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KOLUMNE: Die Geschichte zweier Philosophien

KOLUMNE: Die Geschichte zweier Philosophien

Irgendetwas muss Ungarn an sich haben, dass es nie ganz glatt läuft. Es begann schon mit unserem Hinflug am Mittwochabend, der wegen schlechten Wetters nach Bratislava umgeleitet wurde, und dem darauffolgenden "Taxirennen" nach Budapest. Und es endete mit einem Grand Prix, der uns daran erinnerte, dass Sportsgeist kein abgedroschenes Klischee ist - sondern eine Frage von harten Entscheidungen und Opfern, die verantwortungsvoll getroffen werden müssen. Es geht nie ausschließlich darum, den einfachen Weg einzuschlagen.

Am Sonntagnachmittag zeigte sich deutlicher denn je, dass Mercedes und Ferrari im Kampf um die Weltmeisterschaft zwei unterschiedliche Philosophien vertreten. Bei Ferrari geht es darum, ihren Spitzenfahrer zum Weltmeister zu machen. Unser Ethos bei Mercedes besagt: "Das beste Team gewinnt. Der beste Fahrer gewinnt. Und zwar in dieser Reihenfolge." So herrscht Chancengleichheit für unsere Fahrer und wir glauben, dass dies die beste Grundlage für unser Team ist, um viele Titel zu gewinnen.

Der eine Ansatz steht moralisch nicht über dem anderen und beide können zum Gewinn von Weltmeisterschaften führen. Es ist eine Frage der Einstellung, der Herangehensweise und der Werte. Es sind Entscheidungen, die in den ruhigen Tagen im Winter getroffen werden müssen, bevor der Druck der Weltmeisterschaft aufkommt. Entscheidungen, an die wir uns auch unter Druck halten - allerdings nicht dogmatisch. Vielmehr muss man aufgeschlossen sein, um sich an geänderte Umstände anzupassen.

Es gibt keinen Grund, um den heißen Brei herumzureden: Es gab gestern Nachmittag viele Gründe, die dafür sprachen, dass Lewis den dritten Platz hätte behalten sollen. Es machte keinen Unterschied für das Mannschaftsergebnis - wir erzielten in jedem Fall 27 Punkte für die Konstrukteurs-Weltmeisterschaft. Aber es hätte ihm drei Punkte mehr in seinem Kampf um den Fahrer-Titel gebracht. Außerdem war mit dem Manöver ein beträchtliches Risiko verbunden, da Verstappen immer deutlicher in Valtteris Rückspiegeln zu sehen war. Max wollte ganz sicher die Chance zu nutzen, uns in die Suppe zu spucken, nachdem er in der ersten Runde seinen Teamkollegen aus dem Rennen genommen hatte.

Sich nur die finale Entscheidung anzuschauen, wird jedoch nicht der Philosophie gerecht, die überhaupt erst zu dieser Situation geführt hat. Valtteri qualifizierte sich am Samstag vor Lewis und blieb auch in der ersten Kurve des Rennens vorne. Er verteidigte seine Position nach den Boxenstopps und lag auf einem starken dritten Platz, als die Entscheidung getroffen wurde. Wie schon in Bahrain machte er, ohne sich zu beschweren, für seinen Teamkollegen Platz, damit dieser seine Chance zum Angriff nutzen konnte - alles basierend auf der Grundlage, dass die Positionen wieder umgedreht werden, sollte Lewis nicht überholen können.

Innerhalb des Teams haben wir viele Stunden damit verbracht, über "Empowerment" zu sprechen - also den Leuten Freiheiten einzuräumen, verbunden mit der Verantwortung für ihre Ergebnisse. Dies hat stets zwei Seiten: mit den Privilegien geht Rechenschaft einher, Ansprüche bringen Verantwortlichkeit mit sich.

Wenn es keine eindeutig richtige Antwort auf eine fordernde Situation gibt, sind es unsere Werte, die uns leiten und die Richtung für die Entscheidungen vorgeben - unsere professionellen Werte, die den Kern unseres Teams ausmachen, ebenso wie unsere persönlichen Werte, die uns zu den Menschen machen, die wir sind. Zudem werden solche Entscheidungen ohne die Garantie getroffen, dass sich das Ergebnis als richtig erweist, wenn am Ende die Punkte gezählt werden.

So war es auch gestern Nachmittag. Als es darauf ankam, ließen sich Lewis, Valtteri und das Team von ihren Werten leiten. "Der Kopf ist eher knallhart", gab Lewis zu. "Ich glaube, dass die Entscheidung mit dem Herzen gefällt wurde. Wenn man Gutes tut, widerfährt einem auch Gutes." Es war die Entscheidung eines Sportlers, für den es nicht nur zählt, ob er gewinnt, sondern auch wie er gewinnt.

Das mag vielleicht abgedroschen klingen und möglicherweise wird die Zeit zeigen, dass wir in der Sommerhitze von Budapest naiv gehandelt haben. Aber wir glauben mehr denn je daran, dass die Gesinnung, mit der wir Rennen fahren - von der Factory bis zum Podium - der Schlüssel zum Erfolg ist. Wenn man das richtig hinbekommt, folgt der Rest von alleine.

Wir wurden am Hungaroring geschlagen - das haben wir nicht vergessen. Man verbringt den Großteil seiner Zeit in der Formel 1 damit, den Schmerz von Niederlagen zu vermeiden und diese war äußerst schmerzhaft. Aber wir haben es weggesteckt und gestern Nachmittag in Budapest unseren Mann gestanden. Wir leben unsere Werte durch das Team, angefangen bei unseren beiden Fahrern. Aus dieser Tatsache ziehen wir noch größere Motivation, während wir uns auf die zweite Saisonhälfte vorbereiten.

2017 entwickelt sich zu einer bemerkenswerten Formel 1-Saison, über die noch in vielen Jahren gesprochen werden wird. Es ist enormes Privileg, ein Teil davon sein zu dürfen. Seien wir ehrlich, natürlich wollen wir gewinnen. Aber wir werden auf unsere Weise gewinnen.

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