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Michael Schumacher: Q&A zum 20-jährigen Formel 1-Jubiläum

Michael Schumacher: Q&A zum 20-jährigen Formel 1-Jubiläum

Michael begeht an diesem Wochenende beim Großen Preis von Belgien in Spa-Francorchamps sein 20-jähriges Formel 1-Jubiläum. Im Interview blickt er auf seine Karriere und die lange Beziehung zur belgischen Rennstrecke zurück.

25. August 1991, Großer Preis von Belgien, Spa-Francorchamps. Dein erstes Formel 1-Rennen. Wie kam es dazu?

Michael: Damals kamen viele Umstände zusammen. Jordan-Pilot Bertrand Gachot musste ins Gefängnis und dadurch war sein Cockpit vor dem Belgien GP verwaist. Es gab Diskussionen, dass ich fahren könnte, was aber noch lange nicht bedeutete, dass ich auch tatsächlich fahren würde. Erst am Donnerstagabend vor dem Wochenende war mir klar, dass ich am nächsten Tag das Freie Training bestreiten und mein Formel 1-Debüt geben würde. Das war für mich das Einstiegs-Ticket in die Formel 1, das schon damals Mercedes-Benz für mich mitorganisiert hat. Aus heutiger Sicht kann ich sagen, dass ich jetzt zu meiner Familie zurückgekehrt bin, die mir damals die Gelegenheit gegeben hat, überhaupt meine Karriere zu starten.

Du bist für Mercedes-Benz Sportwagen und DTM gefahren. Wie wichtig waren diese Rennserien und Erfahrungen für deine Karriere?

Michael: Es war enorm wichtig zur Weiterbildung, für meine Persönlichkeit und für meine Erfahrung, um Autos schneller zu machen. Denn darauf kommt es an: Schnell fahren können die meisten Rennfahrer, entscheidend ist, 100 Prozent aus dem Auto herauszuholen und es an sich anzupassen. Das habe ich gemeinsam mit Mercedes in diesen Serien beinahe auf Formel 1-Niveau gelernt. Somit kam ich sehr gut vorbereitet in die Formel 1 und war sehr schnell mit allen Möglichkeiten vertraut, um das Auto auf mich einzustellen.

Wie war es, das erste Mal in einem Formel 1-Auto aus der Boxengasse zu fahren?

Michael: Es war ein sehr schöner und interessanter Moment. Ich kann mich noch gut daran erinnern. Es war bei einem Test in Silverstone am Dienstag vor dem Belgien GP. Auf der ersten Runde musste ich alles warm fahren, kam dann wieder an die Box, um das Auto überprüfen zu lassen, und ging dann auf meine erste schnelle Runde raus. Als ich das erste Mal das Gas richtig benutzen durfte, bin ich regelrecht erschrocken. Trotz meiner Sportwagenerfahrung war ich bis dahin noch nie so schnell unterwegs gewesen. So außergewöhnlich kannte ich die Fahrt in einem Rennauto noch nicht. Deshalb machte ich mir schon ein paar Gedanken, wie ich das eigentlich schaffen sollte? Ich dachte mir: „Vielleicht ist das eine Nummer zu groß für dich.“ Aber schon auf der zweiten Runde ging es lockerer. Auf der dritten waren meine Zweifel vergessen und ich fühlte mich wohl im Auto. Am Ende des Tages war ich vielleicht eine Sekunde schneller als die Jungs, die vorher im Auto gesessen hatten.

Dein Debütrennen in Spa war ein relativ kurzer Auftritt...

Michael: Das war leider sehr kurz. Im Nachhinein habe ich mich darüber sehr geärgert. Ich bin nach 500 Metern wegen eines Kupplungsdefekts ausgeschieden, der sich hätte vermeiden lassen, weil meine Kupplung schon im Warm-up kaputt war. So musste ich mir das Rennen leider von draußen anschauen. Mein Teamkollege Andrea de Cesaris schied drei Runden vor Rennende ebenfalls aus – an zweiter Stelle liegend. Ich war damals eine Sekunde schneller als er, somit kann sich jeder ausrechnen, was ich bei meinem ersten Rennen hätte erreichen können...

Wann hast du gemerkt, dass die Formel 1 wie ein „Sechser im Lotto“ für dich ist?

Michael: Es ging mir nicht um den „Sechser im Lotto“. Vielmehr habe ich relativ bald gemerkt, dass wir alle Menschen sind – auch Ayrton Senna, Alain Prost und Nigel Mansell. Bis dahin waren diese Piloten für mich so weit weg – ich konnte mir nicht mal vorstellen, mich mit ihnen zu messen. Im Laufe des Wochenendes ist mir bewusst geworden, dass es durchaus möglich ist und ich im Duell der Superlative mithalten und mich behaupten konnte.

Spa-Francorchamps gilt als dein Wohnzimmer. Was macht die Strecke für dich aus?

Michael: Ich habe in Spa viele sehr schöne und interessante Dinge erlebt. Dort ist für mich quasi alles passiert, was passieren konnte – mein erstes Rennen, mein erster Sieg, mein siebter WM-Titel: das macht Spa für mich aus. Deswegen nenne ich Spa heute mein Wohnzimmer. Hinzu kommen die enormen Herausforderungen, welche die Traditionsrennstrecke an einen Rennfahrer stellt. Eau Rouge, Blanchimont – die Strecke setzt ganz besondere Emotionen und Gefühle frei. Es war und ist eine wahnsinnige Bestätigung, dort ein Rennauto am Limit zu bewegen. Damals war es das absolute Highlight, mit einem Formel 1-Auto durch Eau Rouge zu fahren. Die Autos wurden stark zusammengestaucht und im nächsten Moment sind sie auf der Kuppe fast abgehoben – das am Limit zu schaffen, ist wie auf dem Drahtseil zu jonglieren. Wenn einem das gelingt, ist es das schönste Gefühl, das ein Rennfahrer im Auto erleben kann.

30. August 1992 – dein erster Sieg, natürlich wieder in Spa.

Michael: Das war das i-Tüpfelchen, denn zu diesem Zeitpunkt konnten wir nicht erwarten, mit unserem Auto zu gewinnen. Klar, es spielten ein bisschen Glück und das Wetter eine Rolle, zusammen hat das dazu geführt, dass ich plötzlich geführt habe und als Sieger ins Ziel fuhr. Damit ging für mich mehr als ein Traum in Erfüllung.

1998 erlebten wir im Regen von Spa einen sehr emotionalen Michael Schumacher nach der Kollision mit David Coulthard...

Michael: Ich erinnere mich an das Rennen, als wenn es gestern gewesen wäre. Ich fuhr auf der Geraden in Davids Gischt und hatte keine Möglichkeit, die Abstände einzuschätzen – plötzlich ging er vor mir vom Gas. Das ist wie eine Vollbremsung in einem Straßenauto, nur konnte ich es wegen der Gischt absolut nicht sehen. Schon hing ich auf Davids Auto drauf, und mein Auto war ein Dreirad.

Springen wir ins Jahr 2000 – zum berühmten Überholmanöver mit Mika Häkkinen und Ricardo Zonta in der Mitte. Wie hast du das im Cockpit erlebt?

Michael: Im ersten Moment war es schade, weil ich bis dahin meine Position verteidigen konnte – aber sobald Zonta hinzu kam, hatte ich keine Chance mehr, Mika abzuwehren. Es sah sehr spektakulär aus und brachte ihm den Sieg. Solche Momente machen den Rennsport für die Fans zu etwas ganz Besonderem.

Dein siebter WM-Titel wurde vorzeitig in Spa entschieden. Wie emotional war dieses Erlebnis für dich?

Michael: Es war eines dieser Spa-Erlebnisse, die für mich diese Strecke ausmachen. In meiner Laufbahn scheinen alle Wege immer wieder nach Spa zu führen. 2004 wurde ich in Spa zwar nur Zweiter, aber das reichte zu meinem siebten Titelgewinn. Damit hat sich für mich gewissermaßen ein Kreis geschlossen.

Wer waren deine stärksten Teamkollegen?

Michael: Das waren ganz klar Felipe Massa und jetzt Nico Rosberg. Nico mag erst 26 Jahre alt sein, aber er hat schon 100 Grand Prix bestritten – er besitzt also genügend Erfahrung, ist sehr schnell und hat die gleiche Herangehensweise wie ich. Das ist sehr hilfreich für das Team, um gemeinsam vorwärts zu kommen.

Wie fühlst du dich nach anderthalb Jahren deines Formel 1-Comebacks?

Michael: Ich bin körperlich fit, mental bereit und ich mag die Herausforderung. Nach einer so langen Pause muss man sich zunächst wieder einarbeiten. Das hat einige Zeit gedauert. Aber ich merke, dass die Dinge immer besser zusammen kommen, und ich bin sehr zuversichtlich, dass wir unser Ziel erreichen werden – etwas später als geplant vielleicht, aber so ist das manchmal im Leben. Ein WM-Titel mit Mercedes lohnt das Warten

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