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Lewis: “Ich denke, die USA sind ein riesiger Markt für die Formel 1”

Lewis: “Ich denke, die USA sind ein riesiger Markt für die Formel 1”

Lewis, du liegst 17 Punkte in Führung. Das ist der größte Vorsprung, den du bislang gehabt hast. Was ist für dich die größere Gefahr – Nico oder die Zuverlässigkeit?

Das ist eine gute Frage. Ich weiß es nicht. Beides ist gefährlich. Aber die Jungs haben sehr hart gearbeitet, um die Probleme im Verlauf des Jahres zu beseitigen. Also hoffe ich, dass wir die nächsten Rennen als Team durchstehen und keine dieser Probleme mehr haben werden.

Hast du die Dinge jetzt etwas mehr im Griff?

Es fühlt sich nicht anders an als vor ein paar Rennen. Wie ich immer sage: Ich kämpfe und jage meinem ultimativen Ziel hinterher.

Du hast hier in den USA schon zwei Mal gewonnen. Einmal in Indianapolis und dann beim ersten Rennen hier auf dem COTA. Du magst das Land sehr. Wie beurteilst du das Potential der Formel 1 in den USA?

Es gibt einen riesigen Markt für die Formel 1 in den USA. Wenn man sich all die verschiedenen Sportarten hier ansieht, dann merkt man, dass das Land Sport liebt. Egal ob es Basketball, Baseball, NFL, NASCAR oder IndyCar ist. Sie begeistern sich für Wettkämpfe und Rad-an-Rad-Duelle oder echten Motorsport. Wir haben hier nur ein Rennen, also gibt es noch viel Spielraum, um zu wachsen. Wir haben nach 2007 einige Jahre ausgelassen, aber trotzdem konnte ich sehen, dass das Wachstum vorhanden ist. Ich war gestern in New York und draußen haben die Menschen mit Plakaten gewartet – es waren Formel 1-Fans mit unseren Teamklamotten. Das war großartig.

Fahrer wie Lauda und Prost haben ein oder zwei Jahre pausiert, sind dann zurückgekommen und haben wieder Rennen und die WM gewonnen. Wenn man bedenkt, wie anstrengend die F1 heutzutage ist und wie wenig Testmöglichkeiten es gibt: Wie viel Schwung verliert man in einem Pausenjahr?

Darüber denke ich nicht nach. Ich würde sagen, dass man natürlich etwas verliert. Sich beim Testen wieder einzufinden, gerade wo wir vor Saisonbeginn nicht mehr so viel davon haben, wäre definitiv nicht so einfach. Insbesondere mit Blick auf die Einstellungen, die neuen Updates, die es jedes Jahr gibt, die sich stetig weiterentwickelnde Technik. Das würde sicher nicht helfen. Aber früher, als man noch mehr gefahren ist und mehr testen konnte, war es für sie sicherlich einfacher, zurückzukommen. Niki kann das sicher besser beantworten.

Durch den kürzlichen Verlust zweier Teams wird viel über drei Autos pro Team diskutiert. Wie stehst du dazu?

Darüber habe ich ehrlich gesagt nicht nachgedacht. Wir müssten dafür wahrscheinlich das Team erweitern, um die Anstrengungen nicht zu verwässern. Aber für einen jüngeren Fahrer könnte es ziemlich gut sein. Besonders mit Blick darauf, ihn reinzubringen, ihm die bestmögliche Erfahrung zu geben und ihn neben Topfahrern Erfahrung sammeln zu lassen. Vielleicht kommen dann viel mehr von ihnen denn je zuvor. Wenn ich an die beiden Teams denke, die nicht mehr dabei sind, gilt meine größte Sorge den Angestellten dieser Teams, die ihre Familien versorgen müssen und jetzt vielleicht keine Arbeit mehr haben. Wenn wir drei Autos einsetzen sollten, erhalten sie vielleicht einen Platz bei anderen Teams.

Was gefällt dir an neuen Strecken so sehr? Du hast hier 2012 das erste Rennen in Austin gewonnen und zuletzt auch den ersten Großen Preis von Russland in Sotschi...

Ich mag neue Herausforderungen. Ich bin jetzt seit acht Jahren in der Formel 1 und jedes Jahr kommt man an die gleichen Strecken, die man schon kennt. Du versuchst immer, dich auf den bekannten Strecken zu verbessern, aber bei den neuen Kursen möchtest du derjenige sein, der sie als erster meistert. Natürlich ist es umso spannender, wenn man ein Auto hat, mit dem man das schaffen kann. Eines meiner spannendsten Rennen war 2012 hier in Austin. Es ist mit diesen Autos äußerst schwierig, einem anderen Fahrer zu folgen, aber auf dieser Strecke geht das. So sind die Kurvenfolgen hier, man kann einem Formel 1-Auto folgen. Auch die Anzahl der Zuschauer bei diesem Rennen war fantastisch. Sotschi war erneut eine großartige neue Strecke. In zehn Jahren schaue ich vielleicht zurück und weiß, dass ich bei diesen Debütrennen ganz vorne war. Das ist ziemlich cool. Ich sehe mir die Geschichte an und sehe Michael, der die Weltrekorde auf all diesen bisherigen Strecken hält und dort beim ersten Rennen gewonnen hat. Hoffentlich gehören mir in Zukunft einige dieser Rekorde.

Du führst die WM-Wertung an. Aber aufgrund der doppelten Punkte in Abu Dhabi könntest du den Titel noch verlieren. Ist das fair? Glaubst du, dass man diese Regel im nächsten Jahr überdenken sollte?

Die Frage ist, was bedeutet „fair“? Diese Regel wurde neu eingeführt. Stimme ich ihr zu? Ich weiß nicht, wer zustimmt und wer nicht. Aber es ist nun einmal so und wir müssen damit klarkommen. Ich hoffe auf das Beste. Es wäre blöd, wenn es so kommen würde, ganz klar, aber ich will keine negative Energie versprühen. Ich werde mein Bestes geben und was dann geschieht, ist eben so. Für die Zukunft würde ich es wahrscheinlich nicht empfehlen.

Du hast deinen Besuch in New York gestern angesprochen. Was bringen solche Auftritte der Formel 1, wenn du in einer großen amerikanischen TV-Sendung auftrittst?

New York ist fantastisch, wirklich. Ich erinnere mich daran, wie ich aufgewachsen bin und all diese Filme angeschaut habe. Alle spielen in New York. Mit einem Formel 1-Auto mitten in dieser Stadt zu sein, war großartig. Die Menschen kam um 5:30 Uhr früh dorthin, die Show begann aber erst um 8:330 Uhr. Es waren Fans mit Teambekleidung da. So etwas würde man hier drüben vielleicht nicht erwarten. Diese Jungs hatten eine prima Stimmung. Die Spannung wächst hier in den USA stetig an. Wie ich schon gesagt habe, sind die Amerikaner riesige Sportfans. Ich hoffe, dass das so weitergeht. Sie leisten mit dem Rennen seit 2012 fantastische Arbeit. Hoffentlich geht auch das so weiter. Hier haben sie ein gutes Rezept für tolle Shows. Wenn man sich ein NBA Spiel ansieht, weiß man, dass man die ganze Zeit aufgeregt sein wird. Das gleiche gilt für die NFL und für Baseball. Sie wissen, wie man die Fans unterhält und vielleicht können wir uns etwas davon für dieses Rennen abschneiden und es noch attraktiver machen.

Du trägst einen sehr interessanten Schmuck um den Hals. Was hat es damit auf sich?

Ich bin ein echter Kunstanhänger. Ich konnte mir aber keinen echten Andy Warhol leisten. Also habe ich mir eine Miniausgabe gekauft. Das habe ich: es sind Mercedes 300SL Autos.

In den vergangenen Jahren gab es hier nur einen Stopp. Hast du im Simulator einen Anhaltspunkt erhalten, wie sich die Reifen in diesem Jahr verhalten werden?

Nein, das habe ich noch nicht. Aber ich werde bald mit meinen Ingenieuren sprechen. Ich hoffe, dass wir mehr als einen Stopp machen werden. Ein Stopp ist nicht besonders spannend. Ich denke, es ist gut für die Fans, wenn sich das ändert. In der Vergangenheit haben wir uns vielleicht etwas zu sehr über zu starken Reifenabbau beschwert. Aber mindestens zwei Stopps wären denke ich gut für die Fans. Man muss bedenken, dass Pirelli in diesem Jahr solide Arbeit abgeliefert hat. Ja, die Reifen sind manchmal etwas zu hart für uns. Aber das haben wir verlangt und sie lernen dazu und verbessern die Reifensicherheit. Sie war in diesem Jahr kein Thema. Das ist sehr wichtig, denn im letzten Jahr war das auch schon anders... Ein paar mehr Probleme bei den Boxenstopps wären aber wohl nicht so schlecht.

Du fährst 2015 in Mexiko und 2016 in Baku. Was hältst du davon, möglicherweise mehr Traditionsstrecken zu verlieren?

Als ich aufgewachsen bin und die Geschichte der Formel 1 verfolgt habe, habe ich zum Beispiel Senna in Monaco fahren sehen. Danach habe ich davon geträumt, auf dieser Strecke zu fahren. Ich kannte die Geschichte der Strecke schon lange und als ich dann das erste Mal dort gefahren bin, war das ein surreales Gefühl. Das lässt sich kaum beschreiben. Auf einer neuen Strecke gibt es natürlich keine solche Geschichte. Das ist ein Unterschied. Aber wir beginnen eine neue Ära. In 50 Jahren sprechen die Menschen vielleicht über diese Strecken, die zu ihrer Geschichte gehören. Veränderungen sind ein bisschen unvermeidlich.

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