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Autodromo di Monza: Inside Line

Autodromo di Monza: Inside Line

Paddys Blickwinkel:

Trotz des Endergebnisses war es ermutigend, das Potential unseres Autos in Belgien zu sehen. Das galt sowohl bei nassen als auch trockenen Bedingungen. Spa stellt recht einzigartige Anforderungen an die Aerodynamik. Das gilt ebenso für Monza, wo die Autos mit dem niedrigsten Luftwiderstand des Jahres antreten. Aus diesem Grund gehen wir mit der Hoffnung in dieses Wochenende, auch dort eine ähnliche Pace an den Tag legen zu können wie zuletzt in Spa. Die Anforderungen an die Autos sind in Monza zahlreich und maßgeblich. Lange Geraden, enge Schikanen und hohe Kerbs stellen sowohl den Motor als auch die Bremsen und die Aufhängung vor harte Herausforderungen. Die Fahrer fahren einen großen Teil der Runde mit Vollgas und die Temperaturen können häufig recht hoch sein. Es gibt also viel zu tun, um die Haltbarkeit und die Abstimmung optimal hinzubekommen. Monza ist ein fantastischer Austragungsort für einen Grand Prix. Die Strecke liegt in einem Park. Viele der spektakulären Teile des ursprünglichen Kurses – darunter die spektakuläre Steilkurve – erinnern noch immer an seine spezielle Stellung in der Welt des Motorsports. Die Begeisterung und die Leidenschaft der Fans sind einzigartig. Das macht die Formel 1 zu solch einem großartigen Sport. Die Kombination all dieser Aspekte sorgt dafür, dass ein Sieg in Monza ein ganz besonderes Gefühl ist. Unsere beiden Fahrer haben auf dieser Strecke bislang unterschiedliche Ergebnisse eingefahren. Im vergangenen Jahr entpuppte sich das Rennen als eine schwierige Aufgabe für unser gesamtes Team. Das wollen wir in diesem Jahr ändern.

Monza - Am Kommandostand

Setup

Auf den Geraden in Monza erleben wir die höchsten Geschwindigkeiten des gesamten Jahres. Dennoch kommt es auf den richtigen Kompromiss zwischen Luftwiderstand und Abtrieb an. Die Fahrer benötigen eine hohe Geschwindigkeit ausgangs der letzten Kurve, der Parabolica. Diese müssen sie entlang der Start-/Zielgeraden bis zur ersten Kurve mitnehmen. Je höher die Geschwindigkeit am Ausgang der Kurve ist und je besser diese mitgenommen wird, desto höher fällt ihr Topspeed auf der Geraden aus. Die neue Hybrid-Formel, die in der Saison 2014 eingeführt wurde, hat mächtige Power Units hervorgebracht. Sie beschleunigen bis zum Ende der Geraden durch. In den vergangenen Jahren ging die Beschleunigungskurve gegen Ende vielleicht etwas zurück. Interessanterweise hat sich bislang in dieser Saison herauskristallisiert, dass der Topspeed nicht unbedingt von der Länge der Geraden abhängt. Stattdessen ist die Geschwindigkeit am Ausgang der vorhergehenden Kurve entscheidend. Bei der Abschätzung der Flügeleinstellungen für Monza ist der Unterschied zwischen wenig und viel Luftwiderstand mit Blick auf die letztendliche Rundenzeit überraschend gering. Natürlich ist eine hohe Geschwindigkeit durch die hohe Anzahl langer Gerade wichtig. Aber der Kurvenausgang der Parabolica sowie die Anforderungen der Ascari- und Lesmo-Kurven verlangen nach einer guten Geschwindigkeit am Scheitelpunkt. Das spricht für mehr Abtrieb. Dadurch entsteht eine spannende Dynamik in Abhängigkeit davon, wo man im Feld fährt. Dies lässt sich nur sehr schwer optimieren und wird dafür sorgen, dass die Fahrer verschiedene Optionen im Training ausprobieren werden. Wenn zwei Fahrzeuge mit gleicher Performance so abgestimmt werden, dass sie auf der Geraden einen Topspeed-Unterschied von 20 km/h vorweisen, wird der Fahrer mit weniger Luftwiderstand stets vorbeikommen. Dies führt oftmals dazu, dass Teams sich für die Variante mit weniger Luftwiderstand entscheiden. So können sie verhindern, im Rennen überholt zu werden.

Motor

Neben Spa stellt Monza die absolute Spitze bei der Belastung der Motoren dar. Ein Großteil der Runde wird mit Volllast gefahren. Dadurch werden die Motoren hier in einem ganz anderen Arbeitsfenster eingesetzt als auf den meisten anderen Kursen. Sie müssen hohe Belastungen und hohe Umdrehungen für einen verlängerten Zeitraum überstehen. Auf solchen Strecken und zu diesem Zeitpunkt in der Saison könnte dies einen Nachteil für jene Fahrer bedeuten, deren Motorenlebenszyklus sich dem Ende zuneigt.

Reifen

Die vergangenen Jahre sahen eine Mischung aus Ein-, Zwei- und Dreistoppstrategien. In diesem Jahr kommen die harte und die mittlere Reifenmischung zum Einsatz. Das entspricht der gleichen Reifenwahl wie im vergangenen Jahr. Damals startete beinahe das gesamte Feld mit einer Ein-Stopp-Strategie. Der Grund für die Auswahl der beiden härtesten Mischungen ist, dass die Topspeeds mit den neuen Power Units wohl extrem hoch ausfallen werden – möglicherweise bis zu 360 km/h. Gleichzeitig werden diese für einen langen Zeitraum aufrechterhalten. Um diesen Kräften standzuhalten, kommen die beiden haltbarsten Reifenmischungen zum Einsatz. Ein weiterer interessanter Aspekt ist die Wichtigkeit der Traktion, besonders ausgangs der Kurven zwei und fünf. Die Folge dessen sind oftmals Überholmanöver. Diese Charakteristik belastet jedoch auch die Hinterreifen stark. Gleichzeitig werden die Vorderreifen relativ wenig beansprucht. Sie werden allerdings recht lange durch den Luftfluss auf den Geraden abgekühlt. Somit ist es schwierig, die Vorderreifen auf Temperatur zu halten. Aus diesem Grund fahren die Piloten vor allem im Qualifying gerne Schlangenlinien.

Kerbs

In Monza kommt es darauf an, dass die Autos gut über die Kerbs fahren können. Das gilt ganz besonders in den Schikanen in den Kurven eins/zwei sowie vier/fünf. Die Anpassung daran sollte die Performance des Autos auf der restlichen Strecke nicht beeinflussen. Wer jedoch eine Abstimmung für die Aufhängung findet, die am besten mit den Kerbs harmoniert, kann im ersten Sektor viel Zeit gutmachen. Der erste Teil der Runde verlangt nach einem guten Topspeed auf der Geraden. Er wird jedoch mehr davon beeinflusst, wie stark der Fahrer über die Kerbs fahren kann.

Überholen

Mit Blick auf das Überholen ist Monza eine der einfacheren Strecken im Rennkalender. Die Autos sind jedoch beim Anbremsen von Kurve eins absolut am Limit. Hier wirken mit die höchsten längslaufenden g-Kräfte aller Strecken. Aus diesem Grund kommt es in der ersten Kurve oft zu Fahrfehlern. Das gilt insbesondere zu Beginn des Wochenendes. Dies ermöglicht es Fahrern, sich vom Ende bis an die Spitze des Feldes vorzukämpfen. Der DRS-Effekt ist in Monza viel geringer als auf anderen Strecken. Da die Autos ohnehin schon ein Setup mit geringem Downforce besitzen, fällt durch den Einsatz von DRS auch die Verringerung des Luftwiderstands am Heckflügel geringer aus.

Safety Cars

Die Safety Car-Wahrscheinlichkeit ist in Monza sowohl im Nassen als auch im Trockenen relativ hoch. Das Safety Car kam zuletzt in den Jahren 2007, 2008, 2009 und 2011 zum Einsatz. In den vergangenen beiden Jahren gab es keinen SC-Einsatz. Dennoch sind Zwischenfälle aufgrund der Streckencharakteristik nicht unüblich, und zwar sowohl mit Blick auf die Rennaction als auch auf die Zuverlässigkeit. Wie bereits erwähnt sind die Anforderungen an die Reifen und die Motoren extrem hoch. Dies führt zu einer erhöhten mechanischen Ausfallquote. Ein weiterer Grund ist die Hauptüberholstelle in der ersten Schikane. Die Fahrer bremsen hier aus sehr hohen Geschwindigkeiten für eine sehr enge Rechtskurve ab, die um mehr als 90 Grad abknickt. Danach geht es ähnlich scharf nach links. Um hier überholen zu können, muss der Fahrer von seinem Angriff voll überzeugt sein. Denn die Autos befinden sich hier beim Bremsen am absoluten Limit. Das führt oft zu Zwischenfällen.

Wetter

Die Wetterbedingungen sind in Monza normalerweise konstant. Die Lufttemperaturen bewegen sich im Normalfall rund um die 25 Grad. Die Streckentemperaturen sind in einem ähnlich normalen Bereich angesiedelt. Die Kühlung sollte somit kein Schlüsselfaktor sein. Es gibt allerdings saisonale Schwankungen, die in Monza Einfluss nehmen können. Ein Großteil der Strecke führt an Bäumen vorbei. Angesichts des Termins im September können recht viele Blätter auf der Strecke liegen. Diese können sich in den Kühlern in den Seitenkästen ansammeln. Das könnte wiederum dazu führen, dass die Temperatur um ein paar Grad ansteigt. Aus diesem Grund kann es oft dazu kommen, dass die Boxenstopps vorgezogen werden müssen, um die Kühler zu säubern. Durch die Bäume trocknet die Strecke an bestimmten Stellen auch langsamer ab als der Rest des Kurses. Das gilt vor allem für die Lesmo-Kurven. Dort müssen die Fahrer vor allem auf ihren ersten Runden mit Slicks genau aufpassen.

Fans

Ein herausstechender Aspekt in Monza sind stets die Fans. Sie zelten rund um die Strecke und genießen die Atmosphäre bis spät in die Abendstunden. Sie mögen eine gewisse Vorliebe für ein ganz bestimmtes Team haben, aber es gibt keine Feindseligkeiten. Stattdessen mögen sie die Formel 1 im Allgemeinen, die einen wichtigen Teil ihres Lebens darstellt. Für sie zählt nicht, ob ein Team Erster oder Letzter ist. Die Fans interessieren sich für die Show und sorgen für eine fantastische Atmosphäre.

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