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Renn-Blog Silverstone

Renn-Blog Silverstone

Ron Meadows, Sporting Director

Donnerstag, Rennwoche

Willkommen aus einem eher langweiligen und bewölkten Silverstone am ersten Tag des Großen Preises von Großbritannien. Die Sonne könnte an diesem Wochenende durchscheinen, was eine nette Abwechslung wäre, da Silverstone normalerweise sein eigenes Wetter hat, das etwas kühler und windiger ist als in der näheren Umgebung!

Ich bin 1998 zum Team gestoßen, damals wurde es als British American Racing gegründet. Somit habe ich Silverstone schon unter verschiedenen Team-Identitäten erlebt und alle Aufs und Abs mitgemacht. Als Sportdirektor habe ich eine Vielzahl an Aufgabengebieten und Verantwortlichkeiten von der engen Arbeit mit der FIA und FOTA über die Sportliche Arbeitsgruppe bis zur Leitung unseres Rennteams und dem Kontakt mit der Rennleitung während der Sessions.

Der Großbritannien Grand Prix ist mein Lieblingsrennen des Jahres. Die Strecke liegt gleich um die Ecke zu unserer Fabrik in Brackley, acht Meilen um genau zu sein, und die Fans wissen so viel über den Sport und kommen an jedem Tag zu zehntausenden. Unsere Jungs im Rennteam lieben das Rennen, weil sie zuhause in ihren eigenen Betten schlafen können und sie nirgends hinfliegen müssen!

Der Donnerstag ist normalerweise ein sehr anstrengender Tag, da es oft viel Arbeit an den Autos gibt und das war heute nicht anders. Die Autos haben die Fabrik am Mittwochnachmittag verlassen. Danach haben wir die Motoren an der Strecke eingebaut und die restliche Vorbereitung erledigt. Heute bekamen die Teammitglieder auch die Möglichkeit, ihre Familien und Freunde in den Paddock zu bringen, so dass wir einige neue Gesichter getroffen haben, weil einige der Jungs im letzten Jahr Vater geworden sind.

Der Donnerstag war der Tag der Meetings. Zunächst war ich bei einem Meeting des Test-Komitees mit all den anderen Teams und dann bei einem Team-Manager-Meeting mit Charlie Whiting von der FIA. Bei diesem Meeting wurde viel über die Safety-Car-Phase in Valencia diskutiert und es wurden einige sehr gute Ideen vorgetragen, welche die Regeln klarstellen und verbessern werden. Am Donnerstag gibt es auch mehrere Ingenieurs-Meetings bei denen wir die Fahrzeugspezifikation und die Setup-Änderungen beschließen, die wir in den beiden Freien Trainings am Freitag ausprobieren möchten.

Am Ende des Tages führten wir unsere ersten Boxenstoppübungen des Wochenendes durch und die Jungs konnten sich auf das Wochenende einschießen. Wir werden bis zum Sonntag noch zwei weitere Übungen durchführen, um sicher zu stellen, dass wir für das Rennen bereit sind. Ich bin sehr stolz auf unsere Boxenstopps und unsere Jungs zeigen regelmäßig die schnellsten Boxenstopps des Rennens.

Freitag, Rennwochenende

Während ich zum Frühstück meine Cornflakes in unserem Motorhome gegessen habe, sagte der BBC-Wettermann, dass es in Silverstone ein wunderschöner Tag mit Höchsttemperaturen von 27 Grad werden würde. Das waren tolle Nachrichten für uns, denn wir hatten viele neue Teile, die wir ausprobieren wollten und ein verregneter Tag hätte unser Programm wirklich gestört. Es waren aber auch tolle Nachrichten für die 85.000 Fans, die schon heute an der Strecke waren, um die ersten beiden Freien Trainings anzuschauen.

Es war klasse, die Tribünen gegenüber der Boxengasse schon heute voll zu sehen - das ist am Freitag nicht an vielen Strecken der Fall, die wir besuchen.

Am Freitag stehen zwei 90-minütige Trainings an. Dies ist eine sehr anstrengende und intensive Zeit für alle im Team, denn die Trainings sind unsere beste Gelegenheit, um das Setup auszutüfteln und an den Reifen und der Benzinmenge zu arbeiten. Die Vormittagssession lief gut. Michael und Nico konnten ihre geplanten Runden ohne Probleme zurücklegen. Beide beklagten sich über die Bodenwelle in Kurve 11, wo die alte Strecke in den neuen Abschnitt übergeht. Silverstone steht bei jedem Fahrer auf der Liste der Lieblingsstrecken und glücklicherweise scheint der neue Arena-Komplex die Herausforderung noch erhöht zu haben, anstatt sie zu verringern. Die Strecke war im neuen Abschnitt sehr schmutzig, weshalb es rund eine Stunde dauerte, bis sie sauber gefahren war. So lange sahen wir nur wenig Action. Beide Autos liefen zuverlässig und wir beendeten die Session mit Nico auf Position sechs und mit Michael auf Position neun.

Auch die Nachmittagssession war positiv. Beide Fahrer hatten das Gefühl, dass die Veränderungen, die wir während der Pause unternahmen, das Auto verbesserten und sie fühlten sich auf dem neuen Streckenteil wohler. Unsere Pace mit viel und wenig Benzin war konkurrenzfähig, aber wir haben heute Nacht noch viel Arbeit vor uns, wenn wir uns gut qualifizieren möchten. Der Wind war ziemlich stark rund um die Strecke und einige Autos kamen von der Strecke ab, als die Fahrer am Kurveneingang vom Wind überrascht wurden. Nico beendete die Session auf Platz fünf, Michael wurde dahinter Sechster.

Sobald das zweite Training beendet ist, haben die Mechaniker eine ziemlich umfangreiche Liste abzuarbeiten, bevor sie den Tag beschließen können. Der Freitag ist ein richtig harter Tag, der sehr früh beginnt und oftmals sehr spät nach den beiden Trainings endet. Die Arbeitsliste beinhaltet einen Wechsel des Motors, des Getriebes, der Bremsen, der Hinterradaufhängung und vieler anderer Komponenten. Zudem müssen die Autos nach den Vorgaben der Ingenieure abgestimmt werden. Hoffentlich sind wir vor Mitternacht fertig, damit die Jungs nach Hause gehen und ein paar Stunden schlafen können.

Meine Aufgabe am Freitag ist es, Michael und Nico um 17:00 Uhr zum FIA-Fahrerbriefing zu begleiten. Die Teilnahme ist verpflichtend und es gibt eine Strafe, sollte ein Fahrer zu spät erscheinen. Deshalb muss ich die Fahrer immer von ihren Ingenieuren losreißen, um sicherzustellen, dass sie rechtzeitig dort sind! Die Meetings können drei Minuten oder eine Stunde dauern, je nachdem was beim letzten Rennen passiert ist und ob es irgendwelche Probleme zu diskutieren gibt. Das heutige Meeting war ziemlich lang. Es gab eine ausführliche Diskussion über die Safety-Car-Phase in Valencia. Der Technische Delegierte der FIA, Charlie Whiting, leitet das Meeting und leistet dabei exzellente Arbeit. Er erklärt all seine Entscheidungen auf eine offene und transparente Weise.

Die Arbeit in der Box kommt gut voran, während ich diese Zeilen schreibe. Insgesamt war es ein guter Tag.



Samstag, Rennwochenende

Um 1:15 Uhr kam ich endlich ins Bett. Nach den Freitagstrainings gibt es viel zu tun, aber das ist normal bei den meisten Teams und wir sind alle an die langen Arbeitszeiten gewöhnt. Ich kam ziemlich optimistisch im Hinblick auf das Qualifying an die Strecke, aber zunächst stand um 10:00 Uhr das letzte Freie Training an. In dieser Session konzentrieren wir uns auf Qualifyingsimulationen, damit die Fahrer und Ingenieure die beste Performance aus dem Auto herausholen können, wenn es darauf ankommt. Die Session verlief gut. Nico wurde Vierter, Michael Achter.

Das Qualifying startete um 13:00 Uhr. Wir hatten also nach dem Training nur zwei Stunden, um die Autos vorzubereiten. Glücklicherweise war die Arbeitsliste heute nicht allzu lang und die Autos waren 15 Minuten vorher bereit. Es gab sogar noch genügend Zeit, damit einige der VIP-Gäste des Teams ein Foto vor Michaels Auto machen konnten. Die Jungs warteten derweil darauf, die Autos zum Scrutineering zur FIA zu bringen.

Das Qualifying ist eine stressige Stunde für das Team, da es viele Dinge gibt, die falsch laufen können! Die drei Sessions sind wahnsinnig spannend und es ist sehr einfach, das Auto nicht rechtzeitig raus zu schicken, den Fahrer im Verkehr raus zu schicken oder von einer gelben Flagge überrascht zu werden, wenn er nicht angreifen kann. Das Q1 lief heute ziemlich rund. Beide Fahrer kamen ohne Probleme durch. Im Q2 ging es recht eng zu, aber Michael und Nico kamen sicher in die letzte Session.

Nico entschied sich dazu, im Q3 zwei Runs zu fahren. Den ersten fuhr er auf gebrauchten Option-Reifen (der weicheren Reifenmischung) aus dem Q2 und den zweiten auf neuen Option-Reifen. Er fuhr eine gute Runde, die ihm Startplatz fünf einbrachte. Erst in letzter Sekunde schob sich Lewis Hamilton vor ihn auf Platz vier. Michael entschied sich für nur einen Run mit zwei gezeiteten oder schnellen Runden. Seine ersten beiden Sektorzeiten waren sehr beeindruckend, aber er machte einen kleinen Fehler in Sektor drei und musste eine zweite Runde fahren. Die begann ebenfalls gut, aber die Reifen bauten ab Mitte der Runde ab. Zusammen mit ein paar Fehlern bedeutete dies, dass er auf dem zehnten Platz landete. Das war sehr schade, da er das Potenzial hatte, Fünfter oder Sechster zu sein, wenn er seine erste gezeitete Runde hinbekommen hätte.

Insgesamt war es kein schlechter Tag und wir haben unsere Qualifying-Leistung im Vergleich zu den letzten Rennen sicher verbessert. Wir wissen, dass unsere Rennpace gut ist und wir können von unseren Startplätzen angreifen. Wir freuen uns auf den Rennsonntag!



Sonntag, Rennwochenende

Endlich ist der Renntag in Silverstone da. Ich fuhr um 6:30 Uhr heute Morgen zuhause weg, um sicher zu stellen, dass ich dem legendären Verkehrsstau in Silverstone ausweichen würde. Aber ich hatte Glück: Ich war alleine auf der Straße und es herrschte kein Verkehr! Hut ab vor dieser beeindruckenden Organisation in Silverstone.

Für 7:30 Uhr war eine Boxengassenführung angesetzt, bei der die Gäste des Paddock Clubs in die Box kommen und den Teams beim Arbeiten zusehen können. Zu dieser Zeit waren noch nicht viele Gäste da, aber wir waren froh darüber, früh da zu sein und die Garagentore zu öffnen. Die Autos werden erst fünf Stunden vor dem Rennen aus der nächtlichen Parc Fermé Sperre entlassen. Bis 8:00 Uhr stehen sie abgedeckt in der Box. Danach kommen die Mechaniker und machen sich an die Arbeit.

Am Vormittag eines Renntags ist immer sehr viel zu tun. Es stehen einige Meetings an, um die letzten Pläne für das Rennen durchzugehen. Das erste Meeting bestreiten Ross, ich, James (unser Strategiemann) und die beiden Renningenieure Shov (Andrew Shovlin) und Jock Clear. Die Fahrer stoßen um 9:15 Uhr hinzu. Danach gibt es noch ein allgemeines Briefing mit den Ingenieuren, um alle über den Plan für den Tag zu informieren. Zum Abschluss treffen sich die Fahrer mit Ross und mir für ein sportliches Briefing, um neue Regeln wie die Anpassungen am Safety-Car-Reglement durchzugehen, die ab diesem Wochenende gelten.

Heute war in der Box richtig viel los, weil Silverstone als eines unserer Heimrennen ein sehr wichtiges Wochenende für das Team ist. Neben unseren Teampartnern, die von unserem Marketingpersonal durch die Box geführt wurden, waren auch einige VIP-Gäste da. Die Jungs in der Box sind es gewöhnt, viele Promis zu sehen, aber selbst sie waren von der Olympischen Gästeliste beeindruckt: der legendäre Michael Johnson, Amy Williams (Britische Skeleton Goldmedaillengewinnerin) und Tom Daley (Britischer Tauchweltmeister). Wenn die Stars von diesem Kaliber sind, ist immer Zeit für ein Foto!

Für das Rennen entschieden wir uns, nur einen Boxenstopp einzulegen, weil die harten Reifen sehr wenig abbauten und die Distanz aushielten. Beide Fahrer legten gute Starts hin und wir entschlossen uns, Michael früher reinzuholen, damit er frei fahren und seinen wahren Speed zeigen konnte, da er vorher aufgehalten wurde. Nico kämpfte gegen Robert Kubica und Fernando Alonso. Also fiel die Entscheidung bei ihm schwieriger aus, wann wir ihn an die Box holen sollten. Zum Glück entschieden wir uns richtig und ließen ihn für einige Extrarunden draußen. So kam er an beiden vorbei.

Leider kam Michael auf seiner Out-Lap kurz von der Strecke ab und verlor dadurch etwas Zeit. Dadurch kamen einige Fahrer vor ihn. Trotzdem fuhr er ein starkes Rennen von seiner Startposition und zeigte während des Rennens einen guten Speed. Nico beendete das Rennen als Dritter auf dem Podium, was eine tolle Belohnung für die Jungs in den Fabriken in Brackley und Brixworth ist. Nach einigen schwierigen Rennwochenenden war dieses Ergebnis genau das, was das Team brauchte. Obwohl wir bei der Performance noch nicht da sind, wo wir sein möchten, befinden wir uns auf dem richtigen Weg.

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