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Renn-Blog: Abu Dhabi GP

Renn-Blog: Abu Dhabi GP

Sonntag, Rennwochenende

Wir hatten heute Morgen den Luxus eines späten Arbeitsbeginns - denn das Rennen begann erst um 17:00 Uhr. Also blieb für uns genügend Zeit, um ein ausführliches Frühstück im Hotel zu genießen und dann zur Strecke aufzubrechen.

Der Tag begann mit unserem Gruppenfoto zum Saisonabschluss - mit dabei: das gesamte Team, unsere Fahrer und die Daimler-Vorstandsmitglieder, die bei diesem Rennen vor Ort waren. Danach ging es sofort in das Strategiemeeting mit Ross, Michael und Nico. James Vowles, unser Chefstratege, erklärte die Reifensituation und die geplanten Boxenstopps. In der Folge diskutierten wir, was wir tun, sollte das Safety Car zu verschiedenen Zeitpunkten des Rennens herausgehen und wie wir mit dem erwarteten Reifenabbau umgehen. Aus diesem Meeting geht es direkt ins allgemeine Briefing mit den Ingenieuren, also der gesamten Gruppe. Die Fahrer gehen um 15:30 Uhr zur Fahrerparade und ich esse schnell. Dabei spreche ich mit Keke (Nicos Vater) über die Weisheiten des Qualifyings und den neunten Platz auf den weichen Reifen.

Alles ist bereit und es sind noch zwei Stunden bis zum Start. Ich nutze die Zeit, um mit einigen unserer Gäste beim Pitwalk zu sprechen. Einige Freunde von Nick Fry würden gerne das Auto erklärt bekommen und ich bin so frei, ihnen den Gefallen zu tun. Die Fahrer und das Team erhalten viele Glückwünsche - das ist immer willkommen.

Zu diesem Zeitpunkt werde ich etwas sentimental. Ich war 17 Jahre lang Renningenieur und in einer Stunde beginnt mein letztes Rennen an der Boxenmauer. Ich habe meine Zeit in dieser Rolle wirklich genossen und werde den Adrenalinkick im Qualifying und Rennen vermissen. Es ist also Zeit, um mich an ein paar tolle Momente zu erinnern. Meine Gedanken fliegen zurück ins Jahr 1997 - vor das letzte Rennen in Jerez. Michael hatte einen Punkt Vorsprung vor Jacques Villeneuve und ich erinnere mich, gedacht zu haben: "Das war's. Heute gewinne ich die Weltmeisterschaft..." und so kam es dann auch!

Aber zurück ins Hier und Jetzt. Ich spreche mit James Allen darüber, warum wir uns nicht auf den harten Reifen qualifiziert haben. Okay, ja, so langsam geht mir diese Erklärung auf den Keks! Ich suche meine Sachen zusammen für das letzte Gespräch mit Nico über die Frontflügeleinstellung und unsere Pläne für die ersten Rennrunden - dann geht es in die Startaufstellung.

So weit, so gut. Alles läuft nach Plan. Dan, der Frontend-Mechaniker an unserem Auto, übergibt mir eine "Leo Sayer"-Perrücke, die ich für den Rest des Nachmittags tragen muss - selbst am Kommandostand und bei 32 Grad. Danke, Dan! Robert Kubica gibt mir einen Klaps im Vorbeigehen, er weiß, dass es mein letztes Rennen an der Boxenmauer ist. Er weiß auch, dass unser Kampf in der Fahrer-WM zwischen Nico und ihm jetzt bis zum Ende geht.

Das Rennen beginnt und Michael dreht sich in Kurve 6 - dabei rauscht Liuzzi in ihn hinein. Das Safety Car geht raus und wir kommen an die Box, um die weichen Reifen loszuwerden und die harten aufzuziehen. Wir kommen auf P15 wieder heraus, aber die Führenden müssen erst noch stoppen. Unser Plan ist recht einfach... wir müssen die Lücke zu so vielen Autos vor uns wie möglich unter 21,5 Sekunden halten - das ist der Verlust bei einem Boxenstopp. Wir stecken für 35 Runden hinter Buemi fest, weshalb wir keine Chance haben, Vettel, Hamilton und Button zu schlagen. Die anderen Spitzenfahrer können jedoch nicht schnell genug davonfahren und wir liegen noch in Schlagdistanz zu einem guten Ergebnis. Um Runde 40 herum ist klar, dass wir gegen Button keine Chance haben, er ist der letzte Topplatzierte, der an die Box geht. Aber wir sind nah an Kubica dran, der auf den harten Reifen gestartet ist und so lange wie möglich fährt, um seinen Vorsprung herauszufahren.

Nico weiß darüber Bescheid, wie eng es ist. Er konnte seine Reifen hinter Buemi schonen und kann nach dessen Boxenstopp mit Vollgas Jagd auf Kubica machen. Er legt acht tolle Runden hin, so dass Kubica keine Chance hat, seinen Vorsprung für einen Wechsel auf weiche Reifen herauszufahren. Seine einzige Chance ist es, auf Nico aufzuholen und ihn anzugreifen - mit dem Vorteil seiner frischeren, weichen Reifen, während Nico mit 50 Runden alten harten Reifen fährt. Aber die Belohnung ist zuckersüß - denn Kubica kann sich nicht gegen Nico durchsetzen, selbst mit den neueren Reifen.

P4 ist ein Topergebnis für eine fantastische Fahrt von Nico - eine seiner besten und ein Anzeichen für die Zukunft. Gleichzeitig war es ein tolles Ergebnis für mein letztes Rennen. Ich habe den Tag wirklich genossen und es ist schön, mit einem Highlight aufzuhören. Meine Frau Carmel ruft mich an und gratuliert mir zum Ergebnis. Sie fragt, ob ich sehr sentimental gewesen bin. Ich versichere ihr, dass ich alles unter Kontrolle habe und auch nicht anfangen werde, zu heulen!

Nebenan fließt jede Menge Champagner - und das verdient. Red Bull fuhr eine klasse Saison und Vettel hat den WM-Titel beim letzten Rennen genauso stark geholt. Glückwünsch an alle bei Red Bull... ihr seid wirklich verdiente Sieger. Okay, jetzt werde ich tatsächlich richtig emotional, da jeder herkommt und mir alles Gute wünscht.

Wir absolvieren unser kurzes Debriefing mit den Fahrern und dann dankt Ross dem gesamten Team für die harte Arbeit in diesem Jahr. Wir waren im Durchschnitt mit das beste Boxenstoppteam in dieser Saison, was eine tolle Leistung unserer Jungs war. Ross dankt auch mir für die Arbeit am Kommandostand über die Jahre hinweg und ich bedanke mich meinerseits dafür, dass alle so eine klasse Truppe sind. Wir haben eine wundervolle Atmosphäre im Team und ich werde es wirklich vermissen, bei den Rennen zu sein. Ich danke auch ganz besonders Shov, für seine Unterstützung über zehn Jahre, die wir nun gemeinsam Renningenieure sind und dann beginne ich doch zu heulen! Vor 60 Kerlen!

Nachdem die Formalitäten erledigt sind, haben die Jungs noch ein nettes Abschiedsgeschenk für mich. Aber keine goldene Uhr, wie man vielleicht erwarten würde, sondern einen Reifenwagen und einige Kabelbinder, um mich öffentlich mit den gesamten Küchenabfällen des Wochenendes zu waschen - gefolgt von Mehl und Eiern. Und all das vor dem gesamten Team und allen Leuten, die gerade im Fahrerlager vorbeigingen. Klasse!

Sie waren aber freundlich genug, um mich hinterher mit eiskaltem Wasser abzuwaschen. Ich musste auch eine Dusche nehmen, um zu versuchen, die blaue Farbe von meinem Kopf zu entfernen! Danach suche ich mir saubere Klamotten und räume das Büro auf - damit die Jungs beim Test nächste Woche alles am rechten Fleck vorfinden. Natürlich behalte ich die Augen auch auf den Fußballergebnissen - es ist schön zu sehen, wie Chelsea geschlagen wird!

Zurück im Hotel haben wir eine große Teamparty, um das Ende der Saison zu feiern - an dieser Stelle endet mein Blog. Denn sobald die Party begonnen hat, würde er ziemlich unleserlich. Danke fürs Lesen und hoffentlich habt ihr das Rennen genossen.

Samstag, Rennwochenende

Es ist wieder ein schöner und sonniger Tag. Simon versichert uns, dass es nicht regnen wird, aber zur Sicherheit nehme ich meine Regenjacke mit - nur für den Notfall.

Als erstes steht ein Meeting mit Ross und den anderen Ingenieuren auf dem Programm. Darin wird die Strategie fürs Rennen festgelegt. Es ist entscheidend, die Reifensituation zu verstehen. Nur so können wir sicherstellen, dass wir im Qualifying mit den richtigen Reifen fahren. Hier ist der Reifenabbau bei den weicheren Options so groß, dass man damit das Rennen beginnen und ihn aus dem Weg bringen muss. Das wird uns einige Kopfschmerzen bescheren, wenn wir auf den härteren Reifen schneller sein sollten.

Das letzte Freie Training ist abgehakt und wir verlangen Aspirin! Nico bevorzugt die harten Reifen, also müssen wir sehen, was wir im Q3 machen. Zuvor müssen wir aber erst ins Q3 vorstoßen. In Abu Dhabi findet das Qualifying am frühen Abend statt, also geht die Sonne gerade unter und die Strecke kühlt schnell ab. Das bedeutet, dass wir den Reifendruck im Laufe der Session viel mehr anpassen müssen als bei einer normalen Qualifyingsession um 14:00 Uhr.

Wir diskutieren immer wieder die möglichen Szenarien für Q1, Q2 und Q3 durch und legen schließlich unseren Plan fest. Das Q1 sollte eine Spazierfahrt sein, aber natürlich kann man damit jederzeit auf die Nase fallen, wenn man zu unachtsam ist. Deshalb lautet das Motto: Attacke. Nico fährt mit zwei neuen harten Reifensätzen auf Platz 2 - die erste Hürde ist genommen. Nico ist wieder deutlich schneller auf den harten Reifen. Also setzen wir ihn im Q2 erneut ein, um auch ins Q3 zu gelangen. Damit haben wir unseren letzten Satz frischer Primes aufgebraucht. Trotz des Vorteils bei der Pace erinnert uns unser Stratege James daran, dass wir nicht auf den Primes starten werden. Also fährt Nico erneut eine starke Runde auf P3 und stößt ins Q3 vor.

Jetzt müssen wir herausfinden, wie wir den weichen Reifen im Q3 zum Arbeiten bekommen - dafür bleiben uns nur drei Minuten Zeit. Der allgemeine Trend scheint zu drei oder vier gezeiteten Runden auf neuen Options zu gehen. Wir entscheiden uns für einen Run mit vier gezeiteten Runden mit genügend Zeit, damit Nico eine freie Runde erwischt. Leider erwischen wir Verkehr mit beiden Ferraris und Hamilton - das ist nicht gerade ideal für eine fliegende Runde. Wie befürchtet kann Nico aus den weichen Reifen nicht die Leistung herausholen, die er mit den harten Reifen abrief. Seine beste Runde bringt ihm P9 ein, gerade einmal acht Hundertstel hinter Michael, aber über eine halbe Sekunde langsamer als er auf den harten Reifen war.

Unser Debrief mit den Fahrern findet direkt nach dem Qualifying statt. Danach entspannen wir etwas und bereiten dann das Rennen vor. Wir sind zuversichtlich, dass wir auch von P9 ein gutes Ergebnis einfahren können. Sobald die Fahrer aus der Tür draußen sind, stürze ich mich ins Internet und sehe nach, wie sich die Engländer gegen Australien schlagen. Es gibt gute Nachrichten... sie schlagen sich sehr gut und ich befürchte, dass es kein gutes Wochenende für Australien werden wird! Mark fuhr im Qualifying nur auf P5. Das bringt ihn für das Rennen in eine schwierige Ausgangsposition, aber ich traue es ihm mehr zu, als den Australiern einen 35-18 Rückstand aufzuholen! Gut gemacht, Jungs.

Die Autos befinden sich jetzt unter Parc-Fermé-Bedingungen. Wir können also nur wenige Dinge noch verändern, aber es gibt noch viel Arbeit mit den Reifendrücken, Motoreinstellungen, Differenzial-Einstellungen und Frontflügeleinstellungen zu erledigen. Alle diese Parameter beeinflussen die Rennpace, den Benzinverbrauch und den Reifenabbau während der 55 Rennrunden.

Gegen 22:00 Uhr kommen wir zurück ins Hotel und gehen mit den Jungs etwas essen. Ein heißes Diskussionsthema ist, wie wir das Boxenstoppchaos von Brasilien diesmal vermeiden. Heute lachen wir darüber, da es uns nichts gekostet hat, aber es war gleichzeitig komisch und ziemlich peinlich.

Freitag, Rennwochenende

Der Zeitplan weicht ziemlich von einem normalen Rennwochenende ab, also verlassen wir das Hotel heute nicht vor 10:00 Uhr. Das ist eine nette Abwechslung und einige der Jungs nutzten die Gelegenheit, um im Pool oder am Strand unseres Hotels zu schwimmen.

Auf dem Weg zur Strecke verfuhren wir uns, was eigentlich schwierig ist, da es nur eine lange Straße gibt! Normalerweise gehöre ich zu den Fahrern und alle folgten mir. So ergaben wir einen netten Mercedes-Konvoi durch Abu Dhabi - auf der Suche nach der richtigen Straße.
Auf dem Weg besprechen wir mit unserem Chefingenieur und Wettermann Simon die Regenwahrscheinlichkeit. Er sagt, dass es in der Wüste keinen Regen gibt. Überraschung: Als wir an der Strecke ankommen, müssen wir zu den Räumlichkeiten sprinten, weil es nur so herunterhaut. Tatsächlich gibt es hier nur 10-15 Regentage und wir haben einen davon erwischt - typisch Formel 1!

Wir absolvieren unsere ersten Briefings mit den Fahrern und gehen den Plan für den Tag durch. Die Strecke ist zu Beginn normalerweise sehr schmutzig, aber jetzt wurde sie ohnehin vom Regen sauber gewaschen. Da noch kein Gummi auf der Strecke liegt, erwarten wir, dass die Rundenzeiten weit weg von jenen des Qualifyings sein werden. Deshalb machen wir uns keinen Stress und konzentrieren uns zunächst auf die Basis-Hausaufgaben - die Bremstemperaturen und die Fahrhöhe.

Von den beiden Freitagssessions gibt es nichts Besonderes zu berichten. Wir sind ungefähr dort, wo wir sein sollten - also das vierstärkste Team auf den Plätzen 7 bis 9. Die gute Nachricht ist, dass Hamilton sehr schnell zu sein scheint, somit wird es wohl kein Alleingang für Red Bull. Michael scheint hier auch schnell zu sein. Somit steht uns ein enges Teamduell zwischen ihm und Nico ins Haus.

Wie üblich arbeiten wir am Freitag bis spät in die Nacht, um die vielen Daten durchzusehen und das Setup feinzutunen. Immerhin ist es unsere letzte Chance, um große Veränderungen vor dem Qualifying vorzunehmen. Im Freien Training am Samstag gibt es nicht genug Zeit, weshalb die Hauptarbeit heute Abend ansteht. Nach Arbeitsende nehmen wir diesmal den direkten Weg zurück ins Hotel und sind gegen 3:00 Uhr im Bett. Da wir erst um 11:00 Uhr morgens wieder aufbrechen, können wir noch eine gute Mütze voll Schlaf nehmen.

Donnerstag, Rennwochenende

Hallo zusammen, ich bin Jock Clear und meines Zeichens Senior Race Engineer von Nico.

Wir kamen direkt aus Brasilien nach Abu Dhabi. Das ist ein ziemlich krasser Zeitunterschied für back-to-back-Rennen. In Brasilien waren wir zwei Stunden hinter der UK-Zeit, dann flogen wir durch die britische Zeitzone und sind jetzt nach einem 14-Stundenflug nach Abu Dhabi vier Stunden vor der UK-Zeit. Sechs Stunden Zeitunterschied verursachen noch keinen schlimmen Jetlag, aber der Unterschied zu England bedeutet, dass man die Ehefrau zuhause um 4:00 Uhr morgens anruft!

Vor dem letzten Saisonrennen dreht sich alles um die Fahrer-WM und den Titelkampf. Leider ist keiner unserer Fahrer mehr im Titelkampf dabei, also gehören auch wir zu den interessierten Zuschauern. Gleichzeitig möchten wir unsere Saison mit einem Erfolgserlebnis beenden.

Wir führen heute die üblichen Vorbereitungen an den Autos durch. Unser Auto hat sich seit Singapur nicht großartig verändert. Somit sind alle Teile ausgetestet und alles läuft nach Plan. Gegen 17:00 Uhr am Abend unternehmen die Ingenieure eine Streckenbesichtigung mit Michael. Das ist genau zur Startzeit des Rennens. So sehen wir, wie die Lichtverhältnisse sind und wie die Strecke aussieht. Nico entschied sich dazu, die Strecke mit seinem Physio abzulaufen, aber bei diesem Klima werde ich nicht mit ihnen joggen! Die Strecke wurde seit dem letzten Jahr nicht verändert, aber es ist immer gut, sich die Kerbs und Auslaufzonen mal genau anzusehen.

Wir kommen recht früh von der Strecke weg und essen im Hotel gemeinsam mit allen Ingenieuren und den Marketingmädels. Auch Ross stößt zu uns, nachdem er gerade erst angekommen ist - zusammen mit Nigel Kerr, unserem Finanzdirektor. Ross sagt, dass Nigel auch gleich die Rechnung bezahlen kann, wenn er schon für die Finanzen zuständig ist... guter Einfall, Ross!

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