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FABRIK-BLOG – GRAHAM MILLER

FABRIK-BLOG – GRAHAM MILLER

Willkommen in Brackley! Mit dem Fabrik-Blog gewährt Ihnen ein Mitglied des Teams eine Woche lang Einblick in die Arbeit in Brackley. Diese Woche begleitet Sie Graham Miller, Direktor Windkanal-Betrieb und Spezialprojekte.

Freitag, 4. Juni

Freitags halte ich mir gerne etwas Zeit für Büroarbeiten frei, bereite Pläne für die Meetings der kommenden Woche vor und schreibe meinen Tätigkeitsbericht. Tatsächlich verbringe ich meine Freitage aber meist mit anderen Dingen. Daher habe ich mir heute wieder fest vorgenommen, alles Geplante zu erreichen!

Im Büro sitze ich gegenüber von Shay Campbell, unserem Werksleiter. Shay ist mein direkter Vorgesetzter und wir arbeiten sehr eng zusammen. Unser Werksgelände ist 6 ha groß mit über 2200 m² Gebäudefläche, weshalb unser Werksinstandhaltungs-Team viel beschäftigt ist. Heute helfen Shay und seine Jungs beim Verpacken der Luftfracht für den Großen Preis von Kanada.

Wie die meisten Formel Eins Teams aus Großbritannien sind wir beim Verkehrsministerium als 'bekannter Versender' akkreditiert. Dies bedeutet, dass Luftfracht, die unseren Standort Brackley verlässt, strenge Bedingungen erfüllen muss, die im Wesentlichen denen auf der sicheren Seite von Flughäfen in Großbritannien entsprechen. Über 90 Mitarbeiter wurden nach dem britischen National Air Cargo Training Programm geschult, 10 davon absolvierten ein spezielles Zertifizierungs-Training. Shay ist einer dieser zertifizierten Frachtexperten und hilft deshalb heute beim Verpacken. Die strengen Kontrollen bedeuten, dass ungeschulte Mitarbeiter die abgesperrten Bereiche, in denen verpackt wird, nicht betreten dürfen, und alle Besucher vom Werkstor bis zum Empfangsbereich und wieder zurück eskortiert werden müssen. Das Verpacken wird den Großteil des Tages in Anspruch nehmen, da die Fracht am Samstag raus muss.

Am Windkanal arbeitet Mark Neal (unser Windkanal Manager) an der Vorbereitung eines Modellwechsels, der heute um 18 Uhr erfolgen soll. Der geplante Wechsel erfordert technische Unterstützung. Es ist wahrscheinlich, dass einige Mitarbeiter die Nacht durcharbeiten müssen. Ein weiterer Modellwechsel wird am Sonntag erfolgen, da wir Entwicklungen für die Großen Preise von Großbritannien und Deutschland wieder aufnehmen. Bislang lief die Woche im Windkanal sehr produktiv, mit nur ganz geringen Problemen. Ich bin überzeugt, dass wir in dieser Hinsicht eine der besten Aerodynamik-Abteilungen in der Formel Eins haben.

Heute sehen wir dann auch wieder die Jungs von den Windkanal-Wochenendschichten. Sie arbeiten von Freitag bis Montag, so dass wir den Windkanal rund um die Uhr in Betrieb halten können. Mark und sein Team werden darauf achten, dass die Jungs alle Neuerungen und Änderungen kennen und auf ihre Wochenendarbeit vorbereitet sind. Bei dem laufenden Terminplan erwarten wir ein arbeitsreiches Wochenende!

Zusätzlich bin ich auch für den Modellbau zuständig. Danny Kerwood, unser Senior Manufacturing Manager (Produktionsleiter), kümmert sich um diesen Bereich und die Fertigung innerhalb der Aerodynamik-Abteilung. Der Modellbau erstellt gerade Karosserieteile für die europäischen Grand Prix, Kotflügel aus Kohlefaser und Komponenten für die Radaufhängung. Als Mitglied des Teams, besonders in der Aerodynamik-Abteilung, ist es großartig immer zu wissen, was sich am Fahrzeug verändern wird. Es ist ein sehr spannender Arbeitsplatz.

Heute Nachmittag habe ich ein Treffen mit unserem Vermieter und anderen Vertretern des Standort-Management-Komitees. Wir sind alleiniger Mieter hier und treffen den Vermieter vierteljährlich, um uns gegenseitig über Probleme und geplante Entwicklungen zu informieren. Wir planen, unsere Ideen zur Renovierung der Aufenthaltsräume in unserem Hauptgebäude vorzustellen und einige kleinere Reparaturen und Verbesserungen zu diskutieren, die gerade laufen.

Ich habe jetzt doch wieder nicht genug Zeit für die geplanten Dinge gehabt und muss einige Arbeiten aufs Wochenende verschieben. Daran gewöhnt man sich! In unserer Welt zählt Geschwindigkeit, und alle anderen Teams verbessern ständig ihre Fahrzeuge und versuchen, dabei schneller zu sein als wir. Innerhalb der Aerodynamik-Abteilung wird die Zeit zur Erledigung komplexer und erfolgsentscheidender Aufgaben immer knapper bemessen und beträgt selten mehr als einen Bruchteil des Ideals. Aber wir lieben dies alle und schaffen das scheinbar Unmögliche mit unserer Routine.

Es war mir ein Vergnügen, zu diesem Blog etwas beitragen zu können. Ich hoffe, ich konnte ein paar Einblicke in die Arbeit bei MERCEDES GP PETRONAS geben!

Donnerstag, 3. Juni

Ein weiterer sonniger Morgen in Brackley! Mein erster Termin heute war das tägliche Production Review Meeting. Wir haben üblicherweise ein "Auftragsbuch" von einer Woche im Voraus, daher ist gute Kommunikation zwischen Konstruktion und Produktion entscheidend, um ein Maximum an Produktivität zu erreichen. Wir haben 3- und 5-Achsen-Bearbeitung im Werk, arbeiten mit Kohlefaser-Verbundwerkstoffen und Rapid Prototyping. Unsere Priorität ist die aerodynamische Entwicklung. Bei freien Kapazitäten nutzen wir diese jedoch für die Produktion von Fahrzeugteilen oder Projektarbeiten.

Vielleicht erinnern Sie sich, dass wir gestern an einem Spezialprojekt gearbeitet haben, einem Eiscreme-Dreirad. Dieses Projekt kommt gut voran. Die fehlenden Teile von Mercedes-Benz sollten Freitagfrüh eintreffen. Wir hoffen, unser erstes Dreirad mit der großen Kühltruhe über das Wochenende zu montieren. Nach hoffentlich erfolgreichen Testfahrten werden wir die geänderten Teile lackieren. Das geplante Rennen, an dem fünf unserer Dreiräder teilnehmen werden, soll in 10 Tagen stattfinden.

Wir konnten glücklicherweise etwas interne Fertigungskapazität für die Bearbeitung der letzten Teile für die Dreiräder reservieren. Nach der Diskussion in unserem täglichen Production Review Meeting heute Morgen ergab sich diese Gelegenheit, die wir gleich nutzten.

Der Windkanal läuft gut diese Woche. Wir arbeiten an Entwicklungen für kommende Rennen und am Fahrzeug für das nächste Jahr. Der Großteil unserer Windkanal-Entwicklungsarbeit erfolgt an einem Modell im Maßstab 1:2, das hier im Werk entwickelt und gefertigt wird. Das Modell ändert sich ständig. Im Durchschnitt produzieren wir um die 750 verschiedene Teile pro Woche. Unsere Arbeit kennt keine Auslastungsschwankungen ... wir arbeiten ständig auf Hochtouren!

Im Werk unterstützen wir den Frachtumschlag von der Türkei nach Montreal. Die meisten LKW sollen morgen früh zurück sein und die Fracht muss am Samstagabend in Richtung Kanada raus. Wie Sie sich sicherlich denken können, ist dies eine größere Operation, um die wir uns morgen verstärkt kümmern müssen.

Mittwoch, 2. Juni

Ich komme normalerweise gegen 7.45 Uhr zur Arbeit, besonders mittwochs, da wir um 8.30 Uhr ein Performance Review mit Ross haben. Loic Bigois, unser Aerodynamik-Leiter, trifft uns zu dem Meeting, bei dem es darum geht, wo wir hinsichtlich Fahrzeugentwicklung und Teamleistung stehen. Loic und ich arbeiten sehr eng zusammen, denn unsere Windkanal-Umgebung ist unerbittlich und im ständigen Wandel, so dass wir sehr flexibel sein müssen und bereit, unsere Pläne schnell zu ändern, wenn dadurch mehr Leistung erzielt werden kann. Wir arbeiten nun seit fast drei Jahren zusammen und ich muss sagen, dass er ein großartiger Kollege ist.

Sofort nach der Aerodynamik-Besprechung haben wir eine Prüfstand-Besprechung. Dieses Meeting verfolgt denselben Zweck, aber Thema ist nun unser Getriebeprüfstand statt des Windkanals. Zu diesem Meeting trifft mich Alistair Oxley, unser Entwicklungsleiter Mechanik und Getriebe. Sowohl Windkanal als auch Prüfstand sind wichtige Simulations-Hilfsmittel, die uns bei korrekter Nutzung einen Wettbewerbsvorteil verschaffen. Es ist wichtig, diese wichtigen Hilfsmittel so weit es geht zu nutzen.

Um 9.15 Uhr nehme ich an einer täglichen Produktionsbesprechung in der Modellwerkstatt teil. Ziel ist, die Produktionsanforderungen des Tages zu koordinieren und zu gewährleisten, dass unsere Aerodynamiker ihre benötigten Teile erhalten. Dieses Meeting dauert immer so lange wie es sein muss. Glücklicherweise war es diesmal ein kurzes Meeting, da unsere Fertigung momentan sehr gut läuft.

Der Mittwoch ist immer ein Meeting-Tag, da ich auch Einzelgespräche mit meinen acht direkten Vorgesetzten führe. Sie sind alle wichtige Führungskräfte. Unsere Meetings bieten Gelegenheit, langfristige Maßnahmen ebenso wie aktuelle Probleme zu besprechen.

Wie ich gestern bereits erwähnt habe, haben wir ein einmaliges Spezialprojekt am Laufen, bei dem die Markteinführung einer neuen Eiscreme unterstützt werden soll. Mercedes-Benz unterstützt diese Aktion mit einigen seiner Sport-Fahrräder. Unsere Aufgabe ist, diese in Dreiräder umzubauen, mit denen große Kühltruhen mit Eiscreme transportiert werden können. Die Idee zu diesem Programm stammt von Jody Scheckter, Ex Formel Eins Weltmeister und Eigentümer der Laverstoke Park Farm. Wie dies oft bei uns so ist, haben wir sehr wenig Zeit für diese Aufgabe. Während ich für diesen Blog schreibe, laufen die Planungen, und ich hoffe sehr, das Projekt wird durchgeführt.

Wir führen derzeit Gespräche mit einem potenziellen Neukunden für unseren kommerziellen Windkanal. Wir hoffen, dies wird ein strategischer Kunde, von dem auch das Team profitieren kann. Dieser Kunde könnte bis zu einem Drittel unserer verfügbaren Kapazität nutzen und würde sehr gut zu unseren bereits vorhandenen Kunden passen. Daumen drücken!

Schließlich bauen wir gerade einige Showcars. Einer davon wird an unsere Freunde von Mercedes-Benz HighPerformanceEngines in Brixworth gehen und in der dortigen Rezeption ausgestellt werden. Dieses Fahrzeug soll nächste Woche geliefert werden, wobei noch einige Punkte koordiniert werden müssen, damit wir diesen Termin auch sicher halten können.

Es ist ein langer Tag. Üblicherweise verlasse ich das Büro gegen 21.30 Uhr. Bis dahin habe ich meine im Lauf des Tages eingegangenen E-Mails bearbeitet und auch die ersten Meetings des Folgetags vorbereitet. Mein erstes Meeting am Donnerstag wird das tägliche Production Review um 9.15 Uhr sein.

Dienstag, 1. Juni

Unsere Hauptaktivität diese Woche begann heute, da Montag ein Feiertag in Großbritannien war. Wie so oft an unseren Feiertagen war das Wetter nicht besonders gut. Vielerorts gab es Regen!

Meine Rolle im Team ist "Director of Wind Tunnel Operations and Special Projects". Dazu zählt die Verantwortung für unsere Zentrale in Brackley, den Windkanal-Betrieb und die meisten unserer Großprojekte. Es ist eine großartige Aufgabe, sehr vielseitig, und ich bin glücklich, hoch motivierte und sehr fähige Mitarbeiter zu haben.

Dienstag ist immer ein arbeitsreicher Tag für den Windkanal-Betrieb, da wir an diesem Tag die Daten der vergangenen Woche auswerten und unsere Ergebnisse präsentieren. Der Windkanal-Betrieb ist ziemlich einzigartig im Team, da es der einzige echte Rund-um-die-Uhr-Betrieb ist. Er hört nie auf! Dies schafft einen bestimmten betrieblichen Druck, ist jedoch die einzige Möglichkeit, unser Leistungspotenzial zu maximieren. Unsere Woche läuft daher von Montag bis Sonntag inklusive.

Die Formula One Teams Association (FOTA) hat strikte Einschränkungen zum Windkanal-Betrieb und die Nutzung von Computational Fluid Dynamics (CFD). Es gibt Vorgaben, die wir nicht überschreiten dürfen. Die Vorgaben sehen eine bestimmte verwendete CFD-Prozessorleistung und Windkanal-Betriebsstunden vor. Wir achten immer darauf, innerhalb dieser Vorgaben zu bleiben, wenn wir unseren großen Windkanal und unseren CFD-Supercomputer nutzen. Durch die aktuellen FOTA-Einschränkungen sind wir auch auf ein Maximum von vier vollen Windtunnel-Tagen beschränkt. An diesen Tagen nehmen wir den Rennwagen und arbeiten an ihm im Windkanal.

Nach den Zahlen aus Kalenderwoche 22 hatten wir insgesamt eine gute Woche. Unser Windkanal war zu knapp über 97% verfügbar, was bei unserer 168-Stunden-Woche über unserem internen Ziel liegt. Unser Fertigungswerk wurde kräftig genutzt, beispielsweise durch 91% Auslastung bei Rapid Prototyping Arbeiten. Diese Zahlen haben die absolute Kapazität zur Grundlage, also eine 168-Stunden-Woche.

Während unseres Wochen-Meetings diskutierten wir die Dinge, die gut liefen, darunter unseren kürzlichen Großversuch sowie die Entwicklungs-Sessions für das 2010er und 2011er Modell. Wir hatten in letzter Zeit extrem viel zu tun. Während wir üblicherweise über 500 Bauteilkonstruktionen pro Woche fertigen, waren es letzte Woche 884 Konstruktionen – ein exzellentes Ergebnis unserer Gruppe.

Wir mussten auch ein oder zwei Probleme diskutieren. Wir haben wertvolle Fertigungszeit für die Sicherheit der Rapid Prototyping Anlagen geopfert und hatten einige Probleme mit dem Windkanal, als wir vom 24-Stunden-Großversuch zu den Modelltests zurückkehrten.

Bei den Spezialprojekten arbeiten wir gerade an einem sehr ungewöhnlichen und spannenden Projekt, über das ich Ihnen morgen mehr berichte.

Meine Abteilung kümmert sich auch um den kommerziellen Betrieb unseres kleinen Freistrahl-Windkanals, dessen Überkapazitäten an Drittnutzer verkauft werden. Letzte Woche hatten wir einen unserer wechselnden Kunden im Windkanal, das lief sehr gut.

Das Werksinstandhaltungs-Team, das ebenfalls unter meiner Verantwortung arbeitet, ist derzeit mit dem Renovierungs-Angebot für die Waschräume im Hauptgebäude hier beschäftigt. Diese Räume sind nun 10 Jahre alt und müssen erneuert werden. Das Team hat auch gerade die Kantine renoviert, die nun von unseren Mitarbeitern voll genutzt wird. Im Eingangsbereich zu unserem großen Windkanal haben wir zwei historische Formel Eins Rennwagen an der Decke hängen. Letzte Woche wurden diese heruntergenommen, um unser neues Branding zu bekommen. Jetzt müssen sie wieder aufgehängt werden. Dies ist eine größere Aktion, da sie in dem drei Stockwerke hohen Rezeptionsbereich hängen.

Alles in allem also ein arbeitsreicher, aber zufrieden stellender Tag zu Beginn der Woche.

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