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Geschichte: Fangios Silberpfeil-Sieg am Nürburgring

Geschichte: Fangios Silberpfeil-Sieg am Nürburgring

Die Lagerfeuer an den Zelten und Wohnwagen rund um den Nürburgring erleuchteten die finstere und merkwürdig kühle Nacht. Im Fahrerlager schraubten flinke Mechaniker unermüdlich an den Autos. Motoren wurden aus- und wieder eingebaut, kleine Schäden aus dem Training wurden ausgebügelt und die Boliden erhielten den letzten Setup-Feinschliff für das Rennen am Sonntag.

Der Große Preis von Deutschland, der mit dem Ehrentitel des Europa Grand Prix ausgetragen wurde, war das erste Rennen des überarbeiteten Mercedes-Benz W 196 mit frei stehenden Rädern. Bis dahin fuhren die Piloten den W 196 mit Stromlinienverkleidung, der in den Händen von Hans Herrmann auch hier noch einmal zum Einsatz kam. Juan Manuel Fangio fuhr hingegen das neueste Chassis mit freien Rädern und hängte den schnellsten Konkurrenten Mike Hawthorn (Ferrari) im Training mit einer Zeit von 9:50,1 Minuten um drei Sekunden ab.

Schlecht verlief das Zeittraining für einen anderen Mercedes-Benz Fahrer: Karl Kling brach auf seiner ersten Runde im schnellsten Streckenteil, der Antoniusbuche, das rechte Vorderrad weg. Der Deutsche fing das Auto zwar souverän ab, erzielte aber keine Rundenzeit und startete somit als Letzter in das 22 Rundenrennen auf der 22,772 km langen Nordschleife.

Das bremste Kling jedoch kaum ein: Bereits auf der Startrunde fuhr er von Startplatz 22 auf Position zehn nach vorne. Nach der zweiten Runde war er Achter, nach der dritten lag er auf dem fünften Platz und bald führte Fangio vor seinen beiden Markenkollegen Kling und Hermann Lang. Den beiden Deutschen war das Glück jedoch nicht hold: Lang geriet beim Versuch, Kling zu folgen, von der Strecke ab und schied aus.

Kling ereilte wenig später ein ähnliches Schicksal: Er fuhr fast das gesamte Rennen mit einer undichten Schweißnaht am Benzintank. Mit seiner entfesselten Fahrt probierte er, die Zeit für einen Boxenstopp herauszufahren – dabei überstrapazierte er allerdings eine Zugstrebe an der Hinterachse und musste in Führung liegend einen Reparaturstopp einlegen. Das warf ihn auf Platz vier zurück.

Nach über 500 km und einer Gesamtrennzeit von 3:45.45,8 Stunden fuhr Fangio mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 133,37 km/h als Sieger ins Ziel. Doch der Argentinier konnte sich über seinen Sieg kaum freuen, kletterte traurig aus dem Cockpit seines Silberpfeils und stieg schweren Schrittes auf das Siegerpodest. Seine Gedanken galten seinem am Vortag tödlich verunglückten Landsmann Onofre Marimon. Der Argentinier kam im Training bei Wehrseifen ums Leben, als die Räder seines Maserati blockierten und er durch eine Hecke die Böschung hinunter stürzte.

Für Mercedes-Benz war es ein denkwürdiges Wochenende: Fangio machte mit seinem Sieg die Niederlage von Silverstone vergessen, wo er mit einer Runde Rückstand nur Vierter wurde. Zudem sorgte die noch junge Bundesrepublik Deutschland einen Monat nach dem Gewinn der Fußballweltmeisterschaft in Bern erneut international für ein sportliches Ausrufezeichen – sogar Bundeskanzler Konrad Adenauer gratulierte am Montag nach dem Rennen per Glückwunschtelegramm zum ersten Sieg nach fast 15 Jahren bei einem Grand Prix auf dem Nürburgring.

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