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03.02.2015

Tarnfahrzeug: Zurück in die Zukunft

In dieser Woche heißt es nicht nur für McLaren: Zurück in die Zukunft. Sie starten in die neue Saison mit ihrem neuen Motorenpartner Honda. Aber auch unsere Freunde bei Red Bull zeigten in dieser Woche in Jerez ihr „Tarnfahrzeug“. Das erweckte Erinnerungen an eine längst vergangene Zeit, als Mercedes genau das gleiche machte – nur mit einem anderen Dreh.

Anfang der 1920er Jahre waren Ladedruck und Downsizing die Modebegriffe. Manche Dinge verändern sich eben nie... ;) Als 1924 die Targa Florio und Coppa Florio auf Sizilien anstanden, schrieb die Daimler-Motoren-Gesellschaft (DMG) drei seiner 2-Liter-Turbo-Fahrzeuge ein. Die Veranstaltung war damals als das wohl härteste Straßenrennen der Welt bekannt.

Die Targa Florio wurde über eine Strecke von 108 km ausgetragen. Sie bestand aus 7.000 Kurven entlang enger Bergstraßen. Bei der Coppa Florio absolvierten die Teilnehmer eine zusätzliche Runde und kamen so auf eine Gesamtdistanz von 540 km!

Die Autos der Stuttgarter Marke waren weitestgehend identisch zu jenen vom Indianapolis 500 des Vorjahres. Nur der Rahmen wurde modifiziert, um Platz für die benötigten Ersatzräder zu schaffen. Diese waren für die schwierigen Gebirgsstraßen besonders wichtig. Eine weitere Innovation auf dem Gebiet des Fahrerkomforts war eine kleine Windschutzscheibe. Diese schützte die Piloten vor kleinen Steinen, die beim Überholen anderer Autos aufgewirbelt wurden.

Der Motor hatte zwei obenliegende Nockenwellen und Vier-Ventil-Technologie. Hinzukam das innovative Querstromprinzip mit dem Einlass auf der linken und dem Auspuff auf der rechten Seite. Er leistete 50 kW (67,5 PS) ohne Turbo und 93 Kw (126 PS) mit Turbo bei 4.800/min.

Die wirkliche Innovation saß jedoch nicht unter der Haube – es war die Haube. Anstelle der traditionellen deutschen Rennfarbe Weiß waren die Autos im italienischen Rennrot lackiert. Das war Teil des Kalküls: Weil die meist italienischen Zuschauer die einheimischen, rot lackierten Fahrzeuge begeistert unterstützten, aber die andersfarbigen ausländischen Autos mitunter auf der Strecke behinderten, trat Mercedes einfach mit roten Autos an – und erschuf damit das erste Tarnrennfahrzeug!

Das Ergebnis war ein Dreifachsieg bei der Targa und der Coppa. Die Stuttgarter Marke zeigte eine beeindruckende Kombination aus Leistung und Zuverlässigkeit.

Das offizielle Telegramm an die Zentrale brachte es auf den Punkt: „Gesamtresultat Werner gewinnt Targa und Coppa Florio, ferner Coppa Caltavuturo für kürzeste Zeit vom Start bis dort, ferner die Coppa Villa Igiea für den Rundenrekord, ferner grosse goldene Medaille des ital. Königs und dito Sizil. Autoklub, ferner sämtliche Preise gestiftet von der Kaufmannschaft Palermos stop Klassenresultat Werner erster, Lautenschlager zweiter, Neubauer dritter, Mercedesteam gewinnt Coppa Termini für bestes Fabrikteam.“

Das französische Magazin “Auto” gab sich bei seiner Beurteilung etwas poetischer: „Die Mercedes-Wagen waren so gebaut, wie sie es für den sizilianischen Rennkurs sein mussten: kurzer Radstand, richtige Schwerpunktlage, besondere Rücksicht auf bequeme Sitzgelegenheiten für Fahrer (zum Beispiel Kissen aus grobkörnigem Leder, damit man nicht ins Rutschen gerät). Ferner wiesen die Mercedes zwei kostbare Merkmale auf, die auch dem Nichtfachmanne kaum entgangen sein dürften: eine ganz wunderbare Fähigkeit, die Straße zu halten, und einen Steuermechanismus, der infolge geringer Belastung der Vorderradachse überaus weich und dabei höchst präzis wirkte.“

Und so schrieb Mercedes ein weiteres Kapitel seiner beeindruckenden Renngeschichte, die sich bis heute fortsetzt. Ein hart umkämpftes Rennen – oder eben Testtag – nach dem anderen. Tarnfahrzeug oder Silberpfeil. Die Welt mag sich in den vergangenen 91 Jahren verändert haben. Doch unsere Ansprüche sind gleich geblieben...

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