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Lewis Hamilton: Die Saison im Rückblick

Lewis Hamilton: Die Saison im Rückblick

Der Himmel ist bewölkt, die Strecke noch leicht feucht. Gekonnt ziehen Lewis und Nico in der Boxengasse in Barcelona das dunkle Tuch von ihrem neuen Arbeitsgerät. Dürfen wir vorstellen? Der neue Mercedes-Benz F1 W07 Hybrid! Die kühlen Temperaturen am ersten Testtag des Jahres 2016 machen Lewis jedoch nichts aus. Ganz im Gegenteil! Der dreimalige Formel 1-Weltmeister ist ganz heiß darauf, endlich die ersten Kilometer mit seinem neuen Silberpfeil auf dem Circuit de Barcelona-Catalunya unter die Räder zu nehmen - und wie er das tut! Nach 156 Runden respektive 726 km (mehr als der doppelten Grand Prix-Distanz auf dieser Strecke) beendet er seinen ersten Testtag der Saison mit einem breiten Grinsen im Gesicht.

'Die Wintertests verliefen fantastisch und unser neues Auto ist absolut unglaublich', sagt Lewis nach dem Abschluss der Testfahrten beim Motorsport Kick-Off seines Teams in Fellbach. Gemeinsam mit Nico absolvierte er bei den Wintertestfahrten einen Marathon-Testtag nach dem anderen. 'Wir waren gestern beim Team und haben allen zu diesem großartigen Silberpfeil gratuliert. Das ist eine echte Mannschaftsleistung aller unserer Kollegen in Brackley, Brixworth und Stuttgart. Trotzdem erwarte ich in dieser Saison einen harten Kampf. Ferrari hat aufgeholt und Nico ist immer ein starker Gegner.'

Schwieriger Saisonstart

Nur eine Woche später sollte Lewis beim Saisonstart in Australien einen ersten Vorgeschmack darauf erhalten, was für ein starker Gegner sein Teamkollege in diesem Jahr sein würde. Lewis sicherte sich die Pole im Albert Park zu Melbourne, aber Nico gewann das Auftaktrennen - ebenso wie die folgenden Rennen Grands Prix in Bahrain, China und Russland.

Während Lewis drei der ersten vier Rennen auf dem Podium beendete, kosteten ihn in Shanghai technische Probleme ein besseres Ergebnis als Rang sieben. Bereits im Qualifying zum Großen Preis von China hatte er ein Problem mit der MGU-H, das während der Session nicht behoben werden konnte und ihn davon abhielt, eine gezeitete Runde zu fahren. Von Startplatz 22 beendete er das Rennen nach einer starken kämpferischen Leistung auf Position sieben - und das trotz deutlicher Schäden nach einem Zwischenfall auf der ersten Runde. Es war nicht das einzige Mal, dass Lewis seinen unbändigen Kampfgeist in dieser Saison zeigte. Schon in Bahrain zeigte Lewis eine starke Aufholjagd und kämpfte sich nach einem schlechten Start bis auf Platz drei zurück.

In Spanien kam es dann zum großen Knall. Bereits nach wenigen hundert Metern war das Rennen für Lewis vorbei - noch schlimmer: Auch der Silberpfeil von Nico war nicht mehr im Rennen. Was war passiert? Nico hatte Lewis, der von der Pole gestartet war, in der ersten Kurve außenherum überholt und die Führung übernommen.

'Ausgangs Kurve drei holte ich Nico sehr schnell ein und stach rechts in eine Lücke hinein', beschrieb Lewis die Situation kurz nach dem Start. 'Ich war mit einem Teil meines Autos daneben, musste dann aber in die Wiese ausweichen.' Nico fehlte am Kurvenausgang Leistung, da der Schalter für den Motor-Modus war nicht in der richtigen Stellung war. Es kam zur Kollision. Beide schieden aus. So musste Lewis weiter auf seinen ersten Saisonsieg warten.

Lewis schlägt zurück

Zwei Wochen später sollte das Warten endlich ein Ende haben: Ausgerechnet beim prestigeträchtigen Großen Preis von Monaco in seiner monegassischen Wahlheimat erzielte Lewis seinen ersten Sieg in dieser Saison. Der Weg dorthin war jedoch harte Arbeit. In einem chaotischen Rennen fuhr Lewis von Startplatz drei den 44. Sieg seiner Karriere ein.

'Ich laufe hier jeden Tag entlang und denke an die Legenden, die dieses Rennen schon gewonnen haben', sagte Lewis. 'Fahrer wie Fangio, Moss, Hill und Senna. Es ist ein absolut fantastisches Gefühl, dass mein Name nun erneut in dieser Liste auftaucht.'

Da Nico das Rennen in Monaco auf Platz sieben beendete, knabberte Lewis erstmals in diesem Jahr etwas am Punktevorsprung seines Teamkollegen. Diesen Trend sollte er auch beim nächsten Rennen in Kanada fortsetzen, wo er erneut als Sieger auf dem obersten Podesttreppchen stand. Nach einem schwierigen Wochenende beim Grand Prix-Debüt in Baku begann für Lewis der Traummonat Juli: Vier Siege in fünf Wochen brachten ihm erstmals in diesem Jahr die WM-Führung ein. Hatte Nico nach Russland noch 43 Punkte Vorsprung, lag er zum Beginn der Sommerpause mit 19 Zählern im Rückstand. Mit sechs Siegen in sieben Rennen legte Lewis im Juli einen wahrlich beeindruckenden Zwischenspurt hin.

Auf und Ab nach der Sommerpause

Doch Nico gab sich nach der spektakulären Punkte-Aufholjagd von Lewis keineswegs geschlagen. Der Deutsche schlug nach der Sommerpause zurück und legte einen ebenso rasanten Start hin wie schon zu Saisonbeginn. Zwischen Italien und Japan gewann Nico vier von fünf Rennen, während Lewis drei dritte und einen zweiten Platz erzielte. Besonders bitter war sein Ausfall beim Großen Preis von Malaysia, den er zu diesem Zeitpunkt anführte.

'Der Kampf ist jetzt hart, und war es schon das gesamte Jahr über, aber ich sehe es als einen Test meiner Willensstärke und meines Geistes an', sagte Lewis in diesen schwierigen Minuten nach seinem Ausfall. 'Wer ich als Mensch bin und wie ich zurückschlagen kann. Wer hinfällt, muss eben wieder aufstehen.'

Aufgeben kam für Lewis nicht in Frage. Diese Willensstärke und diesen Kampfgeist lebte Lewis in den folgenden Rennen beispielhaft vor. Nachdem das Pendel nach der Sommerpause in Richtung Nico umgeschlagen hatte, schwang es nun wieder zurück in Richtung Lewis. Das war aber nicht nur ein Verdienst seiner Leistung, sondern ein besonderes Merkmal des engen Titelkampfes zwischen den zwei Silberpfeil-Piloten. Mal war der eine in Front, dann hatte wieder der andere die Nase leicht vorne.

Neue Bestmarken im Endspurt

Vor dem großen WM-Showdown in Abu Dhabi war das viel zitierte Momentum wieder ein klein wenig mehr auf Seiten von Lewis, der jedoch mit zwölf Punkten Rückstand auf Nico zum Finale reiste. Der Titelverteidiger gewann die Rennen in den USA, Mexiko und Brasilien und hielt den Titelkampf damit bis zum Finale auf dem Yas Marina Circuit offen. Dort unternahm Lewis mit der Pole Position und seinem zehnten Saisonsieg alles, um das Blatt doch noch zu wenden. Doch am Ende hat es nicht sollen sein: Lewis beendete die Saison fünf Punkte hinter seinem Teamkollegen Nico auf dem zweiten WM-Rang.

'Ich habe in dieser Saison wie immer mein absolut Bestes gegeben. Aber Nico hat eine fantastische Leistung gezeigt und den Titel verdient', sagte Lewis. 'Ich weiß aus eigener Erfahrung, was für ein großartiges Gefühl es ist, die WM zu gewinnen. Deshalb kann ich mir ganz gut vorstellen, wie verrückt die letzten paar Tage für ihn gewesen sein müssen. Persönlich freue ich mich jetzt auf die Winterpause, um dann im nächsten Jahr wieder voll anzugreifen.'

Wie gut Lewis das kann, bewies er schon in dieser Saison, in der er die meisten Siege (zehn) und die meisten Pole Positions (zwölf) einfuhr. So erzielte er im Verlauf der mit 21 Rennen längsten Formel 1-Saison der Geschichte auch etliche neue Bestmarken. Mit 105 Podiumsplatzierungen und 61 Pole Positions liegt er in beiden Disziplinen auf Platz drei der ewigen Bestenliste. Sein Sieg in Abu Dhabi war zudem nicht nur der 150. Grand Prix-Sieg für ein Fahrzeug mit Mercedes-Power, es war auch sein 53. Formel 1-Sieg insgesamt. Damit überholte Lewis in dieser Saison den viermaligen Weltmeister Alain Prost und ist hinter Rekordchampion Michael Schumacher nun der zweiterfolgreichste Formel 1-Fahrer der Geschichte.

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