mehr machen, um die Technologie den Fans näher zu bringen?

PL: Mercedes hat viel Aufwand in die Vorstellung der Hybrid-Power gesteckt. Dieses Thema wurde in den vergangenen zwölf Monaten in vielen Werbekampagnen verwendet. Wir haben das stark hervorgehoben. Der Begriff Hybrid wird meiner Meinung nach dank der Formel 1 nun viel mehr mit einem coolen Auto als einem uncoolen Auto in Verbindung gebracht. Natürlich könnten wir mehr machen, aber wir stehen ja auch erst am Anfang.

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