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ANALYSE: Kleinigkeiten entscheiden in Bahrain

ANALYSE: Kleinigkeiten entscheiden in Bahrain

Der Große Preis von Bahrain erlebte den zweiten Sieg von Ferrari-Pilot Sebastian Vettel im dritten Saisonrennen. Mercedes-AMG Petronas Motorsport Teamboss Toto Wolff blickt in seiner Analyse des Rennens auf eine Verkettung unglücklicher Umstände, die dazu führten, dass die Silberpfeile ihre Startplätze in der ersten Reihe nicht umsetzen konnten.

Lewis: Herzlichen Glückwunsch an Valtteri

Das Qualifying am Samstagabend um 18:00 Uhr Ortszeit war eine spannende Angelegenheit, an deren Ende sich Valtteri seine erste Pole Position in der Formel 1 sicherte. In 1:28.768 Minuten war er im Q3 ganz knapp schneller als Lewis mit seiner 1:28.792 Minuten auf seinem ersten Run. 168 Rennen waren verstrichen seit der letzten Pole eines Finnen - damals war es Heikki Kovalainen in Silverstone 2008!

Lewis freute sich mit ihm: "Herzlichen Glückwunsch an Valtteri. Er arbeitet sehr hart, hat sich gut ins Team integriert und war heute einfach schneller. Er hat gute Arbeit abgeliefert. Hut ab."

Vettels Zeit von 1:29.247 Minuten brachte ihm Startplatz drei ein. Sie war aber weiter von der Pace der Mercedes entfernt, als es der viermalige Weltmeister erwartet hatte. Dennoch war er zuversichtlich, dass ihm ein konkurrenzfähiges Rennen bevorstand - und so sollte es auch kommen.

Als die Startampeln ausgingen, verteidigte Valtteri seine Pole Position und ging als Führender in Kurve eins. Lewis hatte hingegen etwas mehr Schwierigkeiten mit der Traktion auf der schmutzigen Startseite und konnte Vettel nicht daran hindern, ihn außen in Kurve eins zu überholen und sich den zweiten Platz zu holen.

Schnell wurde klar, dass Valtteri auf den superweichen Reifen von Pirelli die Pace fehlte, die er auf seiner Pole-Runde gezeigt hatte. Eine Reihe an Autos blieb an ihm dran, darunter Vettel, Lewis, Max Verstappen, Daniel Ricciardo, Kimi Räikkönen und Felipe Massa. Da er sich nicht aus dem einsekündigen DRS-Fenster zu Vettel lösen konnte, wies das Team Valtteri an, den "Überholen"-Knopf zu betätigen, um sich zu verteidigen. Bereits in Runde acht funkte Valtteri: "Die Reifen sind nicht gut..." Die Oberflächentemperatur war von Anfang an hoch und der Kommandostand bestätigte, dass der Luftdruck zu hoch war.

Erste F1-Pole für Valtteri

Nach dem Erlöschen der Startampeln verteidigte Valtteri seine Pole Position und führte in Kurve 1

Toto: Unser Generator ging in der Startaufstellung kaputt

Dafür gab es einen Grund. "Unser Generator ging in der Startaufstellung kaputt", erklärte Toto. "Deshalb starteten wir mit ganz falschen Reifendrücken an seinem Auto und wussten, dass er Probleme haben würde. Da Sebastian Zweiter war, konnten wir nichts dagegen unternehmen. Das ermöglichte Ferrari den Undercut, den sie sehr früh probierten."

"Ich konnte das Problem ab Runde zwei spüren", sagte Valtteri. "Ich rutschte mit dem Heck nur herum, kämpfte ausgangs der Kurven beim Beschleunigen. Die Pace war nicht gut und Sebastian setzte mich richtig unter Druck. Wir versuchten, den Stint auszubauen, aber ich konnte die Pace nicht mitgehen. Die Reifen fielen ab."

Wie in Melbourne und Shanghai setzte Vettel auf eine aggressive Strategie. Er ging an die Box, wechselte so schnell wie möglich nach nur zehn Runden auf einen frischen Satz superweicher Pirelli-Reifen und kam als Zehnter wieder auf die Strecke zurück. Ferrari machte sich keine Sorgen wegen des Verkehrs, da sie dachten, dass die vor ihnen liegenden Autos ohnehin bald an die Box gehen würden oder nicht schnell genug waren, um einem frisch bereiften Ferrari zu trotzen.

Aus der Führungsgruppe ging in der folgenden Runde Verstappen an die Box. Aber jedwede Gefahr durch den Red Bull-Fahrer löste sich in Luft aus, als der junge Niederländer wegen eines Bremsproblems abflog. Die nächste Überraschung kam in Runde 13 in Form des Safety Cars. Carlos Sainz und Lance Stroll hatten sich in Kurve eins berührt. Vettel sprach von erhöhtem Herzschlag, als er dachte, dass der Einsatz des offiziellen Mercedes zum zweiten Mal innerhalb von nur sieben Tagen seinen Undercut beeinträchtigen würde! Dieses Mal musste er sich aber keine Sorgen machen, denn diesmal waren wir dran.

Valtteri: Ohne die Probleme wäre es eng geworden

Während alle in der Safety Car-Phase an die Box kamen, die diese noch nicht aufgesucht hatten, hatte Valtteri einen langsamen Stopp. Ein Problem mit dem Schlagschrauber verlangsamte den Reifenwechsel. Zudem musste das Team abwarten, bis Ricciardos Red Bull vorbeigefahren war, bevor es Valtteri losfahren lassen konnte. Das Ergebnis war, dass er hinter Vettels Ferrari zurück auf die Strecke kam und die Führung verlor. "Ohne die Probleme wäre es eng geworden und wir wären vielleicht vorne geblieben", sagte Valtteri.

Hinter ihm hatte Lewis seine eigenen Probleme. Er wusste, dass er sich hinter Valteri anstellen musste, bevor sein Auto abgefertigt werden konnte. Also hielt er einen Abstand zu ihm, um nicht zu lange anzustehen. Dabei hoffte er darauf, dass er keinen Platz gegen Ricciardo verlieren würde, der sofort abgefertigt werden würde, da sein Teamkollege Verstappen bereits ausgefallen war. Aber Lewis fuhr etwas zu langsam in der Boxengasse und behinderte damit den Red Bull. Die Rennkommissare belegten ihn dafür mit einer 5-Sekunden-Zeitstrafe bei seinem zweiten Stopp. Gleichzeitig bedeutete das gleiche Problem mit dem Schlagschrauber, dass er während des Stopps seinen Platz an Ricciardo verlor.

In so einer Situation ist der Fahrer vielbeschäftigt: Er versucht, das Safety Car Delta und die Abstände zu den anderen Autos einzuhalten. Im Fall von Lewis verschlimmerte der langsame Stopp von Valtteri die Lage, obwohl er schnell die Verantwortung übernahm: "Es war komplett meine Schuld mit dem Safety Car, einfach eine falsche Einschätzung."

Als das Safety Car von der Strecke ging und das Rennen in Runde 17 wieder freigegeben wurde, versuchte Valtteri auf einem weiteren Satz SuperSofts die Führung von Vettel zurückzuerobern. Mutig probierte er, den Ferrari in Kurve vier außen herum zu überholen. Das hätte beinahe funktioniert, aber eben nur beinahe. Dahinter lag Lewis bald wieder auf Rang drei, da Ricciardo damit kämpfte, seine weichen Reifen auf Temperatur zu bekommen. So fiel er auch noch hinter Massa und Räikkönen zurück.

Valtteri komplettierte das Doppel-Podium für die Silberpfeile

Lewis fuhr mit seinem zweiten Platz seinen 107. F1-Podestplatz ein

Damit kam die Frage nach Teamorder auf

Angesichts seiner Schwierigkeiten auf dem ersten Stint (wegen der hohen Luftdrücke) wurde Valtteri gesagt, dass er auf seinem zweiten Satz SuperSofts mehr Grip haben würde. Entsprechend sollte er das Differenzial anpassen. Lewis fuhr derweil im zweiten Stint auf dem gelben Soft-Reifen von Pirelli. Das Team glaubte, dass der Einsatz der weichen Reifen im Mittelstint ihm mehr Möglichkeiten gegen Rennende geben würde. Gleichzeitig hatte man einen Reifenvergleich, um zu sehen, welcher besser war. Interessanterweise war dies für Mercedes der weiche Reifen und nicht der superweiche.

Das wurde schnell klar, als Valtteri, der zunächst dachte, dass sein zweiter Satz superweicher Reifen besser sein würde, immer noch mit Übersteuern kämpfte und Lewis auf den härteren Reifen nicht hinter sich halten konnte.

Schon bald sagte Lewis im Funk: "Valtteri muss seine Pace anziehen. Wir dürfen den Ferrari nicht enteilen lassen..." Damit kam die Frage nach Teamorder auf.

Aber Lewis forderte nichts und seine Bedenken waren korrekt. In Runde 18 hatte Vettel einen Vorsprung von 1,56 Sekunden auf Valtteri. Dieser Abstand wuchs von Runde zu Runde an: 2,06, 2,25, 2,68, 2,87, 3,53, 4,06, 4,88, 6,11. In Runde 27 gab das Team die Anweisung zum Wechseln der Positionen. Valtteri sollte zunächst Zielzeiten und Abstände erreichen. "Wir müssen innerhalb einer Sekunde zu Vettel sein und du hast zwei Runden, um das zu erreichen", wurde ihm gesagt. Aber auf den superweichen Reifen hatte Mercedes nicht die Pace von Ferrari.

Toto: Rund 20 Runden vor dem Ende sprachen wir kurz darüber

Ungefähr elf Runden nach Beginn des zweiten Stints wurde auch Lewis darüber informiert. "Wir glauben, dass wir zu diesem Zeitpunkt schneller sein sollten und werden die Situation beurteilen." Die Antwort von Lewis, dass er besorgt darüber war, seine Reifen zu zerstören, gab zunächst Anlass zu der Vermutung, dass das Team versuchen konnte, ihn auf einem Satz weicher Reifen zu Ende fahren zu lassen. Denn Vettel war auf den superweichen Reifen und musste offensichtlich noch einmal an die Box kommen. Dadurch würde Lewis die Führung übernehmen, aber er hätte dann 44 Runden auf den weichen Reifen fahren müssen, die eine Haltbarkeitserwartung von rund 30 Runden hatten.

"Rund 20 Runden vor dem Ende sprachen wir kurz darüber", bestätigte Toto. "Zu diesem Zeitpunkt hatten die Reifen bereits mehr als 20 Runden auf dem Buckel. Also keine Chance. Wir wollten einen langen Mittelstint fahren und dann entscheiden, ob wir die superweichen Reifen für einen letzten Angriff aufziehen oder wieder auf die weichen Reifen gehen, wenn sie sich als der schnellere Reifen entpuppen würden."

Am Mercedes deutete alles auf den weichen Reifen hin. Vier Runden nach dem Positionswechsel mit seinem Teamkollegen stoppte Valtteri zum zweiten Mal in Runde 30. Er wechselte auf die gelben Pirellis und war auf Anhieb deutlich schneller. Plötzlich fuhr er niedrige 1:34er Zeiten statt 1:34.9 oder niedrige 1:35er Zeiten auf den superweichen Reifen.

Drei Runden danach stoppte Vettel. Er wechselte auf die weichen Reifen und musste noch 24 Runden damit fahren. Die Entscheidung, Lewis bei seinem ersten Stopp auf die weichen Reifen zu setzen, erlaubte es ihm, bis Runde 41 weiterzufahren. Dann saß er seine 5-Sekunden-Zeitstrafe ab, bekam einen neuen Satz weicher Reifen und ging 19 Sekunden hinter dem führenden Ferrari sowie 10 Sekunden hinter Valtteri zurück auf die Strecke.

Lewis fällt in der Fahrer-Weltmeisterschaft auf Platz zwei zurück, er liegt sieben Punkte hinter dem Führenden Sebastian Vettel

'Halte Lewis nicht auf. Er ist auf frischeren Reifen und greift nach dem Sieg', lautete die Anweisung an Valtteri.

Valtteri: Meine Pace war heute nicht gut genug

Vettel konzentrierte sich zu diesem Zeitpunkt darauf, seine Reifen zu schonen. Er wurde jedoch darüber informiert, dass ihm Lewis in der Schlussphase mit frischeren Gummis angreifen könnte. Dennoch fuhr er weiterhin relativ schnelle niedrige bis mittlere 1:34er Zeiten. Die Pace von Lewis war derweil begeisternd: 1:32.96, 32.88, 32.92, 32.79 - er war unglaublich konstant und schnell. So holte er Valtteri binnen fünf Runden ein.

"Halte Lewis nicht auf, er ist auf frischeren Gummis und greift nach dem Sieg", lautete die Anweisung an Valtteri.

"Als Rennfahrer ist so etwas das Schlimmste, was man zu hören bekommen kann", gab der Finne nach dem Rennen zu. "Aber so ist es nun einmal und ich ließ ihn vorbei, da es die Möglichkeit gab, dass Lewis Sebastian angreifen konnte. Schlussendlich ging es nicht auf, aber das Team hat es versucht. Das verstehe ich absolut. Persönlich ist es hart, aber so ist das Leben. Meine Pace war heute nicht gut genug und wir müssen die Gründe dafür herausfinden."

Toto betonte, dass er solche Entscheidungen nicht mag. Es aber keinen Zweifel daran gebe, dass das Team fair mit Valtteri umgegangen sei und ihm die Chance gab, zu reagieren. Einige Stimmen besagten sogar, dass es zu fair gewesen sei, da Lewis im Ziel 6,6 Sekunden Rückstand auf Vettel hatte - nachdem er seine 5-Sekunden-Strafe abgesessen hatte. Aber er hatte zu Beginn des zweiten Stints definitiv Zeit hinter Valtteri verloren und das hätte zum Sieg reichen können.

Toto: Auf einer Runde scheinen wir einen kleinen Vorteil zu haben

"Es scheint so, als ob wir auf einer Runde einen kleinen Vorteil zu haben scheinen und dann im Rennen sind wir ausgeglichen", sagte Toto zusammenfassend. "Das mag vielleicht eine mutige Aussage sein, nachdem wir das Rennen verloren haben. Aber die Pace von Lewis war durchweg gut und ich denke, dass es in den nächsten Rennen eng wird. Was den Positionswechsel von Lewis und Valtteri angeht ist man hinterher immer schlauer. Es ist eine der Entscheidungen, die man nicht gerne fällt. Beide müssen die Chance haben, das Rennen zu gewinnen und das bestmögliche Ergebnis einzufahren. Erst wenn man merkt, dass man das Rennen verliert, wenn man nichts unternimmt, erst dann muss man die unpopuläre Entscheidung treffen. Das gefällt uns überhaupt nicht und in den vergangenen Jahren haben wir versucht, es zu vermeiden. Wir hätten wahrscheinlich eine andere Entscheidung getroffen, wenn Valtteri bei seinem Reifenproblem in Führung und Lewis dahinter auf Platz zwei gelegen hätte. Aber mit Vettel dazwischen gab es nichts, was wir hätten tun können. Es war eine Verkettung unglücklicher Umstände."

Weitere Teile dieser Kette, die Mercedes in Bahrain ins Straucheln brachten, waren das Generatorproblem in der Startaufstellung, der Undercut von Ferrari, das Problem mit dem Schlugschrauber, das mehrere Sekunden bei den Boxenstopps kostete, die Strafe für Lewis und die Tatsache, dass der Ferrari in Melbourne viel besser mit den weichsten Reifen zurechtkam. Wobei das Potential von Lewis darauf nie genau bestimmt wurde. Das fehlende Vertrauen des Teams in die SuperSofts wurde dadurch bestätigt, als die Strategen für den letzten 16-Runden-Stint von Lewis lieber die weichen als die superweichen Reifen aufzogen. Eine Entscheidung, die sie angesichts des zweiten Stints von Valtteri für richtig halten.

Obwohl es nach Sakhir einige Dinge zu klären gibt, hat Mercedes-AMG Petronas Motorsport auch etwas Positives, das es mitnehmen kann: Trotz des Pechs von drei Rennen an einem einzigen Abend war die Rennpace von Lewis stark genug, um Vettel stark unter Druck zu setzen. Er liegt in der Fahrer-Weltmeisterschaft nur sieben Punkte vor Lewis und dem Team fehlen in der Konstrukteurs-Wertung nur drei Punkte auf Ferrari. Den Fans darf also schon einmal das Wasser im Munde zusammenlaufen, denn uns könnte eines der am härtesten umkämpften Duelle der F1-Geschichte erwarten.

Lewis belegte Platz zwei

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