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Die Kunst der Strategie – Teil II

Die Kunst der Strategie – Teil II

Angesichts des Tankverbots in dieser Saison wäre es einfach, zu glauben, dass die Arbeit der Strategen am Sonntag viel einfacher geworden ist. Da aber zusätzliche 10 kg 0,3 bis 0,4 Sekunden an Rundenzeit kosten, übernimmt der Reifenabbau jetzt die wichtigste Rolle in den Rennen.

Wir sprachen mit James Vowles, dem Chefstrategen unseres Teams, um zu verstehen, wie wichtig jede strategische Entscheidung im Laufe eines Rennwochenendes sein kann.

Wie viele verschiedene Szenarien überlegt ihr euch für ein normales Rennen?

Mit der Hilfe unserer Software erstellen wir über 100.000 verschiedene Rennszenarien, bevor sich überhaupt ein Rad an der Strecke gedreht hat. Ein solches Szenario berücksichtigt alle möglichen Variablen für jeden Aspekt des Rennens. Das reicht von der Leistung der Boxencrew bis zu den Fähigkeiten des Fahrers, seinen Fahrstil anzupassen. Die meisten werden vor dem Qualifying berechnet, aber wenn spezielle Rennbedingungen zu erkennen sind, fügen wir weitere Szenarien hinzu. Diese bestehen nicht nur aus äußeren, mechanischen und rennbezogenen Variablen, sondern hängen auch teils von den Fahrern ab. Die Leistung eines Fahrers unterscheidet sich von Kurve zu Kurve und verändert sich durch verschiedene Bedingungen. So könnte ein Fahrer zum Beispiel außergewöhnlich gut im Regen sein oder besonders gut beim Schonen der Reifen.

Wie entscheidend ist die richtige Strategie, um den Sprung ins nächste Qualifying zu schaffen?

Der erfolgreiche Sprung ins nächste Qualifying hängt teilweise von der Strategie ab, da die Anzahl der Runden, die Reifenwahl und die freie Fahrt auf der schnellen Runde kritisch sind. So kann es mehrere Zehntelsekunden bringen, zur richtigen Zeit auf dem richtigen Reifen zu fahren. Der Rest liegt jedoch am Fahrer und seiner Leistung an diesem Tag!

Hat sich die Herangehensweise des Teams an die Strategie durch das Nachtankverbot geändert?

Ja, absolut. Nicht nur im Rennen, sondern auch im Qualifying. Das Low-Fuel-Qualifying hat dafür gesorgt, dass man jetzt nach den schnellsten Zeiten trachtet. Auch die Strategie während der Rennen hat sich verändert, da es keinen letzten Zeitpunkt für einen Tankstopp mehr gibt. Das Rennen ist jetzt viel dynamischer und man muss immer auf den Verkehr achten, um das richtige Fenster für den Stopp zu erwischen. Die Gelegenheit mag nur für fünf Sekunden vorhanden sein und kann sich dann schnell wieder in Luft auflösen. Es steht also nur eine sehr kurze Zeitspanne für die Entscheidung zur Verfügung. Im letzten Jahr hatten wir viel mehr Zeit, um unsere Optionen abzuwägen.

Wir stehen bei unseren Entscheidungen also viel mehr unter Druck. Dadurch lastet mehr Verantwortung für den Erfolg des Teams auf meinen Schultern. Das hat Vor- und Nachteile, aber ich genieße es. Es klappt nicht immer, aber in diesem Jahr haben wir uns bislang gut geschlagen. Wir haben eine außergewöhnlich gute Boxenmannschaft, die unsere Arbeit viel einfacher macht. So werden uns andere Teams nicht direkt an die Box folgen, da wir normalerweise die schnellsten Boxenstopps hinlegen. Andererseits habe ich vollstes Vertrauen in unsere Truppe, dass wir bei einem Boxenstopp jede Chance haben, vor unserem Konkurrenten herauszukommen.

Die Rennen sind dynamischer und man muss schneller und besser reagieren, daraus kann man nur Profit schlagen, wenn man ein gutes Team um sich hat. Unser Sportdirektor Ron Meadows geht sehr gut mit unserer Boxenmannschaft um und kann sie sehr schnell zum Dienst rufen, Ross ist sehr besonnen und man kann gut während eines Rennens mit ihm sprechen und unsere Renningenieure Shov und Jock geben schnell Feedback zu den Informationen, die uns die Fahrer mitteilen, und reagieren schnell auf die Entscheidungen, die ich treffe. Es ist ein sehr ausgeglichenes Team.

Wie stark ist der Einfluss der Fahrer auf die Rennstrategie?

Wir greifen sehr auf die Fahrer und deren Rückmeldungen zurück und wir sprechen jede Entscheidung durch. Natürlich gibt es unterschiedliche Sichtweisen, aber das ist selten und wir sind immer offen für ihre Meinungen und verstehen es, wenn sie Dinge anders sehen. Im Qualifying versorgen uns die Fahrer mit Informationen über die Outlaps und die Reifen und wir sagen ihnen im Gegenzug, was die anderen Fahrer und Teams machen. Während des Rennens stehen wir kontinuierlich in Kontakt mit den Fahrern. Wir sprechen über die Reifen, um herauszufinden, wie gut sie funktionieren und geben ihnen Ratschläge, wie sie am besten darauf achten, sollte es Probleme damit geben. Außerdem geben wir den Fahrern Rundenzeiten- und Benzinziele vor, die sie zu bestimmten Zeitpunkten des Rennens einhalten müssen. Die Fahrer und Ingenieure stehen also stets in Kontakt. Sie müssen unsere Gedankengänge verstehen, denn ihr Vertrauen ist entscheidend für die Rundenzeiten, die sie fahren.

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