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Die Saison 1934

Die Saison 1934

Arbeitslosigkeit und Wirtschaftskrise, die Werksrennabteilung von Mercedes-Benz geschlossen: Das Jahr 1932 ist kein günstiger Hintergrund für Motorsport-Aktivitäten in Deutschland. Doch es gibt eine Perspektive für die Zukunft. Denn im Herbst gibt die Motorsportbehörde AIACR (Association Internationale des Automobile Clubs Reconnus) in Paris eine neue Formel für den Grand-Prix-Rennsport bekannt, die 1934 in Kraft treten wird: Die Wagen dürfen ohne Kraftstoff, Öl, Kühlmittel und Reifen maximal 750 Kilogramm schwer sein, ansonsten sind den Konstrukteuren keine Grenze gesetzt. Das ist eine Chance für Mercedes-Benz, mit einem neuen Wagen im Wettbewerb zu starten. Der alte SSKL allerdings ist ein Vertreter einer vergangenen Epoche, allein sein Gewicht schließt eine Weiterentwicklung zum neuen Rennwagen aus - er wiegt schließlich fast das Doppelte des neuen Maximalgewichts.

Bei Mercedes-Benz fällt 1933 endgültig der Entschluss zur Entwicklung eines eigenen Rennwagens - Rennleiter Alfred Neubauer hat mit seinem anhaltenden Werben für den Wiedereinstieg in den Rennsport Erfolg. Allerdings haben sich auch die Rahmenbedingungen für den Motorsport in Deutschland mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten geändert: Die NS-Regierung will die Automobilwirtschaft mit Nachdruck fördern, eignet sich die bereits bestehenden Projekte zum Autobahnbau an, senkt die Steuern auf Neuwagen und drängt die großen Hersteller zum Engagement im Motorsport. So entsteht auch Mercedes-Benz ein neuer Konkurrent: die Auto Union mit Hauptverwaltung in Chemnitz, die im August 1932 durch den Zusammenschluss der vier sächsischen Kraftfahrzeugunternehmen Audi, DKW, Horch und Wanderer entsteht. Die Rivalität zwischen den Rennwagen mit dem Stern und denen mit den vier Ringen wird das Renngeschehen Europas in den Jahren bis 1939 prägen.

Einer der ersten Piloten, mit denen Neubauer Kontakt aufnimmt, ist Rudolf Caracciola, obwohl er nach einem Unfall in Monaco im April 1933 wegen schwerer Beinverletzungen Monate im Krankenhaus verbringen muss und es nicht abzusehen ist, ob er wieder voll einsatzfähig sein wird. Zum Team werden außerdem Manfred von Brauchitsch, Luigi Fagioli, Hanns Geier und Ernst Henne gehören. Von einem eleganten Monoposto, der seine Mannschaft wieder zum Sieg tragen soll, schwärmt Neubauer im Winter 1933.

Die Ingenieure um Hans Nibel, Leiter des Hauptkonstruktionsbüros, entwickeln unter Zeitdruck den neuen Monoposto. Die Anordnung mit Frontmotor ist zwar eher konservativ im Vergleich zum Mittelmotorwagen der Auto Union und früheren markeneigenen Entwicklungen wie dem Tropfenwagen von Benz. Doch die Kombination aus einer schlanken Karosserie, mechanisch aufgeladenem 3,4-Liter-Reihenachtzylindermotor, einzeln aufgehängten Rädern und Getriebe direkt auf der Hinterachse ergibt einen absoluten Siegerwagen. Verantwortlich für das Chassis ist Max Wagner, für den Motor das Duo Albert Heeß und Otto Schilling. In der Versuchsabteilung unter Fritz Nallinger prüft Georg Scheerer, einer der Helfer bei der Geburt der Kompressorwagen der DMG, die Maschinen auf Herz und Nieren. Otto Weber baut sie zusammen, Jakob Kraus montiert die Chassis - beide sind Veteranen des DMG-Ausflugs nach Indianapolis 1923.

1934 unternimmt Mercedes-Benz von Februar an erste Versuchsfahrten mit dem neuen Monoposto in Monza und auf der Autobahn zwischen Mailand und Varese. Der 235 kW starke Wagen (später 260 kW mit einem neuen Treibstoffgemisch von Esso) erreicht Spitzengeschwindigkeiten von mehr als 250 km/h.

Mercedes-Benz entscheidet sich beim W 25 zugleich für eine neue Karosseriefarbe: Silber. Der erste Auftritt ist für das Avus-Rennen in Berlin im Mai 1934 geplant, doch wegen technischer Probleme sagt man im letzten Augenblick die Rennteilnahme ab. Somit kommt der neue Wagen erst eine Woche später beim Internationalen Eifelrennen am 3. Juni auf dem Nürburgring zum Einsatz. Der W 25 geht in silberner Livree an den Start, nachdem, so die Legende, die Rennboliden auf dem Nürburgring aus Gewichtsgründen ihrer weißen Farbe entledigt worden sind. Zwar wird dieses Rennen nicht nach der 750-kg-Formel durchgeführt, doch will man offenbar einen Wagen präsentieren, der dem neuen Reglement entspricht. Der Begriff "Silberpfeil" wird erst später geprägt werden und sich dann im Lauf der Jahre durchsetzen.
Das Eifelrennen 1934 ist der erste Start und gleichzeitig der erste Sieg des neuen Mercedes-Benz Formel-Rennwagens. Manfred von Brauchitsch fährt den W 25 mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 122,5 km/h ins Ziel und stellt damit einen neuen Streckenrekord auf.

Weitere Siege im ersten Jahr des W 25 sind der Gewinn des Klausen-Rennens durch Caracciola, der Triumph von Luigi Fagioli bei der Coppa Acerbo rund um Pescara und der Mercedes-Benz Sieg im Großen Preis von Italien in Monza. Rund 1300 zu durchfahrende Kurven und Schikanen machen Monza zum schwersten Termin in der Rennsaison 1934. Rudolf Caracciola ist nach seinem Unfall noch nicht fit genug, um das Rennen durchstehen zu können und leidet unter erheblichen Schmerzen. Nach der Hälfte des Rennens übernimmt deshalb Luigi Fagioli das Steuer des Wagens mit der Startnummer 2. Der Italiener, dessen Monoposto wegen technischer Probleme frühzeitig ausgefallen ist, verteidigt den von Caracciola herausgefahrenen Vorsprung bis ins Ziel. Den Großen Preis von Spanien gewinnt Fagioli vor Caracciola, beim Großen Masaryk-Preis in Brünn kommt Fagioli als Zweiter ins Ziel.

Mercedes-Benz ist zurück in der Spitze des internationalen Rennsports. Daran lässt die Saison 1934 keinen Zweifel. Caracciola unterstreicht die Leistungsfähigkeit des neuen Grand-Prix-Wagens mit Rekordfahrten im Winter 1934. In Gyon bei Budapest fährt er auf dem W 25 mit voll verkleidetem Cockpit - daher "Rennlimousine" genannt - über eine Betonpiste: Mit 317,5 km/h und 316,6 km/h stellt er internationale Rekorde der Klasse C (3 bis 5 Liter Hubraum) über einen Kilometer und eine Meile mit fliegendem Start auf, außerdem gelingt ihm mit 188,6 km/h ein neuer Weltrekord über eine Meile mit stehendem Start. Im Dezember fährt er dann auf der Avus einen internationalen Klassenrekord der Klasse C über 5 Kilometer mit 311,9 km/h.

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