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Die Kunst der Strategie – Teil I

Die Kunst der Strategie – Teil I

Angesichts des Tankverbots in dieser Saison wäre es einfach, zu glauben, dass die Arbeit der Strategen am Sonntag viel einfacher geworden ist. Da aber zusätzliche 10 kg 0,3 bis 0,4 Sekunden an Rundenzeit kosten, übernimmt der Reifenabbau jetzt die wichtigste Rolle in den Rennen.

Wir sprachen mit James Vowles, dem Chefstrategen unseres Teams, um zu verstehen, wie wichtig jede strategische Entscheidung im Laufe eines Rennwochenendes sein kann.

Teil I

Wie würdest du die Rolle eines Formel 1-Strategen beschreiben?

Ich versorge die Fahrer mit Informationen darüber, wie sich die Reifen im Laufe des Wochenendes verhalten sollten und helfe ihnen dabei, das Freitagsprogramm zu planen, um genügend Informationen für die bestmöglichen Entscheidungen im Qualifying und Rennen zu sammeln. Ich identifiziere und analysiere unsere Hauptkonkurrenten, um deren Stärken und Schwächen ausfindig zu machen. Dabei hebe ich hervor, welche Elemente uns betreffen und wie wir diese Information zu unserem Vorteil nutzen können. Im Verlauf des Wochenendes sammeln wir mehr und mehr Daten, aus denen ich einen Plan für das Qualifying erstelle, um festzulegen, wie wir unsere härtesten Konkurrenten schlagen und die bestmögliche Startposition belegen können.

Ist die Strategie in dieser Saison genauso eine Herausforderung wie in der letzten?

In diesem Jahr ist die Herausforderung am Sonntag größer, aber nicht unbedingt am restlichen Wochenende. Im letzten Jahr wurde das Rennen stark von der Spritmenge im Qualifying bestimmt. Wenn man bei der Spritmenge einen Fehler machte, konnte das leicht deine Startposition verschlechtern und damit wichtige Positionen im Rennen kosten. Durch das Tankverbot hat sich das Hauptaugenmerk im Qualifying in diesem Jahr darauf verschoben, welche Reifen man benutzen, ob man in der Box bleiben und welche Qualifying-Mix-Einstellungen man verwenden sollte. Man muss auch versuchen, Reifen zu sparen, damit die Fahrer im Q3 die bestmögliche Ausgangslage haben, verstehen, was die Konkurrenz macht und die Zeit ausreizen, welche die Autos nicht im Verkehr stecken. Wir konzentrieren uns auf alle anderen Teams genauso sehr wie auf unser eigenes. Das ist in dieser Saison besonders wichtig, weil die neuen Regeln dafür gesorgt haben, dass sich die Leistung der Teams von Wochenende zu Wochenende sehr schnell verändern kann. Im letzten Jahr mussten wir uns auf vier Teams konzentrieren, in dieser Saison sind es ungefähr sieben - das erhöht die Herausforderung.

Auf welche Schlüsselfaktoren schaut ihr, wenn ihr die Rennstrategie festlegt?

Die Reifen sind das wichtigste Teil des Autos. Ohne das Nachtanken bestimmen die Reifen den Zeitpunkt des Boxenstopps. Wir müssen das Reifenfenster festlegen (also wann eine Reifenmischung besser ist als die andere) und dann eine Entscheidung treffen, wann wir die Reifen wechseln. Wir müssen wissen, mit welcher Geschwindigkeit sich die Reifen aufheizen, wie schnell es zu Graining kommt, ob sie Schäden an der Lauffläche davon getragen haben und wie stark sie die Fahrzeugbalance beeinflussen. Die wichtigste Überlegung ist aber die Geschwindigkeit, mit welcher die verschiedenen Mischungen, Prime und Option, abbauen. In der Vergangenheit hatten wir unter den Teams das beste Timing bei den Reifenwechseln. Wir kamen immer kurz vor dem Beginn des Reifenfensters herein und machten so Plätze im Vergleich zu den anderen Autos gut.

Ein weiterer Schlüsselfaktor ist die Benzinmenge. Pro 10 kg Benzin steigt die Rundenzeit um 0,3 bis 0,4 Sekunden. Deshalb müssen wir festlegen, mit welcher Benzinmenge wir fahren, wann der Spritverbrauch angesichts des Fahrstils des Fahrers am höchsten sein soll oder ob wir besser auf eine Zweistoppstrategie umstellen sollten. Die Formel 1 ist so präzise, dass es keinen Spielraum für Fehler gibt. Es ist entscheidend, die richtige Benzinmenge zu wählen und die Performance der Reifen richtig einzuschätzen, ansonsten verliert man schnell zwei Sekunden pro Runde im Vergleich zur Konkurrenz.

Richtig kompliziert wird es, weil sich die Einflüsse auf den Benzinverbrauch ständig verändern. So kann zum Beispiel das Graining an einem Reifen plötzlich aufhören. Dadurch wird der Reifen besser. Oder die Streckentemperatur kann sich verändern und damit die Leistung verringern. Auf einem Straßenkurs wie Monaco, der auf öffentlichen Straßen ausgetragen wird, können sich die Streckenbedingungen von einer Session zur nächsten komplett verändern. Dann bleiben nur wenige Minuten vor dem Beginn der Session, um festzustellen, was sich verändert hat und wie wir die Strategie daran anpassen.

Ohne Testfahrten während der Saison verwenden wir die beiden Freien Trainings am Freitag dazu, um so viele Daten wie möglich zu sammeln. Wenn wir den Benzinverbrauch falsch kalkulieren, könnte das Auto viel zu schwer sein oder es könnte zu wenig Sprit an Bord haben und dann nicht die maximale Leistung abrufen können.

Wir müssen auch darauf achten, wie lange ein Boxenstopp von der Boxeneinfahrt bis zur Boxenausfahrt dauert. Zum Glück haben wir die schnellste und konstanteste Boxencrew. Das macht meine Arbeit viel einfacher, wenn es darum geht, das Timing für die Boxenstopps im Rennen zu bestimmen.

Plant ihr die Strategie schon vor dem Wochenende oder erst nach dem Qualifying?

Wir beginnen mit dem Strategieplan am Dienstag und Mittwoch vor dem Rennen. Dadurch verschaffen wir unseren Fahrern einen guten Eindruck davon, was wir am Wochenende erwarten. Wir schätzen die Benzinmenge und probieren diese am Freitag aus. Somit erhalten wir einen Ausblick darauf, welche Strategie wir im Qualifying und Rennen verwenden sollten. Auch nach dem Qualifying gibt es bis zu einem gewissen Grad einen Plan, aber nicht so sehr, wie man sich vielleicht vorstellt. Der wichtigste Teil unserer Rennplanung ist die Reaktion auf eine Safety Car-Phase, einen Unfall oder einen unplanmäßigen, frühen Boxenstopp. Durch solche Pläne können wir schnell auf tausende möglicher Szenarien reagieren, die im Rennen eintreten könnten. Manchmal braucht man natürlich auch etwas Glück, aber eine detaillierte Vorbereitung und das Wissen, wie man mit einer bestimmten Situation umzugehen hat, helfen uns dabei, effizient und erfolgreich auf die Situationen zu reagieren. In der Formel 1 gilt: Keine Vorbereitung bedeutet, einen Fehlschlag vorzubereiten.

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