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Nico Rosberg: Die Saison des Weltmeisters

Nico Rosberg: Die Saison des Weltmeisters

Nico Rosberg blickt sich mit einem Glitzern in den Augen immer wieder um. Hier der berühmte Silberpfeil W 196 von Juan Manuel Fangio, dort das Weltmeisterauto von Mika Häkkinen und nur wenige Meter weiter die Weltmeister-Silberpfeile der vergangenen Jahre. Selbst ein gestandener Grand Prix-Sieger kommt in der Gegenwart solcher Motorsport-Legenden aus dem Staunen kaum noch heraus.

Die 'Heiligen Hallen' in Fellbach bei Stuttgart bilden den perfekten Rahmen für den Silberpfeil Kick-Off 2016. Hier fällt der Startschuss in die neue Formel 1-Saison. Hier, zwischen all diesen historischen Rennwagen, beginnt die dritte Auflage des WM-Duells zwischen Nico und seinem Teamkollegen Lewis Hamilton.

'Schon als ich unseren neuen Silberpfeil das erste Mal gesehen habe, hatte ich ein gutes Gefühl', sagt Nico, der bei den Testfahrten vor Saisonbeginn gemeinsam mit Lewis einen Marathon-Testtag nach dem anderen absolvierte. 'Man konnte die Innovationen erkennen und sehen, dass er einen Schritt nach vorne darstellt. Im Rennsport und ganz besonders der Formel 1 steht die Entwicklung niemals still. Um vorne zu bleiben, muss man sich stets weiterentwickeln und Neuerungen finden, die noch niemand zuvor gesehen hat.'

Dies sollte sich aber nicht nur in Bezug auf den F1 W07 Hybrid bewahrheiten. Auch Nico musste sich in den folgenden neun Monaten im Verlauf der Rekordsaison von 21 Rennen vielen Herausforderungen stellen und sich gewissermaßen immer wieder selbst neu erfinden, immer mit dem ganz großen Ziel vor Augen - seinen ersten Weltmeistertitel.

Momentum mitgenommen: Perfekter Saisonstart

Nur eine Woche nach dem Kick-Off in Deutschland hatte Nico bereits australischen Boden unter den Füßen. Im Albert Park zu Melbourne begann er die neue Saison so, wie er die vorherige abgeschlossen hatte: Mit einem Sieg. Genau genommen sollte Nico sogar die ersten vier Rennen in Australien, Bahrain, China und Russland als Sieger beenden. Jedes Mal startete er aus der ersten Reihe, jedes Mal nahm er das oft zitierte 'Momentum' zum nächsten Rennen mit.

Saisonübergreifend siegte Nico somit bei sieben Rennen in Erfolge. Denn schon 2015 entschied er die letzten drei Saisonläufe in Mexiko, Brasilien und Abu Dhabi für sich. Besser kann man den Schwung aus dem Vorjahr nicht ins neue Jahr mitnehmen. Nico selbst ließ sich davon jedoch nicht unter Druck setzen. 'Ich denke von Rennen zu Rennen und dann sehen wir weiter', betonte er gelassen seine Herangehensweise, die ihm in dieser Saison so gut zu Gesicht stehen sollte.

Der große Knall: Rückschlag in Barcelona

Doch dann kam Barcelona. Beim fünften Saisonlauf in Spanien fand Nicos Siegesserie ein jähes Ende. Bereits nach wenigen hundert Metern war das Rennen für ihn vorbei - noch schlimmer: Auch der Silberpfeil von Lewis war nicht mehr im Rennen. Was war passiert? Nico hatte Lewis in der ersten Kurve außenherum überholt und die Führung übernommen.

'Als ich aus Kurve drei herausfuhr, merkte ich, dass mir Leistung fehlte.' Der Grund dafür war eine falsche Einstellung: Der Schalter für den Motor-Modus war nicht in der richtigen Stellung. 'Da Lewis aufschloss, entschied ich mich, so schnell wie möglich deutlich nach rechts zu ziehen.' So wollte er die Tür schließen und Lewis zeigen, dass dies keine Option darstellte. Es kam zur Kollision. Beide schieden aus. Für Nico sollte es der einzige Ausfall der gesamten Saison bleiben.

Auf & Ab: Lewis schlägt zurück

Vierzehn Tage später ging es zu Nicos Heimrennen in den Straßen von Monaco. Nach drei Siegen in den vorangegangenen Jahren sollte es diesmal nicht nach Nicos Wünschen laufen. Stattdessen stand Lewis, wie auch beim folgenden Rennen in Kanada, ganz oben auf dem Siegerpodest. Es war der Anfang einer im WM-Duell der beiden Silberpfeil-Fahrer nur allzu bekannten Wellenbewegung: Mal war der eine in Front, dann hatte wieder der andere die Nase leicht vorne.

Doch Nico gab sich deshalb keineswegs geschlagen. Schon beim Grand Prix-Debüt in Baku schlug er mit einem Sieg zurück. Doch dann setzte Lewis im Juli zu einem Zaubermonat an: Vier Siege in fünf Wochen brachten ihm erstmals in diesem Jahr die WM-Führung ein. Hatte Nico nach Russland noch 43 Punkte Vorsprung, lag er zum Beginn der Sommerpause mit 19 Zählern im Rückstand. Mit sechs Siegen in sieben Rennen legte Lewis im Juli einen wahrlich beeindruckenden Zwischenspurt hin. 'Jetzt freue ich mich auf die Sommerpause und will daraus stärker hervorgehen', kündigte Nico in Hockenheim kampfeslustig an. Gesagt, getan.

Konter nach der Sommerpause

Wie zum Saisonbeginn legte Nico auch nach der Sommerpause einen blitzsauberen Start in die zweite Jahreshälfte hin. Mit Siegen in Belgien, Italien, Singapur und Japan sammelte er nicht nur wertvolle Punkte. Er zeigte auch, dass er sich von Rückschlägen nicht aufhalten lässt und aus den Erfahrungen der vergangenen Jahre seine Lehren gezogen hat - denn alle vier Siege fuhr er auf Strecken ein, auf denen er bis dahin noch nie gewonnen hatte.

Besonders gut in Erinnerung blieb Nico dabei sein Erfolg unter dem Sternenhimmel von Singapur. 'In der Vergangenheit war Singapur für mich nicht immer ein gutes Pflaster', sagte Nico. 'Demnach ist dies ein ganz besonderer und umso emotionalerer Sieg für mich.' Dabei setzte er sich in einem packenden Duell gegen Red-Bull-Pilot Daniel Ricciardo um exakt 0,488 Sekunden durch.

Der Schlüssel zum Erfolg lag in einer cleveren Taktik nach Ricciardos Boxenstopp: 'Wenn ich ebenfalls einen Stopp eingelegt hätte, wäre ich hinter ihm herausgekommen, da ich auf meiner In-Lap im Verkehr steckte. Deshalb entschieden wir uns dafür, dass es die beste Strategie war, draußen zu bleiben.' Der Poker ging auf, Nico siegte und baute seine WM-Führung auf Lewis weiter aus.

Der Wendepunkt

Nico betonte im Verlauf der Saison stets, dass er lediglich von Rennen zu Rennen denke, sich keine Gedanken über die Weltmeisterschaft mache. Dennoch nahm ein Rennwochenende einen ganz besonderen Platz in Nicos WM-Saison ein: Der fünftletzte Grand Prix des Jahres auf dem legendären Suzuka International Racing Course.

Eine der Besonderheiten dieses Wochenendes war natürlich, dass das Team in Japan den Sack in der Konstrukteurs-Weltmeisterschaft zumachte. Mit 208 Punkten Vorsprung war den Silberpfeilen der dritte Konstrukteurs-Titel in Folge nicht mehr zu nehmen. Aber auch aus persönlicher Sicht war Nicos erster Grand Prix-Sieg auf dieser Strecke ein ganz besonderer Moment auf dem Weg zu seinem ganz großen Traum, dem Gewinn der Formel 1-Weltmeisterschaft.

'Suzuka war für mich der Wendepunkt', erinnert sich Nico an diesen entscheidenden Moment im Duell gegen Lewis zurück. Nach dem Großen Preis von Japan führte Nico die Fahrer-WM mit 33 Punkten Vorsprung an. 'Ab da hatte ich es selbst in der Hand', betont er. Selbst wenn Lewis alle vier zu diesem Zeitpunkt noch verbleibenden Rennen gewonnen hätte, hätte er nicht mehr aus eigener Kraft Weltmeister werden können. Damit stieg aber auch der Druck auf Nico, der nun zum ersten Mal Gedanken hegte, seinen Helm nach einem möglichen WM-Titel an den Nagel zu hängen.

Triumph in Abu Dhabi

Vor dem großen WM-Showdown in Abu Dhabi war das viel zitierte Momentum noch einmal ein klein wenig mehr auf Seiten von Lewis. Der dreimalige Champion gewann die Rennen in den USA, Mexiko und Brasilien und hielt den Titelkampf damit bis zum Finale auf dem Yas Marina Circuit offen. Dort machte Nico jedoch alles klar: Mit einem zweiten Platz sicherte er sich in seiner elften Formel 1-Saison seinen ersten Weltmeistertitel.

'Es war mein Kindheitstraum, Weltmeister zu werden - und das habe ich nun erreicht', sagte Nico in Abu Dhabi. Nur wenige Tage danach ließ er vor der FIA Preisverleihung in Wien die Bombe platzen: Er beendete mit sofortiger Wirkung seine Rennkarriere in der Formel 1. 'Jetzt ist es soweit, ich habe den Berg erklommen, ich bin an der Spitze angekommen und es fühlt sich richtig an. Ich fühle eine tiefe Dankbarkeit für alle, die mich auf dem Weg zu diesem Titel unterstützt haben und es somit möglich gemacht haben.'

Wie die Saison begonnen hatte, endete sie auch: Am Tag nach seiner Rücktrittsankündigung kehrte Nico noch einmal ins Herz von Mercedes-Benz zurück. Diesmal jedoch nicht nach Fellbach, sondern ins Werk in Sindelfingen. Dort bedankte er sich gemeinsam mit seinem Silberpfeil-Team für die Unterstützung bei 16.500 Kollegen und verabschiedete sich von ihnen als Formel 1-Weltmeister. Und eins ist klar: Nico darf mit Stolz behaupten, dass eines Tages auch sein weltmeisterlicher F1 W07 Hybrid in den 'Heiligen Hallen' glänzen wird.

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