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Die Saison 1937

Die Saison 1937

Nach dem enttäuschenden Abschneiden des modifizierten W 25 in seiner dritten Saison entwickelt Mercedes-Benz allein für das letzte Rennjahr der 1937 auslaufenden Rennformel einen neuen Wagen. Schon die Rekordfahrten von Rudolf Caracciola im Winter 1936 geben einen Vorgeschmack auf das Innovationspotenzial der Stuttgarter Rennabteilung: Im November und Dezember erzielt Caracciola auf der neuen Autobahn Frankfurt-Heidelberg mit dem Mercedes-Benz Zwölfzylinder-Stromlinien-Rekordwagen fünf internationale Klassenrekorde und einen Weltrekord und übertrifft dabei deutlich die Werte, die Hans Stuck auf Auto Union im März an gleicher Stelle erzielt hat.

Das Jahr 1937 wird dann der neue W 125 mit seinem Achtzylinder-Motor dominieren. Der Monoposto hat wieder einen mechanischen Lader, der für Spitzenleistungen von mehr als 441 kW aus 5,6 Liter Hubraum sorgt. Konzipiert wird der W 125 von einem erst dreißigjährigen Ingenieur, dem Mitte 1936 die Leitung der neu gebildeten Rennabteilung übertragen wird: Rudolf Uhlenhaut. Er entwickelt nicht nur neue Konzepte, sondern erprobt die Rennnwagen auch persönlich. Ihm gelingt es, Mercedes-Benz wieder an die Spitze des europäischen Rennsports zu bringen. Dabei setzt der Ingenieur auf neue Detaillösungen. So ist erstmals bei einem Silberpfeil der Kompressor nach den Vergasern angeordnet - der Lader verdichtet also das fertige Gemisch. Dieser Reihenachtzylinder ist die höchste Ausbaustufe des seit 1934 aktuellen Grand-Prix-Triebwerks.

Das Rückgrat des Wagens bildet ein ungemein stabiler Rahmen aus speziellem Stahl mit vier Querträgern. Die Räder sind vorne an doppelten Querlenkern mit Schraubenfedern geführt, wie bei den gefeierten noblen Serienmodellen 500 K und 540 K. Hinten ist es eine De-Dion-Doppelgelenkachse, die konstanten Sturz garantiert, mit längs angebrachten Drehstabfedern und hydraulischen Hebelstoßdämpfern. Seitliche Lenker geben Schub- und Bremsmomente an das Fahrgestell weiter.

Uhlenhaut wählt nach ausgiebigen Versuchsfahrten auf dem Nürburgring eine revolutionäre Fahrwerkauslegung: Die bislang übliche Abstimmung des Fahrwerks - hart gefedert, aber wenig gedämpft - verkehrt Uhlenhaut kurzerhand und richtungsweisend ins Gegenteil: Der W 125 rollt mit besonders großen Federwegen weich gefedert, aber kräftig gedämpft an den Start und darf damit als Vorbild für alle modernen Mercedes-Benz Sportwagen gelten. Das äußere Erscheinungsbild ähnelt dem seines Vorgängers. Unverwechselbar wird der W 125 vor allem durch die drei Kühlöffnungen in der Frontpartie. Der W 125 tritt mit frei stehenden Rädern auf, nur für das sehr schnelle Avus-Rennen am 30. Mai 1937 wird er mit einer Stromlinienkarosserie versehen.

1937 folgt Sieg auf Sieg: Hermann Lang gewinnt den Großen Preis von Tripolis und kommt beim Avus-Rennen als Sieger mit dem aerodynamisch optimierten W 125 ins Ziel. Seine Durchschnittsgeschwindigkeit von 271,7 km/h in diesem Rennen wird erst 1959 übertroffen werden. Im Eifelrennen holen Caracciola und von Brauchitsch die Plätze zwei und drei, während Caracciola den Großen Preis von Deutschland vor von Brauchitsch gewinnt. Manfred von Brauchitsch siegt dann im Großen Preis von Monaco, gefolgt von Caracciola und Christian Kautz sowie Goffredo Zehender (5.). Beim Großen Preis der Schweiz heißen die Männer auf dem Siegertreppchen Caracciola, Lang und von Brauchitsch, den Grand Prix von Italien gewinnt Caracciola vor Lang. Mit dem Sieg beim Großen Masaryk-Preis in Brünn rundet Caracciola vor von Brauchitsch dieses Rekordjahr ab. Bernd Rosemeyer kann trotz vollem Einsatz mit dem Auto Union nur vier Rennen für sich entscheiden. Die Überlegenheit der Mercedes-Benz Mannschaft wird auch dadurch deutlich, dass ihre Fahrer in der Europameisterschaft die vier ersten Plätze belegen: Caracciola vor Brauchitsch, Lang und dem Schweizer Christian Kautz. Das Jahr 1937 bedeutet den Höhepunkt, aber auch das Ende der 750-Kilogramm-Formel. Von 1938 an gilt ein neues Reglement.

Neben den Erfolgen im Formel-Rennsport überzeugt die Stuttgarter Rennabteilung auch durch ihre Siege bei Zuverlässigkeitsfahrten und anderen Wettbewerben, die in den Jahren bis 1938 vor allem mit Tourenwagen ausgetragen werden. Bereits im Jahr 1934 gewinnt Mercedes-Benz mit dem Typ 150 vier Goldmedaillen bei der Fahrt "2000 Kilometer durch Deutschland". Zahlreiche Geländesportturniere bestreitet Mercedes-Benz später auch mit Fahrzeugen auf Basis des Typ 170 V, die als Typen 170 VR, 170 VS, 170 SV und 200 V bezeichnet werden.

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