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ANALYSE: 98,2% perfekte Performance in Monza

ANALYSE: 98,2% perfekte Performance in Monza

Mercedes-AMG Petronas Motorsport erzielte in Monza den dritten Doppelsieg der Saison. Dabei erlebten Lewis Hamilton, Valtteri Bottas und das Team erneut ein Wochenende der Rekorde. Lewis übernahm mit seinem sechsten Saisonsieg auch zum ersten Mal 2017 die WM-Führung.

Historische 69. Pole Position für Lewis

Monza ist eine der der historischsten Strecke im Formel 1-Rennkalender. Ihre Geschichte reicht bis 1922 zurück, als der Kurs nach Brooklands in England und Indianapolis in den USA die dritte permanente Rennstrecke der Welt war

Mercedes ist der erste Hersteller, der vier aufeinanderfolgende Große Preis von Italien gewinnen konnte. Alfa Romeo gelang vor dem Krieg ein Hattrick und nachdem die offizielle Formel 1-Weltmeisterschaft 1950 ihren Lauf nahm, erzielte Lotus einen Hatrick von 1972-1974. Das gleiche Kunststück gelang Ferrari von 2002 bis 2004. Drei Siege durch Lewis und einer durch Nico Rosberg ermöglichten es den Silberpfeilen, diesen Rekord zu brechen.

Zudem erzielte Lewis mit seiner 69. Pole Positionen auch in dieser Disziplin einen neuen Rekord. Auf seiner beeindruckenden Runde im Regen war er 1,15 Sekunden schneller als sein erster Verfolger Max Verstappen. Der Niederländer war nur hauchdünn schneller als sein Red-Bull-Teamkollege Daniel Ricciardo. Allerdings wurden beide Red-Bull-Fahrer - ebenso wie sieben weitere Fahrer - wegen Motor-/Getriebewechseln in der Startaufstellung zurückversetzt.

Der Pole-Rekord wurde im Verlauf der F1-Geschichte nur selten gebrochen. Der legendäre Jim Clark holte seine 33. und letzte Pole Position am 1. Januar 1968 beim Südafrika GP. Diesen Wert überbot erst Ayrton Senna in Phoenix 1989. Sennas 65. und letzte Pole war beim tragischen San Marino GP 1994. Dieser Rekord blieb zwölf Jahre lang bestehen, bis ihn Michael Schumacher knackte. Der Deutsche fuhr seine 68. und letzte Pole beim Frankreich GP 2006 ein.

Die 69. Pole von Lewis war gleichzeitig seine sechste beim Italien GP - ein weiterer Rekord. Auf dieser Strecke liegt er nun vor Juan Manuel Fangio und Senna mit jeweils fünf Monza-Poles.

'Gutes, faires, hartes Rad-an-Rad-Racing'

Nachdem Valtteri und beide Ferrari-Fahrer im Qualifying Schwierigkeiten beim Aufwärmen der Regenreifen von Pirelli erlebten, ergab sich eine durcheinander gewürfelte Startaufstellung, in welcher der von Mercedes-Power angetriebene Lance Stroll (18) der jüngste Fahrer in der F1-Geschichte wurde, der jemals aus der ersten Reihe losfuhr. Der junge Franzose Esteban Ocon, ebenfalls mit Mercedes-Power im Heck seines Force India, startete neben Valtteri aus der zweiten Reihe. Die beiden Ferrari von Vettel und Kimi Räikkönen standen in Reihe drei.

Als die Ampeln ausgingen, verteidigte Lewis seine Pole Position. Trotz eines kleinen Verbremsers in der ersten engen Schikane, hatte Lewis nach der ersten Runde bereits 1,8 Sekunden Vorsprung. Hinter ihm lag Ocon vor Stroll und Valtteri. Der Silberpfeil mit der Startnummer 77 überquerte die Linie nach einer spannenden Startrunde nur 0,06 Sekunden vor dem Ferrari von Räikkönen.

"Das hat mir richtig Spaß gemacht", sagte Valtteri. "Es war gutes, faires, hartes Rad-an-Rad-Racing. Ich hatte einen schlechten Start mit etwas zu viel durchdrehenden Rädern und er überholte mich. Wir berührten uns ausgangs von Kurve eins und er war vorne. Danach hatte ich eine Chance in der Parabolica. Ich hatte guten Windschatten, er verteidigte sich innen und so konnte ich außenherum viel Speed mitnehmen. Ich wusste, dass wir einen guten Topspeed auf der Geraden hatten und dass ich höchstwahrscheinlich einen guten Windschatten durch die Autos davor haben würde. Das ging auf."

Danach nahm sich Valtteri Ocon und Stroll vor. Der Force India und der Williams waren auf der Geraden nicht so schnell wie im Training, da sie für das Regen-Qualifying einen etwas steileren Heckflügel gewählt hatten. Valtteri gelang ein konventionelleres Monza-Überholmanöver am Ende der Zielgeraden. Dort zog er aus dem Windschatten heraus und stach in Kurve eins innen rein. Den jungen Kanadier schnappte er sich so in Runde drei, den Franzosen eine Runde später. Nach vier von 53 Runden lagen die beiden Mercedes an der Spitze des Feldes: Lewis führte mit etwas weniger als vier Sekunden Vorsprung auf Valtteri. Dieser Abstand sollte für den Rest des Rennens relativ stabil bleiben.

'Ansonsten lief es zu 98,2% perfekt für uns'

Nach dem verregneten Qualifying stand die Wahl der Rennreifen den Teams frei, aber der Abbau beider Pirelli-Mischungen (SuperSoft und Soft) war niedrig. Der Medium-Reifen mit der weißen Markierung wurde überhaupt nicht in Betracht gezogen. Die Rennstrategie war durchweg eine Ein-Stopp-Strategie. Dadurch wurde Monza zum unkompliziertesten Rennen der Saison für das Team. Denn Valtteri kam 31 Sekunden vor dem Dritten Vettel ins Ziel. Die fehlende Pace von Ferrari im Vergleich zu Spa erlaubte es Mercedes, den ersten Stint auszudehnen. So wechselten Lewis und Valtteri erst auf die weichen Reifen, als Vettel (bereits außerhalb des 23-Sekunden-Boxenstoppfensters) seinen Stopp in Runde 31 absolviert hatte.

Die einzige "Schrecksekunde" für Lewis war, als er nach der zweiten Schikane etwas zu weit rauskam und mit seinem linken Vorderrad leicht den Kies aufwirbelte.

"Ich kam etwas hart auf den Kerb und die Front sprang und rutschte etwas zu weit. Es war nur ein kleines Bisschen - es war noch nicht mal der ganze Reifen im Kies!", sagte er lächelnd. "Das und der kleine Verbremser in Kurve eins auf der ersten Runde waren die einzigen Dinge. Ansonsten lief es zu 98,2% perfekt für uns."

Der Vorsprung in Monza erlaubte es dem Team, die Motoren ab ungefähr einem Viertel der Distanz herunterzudrehen und ein Auge auf die Zuverlässigkeit zu haben, die im Verlauf der 20 Saisonrennen noch eine entscheidende Rolle spielen könnte.

Was hatte sich also seit dem Rennen in Spa, sieben Tagen zuvor, geändert? Denn dort hatten Vettel und Ferrari Lewis fortwährend stark unter Druck gesetzt...

'Dieses Wochenende hat es richtig funktioniert'

"Ich denke, die Jungs haben bei der Analyse der Defizite von Spa fantastisch gearbeitet", erklärte Toto Wolff. "Wir hatten einige sehr starke Sektoren in Spa und opferten reinen Speed für Rennspeed. Deshalb fehlte es uns an Performance mit niedrigem Downforce, Bremsstabilität, Stabilität am Scheitelpunkt und Traktion. Wir versuchten, das zu verstehen und für Monza zu optimieren. Dort hatten wir von Anfang an ein Auto, das sehr solide und gut zu fahren war. Im Regen-Qualifying gab es hier so viele Gelegenheiten, um Fehler zu machen, aber wir hatten viel Grip und einen guten Vorsprung. Genauso war es im Rennen. Wir haben bewiesen, dass wir uns gut von Budapest, und auf gewisse Weise auch, von Spa erholt haben."

Lewis hatte das Rennen in Spa natürlich trotz des Drucks mit einer super Leistung gewonnen. Entsprechend könnte Valtteris Sicht der Dinge nach seinem fünften Platz in Belgien vielleicht relevanter sein.

"Spa ist eine ganz adnere Strecke", sagte er. "Es gibt viele schnelle und mittelschnelle Kurven. Du brauchst also insgesamt ein steiferes Auto und dann kann die Traktion relativ schlecht sein. Hier in Monza gibt es keine wirklichen schnellen Kurven und du kannst das Auto etwas mehr auf die Schikanen und Traktion abstimmen. Dieses Wochenende hat es richtig funktioniert, während wir in Spa nicht wirklich eine Möglichkeit hatten, das Auto für die langen Stellen abzustimmen."

Trotz des komfortablen Vorsprungs in Italien weigert sich Toto jedoch, dies überzubewerten. Auch die Strategen betonen, dass der Abstand zu Force India relativ normal ausfiel. Zudem wurde die echte Pace von Red Bull durch deren Starts vom Ende des Feldes (Ricciardo wurde von hinten noch Vierter, nur vier Sekunden hinter Vettel) verschleiert. Und Ferrari hat sich höchstwahrscheinlich unter Wert geschlagen.

'Wenn du einen schlechten Tag hast, kannst du es nicht verschleiern'

"Wenn du einen schlechten Tag hast, kannst du es nicht verschleiern", sagte Toto. "In meinen Augen hat Ferrari an diesem Wochenende einen Schritt zurück gemacht. Ich denke, wir waren sehr solide, aber sie haben sich nicht so geschlagen, wie es jeder erwartet hatte. Red Bull startete von hinten und wurde beinahe noch Dritter. Da scheint etwas nicht ganz zu stimmen. So sollte es nicht sein. Ich kann es also verstehen, dass Ferrari enttäuscht ist."

Herkömmliche Weisheiten lassen vermuten, dass Ferrari wahrscheinlich dank der langsamen und mittelschnellen Kurven des Marina Bay Street Circuits in Singapur stark zurückschlagen wird. Obwohl Nico Rosberg im vergangenen Jahr dort im Silberpfeil gewonnen hat, setzte ihn Ricciardo im Red Bull stark unter Druck. Dadurch wurden die beiden Mercedes in der Startaufstellung geteilt und Vettel wurde durch seinen Start vom Ende des Feldes aus der Gleichung genommen.

"Ich denke, dass Ferrari in den langsamen und mittelschnellen Kurven in Singapur sehr schnell sein wird", bestätigt Lewis.

Das Team scheut vor dieser Herausforderung jedoch keineswegs zurück, wie Toto betont: "Singapur war bislang nicht unbedingt unser bestes Pflaster. Wir waren hocherfreut, im letzten Jahr dort zu gewinnen, weil wir 2015 dort so ein schwieriges Wochenende erlebten. Ich glaube dennoch, dass es bestimmte Streckencharakteristiken gibt, die unserem Auto liegen oder nicht liegen. Man kann erkennen, dass langsame, winklige Strecken Red Bull und Ferrari eher liegen, während Strecken, auf denen viel High-Speed-Abtrieb gefragt ist, unserem Auto gut liegen.

"Aber ich denke nicht, dass man dies nicht durchbrechen kann. Es geht nur darum, das Auto zu verstehen und je mehr Kilometer wir absolvieren, desto mehr lernenw ir darüber. Nichtsdestotrotz erwarte ich dort ein schwierigeres Wochenende als in Monza, Spa oder Silverstone."

'Es ist sicherlich ein starkes Gefühl'

Für den Moment freuen sich Lewis, Valtteri und das gesamte Team über das überlegene Rekord-Wochenende im königlichen Park zu Monza sowie die Tatsache, dass Lewis zum ersten Mal in dieser Saison die Fahrer-Wertung anführt.

"Das ist sicherlich ein starkes Gefühl", sagt er. "Die letzten Rennen waren richtig solide. Ich glaube, ich habe in diesen letzten drei Rennen mehr Herz und Leidenschaft gefunden. Und obwohl ich nur drei Punkte Vorsprung habe, bin ich dankbar dafür."

Er blieb sogar trotz der Buhrufe einiger Ferrari-Fans und Tifosi ruhig, die ihre Rivalen auf den ersten beiden Plätzen bei der Siegerehrung sahen...

"Die Buhrufe gingen an mir vorbei", sagte Lewis lächelnd. "Das ist in Italien zu erwarten. In den letzten fünf oder sechs Jahren war es normal, dass die Ferrari-Fahrer nicht vorne standen. Dadurch bist du automatisch der Bösewicht hier in Monza. Du bist ja derjenige, der die Ferrari geschlagen hat. Wenn Valtteri und ich heute nicht gefahren wären, hätte Ferrari gewonnen. An manchen Tagen bin ich wirklich gerne der Bösewicht! Tatsächlich bewundere ich die Leidenschaft der Fans. Es fühlt sich hier ein bisschen wie bei Fußballfans an - die Aggressiven! Aber es ist alles für ihre Liebe zu den roten Autos. Es mag ein langsamer Prozess sein, aber hoffentlich gewinne ich einige auf meine Seite!"

In Monza endete die Europa-Saison der Formel 1. Jetzt geht es zu den hektischen Überseerennen mit sieben Grands Prix innerhalb von zwölf Wochen. Dieser anstrengende Reiseplan bringt das Team an seine Grenzen. Mercedes-AMG Petronas Motorsport beginnt die Reise mit 62 Punkten Vorsprung in der Konstrukteurs-Weltmeisterschaft auf die Scuderia Ferrari. In der Fahrer-Weltmeisterschaft liegt Lewis mit 238 Punkten vor Vettel mit 235 Punkten und Valtteri mit 197 Punkten. Auf geht's nach Singapur!

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