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Der Staub legt sich: Silverstone

Der Staub legt sich: Silverstone

"Soll ich dich mit einem Sommertag vergleichen?", schrieb Shakespeare wehmütig vor einigen Jahrzehnten. "Nicht, wenn es in Silverstone ist", würde man wahrscheinlich antworten nach einem Wochenende mit unüblich geringen Temperaturen und unberechenbaren Regenschauern, die auf das alte Flugfeld in Northamptonshire prasselten.

Mehr als nur ein Mal blickten wir am vergangenen Wochenende gen Himmel und sahen hellen Sonnenschein rund um die Rennstrecke - und eine bedrohliche, schwarze Wolke direkt über uns. Für die Hunderttausende, die zur Strecke strömten, war es wohl kein Spaß - aber es waren mit Sicherheit die richtigen Zutaten für großartiges Racing…

Silverstone war ein wichtiges Heimrennen für MERCEDES GP PETRONAS - genau wie für sieben andere Teams in der Boxengasse. Doch es ging nicht nur darum, Freunde, Familie und Kollegen auf den Tribünen zu haben, denn am vergangenen Wochenende brachte das Team ein großes Update an die Strecke: Ein brandneues Auspuff-System, inklusive überarbeiteter Karosserie sowie dem Unterboden.

Wann immer es neue Entwicklungen gibt, wünscht man sich viel Zeit auf trockener Strecke, um die Basis-Performance zu bewerten und die Setups zu vergleichen. In Silverstone hatten wir nichts von alledem. Stattdessen ging das Paket mit nur einer Stunde Erprobung im Trockenen ins Qualifying und Rennen. Michael hatte während des Großteils des dritten Freien Trainings ein Hydraulikproblem, weshalb er viel Zeit in der Garage verbrachte.

Nachdem Nico sowohl mit viel, als auch mit wenig Sprit am Samstagmorgen auf der Strecke unterwegs war, ging es für uns ans Eingemachte - mit mehr Fragen als Antworten. Mit zwei Fahrern in den Punkten - was nichts ist, das man in die Welt herausrufen muss - war es sicherlich ein vielversprechendes Zeichen, das unsere Entwicklung auf dem richtigen Weg ist - und dass sich die harte Arbeit in der Fabrik - wo Upgrades produziert wurden, die zum ersten Mal liefen - ausgezahlt hat.

Es mag zwar bis zur Mitte der Saison gedauert haben, das neue System anzupassen. Aber wie Ross vor dem Rennen klar gemacht hatte, war es Priorität, das Auto kennen zu lernen und zweitens die Lösungen einzuführen - und nicht einfach blind zu kopieren. Das haben wir nun hinter uns und die ersten Signale sind aussichtsreich. Doch ein mahnendes Wort: Silverstone beansprucht die Vorderreifen stärker als die hinteren. Wir müssen noch herausfinden, wie sich das Auto unter heißen Bedingungen auf einem "Heck-limitierten" Kurs verhält, bevor wir sagen können, ob wir uns in die richtige Richtung bewegen.

Es mag noch ein bisschen früh sein, Silverstone als Wendepunkt für unsere Saison zu bezeichnen - das wird die Zeit zeigen - doch die ersten Zeichen waren mit Sicherheit nicht ohne Hoffnung…

NICO

Unterschiedliche Bedingungen verschaffen immer die Möglichkeit einer Überraschung - es gibt allerdings keine Garantie, ob diese angenehm oder übel wird. In Montreal schaffte es das Team, den vollen Vorteil aus den Bedingungen zu ziehen, um im oberen Teil des Feldes zu fahren. In Silverstone kosteten uns die unvorhersehbaren Wetterbedingungen wahrscheinlich ein paar Positionen im Qualifying.

Nico beendete die Session auf dem neunten Platz, nachdem er das dritte Freie Training als Achter abgeschlossen hatte. Er hatte allerdings das Gefühl, aus dem neuen Paket noch mehr herausholen zu können. Das Q2 hatte er als Fünfter beendet, seine Runde war nur 22 Tausendstel langsamer als die von Jenson Button auf Platz vier. Er hatte das Gefühl, das ähnliches auch in Q3 möglich gewesen wäre.

Obwohl er seine erste Runde auf einem Satz leicht gebrauchter Option-Reifen fuhr - und seine Zeit im Vergleich zu Q2 verbesserte - lief es sogar noch besser, bis leichter Regen in Kurve 15 (also Stowe) seine Chancen ruinierte.

Auf dieser Runde war er 0,348 Sekunden schneller als auf seiner bis dato besten. Die Autos, die sich vor ihm qualifizierten - wie zum Beispiel Maldonado und di Resta - hatten keine neuen Reifen mehr übrig, mit denen sie noch einmal hätten fahren können. Aber aufgrund des Regens musste er in die Box. Er startete das Rennen als Neunter, nur 0,311 Sekunden hinter Jenson Button auf Platz fünf. Die Performance war da, wir haben sie allerdings nicht richtig auf die Strecke gebracht.

Das Rennen begann Nico effektiv als Zwölfter, weil er in der ersten Runde durchgereicht wurde - es war erst das zweite Mal in dieser Saison, dass er in der ersten Runde Positionen eingebüßt hatte. Danach zog er den Kopf ein und kassierte ein ums andere Auto vor ihm. Es war ein solides, fehlerfreies Fahren - und, was genau so wichtig ist, die neuen Entwicklungen ließen eine Zwei-Stopp-Strategie zu.

Damit dies funktionierte, musste Nico 22 Runden auf den Option-Reifen fahren, von Runde 30 an bis zum Ende des Rennens. Er passte seine Geschwindigkeit zum Start des Stints an und fuhr nur so schnell, wie es nötig war. Es zahlte sich aus. Perez verfolgte ihn lange Zeit in diesem Stint, doch am Ende lag er fünf Sekunden zurück. Nicos Reifen hatten mehr als 115 Rennkilometer absolviert und damit sogar die üblicherweise Reifen schonenden Saubers überholt.

Genauso wichtig bei Nicos Resultat war die Rolle des Teams: Er verbrachte 49.121 Sekunden in der Boxengasse, im Vergleich zu Perez' 51,005 Sekunden. Jede Sekunde zählte bei den Boxenstopps im Kampf um die Positionen. Wieder einmal hatte sich die harte Arbeit der Jungs ausgezahlt.

MICHAEL

Hände hoch: Wer erinnert sich an das Rennen in der Türkei? Das Rezept für Michaels Rennen in Silverstone war ähnlich: Ein großartiger Start, toller Speed während der Stints, aber eine unglückliche Kollision - plus ein zusätzlicher Boxenstopp - ließen sein großartiges Rennen in den Hintergrund rücken.

Michael entwickelt sich immer mehr zu einem Erste-Runde-Dämon: Am vergangenen Sonntag machte er in der ersten Runde vier Positionen gut. Es war das vierte Mal, dass er drei oder mehr Positionen zum Ende der ersten Runde gewonnen hatte. Das versetzte ihn im ersten Stint in eine aussichtsreiche Lage, weil die Fahrer auf der nass-trockenen Strecke mit den Intermediates vorsichtig umgingen. Sie schauten nach den Reifen und nutzten Möglichkeiten, wenn sich welche anboten.

Michael fuhr knapp hinter Kobayashi und hatte in der neunten Runde die Möglichkeit, das DR-System einzusetzen. Als er für Kurve sechs (Brooklands) bremste, verkalkulierte er sich, verlor das Heck und rutschte in den Sauber. Dabei beschädigte er sich den Frontflügel. Er verlor zwölf Sekunden, als er ohne Frontflügel die Box ansteuerte. Das war mehr Zeit als es brauchte, den Flügel zu wechseln. Aber er war der erste, der auf Trockenreifen unterwegs war, als er in Runde zehn auf Position 18 wieder auf die Strecke kam.

Diese Wahl lohnte sich: Als er aufgrund einer Stop-and-Go-Strafe für die Kollision in Runde 16 wieder in die Box abbog, hatte er sich auf den achten Platz verbessert. In der 13. Runde hatte er sogar die bis zu diesem Zeitpunkt schnellste Rennrunde absolviert.

Nach dem Rennen sorgte die Strafe für etwas Frustration. Aber der Grund für die Stop-and-Go-Strafe - anstelle der üblichen Durchfahrtstrafe - war simpel: Die neue Boxengasse in Silverstone ist kürzer als die Strecke (In-Laps waren rund vier Sekunden schneller als Rennrunden), deshalb wurde eine einfache Drive-Through-Strafe nicht als bestrafend genug angesehen.

Michael kam als 17. wieder ins Rennen. Man erinnerte sich an Valencia, als er nach einem extra Stopp wieder als 20. auftauchte - und das Rennen nur drei Positionen besser beendete. Allerdings gab es Anzeichen über die Verbesserung, die das Team geleistet hatte: Michael durchschnittliche Zeiten zwischen den Runden 17 und 31 waren mit den Führenden vergleichbar, und er pflügte sich immer weiter durchs Feld.

Schließlich setzte sich Heidfelds Renault nach dem zweiten und letzten Stopp davor und war in der Lage, Michael bis zur Zielflagge aufzuhalten. Doch zwei Punkte reichten aus, um Lotus Renault GP in der Konstrukteurswertung zu überholen. Wir haben unseren ärgsten Meisterschafts-Rivalen nun in sechs der vergangenen sieben Rennen nach Punkten stehen lassen - ein Trend, den wir gern fortführen möchten, indem wir unsere Entwicklung während des Sommers vorantreiben.

Unser nächster Halt ist Deutschland - ein weiteres Heimrennen für das Team, auch für unsere beiden Fahrer. Es wird das erste Mal sein, dass die Silberpfeile auf dem berühmten Nürburgring der modernen Ära fahren - und es ist ein Ort, an dem wir über die Jahre hinweg Geschichte geschrieben haben. In zwei Wochen werden wir sicherlich nach Höherem greifen. Bis bald!

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