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Toto: “Das Auto ist eine Rakete, aber wir müssen die Zuverlässigkeit in den Griff bekommen“

Toto: “Das Auto ist eine Rakete, aber wir müssen die Zuverlässigkeit in den Griff bekommen“

Toto, wie gut war die Leistung von Lewis in Singapur?

Lewis ist ein unglaubliches Rennen gefahren. Die Art und Weise wie er zwei oder drei Sekunden pro Runde weggefahren ist, war eine großartige Performance. An solchen Tagen erkennt man, wie fantastisch er ist. Das macht den Unterschied zwischen guten und sehr guten Fahrern aus.

Die Strategieentscheidungen waren sehr knapp. Warst du nervös?

Als das Safety Car herauskam, hatten wir keine Bedenken deswegen. Obwohl wir unsere eigene Strategie verfolgten, konnten wir machen, was die anderen machten. Mit Blick auf den Reifenabbau und das Überhitzen der Reifen wussten wir von den Long Runs am Freitag, dass unsere Reifen okay waren. Wir hatten keine besonderen Bedenken, dass sie uns im Stich lassen könnten. Wir machten uns mehr Sorgen, dass die Zuverlässigkeit auch beim anderen Auto Schwierigkeiten bereiten könnte. Beim Boxenstopp darf man nicht selbstzufrieden sein. Man kann es sich nicht leisten, auch nur einen Sekundenbruchteil zu verlieren. Die Mannschaft hat super Arbeit abgeliefert, als es wirklich darauf ankam. Wir wussten, dass es einen enormen Pace-Unterschied bedeutet hätte, das Rennen mit mehr als 30 Runden alten Reifen zu beenden. Genau das haben wir bei unseren Gegnern gesehen. Bei Lewis sahen wir, dass er einen Unterschied von drei oder gar vier Sekunden pro Runde herausfahren konnte – und er ließ es dabei langsam angehen. Es war die richtige Entscheidung. Aber wenn du nur noch ein Eisen im Feuer hast, gibt es ständig Bedenken. Als Lewis zwei Sekunden hinter Sebastian herauskam, dachten wir, dass er vorne bleiben würde – es gibt immer Zweifel.

Du hast Nico in der Box getröstet. Was hast du zu ihm gesagt und wie ist er mit der Enttäuschung umgegangen?

Ich habe mich bei Nico entschuldigt, weil wir ihn haben hängen lassen. Das ist nicht unser Ziel und als Fahrer ist es ein bitterer Schlag, wenn man so viele wertvolle Punkte verliert. Es hilft also nicht, egal was du ihnen in diesem Moment sagst. Aber als Team musst du dich entschuldigen, wenn du etwas vermasselt hast. Diesen Charakterzug braucht man. Das gilt für beide Seiten und das ist in unserem Geist und unserer Philosophie. Nico war sehr professionell, sehr ruhig. Darauf bin ich sehr stolz. In der Hitze des Moments hat er kühlen Kopf bewahrt und versucht, das System bestmöglich neu zu starten. Als er aus dem Auto ausgestiegen ist, war er natürlich sehr enttäuscht. Aber eine seiner Stärken ist es, das abzuschalten und selbst in solchen Augenblicken den Kopf hochzunehmen und das Team während des Rennens zu unterstützen.

Was genau war die Ursache für den Defekt an seinem Auto und warum konnte das Team ihn nach dem Boxenstopp nicht mehr rausschicken?

Es war ein Hardware-Problem. Es scheint so, als ob ein Kabelbaum an der Lenkstange gebrochen ist. Wir wissen noch nicht genau, was passiert ist. Es ist ein Teil, das wir regelmäßig austauschen und es war noch weit innerhalb seines Lebenszyklus. Jetzt müssen wir herausfinden, was passiert ist. Wir haben alles aus dem Auto ausgebaut und über Nacht nach England geflogen. Jetzt werden wir es so schnell wie möglich forensisch untersuchen, um zu verstehen, wo das Problem begonnen hat und warum es aufgetreten ist, als er ins Auto eingestiegen ist und losfahren wollte. Das gesamte System brach zusammen. Nur die Schaltwippen funktionierten noch. Er hatte keine Motoren-Modi mehr. Wir versuchen, durchzukommen, aber er hatte keine Hybrid-Power mehr. Das zeigte sich auch in den Rundenzeiten. Als er in der Box nicht mehr los fahren konnte, entschieden wir uns dazu, das Rennen aufzugeben. Es war einfach zu gefährlich. Die größte Gefahr wäre gewesen, das Auto wieder in Gang zu bringen. Dafür hätten wir den ersten Gang einlegen, eine hohe Drehzahl erreichen und das Auto herunterfallen lassen. Wir wollten es nicht riskieren, dass der Wagenheber herumfliegt und jemanden verletzt. Deshalb haben wir aufgegeben.

Was kann sonst noch unternommen werden, um weitere Zuverlässigkeitsprobleme zu beheben? In dieser Saison hat es ja schon ein paar gegeben...

Wenn wir mehr machen könnten, um weitere Ausfälle zu verhindern, würden wir es tun. Ich würde mir dafür meinen Arm noch einmal brechen! Das müssen wir lösen. Unser Auto ist eine Rakete, aber wir haben noch Zuverlässigkeitsprobleme. Unser Zuverlässigkeitsteam besteht aus einer großartigen Gruppe an Leuten, die sich hoher Qualität verschrieben haben. Wir sind sehr stolz auf die Strukturen, die sie aufgebaut haben. Umso erstaunlicher ist es, dass wir diese Probleme haben. Es dauert seine Zeit, um diese Dinge in den Griff zu bekommen. Aber wir nicht aufgeben, bis wir keine Ausfälle mehr haben. Bislang waren es vier Ausfälle und es wäre überhaupt nicht schön, wenn die WM entschieden würde, weil ein Auto seinen Fahrer im Stich lässt. Wir müssen uns nun neu formieren, die Ärmel hochkrempeln und uns darauf konzentrieren, diese Zuverlässigkeitsprobleme abzustellen.

Vor dem Rennwochenende wurde viel über den Funk gesprochen. Gab es Funksprüche, die an der Grenze waren? Wie stark hat es das Team betroffen?

Es gab einige Momente, in denen wir darüber diskutiert haben, ob das, was wir sagten, erlaubt war. Einige Funksprüche müssen noch nachjustiert werden. Aber es hat uns nicht geschadet. Wenn es so eingeführt worden wäre, wie es ursprünglich geplant war, wäre es ein Albtraum gewesen. Könnt ihr euch vorstellen, wie es gewesen wäre, wenn wir unseren Fahrern in einer solchen Situation wie gestern keinerlei Nachrichten übermitteln hätten dürfen? Wie sollten wir mit dem Fahrer kommunizieren, dessen Lenkrad ihm gar nichts mehr anzeigte? Das ist auch eine Frage der Sicherheit. Vielleicht sollte dieses Rennen in Singapur in die zukünftige Entscheidungsfindung mit einfließen. Ich denke, Charlie und die FIA haben bemerkt, dass man sich alles noch einmal genau ansehen muss. Ich bin überzeugt, dass daraus am Ende nur Gutes entstehen wird.

Lewis und Nico sind jetzt nur noch drei Punkte voneinander getrennt. Wie gehen die beiden und das Team die letzten fünf Rennen an? Verändert sich die Herangehensweise oder die Philosophie des Teams dadurch?

Wenn man Weltmeister werden möchte, muss man den Druck aushalten. Jetzt stehen beide Fahrer unter Druck. Für die Fans war es das Beste, was passieren konnte. Wir müssen unsere Position als Team aber nicht neu überdenken. Sie liegen nun nach Punkten beinahe gleichauf und beide haben die gleichen Chancen, die WM zu gewinnen. Unsere Aufgabe ist es, alles so ausgeglichen und neutral wie möglich zu halten. Die einzige Folge sind ein paar mehr graue Haare für uns!

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