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ANALYSE: Punkte bringen Pokale in verrücktem Mexiko GP

ANALYSE: Punkte bringen Pokale in verrücktem Mexiko GP

Lewis Hamilton gewann mit einem neunten Platz beim Mexiko GP seinen vierten Formel 1-Weltmeister-Titel und gehört nun einem sehr exklusiven Club an.

Der zweite Platz von Valtteri hinter Seiger Max Verstappen half Lewis dabei, die Weltmeisterschaft abzusichern. Denn sein Titelrivale Sebastian Vettel musste Erster oder Zweiter werden, um seine Titelchancen aufrechtzuerhalten. Lewis stößt nun die Alain Prost und seinem diesjährigen WM-Gegner Sebastian Vettel mit jeweils vier WM-Titeln. Nur zwei Fahrer haben in der Geschichte des Sports mehr Titel gewonnen als der Brite - Juan Manuel Fangio mit fünf Titeln und Michael Schumacher mit sieben.

Der vierte Titel nach 2008, 2014 und 2015 bedeutet, dass Lewis jetzt der erfolgreichste britische Rennfahrer in der Geschichte der Formel 1 ist. Nach Rennsiegen war es dies bereits vor dem Titelgewinn.

Die Strecke in 2.200 Metern Höhe spielte den Stärken des W08 nicht in die Karten. Hinzu kam die Berührung zwischen Lewis und Vettel auf der ersten Runde in Kurve drei, in deren Folge beide Titelanwärter ans Ende des Feldes zurückfielen.

Die Ingenieure des Teams glaubten, je mehr absoluten Abtrieb das Auto aufweist, desto besser ist es in Mexiko. Ferrari hatte seine Fähigkeiten auf einem High-Downforce-Kurs bereits in Monaco, Budapest und Singapur unter Beweis gestellt. Dort fuhren sie jeweils auf die Pole Position und Red Bull entwickelte den RB13 ebenfalls in Richtung starken Abtrieb weiter.

Demnach gelang es dem Team nicht, eines der beiden Autos in die erste Startreihe zu stellen. Vettel holte sich die Pole auf seinem letzten Run im Q3 mit einer Zeit von 1:16.488 Minuten. Damit schlug er Verstappen im Red Bull um gerade einmal 0,09 Sekunden. Lewis und Valtteri teilten sich die zweite Reihe, sie lag mehr als drei Zehntel zurück, waren selbst aber nur 0,02 Sekunden voneinander getrennt.

Die dünne Luft in Mexiko-Stadt wirkt sich erheblich auf die Fahrzeugperformance aus. Obwohl das Streckenlayout nach einem Aerodynamik-Paket mit viel Abtrieb verlangt, bedeutet die dünne Luft, dass die Autos tatsächlich weniger Downforce generieren als auf der Low-Downforce-Strecke in Monza!

Hinzu kommt die Herausforderung, den Motor und die Bremsen zu kühlen. Gleichzeitig sind die DRS-Zonen durch die dünne Luft weniger effektiv, da die Autos weniger Luftwiderstand besitzen. Zudem ist es auf dieser Strecke schwierig, einem anderen Auto zu folgen und dieses zu überholen.

"Es ist die schwierigste Strecke dafür im Kalender", erklärt Lewis.

Umso wichtiger war der Weg zu den ersten beiden Kurven. Als Vettel versuchte, seine Pole Position gegen Verstappen zu verteidigen, stach der junge Niederländer außen herum in Kurve zwei vorbei und ging in Führung. Der Ferrari-Fahrer beschädigte sich dabei seinen Frontflügel. Lewis sah darin seine Chance, um ebenfalls vorbeizugehen. Aber er wurde am Ausgang von Kurve drei von Vettel getroffen und zog sich dabei einen Reifenschaden hinten links sowie Beschädigungen am Diffusor zu. Beide WM-Rivalen mussten deshalb einen Boxenstopp einlegen. Allerdings konnte Lewis wegen seines Reifenschadens nur viel langsamer zurück an die Box fahren. Valtteri nutzte die derweil die Gunst der Stunde und schnappte sich Platz zwei hinter Verstappen.

"Hat er (Vettel) das absichtlich gemacht?", fragte Lewis via Funk. Die Rennkommissare entschieden, dass keine Untersuchung von Nöten sei und nachdem Lewis am Ende seinen vierten Titel im Sack hatte, kümmerte es ihn wenig.

Auch Toto wollte nicht mit dem Finger zeigen: "Ich möchte nur auf das Positive schauen und das ist: Lewis hat die Weltmeisterschaft gewonnen. Ich möchte keine unnötigen Kontroversen lostreten."

Die Folge war, dass beide Titelanwärter sich vor einer Aufholjagd sahen. Am Ende der zweiten Runde war Vettel mit einer neuen Nase an seinem Ferrari 19., 35 Sekunden hinter dem Führenden Verstappen. Lewis war derweil Letzter, und zwar weitere 24 Sekunden dahinter. Bei ihren Boxenstopps, um die Schäden der ersten Runde zu beseitigen, wechselten sowohl Ferrari als auch Mercedes auf die härteste Pirelli-Mischung, die es in Mexiko gab: die gelben Soft-Reifen. Damit hätten beide die 71-Rennrunden beenden können.

Für Lewis gab es jedoch weitere schlechte Nachrichten, als Carlos Sainz, der auf P5 lag, sich auf der zweiten Runde in seinem Renault drehte und für einen frischen Reifensatz an die Box ging. Auch er zog die weichen Pirelli-Reifen auf. Er kam elf Sekunden hinter Vettel und 13 Sekunden vor Lewis zurück auf die Strecke.

In Runde 16 hatte Lewis die Lücke zu Sainz geschlossen, aber der Renault befand sich hinter dem Sauber von Wehrlein und kam nicht vorbei. Gleichzeitig durfte Sainz auf jeder Runde DRS nutzen, da er hinter Wehrlein lag. Somit war der Renault beinahe unmöglich zu überholen.

"Jeez, ich komme an den Jungs einfach nicht vorbei...", sagte Lewis im Funk. Der Frust war seiner Stimme anzuhören. Während Vettel und Lewis auf ihren weichen Reifen zunächst Rundenzeiten fuhren, die bis auf eine halbe Sekunde an den Führenden Verstappen auf den ultraweichen Reifen herankamen, war ihre Pace nun 2,5 Sekunden langsamer als die des Red-Bull-Fahrers. Deshalb musste Lewis auf blaue Flaggen achten und den Führenden bereits nach 21 Runden überrunden lassen! Vettel machte unterdessen Fortschritte. Der Ferrari-Pilot lag nach 20 Runden auf P13.

Die Streckencharakteristik in Mexiko sowie der relativ ineffektive Windschatten durch den reduzierten Luftwiderstand sorgte dafür, dass die Strategen einen der größten Speed-Unterschiede der Saison einkalkulierten, wenn man ein erfolgreiches Überholmanöver vollziehen wollte. Etwa 1,3-1,4 Sekunden. Angesichts der Zeiten aus dem Q3 hatte Lewis nur einen Vorsprung von 0,86 Sekunden auf Sainz. Demnach war es keine Überraschung, dass er diesen nicht überholen konnte. Es wäre auch so schon schwierig genug gewesen, selbst wenn der Renault kein DRS vom davor fahrenden Sauber erhalten hätte.

Das war für die Mercedes-Strategen ebenso frustrierend wie für Lewis. Als sie Lewis zu Beginn der zweiten Runde auf die weichen Reifen setzten, wussten sie nicht, dass Sainz sich auf der nächsten Runde drehen würde. Hätten sie gewusst, dass er an die Box gehen und vor ihnen herauskommen würde, hätten sie Lewis die ultraweichen Reifen mitgegeben und akzeptiert, dass er noch einmal reinkommen würde müssen.

An der Spitze kontrollierte Verstappen das Rennen. Er führte nach 20 Runden mit 6,33 Sekunden Vorsprung auf Valtteri.

"Ich glaube nicht, dass das Auto hier gut genug war", sagte Valtteri. "Wir konnten nicht mit Max mithalten und um den Sieg kämpfen. Das war schade. Das Handling war nicht allzu schlecht, ich rutschte nur ein bisschen und mir fehlte in den Kurven Grip. Ich denke, dass Red Bull auf solchen Strecken immer noch einen Vorteil hat."

Nach 28 Runden schaffte es Lewis endlich, Sainz am Ende der Gegengeraden zu überholen. Zwei Runden später ging er auch an Wehrlein vorbei. Vettel lag zu diesem Zeitpunkt auf Platz acht, zehn Sekunden hinter Haas-Pilot Kevin Magnussen auf Rang sieben.

So viel Zeit im Verkehr zu verbringen war selbst für die härteste Reifenmischung nicht gut und Lewis äußerte sich skeptisch über die Aussicht, mit den weichen Reifen durchfahren zu können. Das musste er aber auch nicht. Ein kurzer Einsatz des virtuellen Safety Cars in Runde 32 gab Lewis die Möglichkeit, einen relativ einfachen Boxenstopp einzulegen.

Mehr als das halbe Feld nutzte diese Gelegenheit aus, neben Lewis auch Vettel. Der Ferrari-Fahrer wechselte auf die ultraweichen Reifen, während Mercedes einen frischen Satz der roten SuperSofts auf dem Auto mit der Nummer 44 montierte. Das Team glaubte, dass der Unterschied zwischen den beiden Mischungen verschwindend gering war.

Zur Rennhalbzeit führte Verstappen mit 7,5 Sekunden Vorsprung auf Valtteri. Der zweite Ferrari von Kimi Räikkönen hing lange hinter dem Force India von Sergio Perez fest und hatte nun 24 Sekunden Rückstand. Kimi lag vor Ocon, Stroll, Perez, Magnussen, Vettel, Alonso, Vandoorne, Ericsson, Gasly, Wehrlein, Grosjean und Lewis.

"Es war Mist, dort hinten festzustecken!", gab Lewis zu. Aber das Team beruhigte ihn mit Blick auf die Weltmeisterschaft, da Vettel noch immer mehr als eine Minute hinter Valtteri auf P2 lag.

"Vettel ist Achter und er braucht P2", sagte das Team Lewis. "Unsere Vorhersage sieht ihn auf P4, mach einfach so weiter und fahr in die Punkte."

"Verstanden", sagte Lewis. So wollte er nicht Weltmeister werden, aber er gab sein Bestes.

In Runde 36 überholte er Grosjean, in Runde 38 Wehrlein, in Runde 43  Gasly, in Runde 46 Ericsson und in Runde 52 Vandoorne. Damit lag er zum ersten Mal in den Punkten. Vier Runden später schnappte er sich den Williams von Felipe Massa. Danach machte er sich auf die Jagd nach Platz acht, dann hätte Vettel das Rennen gewinnen müssen, um seine relativ kleinen Titelchancen aufrechtzuerhalten. Das nächste Auto war jedoch Fernando Alonso...

Der Spanier versuchte selbst, den Haas von Kevin Magnussen zu überholen. Das amerikanische Team kämpfte gegen Renault um jeden Punkt in der Konstrukteurs-Wertung. Wie bei Sainz/Wehrlein zuvor sah sich Lewis einem Alonso gegenüber, der dank dem Haas DRS nutzen durfte. Vettel hatte zu diesem Zeitpunkt Ocon überholt und war Vierter. Es war davon auszugehen, dass Räikkönen ihn im Zweifel vorbeiziehen lassen würde. Aber der Ferrari-Fahrer lag noch 50 Sekunden hinter Valtteri auf Platz zwei.

Der Racer in Lewis konnte der Herausforderung eines Duells gegen Alonso nicht widerstehen. Die Taktik sah wie folgt aus: Hart angreifen, was Alonso Zeit beim Verteidigen kostete, und damit die DRS-Hilfe von Magnussen verhindern. Danach wollte er den McLaren-Honda aus eigener Kraft überholen. Es dauerte eine Weile, bis die Strategie funktionierte. Aber dann überholte Lewis Fernando außen in Kurve vier und weiter durch Kurve fünf. Für das Team war es eines der besten Überholmanöver der Saison.

"War das okay oder hatte er alle vier Räder neben der Strecke?", fragte Alonso sein Team im Funk.

"Es war okay, Fernando", antworteten sie. "Nur gutes, hartes Racing!"

"Fernando... dieser harte Brocken!", sagte Lewis lachend über seinen hart verdienten neunten Platz.

"Wartet bis dieser Kerl einen guten Motor bekommt... McLaren besitzt einen speziellen Platz in meinem Herzen und ich hoffe, dass sie nächstes Jahr einen besseren Motor und ein besseres Auto haben." Diese Meinung wird sein Teamkollege von vor zehn Jahren sicher teilen!

Nach 71 Runden war es endlich geschafft. Mercedes-AMG Petronas Motorsport hatte zum vierten Mal in Folge die Fahrer-Weltmeisterschaft gewonnen - neben den vier aufeinanderfolgenden Konstrukteurs-Titeln. Dabei stehen die Rennen in Brasilien und Abu Dhabi noch aus.

Der erhoffte Zweikampf der beiden Topfahrer der zwei Spitzenteams blieb leider aus. Dennoch sagte Toto: "Ich denke, in einem sauberen Rennen hätte Lewis wohl gewonnen, weil unsere Pace mit einem beschädigten Auto sehr gut war. Wir hätten zumindest um den Sieg kämpfen können."

Auf Seiten von Red Bull sah man das erwartungsgemäß anders. Verstappen sei gecruist, hieß es aus diesem Lager. Wie bei Ferrari erwarteten auch die Mercedes-Ingenieure, dass sie in Mexiko vielleicht ein oder eineinhalb Zehntel gegenüber den Silberpfeilen in petto hatten.

Aber nichts davon zählt. Lewis konnte sich nur noch beim Team für dessen großartige Arbeit über all die Jahre bedanken und wurde sogar etwas philosophisch, als er begann, seine Leistung zu verarbeiten. Für ihn geht es im Racing und im Leben um das Positive.

"Ich frage mich, was die Leute an meiner Schule denken...", sagte er. "Als ich aufgewachsen bin, gab es einige Lehrer, die sagten: "Du wirst es zu nichts bringen." Ich frage mich, was sie wohl jetzt sagen? Sie haben sicherlich zugesehen oder werden zumindest morgen darüber lesen.

"Ich frage mich, was sie jetzt denken. "Ich habe diesem jungen Kerl geholfen" oder denken sie: "Wisst ihr was, ich bedauere, was ich damals gesagt habe und habe daraus gelernt." Ich hoffe, dass ist tatsächlich der Fall. Ich hoffe, dass jeder, der Kids heute etwas beibringt, sie dazu ermuntert, statt sie herunterzudrücken. Du musst dein inneres Gleichgewicht finden. Denn wir alle sind einzigartig. Wir sind alle helle Sterne."

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