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ANALYSE: Den Titel in den Staaten klargemacht

ANALYSE: Den Titel in den Staaten klargemacht

Der neunte Saisonsieg von Lewis Hamilton und ein fünfter Platz für Valtteri Bottas genügten auf dem Circuit of the Americas in Austin, Texas, um den vierten Gewinn der Formel 1 Konstrukteurs-Weltmeisterschaft für Mercedes-AMG Petronas Motorsport in trockene Tücher zu bringen. Es war der fünfte Sieg von Lewis in den vergangenen sechs US Grand Prix sowie sein fünfter Erfolg in den zurückliegenden sechs Rennen.

Teamchef Toto Wolff sagte: "Den Konstrukteurs-Titel hier in Austin drei Rennen vor Saisonende zu gewinnen, fühlt sich richtig unglaublich an. Das ist die Belohnung für so viele hart arbeitende Menschen. Du versuchst immer, ein Allheilmittel zu finden, um den Unterschied auszumachen, aber Tatsache ist, dass wir eine großartige Dynamik im Team haben. Wir genießen unsere Arbeit und bringen es auf den Punkt."

Die Strecke hat sich zum Lieblingskurs von Lewis im gesamten F1-Kalender entwickelt. So zeigte er auch im Qualifying eine starke Leistung und erzielte in 1:33.108 Minuten seine 72. Formel 1-Pole. In diesem Zuge fuhr er auch einen neuen Rekord für die meisten Starts aus der ersten Reihe ein - den bisherigen hielt Michael Schumacher mit 116.

Sein härtester Gegner Sebastian Vettel ließ derweil einen problematischen Freitag hinter sich, an dem er ein neues Chassis benötigte, und fuhr 0,24 Sekunden hinter Lewis in Reihe eins. Die nächsten vier Fahrer lagen alle innerhalb einer Zehntelsekunde. Valtteri schnappte sich Platz drei. Seine Rundenzeit von 1:33.568 Minuten war ein Hundertstel schneller als Daniel Ricciardo und Kimi Räikkönen, der bis aufs Tausendstel identische Qualifying-Zeiten setzten (1:33.577). Ricciardo schnappte sich den Platz in der zweiten Reihe, weil er seine Zeit 14 Sekunden vor Räikkönen fuhr. Max Verstappen lag 0,08 Sekunden hinter dem zweiten Ferrari - aber er musste wegen einer Strafversetzung für einen Motorwechsel von Rang 16 starten.

Beim ersten US GP seit die neuen Formel 1-Besitzer von Liberty Media die Kontrolle übernahmen, herrschte eine echte Party-Atmosphäre vor. Jede Menge Promis aus der Welt des Sports, Unterhaltung und Politik kamen zum Rennen - viele zum ersten Mal.

Einer der prominentesten unter ihnen war Usain Bolt. Der schnellste Mann der Welt auf zwei Beinen nutzte die Gelegenheit, um sich vom schnellsten Mann der Welt auf vier Rädern in einem 510 PS starken Mercedes-AMG GT S um die Strecke chauffieren zu lassen. Als Lewis die Traktionskontrolle abschaltete und dem 4,0 Liter Twin-Turbo-V8-Biest mit seinen 670 Nm Drehmoment auf dem COTA die Sporen gab, war Bolt beinahe sprachlos: "Jeez, I'm stressed, man..." lautete sein Kommentar, nachdem er ausgestiegen war und sich halbwegs wieder erholt hatte!

Zum Vorprogramm gehörte auch der bekannte Box-Ringankündiger Michael Buffer, genau, der: "Let's Get Ready To Rumble!"-Kerl. Er stellte die Fahrer vor dem fast ausverkauften Haus vor und kündigte so den neuesten Showdown zwischen Lewis und Vettel an.

Als die Ampeln ausgingen, legte der Ferrari-Pilot einen leicht besseren Start hin. Vettel stach in der ersten Bergaufkurve innen rein und ging in Führung. Valtteri verteidigte sich dahinter gegen Ricciardo, sodass die Mercedes-Fahrer am Ende der ersten Runde auf den Plätzen zwei und drei lagen.

Die Anfangsphase war interessant: Ferrari konnte das wahre Potential seines SF70 bei den problematischen Asien-Rennen nicht voll ausnutzen. Hier hatte Vettel nun jedoch freie Fahrt. Aber obwohl es 2017 Tage gegeben hat, an denen der Ferrari überlegen war, gehörte dieser nicht dazu. Dabei ließen die Bedingungen vermuten, dass sie der Mannschaft aus Maranello in die Hände spielen könnten. Dazu gehörte ein Morgenregen, der die Strecke glatter machte, und die höheren Streckentemperaturen, die zu erhöhtem Reifenabbau führen.

Tatsächlich entlarvten die Mercedes-Ingenieure einen dieser Mythen: "Es ist eine interessante Sache mit Regenschauern. Sie machen die Strecke dreckiger und weil sie die Pace zu Beginn einbremsen, werden die Reifen weniger belastet. Je weniger ein Auto rutscht, desto weniger Verschleiß gibt es. Wenn die optimale Strategie also sehr eng zwischen einem und zwei Stopps liegt, wie es hier der Fall war, kann es dir bei einer Ein-Stopp-Strategie helfen, anstatt dich zu zwei Stopps zu zwingen. Früher waren Regenschauer ein Problem, weil die Reifen beschädigt wurden und Graining bekamen, aber diese Reifen leiden nicht mehr darunter."

Die Befürchtungen, dass Vettel sich einen Vorsprung herausfahren könnte, wurden zerstreut, als Lewis im Funk bestätigte: "Die Pace ist gut." Da lag er am Ende der fünften Runde nur eine Sekunde hinter ihm. Sobald sich die Reifentemperaturen stabilisiert hatten, ermutigte das Team Lewis dazu, den Ferrari anzugreifen. Weil sie vermuteten, dass es schwierig werden könnte, planten sie auch einen strategischen Ausweg. Lewis konnte jedoch mithilfe von DRS vorbeigehen. Er kam in Runde sechs gut aus Kurve elf heraus und ging in Kurve zwölf innen an Vettel vorbei - und damit wieder in Führung.

Sobald er durch war, begann Lewis damit, sich abzusetzen. Aus einem Vorsprung von 0,88 Sekunden am Ende der sechsten Runde wurden bei der nächsten Zieldurchfahrt 1,2 Sekunden und so ging es danach auch bis Runde 15 weiter: 1,86, 1,91, 2,31, 3,35, 3,39, 3,94, 4,08, 4,45.

Die Strategen des Teams planten ein Ein-Stopp-Rennen und wollten Lewis bis Runde 18/19 auf seinen Startreifen der Marke UltraSoft von Pirelli weiterfahren lassen. So sollte er die 56 Rennrunden mit nur einem Satz weicher Reifen fertigfahren können. Vettel ging jedoch schon nach 16 Runden an die Box. Das Team glaubte, dass mit so einem frühen Stopp ein Ein-Stopp-Rennen auf den weichen Reifen sehr grenzwertig war. Vettel verlor Boden auf Lewis und berichtete von Blasenbildung an seinem linken Vorderreifen. Das hätte er vielleicht verhindern können, wenn seine Long Runs am Freitag nicht durch sein Chassisproblem und den folgenden Dreher eingeschränkt gewesen wären.

Unterdessen entschieden sich Red Bull und Ricciardo für eine aggressive Strategie. Sie stoppten sehr früh in Runde 12 und wechselten auf die superweichen Pirelli-Reifen. Das deutete auf ein Zwei-Stopp-Rennen hin. Sie versuchten einen Undercut gegen Valtteri, der sich im ersten Sektor stark verteidigt hatte, um den Red-Bull-Fahrer hinter sich zu halten. Aber die Gefahr durch den Australier löste sich bald in Luft auf, als er in Runde 15 mit einem Motorproblem ausfiel.

Der Kampf gegen Ricciardo hinterließ einige Schäden an Valtteris Auto: "Er ging innen rein, ich versuchte, mich zu verteidigen und er ließ mir praktisch keinen Platz. Also musste ich neben die Strecke ausweichen. Es war alles okay, nur enges Racing, aber dabei zog ich mir Schäden am Unterboden zu. Wir wissen noch nicht, wann es passiert ist, aber nach dem Rennen konnten wir es sehen. Vielleicht war es bei der Berührung."

Das Team entschied sich dazu, Valtteri nach 18 Runden zuerst reinzuholen, um so seinen Platz gegen Räikkönen zu verteidigen. Der Ferrari-Fahrer lag 2,5 Sekunden hinter ihm und war damit in Undercut-Reichweite. Dadurch wurde es für Lewis aber eng, seine Führung zu verteidigen, als er eine Runde später stoppte - drei Runden nach Vettel.

"Wie kam er so nah heran?!", fragte Lewis über Funk.

Die Team-Strategen gaben zu, dass sie vielleicht eine runde früher hätten hereinkommen können, aber sie waren auch von Vettels Speed zu Beginn des zweiten Stints überrascht. Nach einer schnellen "Out Lap" auf weichen Reifen war der erste Sektor auf seiner fliegenden Runde schneller. Wenn sein zweiter Sektor genauso gewesen wäre, wäre es viel komfortabler für Lewis gewesen. Aber seine zweite fliegende Runde war tatsächlich wieder fast eine halbe Sekunde schneller. Das Team erwartete, dass Lewis eine bis eineinhalb Sekunden Vorsprung haben würde, aber tatsächlich waren es nur 0,6! Der Grund für den verlängerten Stint war darin zu suchen, dass das Team sicherstellen wollte, dass sein zweiter Reifensatz in guter Verfassung war, um bis zum Ende durchzufahren. Denn bei Ferrari sah es jetzt danach aus, dass sie auf zwei Stopps wechseln würden.

Max Verstappen führt das Rennen jetzt an. Er hatte gut drei Sekunden Vorsprung auf Lewis. Der Niederländer war auf seinen superweichen Reifen länger gefahren, weil er wegen eines Motorwechsels nur von P16 gestartet war. Lewis holte ihn jedoch auf seinen neuen Softs schnell ein und übernahm in Runde 23 wieder die Führung. Dabei baute er seinen Vorsprung auf Vettel auf drei Sekunden aus.

Ab diesem Punkt war er stets in Kontrolle und konnte die geplante Ein-Stopp-Strategie perfekt umsetzen und den Zweistopper Vettel um zehn Sekunden schlagen. Entsprechend erfreut war Toto, der die Strategen lobte.

"Sie werden an der Strecke von James Vowles geführt und wir haben auch eine gute Mannschaft in Brackley, die alle Tools und Algorythmen haben, um seine Entscheidungen zu unterstützen", erklärte er. "Für einen Strategen ist es nicht immer einfach, den Mut zu haben, um die richtige Entscheidungen zu treffen. Denn du bist dafür verantwortlich. Seine Entscheidungen waren das ganze Jahr über außergewöhnlich und es gab nur sehr, sehr wenige nicht perfekte Entscheidungen - das ist eine der Stärken des Teams."

Toto lobte aber auch den Mann am Steuer: "Ich arbeite jetzt schon seit fünf Jahren mit Lewis zusammen und ich habe ihn noch nie auf diesem Niveau gesehen: die reine Pace ist spektakulär und sein Verständnis für die Reifen und ein Auto, das manchmal schwierig sein kann, ist nicht einfach. Ich habe noch nie zuvor gesehen, dass jemand eine Performance auf diesem Niveau so lange gehalten hat."

Nachdem Verstappen in Runde 24 seinen ersten Stopp für weiche Reifen absolviert hatte, lag Valtteri wieder auf Platz drei - fünf Sekunden hinter Ferrair-Mann Vettel und drei Sekunden vor Räikkönen im zweiten Ferrari. Verstappen lag auf frischen Reifen zehn Sekunden hinter dem zweiten Ferrari-Fahrer.

In Runde 36 führte Lewis 20 Runden vor Schluss mit 6,5 Sekunden Vorsprung. Aber die folgenden vier Autos waren nur fünf Sekunden voneinander entfernt. Vettel lag 2,1 Sekunden vor Valtteri, der wiederum Räikkönen in DRS-Reichweite hatte - und Verstappen war nur zwei Sekunden hinter Kimi. Zu diesem Zeitpunkt ging Red Bull das Risiko ein und holte Verstappen zum zweiten Mal herein. Sie wechselten auf die roten SuperSofts von Pirelli. Ferrari tat es ihnen eine Runde später mit Vettel gleich. Der viermalige Weltmeister kam nur 1,5 Sekunden vor dem Red Bull heraus.

Weder Mercedes noch Ferrari konnten mit ihrem zweiten Auto auf Verstappen reagieren, weil sie hinter dem Red Bull herausgekommen wären. So mussten Bottas und Räikkönen bei einem Stopp bleiben.

In Runde 42 kämpfte sich Räikkönen innen in Kurve zwölf an Valtteri vorbei und übernahm Platz zwei. Innerhalb von sieben Runden sah Valtteri Vettel und Verstappen im Rückspiegel. Beide waren auf den schnelleren superweichen Reifen. Entsprechend konnte er nicht viel tun, um sich zu verteidigen und wurde fünf Runden vor Schluss von Vettel überholt. Eine Runde später ging auch Verstappen vorbei. Angesichts des riesigen Vorsprungs auf den Force India von Esteban Ocon kam Valtteri vier Runden vor Rennende an die Box und wechselte auf einen Satz ultraweicher Reifen. Damit verpasste er Vettels schnellste Rennrunde nur um eine Tausendstel.

"Die Pace war im zweiten Stint ziemlich gut", sagte Valtteri. "Ich hatte nur etwas zu kämpfen, als ich Sebastian näher kam. Ich fing an, in der Dirty Air in den schnellen Kurven zu rutschen. Danach musste ich mich gegen Kimi wehren und es war das gleiche: damit er auf der Gegengeraden nicht in DRS-Reichweite kam, musste ich etwas härter pushen, als ich es in den schnellen Kurven wollte. Das kostete mich zu viel bei den Reifen und ich konnte die Ein-Stopp-Strategie nicht umsetzen. Das hat mein Rennen ruiniert."

Dank der 35 WM-Punkte von Lewis und Valtteri kommt das Team nach Austin auf 575 Punkte. Damit besitzt es einen in den letzten drei Rennen uneinholbaren Vorsprung von 147 Zählern auf die Scuderia Ferrari. Ferrari-Teamchef Maurizio Arrivabene besuchte Mercedes nach dem Rennen, um dem Team zum Titelgewinn zu gratulieren.

In der Fahrer-Weltmeisterschaft baute Lewis seine Führung auf 66 Punkte aus. Er benötigt jetzt am kommenden Wochenende in Mexiko nur einen fünften Platz, um seinen vierten WM-Titel einzufahren - dann hätte er genauso viele wie Sebastian Vettel und Alain Prost. Toto blieb jedoch pragmatisch und sieht nichts als selbstverständlich an: "Dies ist Rennsport. Sebastian hatte einen Ausfall in Singapur, hat in Sepang nur wenige Punkte geholt und ist in Suzuka erneut ausgefallen. Es ist noch nicht vorbei, so lange eine mathematische Chance besteht!"

Auf geht's nach Mexiko...

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