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RÜCKBLICK: Unschlagbar – Sir Stirling Moss bei der Mille Miglia

RÜCKBLICK: Unschlagbar – Sir Stirling Moss bei der Mille Miglia

Unschlagbar. Diese Vermächtnis erarbeitete sich ein junger Brite bei der Mille Miglia 1955 - ein Ergebnis, das von vorneherein vorbestimmt zu sein schien.

Die Erfolge ließen für den jungen Briten nicht lange auf sich warten

Nur sieben Jahre zuvor nahm Sir Stirling Moss im zarten Alter von 19 Jahren an seinem ersten Rennen teil. Und was für einen Blitzstart er in seiner internationalen Karriere hinlegte. In der Saison 1955 stieß er zur Fahrermannschaft von Mercedes-Benz. Teamchef Alfred Neubauer verpflichtete den britischen Star, um die Fähigkeiten des legendären Juan Manuel Fangio zu komplettieren. Er nahm in diesem Jahr an allen großen Veranstaltungen teil und fuhr dabei den 300 SL, 300 SLR und W 196 R.

Die Erfolge ließen für den jungen Briten nicht lange auf sich warten. Richtig in seinem Element war er aber vor allem dann, wenn er am Steuer des 300 SLR saß. Das Auto wurde speziell für diese Saison entwickelt und von einem neuen 3-Liter-Motor angetrieben, den der Designer Rudolf Uhlenhaut und seine Ingenieursmannschaft auf Basis der 2,5-Liter-8-Zylinder-Power Unit des W 196 R entwickelt hatten, die in der Formel 1-Weltmeisterschaft zum Einsatz kam.

Das Chassis mit seiner stämmigen, stromlinienförmigen Karosserie wurde von Mercedes-Benz entwickelt, um die Sportwagen-Weltmeisterschaft für Mercedes-Benz zu gewinnen. Sein offizielles Renndebüt gab das Auto bei der Mille Miglia 1955 - dem populärsten und berühmtesten Straßenrennen der Welt, das in diesem Jahr zum 28. Mal ausgetragen wurde.

Neubauer schickte vier Rennsportwagen an den Start. Obwohl die Bezeichnung und das Bodywork jenem des 300 SL aus dem Jahr 1952 ähnelten, hatte der SLR technisch viel mehr mit dem Grand Prix-Silberpfeil gemeinsam. Eine Beziehung, die durch die interne Bezeichnung noch einmal mehr verdeutlich wird: W 196 S.

Die Route führte die Autos über 1.597 km

Die Route führte die Autos über 1.597 km von Brescia über Padua, Ferrari und Pescara nach Rom. Danach ging es über Florenz, die Futa und Raricosa Pässe, Bologna und Piacenza zurück nach Brescia. Fangio startete 1955 als Favorit in das Rennen. Er wollte der erste Nicht-Italiener seit Rudolf Caracciola werden, der das 1000-Meilen-Rennen gewinnt. Der Deutsche holte sich 1931 am Steuer eines Mercedes-Benz SSKL den Sieg.

Zwei der vier Mercedes-Benz Fahrer gingen jeweils mit einem Beifahrer an den Start. Der rotbärtige britische Motorsportjournalist Denis Jenkinson unterstützte Moss als Navigator. Hans Herrmann war unterdessen mit Fangios Mechaniker Hermann Eger unterwegs. Fangio und Karl Kling traten hingegen lieber alleine an.

Die vier Mercedes-Benz Fahrzeuge belegten auf dem Weg nach Rom die ersten vier Plätze. Allerdings führte nicht Fangio, sondern Moss und Jenkinson. Für Neubauer war dies ein schlechtes Omen: "Es gibt eine alte Regel: Eine Art Fluch, der über diesem Rennen liegt. Der führende Fahrer in Rom hat noch nie die Mille Miglia gewonnen. Es sieht nicht gut aus für Moss..."

In der Folge schied Kling nach einem Unfall kurz nach der Abfahrt in der italienischen Hauptstadt aus. Herrmann und Eger hatten derweil Schwierigkeiten mit einem defekten Tankfüllstutzen. Moss fuhr davon unbeeinträchtigt weiter - und das mit voller Entschlossenheit, wie Jenkinson sich später erinnern sollte:

Eine Rekordzeit für die Mille Miglia, die noch heute steht

"Es ging einen steilen Berg im zweiten Gang hintunter. Im dritten Gang erreichten wir den Drehzahlbegrenzer. Ich dachte, dass jemand ein mutiger Mann sein muss, der beinahe 300 PS auf einem steilen Berg beherrscht und dann in einen höheren Gang wechselt. Übrigens: Moss fuhr in Florenz wie bei einem Grand Prix-Start los. Ich wusste, dass er unter einer Stunde nach Bologna bleiben wollte - besonders da er auf seine Armbanduhr sah, als wir die Kontrolle verließen."

"Das wird fantastisch, dachte ich mir, als wir die Berge bei Florenz hinaufrauschten. Er gibt wirklich alles. Ich hielt mich fest und sagte ihm die Strecke an. Dabei hielt ich meinen Körper soweit wie möglich links und damit aus seinem Weg. Denn er benötigte jeden Raum, um seine Arme herumzuwirbeln und die Gangschaltung zu betätigen."

Moss setzte seine Fahrweise in den Apenninen und durch die Bassa fort. Dabei sicherte er sich den Gran Premio Nuvolari für die schnellste Zeit zwischen Cremona und Brescia - eine Rekordzeit für die Mille Miglia, die noch heute steht. Das Duo benötigte lediglich zehn Stunden, sieben Minuten und 48 Sekunden, um die Renndistanz mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 157-65 km/h zurückzulegen.

Fangio überquerte die Ziellinie, ohne Beifahrer wohlgemerkt, als Zweiter. Er benötigte nur 31 Minuten 45 Sekunden länger. Ebenfalls eine außergewöhnliche Leistung bei einem der anstrengendsten Straßenrennen dieser Zeit.

Moss hatte während seiner Rekord-Mille-Miglia etliche Zwischenfälle

Der bekannte Motorsportjournalist Heinz-Ulrich Wieselmann erinnerte sich an die unglaubliche Herausforderung der Mille Miglia, die Entschlossenheit, die Moss zeigte und die Freude, die er und Jenkinson bei der Zieldurchfahrt verspürten.

"Moss hatte während seiner Rekord-Mille-Miglia etliche Zwischenfälle", erinnert sich der deutsche Autor. "Einmal flog sein Mercedes 15 Meter weit bei einer Geschwindigkeit von 250 km/h auf einer Reihe von Bodenunebenheiten. Ein andermal kam er ausgangs einer Kurve auf eine Öllache und drehte sich um 360 Grad. In der Nähe von Pescara nahm er beinahe eine kleine Abkürzung durch die Strohballen."

"Nichts davon beunruhigte ihn im Geringsten. Nach 10:07.48 Stunden am Steuer flog er über die Ziellinie in Brescia auf der Via Rebuffone. Die eng zusammenstehenden Zuschauer erwarteten die Sieger hinter der Ziellinie und sprangen wie Wassertropfen auf einer heißen Pfanne zur Seite. Jenkinsons vormals roter Bart war nun schwarz vor Ruß. Die Fotografen schossen Bilder und die Zuschauer waren außer sich - Mercedes hatte gewonnen."

Dieser berühmte Sieg lässt sich auf eine Reihe an Faktoren zurückführen. Zum einen auf das Strategie-Genie Alfred Neubauer, der die Benzinversorgung seines Teams genau geplant hatte. Dann den detaillierten Aufschrieb von Denis Jenkinson sowie den außergewöhnlichen Mercedes-Benz 300 SLR. Dieser zeigte eine überragende Dominanz bei seinem Debüt in der Sportwagenmeisterschaft in Italien.

Der Star war dennoch Moss selbst

Der Star war dennoch Moss selbst. Mutig, entschlossen und vor allem schnell - Sir Stirling hatte seinen Namen in die Motorsport-Geschichtsbücher geschrieben. Nur wenige würden die Verdienste und Belobigungen anzweifeln, die er seitdem erhalten hat.

Auch 62 Jahre danach gehört die Mille Miglia zu den Höhepunkten im Motorsportkalender. Aus aller Welt strömen die Teilnehmer nach Italien, um in allen möglichen Fahrzeugen an der Herausforderung über 1.000 Meilen teilzunehmen. Wenn auch mit einer leicht gemütlicheren Pace als sie Moss und Jenkinson an den Tag legten!

Zwei dieser Liebhaber sind Mercedes-Benz Motorsportchef Toto Wolff und Silberpfeil Engineering Director Aldo Costa. Sie starten bei der diesjährigen Ausgabe am Steuer eines Mercedes-Benz 300 SL aus dem Jahr 1952.

Verfolge ihre Route hier, auf den Fußspuren des unschlagbaren Sir Stirling Moss.

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