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ANALYSE: Offene Fragen nach den Sepang-Problemen

ANALYSE: Offene Fragen nach den Sepang-Problemen

Obwohl das Team beim Malaysia Grand Prix die Plätze zwei und fünf einfuhr, gibt es viel zu überdenken...

Der Malaysia Grand Prix erwies sich für Mercedes-AMG Petronas Motorsport als das härteste Rennen der Saison. Aber einmal mehr sorgte ein unglückliches Wochenende für die Scuderia Ferrari dafür, dass Lewis Hamilton und das Team ihre Führung in der Fahrer- respektive Konstrukteurs-Wertung ausbauen konnten.

Der letzte Besuch auf dem fordernden Sepang International Circuit, der seit 1999 im Rennkalender stand, brachte Max Verstappen den Sieg. Der Niederländer war am Qualifying-Tag gerade erst 20 Jahre jung geworden. Es war der zweite Sieg für Red Bull Racing in dieser Saison.

Am Freitag ging im 1. Freien Training wertvolle Trainingszeit wegen eines der typischen malaysischen Tropenstürme verloren. Die heißen Bedingungen am Freitagnachmittag sahen die Silberpfeile 1,4 Sekunden hinter der Ein-Runden-Pace von Ferrari herfahren. Das Team war auch bei der Rennpace deutlich hinter Ferrari sowie Red Bull.

Nach der nächtlichen Analyse und Setupänderungen war der W08 im 3. Training am Samstagmorgen nur noch 0,4 Sekunden hinter der Ein-Runden-Pace zurück. Im Qualifying zeigte Lewis einmal mehr eine seiner magischen Vorstellungen und sicherte sich seine 70. Formel 1-Pole. Geholfen hat ihm dabei ein mechanisches Problem am Ferrari von Sebastian Vettel, das seinen Hauptrivalen im Titelkampf bereits im Q1 ausschaltete. Somit musste Vettel vom Ende des Feldes in das Rennen starten. Der Deutsche war schon beim vorherigen Rennen in Singapur in der ersten Runde ausgeschieden.

Lewis hatte zudem ein De-Rating-Problem mit der MGU-K. Dadurch verlor er zusätzliche Leistung aus dem Energierückgewinnungssystem. Wie Toto Wolff erklärte, konnte das Team dies mit einer Mannschaftsleistung lösen, wobei neben den Motor- und Dateningenieuren an der Strecke auch die Kollegen in Brixworth und Brackley beteiligt waren. Die sofortige Feststellung und Lösung des Problems erlaubte den Funkspruch an Lewis, der ihm sagte: "Halte den RS-Button für 10 Sekunden gedrückt". Damit wurde das Problem überschrieben, was dabei half, seine wichtige Pole zu verteidigen.

Ferrari-Pilot Kimi Räikkönen war ebenfalls eine große Gefahr für die Pole. Aber nach einer starken ersten Runde im Q3 schlug Lewis den Finnen um 0,05 Sekunden. Die Red Bull-Fahrer Verstappen und Daniel Ricciardo belegten nur eine halbe Sekunde dahinter die zweite Reihe. Valtteri bezog auf P5 Stellung, erneut ein paar Zehntel hinter den Red-Bull-Fahrern. Er probierte ein neues Aero-Paket an seinem Auto aus, das Lewis lieber nicht einsetzen wollte. Allerdings glaubt er nicht, dass dies die Ursache für seine Schwierigkeiten war.

"Das Hauptproblem war, dass ich mit der Vorderachse zu kämpfen hatten, das gab es noch nicht oft", erklärte Valtteri. "Ich verlor die Front mitten in der Kurve und dann ist es schwierig, einzulenken. Es überhitzt die Vorderreifen und ich rutschte auch über alle vier Räder in schnellen Kurven. Wenn ich schneller fuhr, rutschte ich noch mehr und ich hatte mit den Reifentemperaturen zu kämpfen. Das ist kein gutes Gefühl..."

Die Simulationen des Teams zeigten, dass Vettel das Rennen wohl auch vom Ende des Feldes in den Top-4 beenden würden, gab es keinen Grund, sich vor dem Rennen auszuruhen. Selbst nachdem Räikkönens Ferrari ein ähnliches Problem mit der Power Unit hatte wie Vettel am Samstag und deswegen nicht starten konnte.

Die Strecke war noch leicht nass von einem Regenschauer kurz vor dem Rennen, als die Ampeln ausgingen und Lewis auf der etwas trockeneren rechten Seite des Grids losfuhr, um seine Pole Positions zu verteidigen. Valtteri erwischte ebenfalls einen fantastischen Start, nutzte das Fehlen von Räikkönen auf der linken Seite aus und ging in der ersten Kurve außen an beiden Red Bull vorbei. Er blieb vor Ricciardo, aber Verstappen verteidigte sich stark und blieb so vor dem Auto mit der Nr. 77, das die erste Runde auf Platz drei beendete.

Nachdem Verstappen Lewis auf den ersten drei Runden gefolgt war, scherte er in Kurve eins mithilfe von DRS aus dem Windschatten aus und stach innen hinein, um die Führung zu übernehmen. Lewis entschloss sich dazu, die Tür nicht zu schließen. Das war zwar gegen seinen Racer-Instinkt, aber zugunsten des großen Gesamtbildes. Zudem hatte er zu diesem Zeitpunkt ein Problem mit De-Rating, während Verstappen mit etwas Pace-Überschoss Energie sparen konnte.

"Ich hatte Probleme beim De-Rating, wodurch Max näher kommen konnte", bestätigte Lewis. "Aber selbst wenn nicht, hätte ich nur das Unvermeidliche etwas weiter hinausgezögert, denn er war in vielen Bereichen schneller als ich."

Valtteri konnte die Pace des Führungsduos nicht mitgehen und lag nach fünf Runden sechs Sekunden zurück. Dadurch kam er unter starken Druck von Ricciardo. Er hielt den zweiten Red Bull bis Runde neun im Schach, dann übernahm der Australier P3. Zu diesem Zeitpunkt hatte sich Vettel bereits in die Top-10 vorgearbeitet. Der Deutsche war auf den weichen Pirelli-Reifen vom Ende des Feldes gestartet, während die Top-10 mit den SuperSofts fuhren. Vettel lag nun 25 Sekunden hinter dem Führenden und zwölf Sekunden hinter Valtteri.

Obwohl Valtteri im Vergleich zu Lewis mit seiner Pace zu kämpfen hatte, war seine Rolle im Rennen entscheidend. Lewis hatte acht Sekunden Vorsprung, als Ricciardo P3 übernahm. Aber Valtteri spielte auch eine Rolle bei den Boxenstopps in diesem Ein-Stopp-Rennen.

In Runde 21 von 56 überholte Vettel den Force India von Sergio Perez und war danach Fünfter. Danach war er für drei aufeinanderfolgende Runden das schnellste Auto auf der Strecke. Er fuhr einige Zehntel schneller als der Führende Verstappen - und das, obwohl er auf den härteren Reifen war. So kam er in Runde 24 in DRS-Reichweite zu Valtteri und in das Boxenstoppfenster von 23 Sekunden gegenüber Lewis.

Valtteri fuhr mittlere 1:37er Zeiten, also eine Sekunde langsamer als Vettel gefahren war. In den folgenden drei Runden fiel Vettel wieder aus dem Boxenstoppfenster heraus, sodass Lewis in Runde 26 an die Box gehen konnte.

"Die Vorderreifen fielen langsam ab und das Schlimmste was passieren hätte können, war, dass Lewis hinter Vettel zurückgefallen wäre und die beiden kollidiert wären", bestätigte ein Team-Stratege.

Das Team mag danach erwartet haben, dass Valtteri auf der nächsten Runde an die Box kommen würde, so lange er noch vor Vettel war, aber tatsächlich kam nur der Ferrari in Runde 27 herein und Valtteri eine Runde später.

"Wir wussten, dass es ein starkes Risiko gab, dass Vettel einen Undercut schaffen könnte, aber wir wollten Vettel dazu zwingen, lange zu fahren oder zu stoppen. Wir glaubten nicht, dass wir Vettel mit Valtteri abwehren könnten, selbst wenn er als erstes stoppt. Vettel war auf brandneuen superweichen Reifen und wäre wahrscheinlich einfach vorbeigefahren. So zwangen wir Vettel zumindest dazu, auf dieser Runde hereinzukommen. Das war die beste Situation für Lewis am Ende des Rennens, weil Sebastians SuperSofts dann etwas älter waren."

Wenn das Team Valtteri früher hereingeholt hätte, um diese Taktik auf die Spitze zu treiben, wäre es unwahrscheinlich gewesen, damit Erfolg zu haben, da Vettel auf seinen weichen Reifen kaum Anzeichen von Abbau zeigte. Er wäre dann einfach draußen geblieben, einen sehr langen Stint gefahren und wäre dann am Ende auf frischeren SuperSofts eine noch größere Gefahr gewesen. Ein ganz normaler Arbeitstag für die Analysten und Zahlenfreunde, aber alles in einem superschnelllebigen Umfeld!

Vettel war auch so gefährlich genug. Nachdem mittels eines Undercuts an Valtteri vorbeigekommen war, fuhr er einen Rundenrekord nach dem anderen und schloss die Lücke zum Dritten Ricciardo. 26 Runden vor Schluss lag er 26 Sekunden hinter Lewis und begann damit, den Rückstand mit mehr als einer Sekunde pro Runde zu verkleinern. Das Team wusste, dass die Reifenabnutzung immer größer werden würde, je länger der Ferrari auf den SuperSofts fuhr.

11 Runden vor Schluss kam Vettel in DRS-Reichweite zu Ricciardo. Während Lewis weitere acht Sekunden davor fuhr. Vettels superweiche Reifen schienen noch eine starke Pace zuzulassen (in Runde 45 waren es 1:34.386 gegenüber 1:34.080 in Runde 41). Aber vier Runden in den mittleren 1:35er Zeiten hinter dem Red Bull bedeuteten das Ende des Vorwärtsdrangs.

Vettel steckte in der Schlussphase deutlich zurück, und zwar so stark, dass es fast danach aussah, als ob Ferrari ihn weniger betankt hatte, um in der Anfangsphase und bei möglicher Regengefahr oder einem Safety Car besser nach vorne zu kommen. Vettel setzte in der Schlussphase deutlich "Lift and Coast" Benzin-Sparmaßnahmen ein.

Während Lewis und das Team in Sepang nicht die Pace von Ferrari oder Red Bull hatten, kontrollierten sie den letzten Stint. Lewis bekam Zielzeiten genannt, die er fahren sollte. Das zeigte sich bei drei Runden im mittleren 1:34er Bereich zwischen Runde 47 und 49. Das Team hatte berechnet, dass Vettel selbst bei einem sofortigen Überholmanöver gegen Ricciardo nicht näher als zwei Sekunden an Lewis herangekommen wäre.

Nach Singapur war Sepang erneut starke Schadensbegrenzung, die Mercedes-AMG Petronas Motorsport einen Vorsprung von 118 Punkten auf die Scuderia Ferrari in der Konstrukteurs-WM verschaffte. Lewis hat derweil 34 Punkte Vorsprung auf Vettel in der Fahrer-WM. Noch sind fünf Rennen zu fahren. Die Formel 1 ist 2017 aber so eng umkämpft, dass es am Sonntagabend keine zufriedenen Gesichter im Team gab. Stattdessen waren Sorgenfalten zu sehen.

Tatsache war, dass Verstappen im Red Bull Lewis um 12,7 Sekunden geschlagen hatte und Vettel im Ferrari vom Ende des Feldes Valtteri um beinahe 20 Sekunden überbieten konnte, obwohl dieser als Fünfter gestartet war. Man muss nicht Einstein sein, um zu wissen, dass Lewis den Titel um einen Punkt verliert, wenn Vettel in den verbleibenden jeweils gewinnt und Lewis Zweiter wird. Lewis ist ein geborener Siegertyp, er freut sich nicht über zweite Plätze. Aber in Malaysia gab es tiefer gehende Schwierigkeiten.

"Dieses Wochenende war ein echter Schlag für uns, ständig passierte etwas", sagte er. "Das ist nicht akzeptabel für dieses großartige Team. Ich bin mit meiner Performance und dem Verlauf des Rennens wirklich zufrieden. Ich bin damit richtig happy, obwohl ich mich natürlich frage, ob ich Verstappen die Tür hätte zumachen sollen. Aber insgesamt ist es besser, langfristig zu denken."

"Es gab keinen Grund, gegen Verstappen zu kämpfen, der viel schneller war. Es gab das Risiko, nicht ins Ziel zu kommen. Ich bin mit unserer Analyse zufrieden. Das Team ist vollmotiviert, an einem Strang zu ziehen und zu sehen, was wir tun können, um das aktuelle Paket zu verbessern und was wir für nächstes Jahr ändern."

Valtteri war nach einem weiteren Wochenende voller Probleme kurzangebunden.

"Ehrlich gesagt ist dies wohl die bislang schwierigste Zeit meiner Karriere - mit Blick darauf, wie es sich jedes Mal anfühlt, wenn ich im Auto sitze. Ich möchte auf einem guten Niveau sein und ich war das aus verschiedenen Gründen seit einiger Zeit nicht. Es gibt so viele Fragezeichen für mich und das Team. Ich möchte schnell die Wende schaffen."

Die Hoffnung ist, dass Malaysia mit seinen langsamen Kurven, hohen Temperaturen dem W08 nicht gelegen hat. Toto spricht von einem "launischen" Auto auf Strecken wie Monaco, Budapest und Singapur. Lewis ist Lewis und manchmal umfährt er die Schwierigkeiten eines Autos. Dann baut er Temperaturen auf, ohne die Hinterreifen zu überhitzen und ist so konkurrenzfähig oder sogar siegfähig. Aber die Ingenieure kamen schnell darauf, dass es in Sepang am Auto und nicht an Valtteri lag.

"Ich denke, Valtteri wird diese schwierige Zeit überstehen", sagte Toto am Sonntagabend. "Jemand Cleveres hat einmal gesagt: "Ruhige Meere machen keine guten Matrosen..." Wenn er sich aus diesem Tief heraushieven kann, wird er viel stärker. Niemand zweifelt an Valtteri."

Jetzt geht es nach Suzuka, wo andere Kurven und niedrigere Umgebungstemperaturen dem Team helfen sollten. Darüber hinaus blickt das Team Mexiko etwas nervös entgegen. Niemand sieht etwas als gegeben an. Die "Fat Lady" hat sich noch nicht einmal warm gesungen!

 

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