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RÜCKBLICK: Knaller-Auftakt in Melbourne

RÜCKBLICK: Knaller-Auftakt in Melbourne

Nachdem Lewis Hamilton seine sechste Pole beim Australien GP eingefahren hatte (womit er die Marke von Ayrton Senna einstellte), schlug Ferrari-Pilot Sebastian Vettel Mercedes-AMG Petronas Motorsport im 57 Runden langen Auftaktrennen. Lewis und sein neuer Teamkollege Valtteri Bottas belegten die anderen beiden Podestplätze. Die F1-Fans scheint also eine spannende Saison zu erwarten, in der Mercedes zum vierten Mal in Folge gegen starke Konkurrenz die Weltmeisterschaft in Angriff nimmt.

'P3 ist nicht ideal'

Valtteri legt die Messlatte für sich hoch. Entsprechend war er mit seinem dritten Startplatz nicht ganz zufrieden, da sich Vettel im Ferrari zwischen ihn und Hamilton quetschen konnte. "P3 ist nicht ideal", sagte Valtteri nach dem Qualifying. "Insgesamt bin ich mit dem Ergebnis nicht zufrieden."

War er zu hart zu sich selbst? Hamilton glänzt stets im Albert Park und Valtteris Rückstand von 0,3 Sekunden war verglichen mit dem Rückstand von Nico Rosberg in den vergangenen vier Saisons gar nicht so schlecht (Nico kam nie näher als 0,360 Sekunden im Qualifying an Lewis heran). Angesichts des Drucks, der bei Valtteris erstem Rennen für Mercedes auf ihm lastete sowie seiner relativen Unerfahrenheit mit dem Team war seine Leistung im Qualifying stark.

Vettels Platzierung in der ersten Reihe (0,27 Sekunden hinter Lewis) deutete bereits an, dass beide Mercedes im Rennen starke Konkurrenz haben würden - und genauso kam es dann auch.

Die neuen Regeln bezüglich der Kupplung legen 2017 mehr Wert auf die Fähigkeiten der Fahrer. Lewis setzte seine Pole Position trotzdem in eine Führung um. Die ersten Vier behielten die Reihenfolge der Startaufstellung: Lewis, Vettel, Valtteri, Räikkönen.

Valtteri legt die Messlatte für sich hoch

Lewis attackierte vom Start weg

Sorge vor dem 'Undercut'

Ein Teil der Aufgabe von Pirelli für 2017 war es, Reifen zu liefern, die im Rennen härter rangenommen werden können, ohne dabei zu stark abzubauen. Lewis attackierte vom Start weg. Die Long Runs am Freitagnachmittag hatten ergeben, dass Mercedes auf den ultraweichen Reifen im Vergleich zu Ferrari gut aussah. Aber bei den wärmeren Bedingungen am Sonntag im Rennen war dies nicht mehr der Fall. Lewis konnte Vettels Ferrari nicht abschütteln und beide hatten nur einen kleinen Vorsprung auf Valtteri.

Zunächst sah es so aus, als ob Lewis einen Vorsprung herausfahren könnte. In Runde 10 hatte er beinahe zwei Sekunden Vorsprung auf Vettel. "Nach 10 oder 12 Runden pushte Lewis und versuchte, einen Vorsprung herauszufahren. Das ist ihm sogar ein wenig gelungen", gab Vettel zu. "Ich hatte Schwierigkeiten, mit ihm mitzuhalten, blieb aber dran. Ich wusste, dass ich direkt hinter ihm liegen musste, wenn rund um den ersten Stopp etwas geschehen sollte. Nur so konnte ich ihn unter Druck setzen oder eine Chance nutzen, um früher an die Box zu gehen und ihn so zu überholen."

Diese Sorge vor einem "Undercut" trieb das Team zu einem frühen Stopp in Runde 17. So kam Lewis knapp hinter dem Red Bull von Max Verstappen wieder auf die Strecke. Red Bull ging nicht wie vom Team erwartet an die Box und das kostete Lewis Zeit. Teamboss Toto Wolff bestritt, dass dies ein Strategiefehler des Teams gewesen sei. Dennoch klopfte er verärgert auf den Tisch, als Hamilton weiter festhing.

'Das waren nur meine Emotionen'

"Das waren nur meine Emotionen", sagte Toto lächelnd. "Vielleicht muss ich darüber mit jemandem reden! Der Ferrari war das schnellere Auto. Das konnte man sehen, wie Sebastian im Getriebe von Lewis hing. Wir gaben Vollgas und glaubten, dass die Reifen nicht mehr halten würden. Das führte zu unserer Entscheidung, an die Box zu gehen und den Undercut zu vermeiden. Dass wir hinter Max herausgekommen sind, der sein eigenes Rennen gefahren ist, hat uns das Rennen gekostet."

Lewis bestätigte: "Ich musste viel früher an die Box, weil ich keinen Grip mehr hatte. Nach dem Stopp blieb ich hängen. Manchmal läuft es eben nicht."

Als Lewis an die Box ging, hatte er 18,5 Sekunden Vorsprung auf Verstappen. Für einen Stopp braucht man ungefähr 22 Sekunden. Somit wusste das Team, dass er hinter Verstappen herauskommen würde, aber sie gingen das Risiko dennoch bewusst ein. Der Kommandostand war mehr besorgt über die Gefahr eines Undercuts durch Vettel.

"Man versucht, alle verfügbaren Informationen zu berücksichtigen", erklärt Toto. "Dazu gehören unter anderem die Reifentemperaturen, Grip-Level, wie stark er rutscht und wie sich der Fahrer fühlt. All das führte zu der Entscheidung und in diesem Fall war er (der Stopp) wahrscheinlich ein paar Runden zu früh."

'Das waren nur meine Emotionen', sagte Toto lächelnd.

Als Lewis an die Box ging, hatte er 18,5 Sekunden Vorsprung auf Verstappen

'Diese Reifen haben ein sehr enges Funktionsfenster'

"Diese Reifen haben ein sehr enges Funktionsfenster und man muss sie in diesem Fenster halten, damit sie gut funktionieren. Wenn man nur leicht darüber oder darunter ist, verliert man Performance. Das ist der Unterschied zum letzten Jahr. Wir alle müssen uns daran anpassen und die Reifen verstehen lernen."

Das bestätigte sich später im Rennen bei den gelben Pirelli-Reifen der weichen Mischung (die härtesten Reifen, die in Melbourne zur Verfügung standen). Selbst darauf sagte Lewis via Funk würde die Performance "hin und herschwanken". Da er auf dem ersten Stint nicht genau wusste, wie gut die ultraweichen Reifen zurückkommen würden, war Hamilton davon überzeugt, dass ein Stopp die bessere Option war, als einen Undercut von Vettel zu riskieren oder zu sehen, dass der Ferrari ihn auf der Strecke überholen würde, weil die Reifenperformance plötzlich abfiel.

Sobald Lewis seinen Stopp absolviert hatte, gab es keine sichtbare Steigerung der Pace des Ferrari. In Runde 16, seiner letzten hinter Lewis, fuhr Vettel 1:22.221 Minuten - identisch zu seiner Zeit in Runde 12, als er alles gab, um dranzubleiben, weil Lewis versuchte, eine Lücke zu öffnen. In Runde 19 fand Vettel ein weiteres Zehntel, aber mehr nicht. Die letzten Runden vor seinem Stopp in Runde 23 fielen um drei Zehntel ab. Zu diesem Zeitpunkt hatte der Ferrari bereits die nötigen 22 Sekunden Vorsprung (genau genommen sogar 23,2) auf Lewis herausgefahren. So konnte er einen "Overcut" machen, indem er an die Box kam, sobald der Vorsprung ausreichte. Dadurch kam er genau vor Verstappen/Lewis zurück auf die Strecke.

'Lewis' Pole-Runde war unglaublich'

Rückblickend war der Positionsverlust also auf den Zeitverlust hinter Verstappen zurückzuführen und nicht auf eine schnellere Pace des Ferrari bei freier Fahrt. Diese Information stand aber natürlich nicht zur Verfügung, als die Entscheidung getroffen wurde. Trotz der Probleme von Lewis im Verkehr fuhr er in 1:27.551 Minuten eine neue schnellste Rennrunde auf seiner "goldenen" Runde auf frischen Reifen. Zum Vergleich: Vettel fuhr auf gebrauchten UltraSofts 1:28.118 Minuten. Diese Runde brachte ihn direkt ins Getriebe des Red Bull von Verstappen.

"Wir hatten gehofft, dass Max eher an die Box gehen würde und wir so freie Fahrt haben würden", erklärte Wolff. "Es war eine Kombination aus Faktoren, die gegen uns sprachen. Ich mag die neuen Autos sehr und wenn man sich die Onboard-Aufnahmen von Lewis' Pole-Runde ansieht, dann ist das unglaublich. Das ist eines der Ziele, die die F1 erreichen wollte. Aber das Überholen war eindeutig nicht großartig. Wir sollten unser Urteil aber vorerst noch zurückhalten, denn auf Strecken, auf denen der DRS-Effekt größer ist, könnte es anders aussehen."

Lewis hing derweil fest. "Es führt kein Weg an ihm vorbei", lautete die schlechte Nachricht im Boxenfunk. Lewis steckte sechs Runden hinter Verstappen fest, bevor dieser in Runde 25 an die Box ging. Das war der gleiche Zeitpunkt, zu dem auch Valtteri hereinkam. Zu diesem Zeitpunkt führte er das Rennen für drei Runden lang an. Lewis lag jedoch sechs Sekunden hinter dem flüchtenden Ferrari von Vettel.

Die Sorge vor einem 'Undercut' trieb das Team zu einem frühen Stopp in Runde 17

Lewis zeigte jedoch keinen Frust. Er akzeptierte die Situation

Lewis zeigte keinen Frust

Lewis zeigte jedoch keinen Frust. Er akzeptierte die Situation: "Uns ist ein richtig guter Start gelungen, das war fantastisch. Es war schön, gut aus den Startlöchern zu kommen. Aber ich kämpfte von Anfang an mit dem Grip. Sebastian konnte mich bei den Rundenzeiten immer kontern und einfach schneller fahren. Gegen Ende des ersten Stints kam ich etwas in Verkehr und überhitzte dabei meine Reifen. Mir fehlte der Grip, sodass ich hereinkommen musste. Gleichzeitig wurde der Abstand geringer und ich rutschte viel herum. Wir entschieden uns für einen Boxenstopp, da mich Sebastian ansonsten ohnehin überholt hätte."

In der Anfangsphase des Rennens konnten weder Valtteri noch Räikkönen die Pace ihrer Teamkollegen mitgehen. Valtteri erlebte ein zweigeteiltes Rennen. Nach seinem Wechsel von den ultraweichen auf die weichen Pirelli-Reifen meldete er sich stark zurück.

"Mein Hauptproblem war der erste Stint", erklärte Valtteri. "Auf den UltraSofts rutschte ich ständig nur herum - mir fehlte der Grip vorne wie hinten, besonders nach 10 Runden. Das war nicht einfach. Aber sobald ich die weichen Reifen drauf hatte, erhielt ich ein großartiges Gefühl für das Auto. Schade, dass das erst etwas zu spät der Fall war."

Nach seinem einzigen Boxenstopp in Runde 25 kam Valtteri acht Sekunden hinter seinem Teamkollegen und 14 Sekunden hinter dem Führenden zurück auf die Strecke. 20 Runden später lag er zwei Sekunden hinter Lewis und elf Sekunden hinter Vettel.

'Ich war von Valtteris Leistung an diesem Wochenende sehr beeindruckt'

Neun Runden vor Schluss hatte Hamilton Vettels Vorsprung auf 6,5 Sekunden reduziert. Danach fiel seine Pace jedoch deutlich ab.

"Ich stoppte sechs bzw. acht Runden vor Sebastian und Valtteri", sagte Lewis. "Ich wusste nicht, wie lange die Reifen halten würden. Ich ging es ruhig an und am Ende hatte ich mehr Pace, aber selbst wenn ich die Lücke zugefahren hätte, kann man hier nicht überholen..."

Das Team informierte Valtteri via Funk, dass Lewis zurücksteckte und die beiden fuhren mit 9,9 bzw. 11,2 Sekunden Rückstand auf den Sieger Vettel über die Ziellinie.

Für Lewis war es sein 105. Podium in der F1. Valtteri erreichte derweil bei seinem Debüt für Mercedes eine zweistellige Podiums-Zahl.

"Ich war von Valtteris Leistung an diesem Wochenende sehr beeindruckt", gab Wolff zu. "Er stand unter sehr viel Druck. Er schlug sich gut im Rennen, schloss den Abstand auf Lewis gegen Ende, obwohl wir dessen Pace rausgenommen hatten, als klar war, dass er unter normalen Umständen nicht würde gewinnen können. Aber ich bin mit seiner Performance sehr zufrieden."

Er selbst sagte: "Ich möchte mich bei allen bedanken. Das Team hat mich herzlich aufgenommen. Wir arbeiteten richtig hart, um für dieses erste Rennen bereit zu sein. Alles lief rund, aber die Roten waren einfach zu schnell. Das bedeutet, dass wir härter arbeiten müssen und ich bin bereit dafür. Wir können uns auf Basis dieses Podestplatzes steigern. Jetzt freue ich mich auf die nächsten Rennen."

Für Lewis war es sein 105. Podium in der F1

Valtteri erreichte bei seinem Debüt für Mercedes eine zweistellige Podiums-Zahl.

Als nächstes steht China im F1-Kalender

Erst zum dritten Mal in der Hybrid-Ära der Formel 1 (nach Malaysia und Singapur 2015) hatte das Mercedes Werksteam in Australien keine siegfähige Pace. Wolff lässt sich davon jedoch nicht beunruhigen.

"Alles in allem waren wir einfach nicht schnell genug. Wir hätten sicherlich besser sein können. Hätte es zum Sieg gereicht? Ich weiß es nicht. Sebastian hätte zu jedem Zeitpunkt einen Undercut versuchen können und es hätte genauso ausgehen können. Wir müssen verstehen lernen, warum wir unter den Bedingungen zu Rennbeginn nicht diese Pace hatten und uns darin verbessern."

Wie so oft in der F1 wurden die Ereignisse von Nuancen in der Reifenperformance diktiert. Mercedes hielt sich am Freitagnachmittag im Fenster auf, am Samstagmorgen nicht mehr, dafür im Qualifying wieder. Am Sonntag waren sie es dann wieder nicht. Höchstwahrscheinlich hängt es mit der Temperatur zusammen und alle befinden sich noch am Beginn ihrer Lernkurve mit den neuen Pirelli-Reifen.

Als nächstes steht China im F1-Kalender. "Wir hatten in den vergangenen drei Jahren einen außergewöhnlichen Lauf", sagte Toto Wolff. "Aber ich habe immer gesagt, dass wir nicht davon ausgehen dürfen, dass dies ewig so weitergeht. Unter den heutigen Bedingungen haben wir uns unter Wert geschlagen. Der Unterschied war, dass es am Renntag viel heißer war. Wir waren nicht so gut wie auf den Long Runs am Freitag. Aber wir werden ganz gewiss gestärkt zurückschlagen!"

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