Back
Back

Die Saison 1939

Die Saison 1939

In der letzten Rennsaison vor dem Zweiten Weltkrieg knüpft Mercedes-Benz mit dem W 154 an die Erfolge von 1938 an. Das erste Rennen der Saison ist der Große Preis von Pau, den Hermann Lang auf W 154 vor Manfred von Brauchitsch für sich entscheidet und sich so für die Niederlage im vergangenen Jahr revanchieren kann. Auch beim Eifelrennen im Mai kommt Lang als erster Fahrer ins Ziel, Caracciola wird Dritter, von Brauchitsch Vierter.

Hermann Lang führt diese eindrucksvolle Siegesserie weiter. Beim Wiener Höhenstraßen-Rennen holt er sich den Sieg im W 154 Bergrennwagen (von Brauchitsch 3.), die Platzierung wiederholen die beiden Piloten auch beim Großen Preis von Belgien in Spa. Caracciola gewinnt - zum fünften Mal - den Großen Preis von Deutschland auf dem Nürburgring. Im Grand Prix der Schweiz kommt Lang vor Caracciola und von Brauchitsch ins Ziel. Er gewinnt auch das Rennen um den Großen Bergpreis von Deutschland am Großglockner und wird dadurch deutscher Bergmeister 1939. Er ist eindeutig der beste Fahrer des Jahres, aber den Titel eines Europameisters kann die zuständige Behörde, die AIACR in Paris, nach Kriegsausbruch nicht mehr vergeben. Gemäß dem damals gültigen Reglement hätte ihn - aufgrund guter Platzierungen in den vier zur Meisterschaft zählenden Rennen - Hermann Paul Müller auf Auto Union erhalten müssen. Doch die nationale ONS erklärt Hermann Lang zum Meister.

Eine Ausnahme unter den Mercedes-Siegen des Jahres 1939 ist der Große Preis von Tripolis. Denn dieser Wettbewerb wird nicht in der von den deutschen Rennwagen dominierten 3-Liter-Formel ausgeschrieben, sondern in der 1,5-Liter-Kategorie (Voiturette-Formel), in der die Stuttgarter keinen Wagen haben. Mit diesem Kniff wollen die Rennveranstalter in der italienischen Kolonie Libyen die Dominanz der Silberpfeile umgehen und endlich wieder für einen Sieg italienischer Rennwagen sorgen - zuletzt haben diese 1934 einen Triumph gefeiert. Danach herrschen die deutschen Rennwagen auf dem Mellaha-Kurs: 1935 gewinnt Caracciola, 1936 folgt ein Sieg der Auto Union, 1937 und 1938 sitzt Hermann Lang am Volant des siegreichen Mercedes-Benz Renners.

Doch Mercedes-Benz lässt sich nicht so einfach ausbooten im Wettbewerb um eines der bedeutendsten Rennen der Grand-Prix-Welt in den 1930er-Jahren. Nachdem die Ausschreibung im September 1938 veröffentlicht wird, entwickeln die Stuttgarter in nur acht Monaten einen völlig neuen Rennwagen, den W 165. Bald liegen die wesentlichen Zeichnungen von Motor-Spezialist Albert Heeß und Chassis-Fachmann Max Wagner vor, und im April 1939 erproben Caracciola und Lang den ersten Wagen in Hockenheim. Und auf der Nennungsliste für den Gran Premio di Tripoli erscheinen zum Staunen der Rennsportwelt zwei Mercedes-Benz W 165 mit 1,5 Liter Hubraum.

Der neue Wagen orientiert sich am aktuellen Grand-Prix-Fahrzeug W 154, er wirkt auf den ersten Blick wie eine verkleinerte Ausgabe des 3-Liter-Renners. Die Streben seines Ovalrohrrahmens bestehen aus Chrom-Nickel-Molybdänstahl, neben den fünf Quertraversen bildet der hintere Motorträger eine zusätzliche Verstrebung. Der Fahrer sitzt nicht mittig, sondern etwas auf der rechten Seite. Voll getankt, aber ohne Fahrer, wiegt der W 165 ganze 905 Kilogramm. Auch der Motor, 195 Kilogramm leicht, kann seine enge Verwandtschaft zum V12-Motor des W 154 nicht verleugnen. Es ist ein V8-Motor mit 1493 Kubikzentimeter Hubraum im Winkel von 90 Grad mit vier oben liegenden Nockenwellen und 32 Ventilen, deren Antrieb und Anordnung fast identisch sind mit denen des Grand-Prix-Modells. Die Gemischbildung besorgen zwei Solex-Saugvergaser, kraftvoll unterstützt von zwei Roots-Gebläsen. Die entwickelten 187 kW bei 8250/min kommen einer Literleistung von 125 kW gleich - ein Spitzenwert. Für ihre Bändigung sorgen mächtige Bremstrommeln (Durchmesser 360 Millimeter), die fast das gesamte Innere der Speichenräder ausfüllen. Selbst die extremen Temperaturen im libyschen Gastland - am Renntag herrschen 52 Grad Celsius über der breiten Piste - berücksichtigen die Konstrukteure, indem sie die Kraftstoffleitung über Röhrenkühler führen.

Der Rest ist Renngeschichte: Die beiden Mercedes-Benz W 165 lassen ihren Gegnern fast keine Chance. Caracciola fährt mit seinem kurz übersetzten Wagen die volle Distanz durch, Hermann Lang legt - wie vorher in Neubauers Taktik ausgeklügelt - einen schnellen Boxenstopp zum Reifenwechsel ein und gewinnt mit längerer Übersetzung (und dadurch gesteigerter Höchstgeschwindigkeit) das Rennen von Tripolis mit fast einer Runde Vorsprung vor seinem Markenkollegen.

Zum letzten Mal starten die Silberpfeile 1939 im 2. Belgrader Stadtrennen am 3. September. Manfred von Brauchitsch kommt mit seinem W 154 auf den 2. Platz hinter Tazio Nuvolari auf Auto Union. Doch zu diesem Zeitpunkt hat bereits der Zweite Weltkrieg begonnen.

Sorry, es scheint so, als sei die Version deines Browser zu alt!

Bitte aktualisiere deinen Browser oder lade eine aktuelle Version der unten aufgelisteten Browser herunter.

Internet Explorer Internet Explorer Firefox Mozilla Firefox Opera Opera Browserr Chrome Google Chrome