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EIGENE WORTE: Fan-Q&A mit Toto Wolff – F1 Saisonhalbzeit-Bilanz

EIGENE WORTE: Fan-Q&A mit Toto Wolff – F1 Saisonhalbzeit-Bilanz

Toto beantwortet Fan-Fragen zur Formel 1-Saison 2017 und allem, was in der zweiten Jahreshälfte noch ansteht...

Rosanna Tennant (Moderatorin): Die erste Saisonhälfte liegt hinter uns. Wie beurteilst du die Performance des Teams bislang?

Toto Wolff: Insgesamt gut. Wir hatten einen etwas holprigen Start. Die Tests verliefen nicht wie erwartet und die ersten paar Rennen waren durchschnittlich. Wir fanden das Setup-Fenster nicht genau. Aber es wurde langsam besser. Wir hatten ein schreckliches Wochenende in Monaco, aber das gab uns eine gute Richtung vor. Manchmal braucht man schlechte Momente, um langfristig besser zu werden. Seitdem war es okay.

RT (Moderatorin): Es geht super eng zu in der Fahrer-WM: Lewis und Sebastian trennt nur ein einziger Punkt. In der Konstrukteurs-Wertung ist der Vorsprung des Teams etwas größer. Wie wichtig ist es für das Team, in beiden WM-Wertungen als Führender in die Sommerpause zu gehen?

TW: Ich denke nicht, dass das wichtig ist. Zumindest nicht für mich, denn wir sind erst bei der Halbzeit. Es ist nicht wichtig, ob man Halbzeit-Meister wird oder nicht. Es ist nur wichtig, Wochenende für Wochenende gut zu sein und seine Arbeit zu erledigen. Natürlich haben wir einen kleinen Vorsprung in der Konstrukteurs-WM, aber in der Fahrer-Wertung sind wir dafür einen Punkt hinten. Es macht keinen Sinn, sich zu diesem Zeitpunkt die Punkte anzusehen. Das können wir drei oder vier Rennen vor Schluss machen - bis dahin müssen wir einfach pushen.

Perry Brown (Facebook): Wie fällt ihr die Entscheidung, die Fahrzeugentwicklung auf 2018 zu verschieben? Möglicherweise ist sie bereits im Gange. Aber werden mehr Ressourcen auf den 2018er Mercedes gelegt, wenn die WM in die eine oder andere Richtung schwingen sollte?

TW: Das ist tatsächlich eine gute Frage. Manchmal bleibt das Reglement stabil, wie von 2017 auf 2018. Dann kannst du die Entwicklung für das nächste Auto etwas verschieben. Aber nicht viel. Wir beurteilen von Woche zu Woche, wo wir in der WM stehen und welche Entwicklungsrichtung wir für das nächstjährige Auto einschlagen wollen. Wenn man das Konzept massiv verändert, bedeutet dies, dass das neue Auto keine Evolution des aktuellen Fahrzeugs ist, sondern eine komplett neue radikale Entwicklung. Diese Frage muss man für sich selbst beantworten und wenn die Antwort ja lautet, muss man früher anfangen. Wir sind 2017 noch auf dem Weg. Wir haben uns natürlich schon 2018 angesehen, aber alles ist im Plan.

Francesco Lorenzi (Facebook): Nachdem Nico Rosberg am Ende des letzten Jahres zurückgetreten ist, hat sich viel in der Teamstruktur verändert: Valtteri Bottas kam als neuer Fahrer hinzu, Paddy Lowe ging zu Williams. Wie hat das gesamte Team darauf reagiert und ist dabei dennoch so konkurrenzfähig geblieben?

TW: Veränderungen sind gut. Sie müssen vorkommen. Ein Rennteam wie Mercedes ist keine statische Organisation. Du kannst nicht einfach alles einfrieren und sagen: "Alle bleiben auf der gleichen Position, wir sind erfolgreich und wir wollen nicht, dass jemand seinen Job wechselt". So funktioniert es nicht, denn es rücken sehr gute Talente nach, die sich in ihrer Karriere natürlich verbessern wollen. Es gibt neue Herausforderungen, neue Regeln, Ineffizienzen, derer man sich annehmen muss. Es ist ein stetiger Prozess. Darwin sagte: Die Art, die sich am besten anpasst, überlebt. Das Team ist eine Art, die sich ständig verändert.

James Miragliotta (Twitter): Welcher Fahrer oder welches Team hat dich bislang in dieser Saison am meisten überrascht?

TW: Mich haben viele Teams überrascht. Ich war sehr überrascht, wie stark Ferrari ist - dafür gebührt ihnen Lob. Sie haben über den Winter sehr gut gearbeitet. Ich war überrascht, dass das Chassis von Red Bull nicht so gut war, wie es jeder erwartet hatte. Ich freue mich, wie gut sich Force India schlägt. Es macht richtig Spaß, den beiden Jungs beim Kämpfen zuzusehen. Auch das eine oder andere Highlight von Haas war schön zu sehen.

RT (Moderatorin): Wie würdest du die beiden Force India-Jungs managen?

TW: Ich kenne Esteban natürlich. Vijay (Mallya) kennt sich in der Formel 1 aus, Otmat (Szafnauer) ebenso und Bob (Fernley) auch. Ich muss ihnen keine Tipps geben. Es ist nur wichtig, die Situation im Griff zu behalten. Die Rivalität kocht offensichtlich hoch. Es geht darum, dass Esteban zeigt, wozu er im Stande ist und Checo will das nicht so hinnehmen...

Dominika (Twitter): Würde Robert Kubica in Frage kommen, wenn ihr einen freien Platz im Team hättet?

TW: Ich kenne Robert sehr gut. Ich kenne ihn seit 2002, seit der Formel Renault. Wir sprechen Polnisch. Ich habe erst eine lustige Anekdote mit ihm erlebt. Vor ein paar Wochen bin ich mit Aldo bei der Mille Miglia mitgefahren. Wir stoppten in einem Ort kurz vor den italienischen Bergen und dort baten viele Leute um Selfies. Einer sagte: "Bitte, ein Selfie!" Als ich hochsah, war es Robert! Ich fragte ihn: "Was machst du hier?" Und dann verschwand er in einem Café. Es hat mich sehr gefreut, ihn zu sehen. Er ist fit und in guter Stimmung. Das ist schön. Ich glaube, dass er mit nun damit zurecht kommt, dass seine Hand nicht so gut funktioniert. So weit ich es gehört habe, verliefen seine Tests gut. Ich würde ihn gerne wieder in der Formel 1 sehen. Er hat es verdient. Er ist eines der Talente, die nicht ihr ganzes Potential zeigen konnten. Er hat diesen einen Sieg, er war gerade auf dem Weg nach oben und dann passierte dieser Unfall bei einer Rallye...

Raphael (YouTube): Angesichts der Reifenschäden von Ferrari in Silverstone und der ansteigenden Pace des Teams in den letzten Rennen, glaubst du, dass Mercedes auf dem Weg zu einem weiteren Konstrukteurs-Titel ist?

TW: Wir hatten zuletzt einige gute Wochenende, aber Budapest ist ein ganz anderes Streckenlayout. Langsame Geschwindigkeiten, sehr heiß - wir müssen abwarten, wie wir uns dort schlagen. Wie gesagt, wir achten nicht auf die Punkte. Ich möchte einfach ein anderes Streckenlayout und sehen, wie wir mit unserem Auto dort klarkommen. Ein Wochenende nach dem anderen...

Frederick Padula (YouTube): Wie vergleichst du Bottas mit Rosberg?

TW: Sie sind ganz unterschiedliche Persönlichkeiten. Ich habe gerne mit Nico zusammengearbeitet. Er ist eine fordernde Persönlichkeit, der sich den Weg bis ganz nach oben gebahnt hat. Manchmal heißt es, dass es für ihn einfacher war, aber tatsächlich glaube ich, dass es für ihn sehr schwierig war. Denn als Sohn eines Weltmeisters braucht man viel Energie und Motivation und ich denke, das ist nicht sehr einfach. Aber er hat sich seinen großen Traum erfüllt und dann entschieden, aufzuhören - das ist inspirierend, denn wir alle befinden uns in diesem Hamsterrad - und er hat sich entschieden, es zu verlassen. Valtteri ist ganz anders. Er interessiert sich nur fürs Racing. Er hat ein stabiles Familienleben, eine wundervolle Frau und braucht sein Umfeld um ihn herum - er hat Antti, seinen Trainer, der nach ihm schaut. Bei ihm gibt es keine Politik, keine Kämpfe außerhalb der Strecke.

RT (Moderatorin): Warst du überrascht, wie schnell er sich eingelebt hat?

TW: Ich bin nicht überrascht, denn ich kenne ihn schon lange und ich weiß, dass es sein Traum war, in einem konkurrenzfähigen Auto zu sitzen und Rennen zu gewinnen. Als der Deal abgeschlossen war, war es denke ich genau das, was er wollte. Er krempelte die Ärmel hoch, arbeitete mit Volldampf mit seinen Ingenieuren in der Fabrik und hat sehr gute Arbeit abgeliefert.

Paz Rappi (YouTube): Was hältst du von Halo?

TW: Ich glaube, dass die FIA wahrscheinlich keine andere Chance hatte, als Halo einzuführen. Die FIA hat sich vorgenommen, die Sicherheit zu verbessern und sie haben sich verschiedene Systeme angesehen. Keines davon hat wirklich funktioniert und Halo war genau richtig. Mir gefällt das Aussehen nicht, die Ästhetik, aber die Entscheidung wurde getroffen und nun müssen wir das Beste daraus machen.

‘No.1’ (YouTube): Werdet ihr Valtteri beten, Lewis im Titelkampf zu helfen, wenn er selbst keine Chancen mehr besitzt?

TW: Die Antwort ist nein. So lange beide eine Chance auf den WM-Titel haben, werden wir nicht eingreifen. Das ist klar. Es könnte gegen Saisonende zu einer Situation kommen, in der einer von beiden mathematisch noch gewinnen könnte, wenn er alle Rennen gewinnt und weder Sebastian noch Lewis punkten. Das würde dann natürlich nicht zählen. Aber bis es soweit ist und so lange beide WM-Chancen haben, möchte ich sie gegeneinander fahren sehen. Das sind wir beiden schuldig.

RT (Moderatorin): Auf welches Rennen freust du dich in der zweiten Saisonhälfte am meisten?

TW: Ich mag Budapest sehr, vor allem wegen der Stadt. Es ist immer etwas los. Es gibt eigentlich kein Rennen, das ich nicht mag. Jede Strecke hat ihre eigene Charakteristik und ich mag es, zu reisen. Deshalb freue ich mich auf alle.

RT (Moderatorin): Im nächsten Jahr gibt es ein paar Rennen mehr. Freust du dich darauf, dass Deutschland wieder im Kalender ist und wir auch wieder in Frankreich fahren?

TW: Es ist gut, dass wir nach Deutschland zurückkehren. Es ist unser Heimrennen und viele unserer Kollegen und Fans sind dort. Aber es ist auch schön, wieder nach Frankreich zu fahren. Paul Ricard ist eine großartige Strecke. Bislang sieht der Kalender gut aus. Er ist eine Herausforderung, aber alles, was wir tun, ist eine Herausforderung.

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