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EIGENE WORTE: Totos Lehren aus Budapest

EIGENE WORTE: Totos Lehren aus Budapest

Der Chef blickt auf den Sonntag in Budapest zurück, der von harten Entscheidungen und Sportsgeist geprägt war...

Über das Funkproblem:

TW: Unser gesamtes Kommunikations- und Datensystem ist zusammengebrochen. Wir hatten keinerlei Kommunikation an der "Fantasy Island" - unserer Mittelkonsole in der Box - und am Kommandostand. Kein Funk, keine Daten, kein TV-Bild. Es war ein örtliches Hardware-Problem. Wir fanden einen Riss in einem optischen Kabel - das führte zu unserem Blindflug. Wir bekamen es gelegentlich zum Arbeiten, aber natürlich hat es uns stark beeinträchtigt. Manchmal gab es Kommunikation, die man hörten konnte, dann war wieder keine möglich. Es war schwierig.

Es war ein unglaubliches Teamwork (die Strategie auszuarbeiten). Es gab viele Leute in Brackley und Brixowrth, die unser Ersatzsystem waren und die uns über Funk jede Menge an Informationen zukommen ließen. Manchmal gab es sechs oder sieben verschiedene Personen, die mit James (Vowles, Chefstratege) sprachen und wir versuchten, die richtigen Entscheidungen zu treffen. Das war eine richtig starke Mannschaftsleistung.

Über die Diskussionen mit Lewis, um Valtteri vorbeizulassen:

TW: Die Pace von Lewis schien besser zu sein und wir waren nicht ganz sicher, ob Valtteri die Lücke zu den Ferrari im Griff hatte, denn sobald man nah genug rankam, ruinierte man sich die Reifen. Das ist sehr schwierig. Deshalb blieb er weg. Dann sagte Lewis: "Ich kann viel schneller fahren. Gebt mir eine Chance und ich lasse ihn vorbei." Wir hatten eine lange interne Diskussion darüber, wie wir den Tausch machen würden, denn Verstappen kam immer näher und wir wollten das Podium oder Platz vier unter keinen Umständen verlieren.

Wir teilten ihm die Abstände mit und besprachen, wo die richtige Stelle wäre. Dann entschieden wir, dass es wohl die letzte Kurve in der letzten Runde sein müsste, weil dies die Überholmöglichkeiten für Verstappen einschränken würde. Also ließ er sich zurückfallen. Wir besprachen die Risiken, falls Max zu nah sein würde - dann hätten wir wie Idioten ausgesehen. Das war eine lange Debatte mit allen Vor- und Nachteilen. Schlussendlich entschieden wir uns für das Vorgehen mit der Unterstützung von Lewis.

Es gab keine Diskussion - es war ein sehr sportliches Verhalten, ähnlich zu dem, was Valtteri zuvor getan hatte. Es war klar, dass wir die Autos wieder umdrehen würden, wenn er ihn nicht überholen konnte. Es gab also keinen Grund für eine Anweisung. Es war nur das, was wir vorher beschlossen hatten. Sicherlich war es eine sehr schwierige Entscheidung für das Team. Extrem schwierig für das Team und extrem schwierig für ihn.

Wir hätten die Diskussion (ohne das Funkproblem) ein paar Runden früher führen können, weil er uns sagte, dass er viel schneller fahren könnte. Er sagte sogar, dass seine Reifen im ersten Stint noch in guter Verfassung waren. Wir hätten also versuchen können, ihnen noch länger draußen zu lassen. Das hätte möglicherweise einen massiven Einfluss auf das Rennen gehabt, wenn man bedenkt, wie nah wir am Ende an den Ferrari dran waren. Aber mit hätte, wäre, wenn gewinnst du keine Rennen...

Über die Herangehensweise des Teams an die Fahrer-Weltmeisterschaft:

TW: Mit diesen Werten haben wir sechs Weltmeisterschaften gewonnen und mit ihnen werden wir in den kommenden Jahren noch weitere Weltmeisterschaften gewinnen. Es hat uns drei Punkte gekostet und es könnte uns möglicherweise die WM kosten. Das ist uns absolut bewusst. Nichtsdestotrotz arbeiten das Team und die Fahrer so. Wir halten uns an unser Wort und wenn die Folge dessen ist, dass wir die Weltmeisterschaft verlieren, dann ist dem eben so. Aber langfristig betrachtet, werden wir mit dieser Einstellung viel mehr Weltmeisterschaften und Rennen gewinnen als andersherum.

Zu sagen, dass ich die Entscheidung nicht bedauere (wenn wir den Titel verlieren würden), wäre sehr naiv. Sollten wir den Titel um zwei oder drei Punkte verpassen, wird wahrscheinlich jeder sagen, dass dies wegen Budapest war. Dann wäre ich der erste, der sich selbst in Knie schießt. Nichtsdestotrotz glaube ich, dass wir langfristig besser fahren, wenn wir zu dem stehen, was wir sagen, wenn wir zu unseren Werten stehen. Dadurch werden wir weitere Titel gewinnen. Es war eine harte Entscheidung - glaubt mir das. Möglicherweise die härteste, die wir in den vergangenen fünf Jahren treffen mussten. Wir waren nicht sicher, wie nah Max am Ende herankommen würde. Ich bin gerade nicht glücklich, aber wenn man nicht schnell genug ist, dann sollte man wenigstens Sportsgeist zeigen.

Wir fahren nicht im Kreis, weil uns das so viel Spaß macht. Wir fahren im Kreis, weil wir hoffen, dass wir damit unsere Marke bewerben und mehr Autos verkaufen. Es ist ein langfristig angelegtes Projekt. Wenn du hierher kommst und denkst, nur das zählt, dann liegst du falsch. Wir haben schon erlebt, welche Auswirkungen die Reaktionen auf die Marke haben können, wenn man rücksichtslose und kaltblütige Entscheidungen trifft. Natürlich könnte man sagen: "Vergiss es, wir haben trotzdem die Weltmeisterschaften gewonnen. Wen kümmert es? Sie stehen jetzt in den Geschichtsbüchern." Aber ich glaube nicht, dass dies der richtige Dreh ist. Wenn ich darauf zurückkomme, wovon ich glaube, dass es der Grund ist, warum wir hier sind, dann ist es: das Richtige zu tun und auf die richtige Art und Weise zu gewinnen. Manchmal ist es hart, es richtig zu tun und zu seinen Werten zu stehen. Und so war es heute, glaubt mir das.

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