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ANALYSE: Silberpfeile in Suzuka wieder bei der Musik

ANALYSE: Silberpfeile in Suzuka wieder bei der Musik

Lewis Hamilton gewann seinen achten Grand Prix 2017 und seinen dritten Großen Preis von Japan im Verlauf der letzten vier Saisons mit einer starken Leistung in Suzuka.

Dadurch hat er 59 Punkte Vorsprung in der Fahrer-Meisterschaft auf Sebastian Vettel, nachdem die Scuderia Ferrari an weiteren Zuverlässigkeitsproblemen litt. Valtteri Bottas kämpfte sich nach einer Strafversetzung um fünf Plätze wegen eines unplanmäßigen Getriebewechsels auf den vierten Platz nach vorne. Dadurch liegt Mercedes-AMG Petronas Motorsport in der Konstrukteurs-Meisterschaft nun 145 Punkte vor Ferrari.

Suzuka ist eine echte Fahrerstrecke und vor dem Wochenende war es eine der großen Unregelmäßigkeiten im Sport, dass Lewis auf allen aktuellen F1-Kursen von der Pole Position gestartet war - mit Ausnahme des Rennens in Japan. Dem nahm er sich an und er freute sich über eine 1:27.319, die ihm seine 71. F1-Pole einbrachte. Er war 0,34 Sekunden schneller als Valtteri - der wegen einer Strafe auf Platz sieben zurückfiel - und 0,48 Sekunden vor der Ferrari-Bedrohung in Form von Vettel.

Valtteri war nach ein paar Problemen nach der Sommerpause viel zufriedener in Suzuka. Obwohl er während des 3. Trainings in der Spoon-Kurve weit herausfuhr, die Streckenbegrenzung streifte und dabei seinen Frontflügel sowie die rechten Räder beschädigte, war er Schnellster in der Session. Er war zufrieden, die Pace unter Beweis zu stellen, die den Silberpfeilen ihre 50. erste Startreihe eingebacht hätte, wäre da nicht das Problem mit dem Getriebe gewesen. Er fuhr auch die gelben Soft-Reifen von Pirelli im Q2 mit dem Vorhaben, im Rennen einen langen Eröffnungsstint zu fahren. Das führte zu einer leichten Beeinträchtigung seiner Vorbereitung für das Q3 und erklärte zumindest etwas den Rückstand auf Lewis. 

Für das Rennen wurde eine Ein-Stopp-Strategie der führenden Teams erwartet mit einer engen Pace zwischen Mercedes, Ferrari und Red Bull. Doch zum zweiten Mal in Folge hatte Ferrari Probleme, noch bevor das Rennen begonnen hatte. Wegen eines vermuteten Problems mit den Zündkerzen wurde in der Startaufstellung fieberhaft an Vettels Auto gearbeitet. Die Einführungsrunde bestätigte, dass Lewis' Hauptrivale in der Meisterschaft ein Problem hatte.

Als die roten Lichter ausgingen, gelangen Lewis und Vettel ähnliche Starts. Der Pole-Vorteil von 8 Metern bedeutete allerdings, dass das Auto mit der Startnummer 44 als führendes in die erste Kurve einbog. Später in der Runde fuhr Max Verstappen in seinem Red Bull innen an Vettel vorbei und übernahm den zweiten Platz. Bald war klar, dass dem Ferrari Motoren-Power fehlte. Zum Ende der zweiten Runde war Vettel auf den sechsten Platz zurückgefallen und nach nur vier Runden nahm Ferrari das Auto aus dem Rennen.

Kimi Räikkönen im zweiten Ferrari erlebte auch ein hartes Rennen, nachdem er ebenfalls eine Strafversetzung um fünf Plätze kassiert hatte wegen eines Getriebewechsels in Folge eines Trainings-Unfalls. In der ersten Runde wurde er von Nico Hülkenberg in der Spoon-Kurve abgedrängt und kam auf Platz 14 zurück.   

So zeigte sich Red Bull als größte Bedrohung im Rennen. Obwohl Daniel Ricciardo im Qualifying 0,03 Sekunden schneller war als Teamkollege Verstappen, ging der junge Niederländer in der ersten Kurve innen vorbei. Ricciardo verlor eine weitere Position an den Force India von Esteban Ocon beim Ausgang von Kurve 2. Er hing die ersten zehn Runden hinter dem Franzosen fest und lag 6 Sekunden hinter Verstappen, nachdem er vorbeibekommen war.

Valtteri folgte in der Zwischenzeit Ricciardos Spuren und überholte den Force India eine Runde später für den vierten Platz. Sein Rückstand auf Lewis betrug 12 Sekunden. Da er den ersten Stint auf den härteren Soft-Reifen von Pirelli absolviert hatte, war es nicht ausgeschlossen, dass er später um das Podium mitfahren würde.  

"Der erste Stint war knifflig", erklärte er. "Da war immer ein Auto vor mir. Suzuka ist solch eine schwierige Strecke, um anderen Autos in den ersten beiden Sektoren zu folgen. Deshalb konnte ich im ersten Stint nicht viel machen, weil ich wusste, dass ich länger fahren muss als die anderen, um zum Rennende eine Gelegenheit zu bekommen. Der Schlüssel bestand darin, die Reifen hinter den anderen Autos zu kontrollieren und Gas zu geben, wenn sie in die Box abbogen."

Für Lewis ging es darum, einen ausreichenden Vorsprung auf Verstappen aufzubauen und zu verwalten gegen einen möglichen Undercut beim wichtigen Boxenstopp auf die roten SuperSoft-Reifen, die sich in manchen Rennen als schwierig herausgestellt hatten.

Felipe Massa war der Erste aus den Top-10 des Qualifyings, der nach 17 Runden für einen Satz Soft-Reifen an die Box kam. Das bedeutete einen zweiten Stint über 36 Runden bis zum Rennende und eine grenzwertigere Ein-Stopp-Strategie als auf den letzten Strecken. Simulationen sagten voraus, dass eine Ein-Stopp-Strategie im Verlauf der 53 Runden etwa 2,5 Sekunden schneller sein würde - möglicherweise 3,5 Sekunden, wenn der Fahrer Gas gibt.

Der Grund, warum der Call in Japan grenzwertiger war, ist, dass das Verschleiß-Level der Reifen viel höher war. Während die Teams den Verschleiß normalerweise bis auf 2 Sekunden bringen können, lag er in Suzuka bei rund 3 Sekunden. Für die Fahrer fühlt sich das nicht toll an, ist aber schneller als ein weiterer Boxenstopp, mit dem man sich durch den Verkehr kämpfen muss auf einer Strecke, auf der das Überholen so schwierig ist.

Als Massa die Reifen wechselte, hatte Lewis nicht das nötige Boxenstoppfenster von 22 Sekunden auf die Force Indias, die im Abstand von zwei Sekunden auf den Plätzen fünf und sechs fuhren. Räikkönens Ferrari hatte sich auch erholt und hing ihnen direkt im Heck auf einem Satz Pirelli-Softs, mit denen er einen langen ersten Stint fahren würde. 

Die Team-Strategen waren zuversichtlich, es sich leisten zu können, auf den Stopp von Red Bull zu reagieren, solange Lewis ein Polster von 3 Sekunden auf Verstappen hat. Als Max in Runde 21 für Soft-Mischungen hereinkam, war Lewis' Vorsprung auf Räikkönen ebenfalls groß genug (26,7 Sekunden). So konnte er in der 22. Runde an die Box fahren und vor Verstappen dem Ferrari wieder herauskommen.  

Ricciardo führte nun mit 4,3 Sekunden Vorsprung auf Valtteri, wobei beide noch nicht an der Box gewesen waren. Lewis' Vorsprung auf Verstappen betrug weniger als 2 Sekunden, weil der Red Bull eine Runde früher gestoppt hatte. Der Silberpfeil mit der Nummer 44 war jetzt auf seinen frischen Reifen auch nur 3,7 Sekunden hinter dem #77 Auto. 

Ricciardo absolvierte seinen Boxenstopp von SuperSofts auf Softs in der 25. Runde, aber das Team behielt Valtteri bis Runde 30 auf den Softs draußen. Bei zwei dieser fünf zusätzlichen Runden war Lewis direkt hinter Valtteri. Dieser zog rüber und ließ ihn vorbei, als sie in Runde 28 in die Schikane einbogen. Der Wechsel kostete Valtteri ein paar Sekunden, aber so konnte Lewis seinen Vorsprung auf Verstappen ähnlich weit ausbauen. Valtteri wechselte dann auf die SuperSofts für die letzten 23 Runden und kam 10 Sekunden hinter Ricciardo wieder auf die Strecke.

Lewis funkte in Runde 31, dass er "ein paar Probleme mit den Hinterreifen" hat und Verstappen verkürzte den Rückstand um eine oder eineinhalb Zehntel in den folgenden Runden. Bei noch 12 ausstehenden Runden verringerte sich der Abstand auf 2,2 Sekunden.

Lewis antwortete und nahm die Pace wieder auf. Er fuhr drei aufeinanderfolgende Runden im oberen 1:33er Bereich, um den Vorsprung wieder auf 3 Sekunden anwachsen zu lassen. Wenn das Team von etwas in diesem Rennen überrascht war, dann war es das. Während die SuperSofts von Pirelli bei vorangegangenen Rennen so etwas wie eine Schwäche für die Auto-Performance im Vergleich zu den Softs waren, schien es in Japan andersherum zu sein.

Während Lewis den Eröffnungs-Stint auf den SuperSofts sicherlich unter Kontrolle hatte, half es, dass Verstappens linker Vorderreifen leichte Blasen warf. Einmal auf den Soft-Mischungen, sah der Red Bull allerdings nach einer ernsthaften Bedrohung aus. Ein Virtual Safety Car (VSC), ausgelöst durch Lance Strolls liegengebliebenen Williams, stellte fünf Runden vor Ende eine weitere Herausforderung für Lewis dar.

Unter dem VSC müssen Fahrer eine bestimmte Delta-Zeit einhalten. Es war interessant, dass Lewis' Führung vor der VSC-Periode (2,59 Sekunden) nach der ersten Runde unter dem VSC auf 5,19 Sekunden angewachsen war. Nach der ersten Runde unter Rennbedingungen betrug er aber wieder 2,54 Sekunden. Warum war das so?

Eine der vielleicht weniger geschätzten Komponenten während eines VSC ist, dass die Abstände mehr als alles andere zusammenschrumpfen, je nachdem, wie viel der Fahrer auf der Geraden wedelt, um die Reifentemperatur zu erhalten. Das Delta ist ein auf Distanz basierender Algorithmus, es gibt also zwei Möglichkeiten: Der Fahrer kann enweder seine Reifen aufwärmen oder die Distanz minimieren. Lewis entschied sich für Letzteres. Der eine bekommt Zeit, der andere wärmere Reifen. Letztendlich muss der Fahrer die Wahl treffen.

Sicherlich arbeiteten die Reifen des Red Bull schneller als die von Lewis. Verstappen konnte seine schnellste Rennrunde zwei Runden vor Schluss erzielen, gerade als das Paar in den Verkehr geriet in Form der kämpfenden Massa und Alonso. Ein weiteres bereits festgestelltes Phänomen ist, dass der W08 wesentlich mehr von den Turbulenzen davor fahrender Autos beeinflusst wird als seine Hauptrivalen. 

Das war ein Moment des Drucks für Lewis: Verstappen lag nun fast innerhalb des DRS-Bereichs und war es sogar, als sie eine Runde vor dem Ende die Linie überquerten. Doch Lewis war der Aufgabe gewachsen und hielt den Red Bull auf gebührendem Abstand für den 61. Sieg bei einem Grand Prix.

"Heute habe ich gedacht: 'Er gewann das letzte Rennen, aber dieses hier überlasse ich ihm nicht!'" Danach lächelte Lewis und würdigte Verstappens Pace und Konstanz sowie die Rennpace von Red Bull. "Ich genieße es, in einer Zeit zu fahren, in der solch tolle, junge Talente hervorkommen. Max wird noch lange Zeit hier sein, wenn ich schon aufgehört habe. Aber bis dahin versuche ich, ihm nicht zu viele Poles oder zu viel Siege zu geben..." 

Valtteri war nach einem starken Schluss-Stint auf seinen SuperSofts weniger als eine Sekunde von Ricciardo und einem Podestplatz entfernt. 

"Die Pace war gut und ich fuhr die schnellste Rennrunde", bestätigte Valtteri. "Im zweiten Stint war die Balance viel besser. Ich konnte sogar angreifen und war am Ende ziemlich nah an Daniel dran."

"Ich denke, dass ich aus den letzten paar schwierigen Wochenenden auf jeden Fall einiges gelernt habe. Ich habe besser performt und ein paar der vorangegangenen Probleme im Griff gehabt. In Suzuka kann es sehr schwierig sein, die Reifen und ihr Überhitzen zu kontrollieren. Auch das Setup des Autos kann knifflig sein. Ohne die Grid-Strafe wäre ich in einer besseren Position gewesen." 

Mit Blick auf seinen eigenen Performance-Fortschritt seit Malaysia, führte Valtteri aus: "Wir haben etwas mit dem neuen Upgrade-Paket gemacht. Wir begannen das Wochenende mit einem sehr unterschiedlichen Setup. Es gelang uns, dass das Auto in seinem sehr engen Fenster funktioniert. Ich denke, wir haben es in Malaysia nicht richtig eingestellt, nicht einmal mit dem alten Paket, aber vor allem nicht mit dem neuen. Wir haben etwas gelernt, was sich vor allem auf die Aero-Balance bezog."  

Trotz relativ komfortabler Führungen in der Fahrer- und Konstrukteurs-Meisterschaft, beharrte Toto Wolff bei noch vier ausstehenden Rennen darauf, dass das Team weder seinen Fokus verlieren, noch die Herangehensweise verändern werde.

"Wir müssen weiter von Rennen zu Rennen schauen", sagte er. "Wir haben immer noch eine "Diva" als Auto, die wir verstehen müssen. Ich würde nicht sagen, dass wir gegen Red Bull oder Ferrari besonders überlegen waren. Wir haben in den letzten drei Rennen vom Pech und den Zuverlässigkeitsproblemen bei Ferrari profitiert. Aber das bedeutet nicht, dass wir uns selbst auf den Rücken klopfen können. Im Gegenteil: Wir müssen weiter pushen."

"Wir haben uns wahrscheinlich alle den Punktestand angesehen und er gibt uns ein positives Gefühl. Aber ich würde nichts an unserer Herangehensweise verändern wollen. Wir wollen an jedem Wochenende das Beste herausholen. Das hat sich bislang als richtig erwiesen und so wollen wir auch weitermachen. Wir werden den Fuß nicht vom Gaspedal nehmen, bis der Job erledigt ist."

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