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Toto: Es war klar, dass sie die größten Rivalen im Titelkampf sein würden

Toto: Es war klar, dass sie die größten Rivalen im Titelkampf sein würden

Toto, ihr gewinnt zu oft! Zum zweiten Mal innerhalb von drei Jahren kommt es zu einem WM-Showdown zwischen euren beiden Fahrern hier in Abu Dhabi. Wie schätzt du ihre Situation ein und ist es anders als beim ersten Mal 2014? Sind sie seitdem reifer geworden im gegenseitigen Umgang, ihrer Denkweise und ihrer Herangehensweise an dieses Wochenende?

TW: Klar, je länger man zusammenarbeitet, desto besser lernt man sich kennen. Es ist ihre dritte gemeinsame Saison, in der wir ein Auto haben, in dem sie um Siege und Titel kämpfen können. Wie ich schon einige Male betont habe, in den vergangenen Rennen hatten wir eine ziemlich ruhige Umgebung. Das war sehr gut für das Team, weil sie zusammen daran gearbeitet haben, das Auto schneller zu machen. Das war sehr produktiv und es sehr gut für die Dynamik innerhalb des Teams. Allerdings wurde die WM für beide immer härter. Es war klar, dass sie die größten Rivalen im Titelkampf sein würden und wir sehen an diesem Wochenende, dass es ein wenig anders ist. Man spürt den Druck ansteigen, was zu diesem Zeitpunkt der Saison aber wohl ganz normal ist.

Red Bull sah heute Nachmittag schnell aus, auch auf den Long Runs. Aber mich interessiert vor allem, ob der Abstand zum Saisonende hin wirklich kleiner geworden ist oder ob ihr einfach nur so viel wie nötig getan habt, um sie euch vom Hals zu halten?

TW: Während der letzten Rennen blieb der Abstand zwischen uns und Red Bull sowie Ferrari recht stabil. Der einfache Grund dafür muss sein, dass alle die Entwicklung des 2016er Autos abgedreht haben müssen. Nicht zur selben Zeit, einige Teams werden es früher gemacht haben als andere. Die Performance-Unterschiede sind derzeit darauf zurückzuführen, dass es jemand auf einer bestimmten Strecke besser hinbekommt, zum Beispiel wegen eines Reifensatzes, aber insgesamt war das Niveau in den letzten vier oder fünf Rennen gleichbleibend.

Toto, du weißt, was Lewis gestern hier in der Pressekonferenz über die Mechaniker gesagt hat. Mit dem Buch und so. Was sagst du dazu? Bedauerst du diese Entscheidung nun?

TW: Es ist immer gefährlich, wenn eine Aussage aus einer Pressekonferenz herausgenommen wird. Ich finde es sehr bemerkenswert, wie sie ihre Beziehung zum Vorteil des Teams entwickelt haben. Vor allem, wenn man bedenkt, dass es für sie sehr anstrengend und mit sehr viel Druck verbunden sein muss. Dieser Satz wurde herausgezogen und es ist klar, dass es einen psychologischen Effekt auf einen Fahrer haben kann, wenn man eine Crew, die im direkten Kontakt mit dem Fahrer ist, zum Beispiel einen Mechaniker oder eine Nummer 1, die der Fahrer ständig bei der Ausfahrt aus der Garage sieht, auswechselt. Das erkennen wir an und das gehörte zu unserem Entscheidungsprozess, als wir den Tausch initiiert haben. Aber wir sind 1.500 Leute in Brixworth und Brackley und es geht darum, das Personal weiterzuentwickeln. Jemand, der heute an der einen Ecke des Autos als Mechaniker arbeiten mag, könnte nächstes Jahr Chefmechaniker sein oder vielleicht hat er sogar noch mehr Potential innerhalb unseres Unternehmens. So läuft es bei uns überall ab, wir wollen kein statisches Gebilde. Es ist eine dynamische Struktur, auch in der Box. Das ist einfach so. Ich erkenne den Einfluss auf einen Fahrer an und wir haben darüber nachgedacht, vielleicht schreibe ich in zehn Jahren ein Buch und verrate es darin.

  • Großer Preis von Abu Dhabi 2016, Freitag

Ist es nicht entscheidend, deine Nummer 1 zufrieden zu halten und ihr das Beste zu geben, um erfolgreich zu sein? Besonderes zu Beginn einer Saison, wenn es darum geht, einen vierten Titel zu gewinnen?

TW: Es ist sehr wichtig. So hält man die Performance im Team hoch, man muss darüber nachdenkt, was man dafür braucht, welches Umfeld dafür nötig ist, welche Regeln notwendig sind, um die beste Performance zu bringen. Genau das haben wir alles bedacht. Es gibt nicht nur eine Position wie den Chefmechaniker, die wichtig ist für die Performance des Teams und der Fahrer. Wir müssen Entscheidungen für viele hundert Menschen treffen und sie weiterbringen. Es ist unsere Aufgabe und Pflicht diesen 1.500 Menschen und dieser großartigen Marke gegenüber, die richtigen Entscheidungen zu treffen und nicht nur für einen Einzigen. Dabei müssen wir aber auch bedenken, was für den Fahrer selbst wichtig ist. Hier an der Rennstrecke sehen wir nur die Spitze des Eisbergs. Darunter ist ein großer Block, der die Performance bringt und das Team dahin gebracht hat, wo es heute ist. Ein Teil dessen ist es, die effektivste Organisation zu haben. Nicht nur heute, sondern auch noch morgen - das ist ein ganz normaler Prozess.

Aber wenn ihr wusstest, dass es einen psychologischen Einfluss auf euren Nummer 1-Fahrer haben würde, warum habt ihr dann diese Entscheidung getroffen?

TW: Das habe ich bereits am vergangenen Wochenende einmal erklärt. Es sind 1.500 Menschen und wir müssen an sie alle denken und uns um sie alle kümmern. Diese 1.500 Leute leisten starke Arbeit. Nicht nur einer. 1.500.

Du hast gesagt, dass der Druck steigt. Ist Nico in dieser Saison besser mit dem Druck umgegangen? Ist er etwas konzentrierter und blockt Dinge mehr ab, als in den vergangenen beiden Saisons?

TW: Ja, er geht damit sehr gut um und nichts beeindruckt ihn davon. Das ist jedenfalls mein Eindruck. Selbst an einem schwierigen Wochenende weiß er, es richtig einzuschätzen und weiterzufahren. Ebenso an einem guten Wochenende. Auch dann bleibt er ruhig, mit beiden Füßen auf dem Boden und versucht, zu verstehen, woran es liegt. Egal, ob die Stimmung gut oder schlecht war, er war immer sehr stabil. Soweit ich das beurteilen kann, war das einer der Schlüssel dafür, warum er die WM heute anführt.

Was bedeuten die Regeländerungen im nächsten Jahr für dein Team? Worauf hofft ihr, was sind die Herausforderungen, denen ihr euch stellen müsst?

TW: Ehrlich gesagt, waren wir keine großen Befürworter der Regeländerungen. Nicht, weil wir die aktuelle Situation einfrieren wollten. Aber es ist klar, dass die Performance immer näher zusammenrückt, wenn ein Reglement stabil bleibt. Aber wir waren uns nicht sicher, ob das der richtige Weg für die Formel 1 ist. Aber so ist es nun einmal und die Autos sehen im Windkanal definitiv sehr spektakulär aus. Sie sind sehr breit mit breiten Reifen und ich persönlich bin sehr gespannt darauf, sie das erste Mal auf der Strecke zu sehen. Für die Fahrer wird es viel schwieriger: Die Autos verlangen in den Kurven höhere g-Kräfte. Die Simulationen, die wir bislang gesehen haben, sind sehr aufregend. Einige Kurven, die heute nicht voll durchfahren werden, gehen damit mit Vollgas - und wir werden auch Rundenrekorde brechen. So gesehen erwartet uns wohl eine aufregende Saison. Ich hoffe, dass das Überholen nicht allzu schwierig wird, weil die breiten Autos und die Dirty Air es behindern. Aber warten wir es ab. Rückblickend müssen wir jetzt einfach das Beste daraus machen.

  • Großer Preis von Abu Dhabi 2016, Freitag

Toto, du bist quasi von Beginn an Mitglied der Strategiegruppe. Glaubst du wirklich, dass sie die Interessen der Formel 1 im besten Sinne vertritt? Bei der letzten Sitzung wurden meines Wissens nach einige Vorschläge abgelehnt, bevor sie überhaupt die Formel 1-Kommission erreichen konnten. Also kann man darüber nicht richtig abstimmen. Funktioniert das wirklich oder gibt es eine Alternative dafür? Denn die Gruppe wird immer wieder stark kritisiert...

TW: Du bist ja der Nummer-1-Fan der Strategiegruppe, wie wir wissen. Es ist wie es ist. Die Schwierigkeit in der Formel 1 ist, dass jedes Team eine Meinung hat und dabei sehr genau auf seine eigene Performance achtet. Gleichzeitig sind wir aber auch alle gemeinsam dafür verantwortlich, zu bedenken, was das Beste für den Sport ist. In letzter Zeit habe ich jedoch bemerkt, dass es selbst unter den größten Gegnern in der Strategie-Gruppe und in der F1-Kommission Übereinstimmungen gibt und wir versuchen, diese auch zu erreichen. Einige dieser Dinge werden nicht angenommen oder darüber abgestimmt. Du sprichst zwei ganz spezielle Vorschläge an, die bei allem Respekt vor meinem Freund Otmar, bereits vor einem halben Jahr auf der Agenda standen. Sie wurden an ein Treffen bezüglich der technischen Regularien weitergegeben, also an die kompetente Gruppe, nicht die gefährliche! Die kompetente Gruppe entschied, dass dies nicht der richtige Weg war und aus irgendeinem Grund standen diese Regeln noch einmal auf der Tagesordnung in der Strategiegruppe. Deshalb wurden sie abgelehnt. Das ist Fakt. Aber das System steht so bis 2020 und wenn e seine Möglichkeit gibt, es zu verbessern, dann bin ich der Erste, der dafür stimmt.

Toto, in dieser Saison gab es einige haarige Momente. Es gab den Vorfall in der ersten Runde in Spanien, den in der letzten Runde in Österreich und den Motorschaden von Lewis in Malaysia, als er in Führung lag. In welcher Reihenfolge würdest du diese drei Momente ordnen?

TW: Du meinst, Nummer 1 wäre der schlimmste Moment? Beginnen wir von hinten. Platz drei der schlimmsten Rennen ist für mich sicherlich der Motorschaden von Lewis in Malaysia, denn er hat die WM stark beeinflusst. Er führte das Rennen an, lag klar vorne und das in einem Moment, als es zwischen ihm und Nico hin und her ging. Nico hatte ein großartiges Rennen in Singapur, das er dominierte. Dann gehörte das Wochenende in Malaysia quasi so gut wie Lewis und so ging es weiter. Was kam als nächstes? - Suzuka, Mexiko. Das ist für mich der dritte Platz. Außerdem kam es aus dem Nichts. Es war ein bisschen ein traumatisches Rennen. Die Nummer 2 ist für mich Barcelona. Es kommt selten vor, dass man einen Komplettausfall hat. Wir lagen auf eins und zwei und hatten am Ende nichts in der Hand für das Team. Das ist natürlich keine schöne Situation. Wir standen vor den Monitoren... ich kann mich noch erinnern, dass Daimler-Chef Dieter Zetsche neben mir stand und sagte: 'Was machen wir jetzt?'. Das war eine neue Erfahrung für mich. Aber es war okay, weil es seit Spa 2014 nicht mehr passiert war. Die Nummer 1 der schlimmsten Momente war für mich also Österreich. Denn es war ein paar Rennen nach Barcelona. Wir hatten es sehr deutlich gemacht, dass wir Barcelona als einen einmaligen Ausrutscher ansahen und es nicht akzeptabel war. Und dann kam die letzte Runde dieses Rennens auf dem Red Bull Ring, dem Heimrennen unseres größten Rivalen, und wir verlieren beinahe beide Autos auf der letzten Runde auf den Plätzen eins und zwei. An diesem Punkt war für mich der Punkt erreicht und das stellten wir auch klar. Aber das war mein Gewinner, nicht.

  • Großer Preis von Abu Dhabi 2016, Freitag

Wie steht es um eure beiden Junioren Esteban und Pascal?

TW: Es war großartig, dass Esteban und Pascal die Chance bei Manor erhalten haben und die Entwicklung dieses Teams ist wirklich beeindruckend. Es ist ein toller Ort für beide gewesen und Manor stellt weiterhin eine Option für nächstes Jahr dar. Klar, Esteban geht zu Force India und wir sprechen mit Monisha und Stephen sowie dessen Managementgruppe. Noch ist nichts entschieden. So sieht es momentan aus.

Toto, glaubst du, dass Lewis dem Team derzeit voll vertraut? Und wenn nicht, unternehmt ihr etwas, um die Beziehung wieder aufzubauen?

TW: Er vertraut uns absolut. Wir unterschätzen den Druck unter dem diese Jungs stehen. Nicht nur im Rampenlicht der ganzen Welt. Du musst jedes einzelne Wochenende Bestleistung bringen, gegen deinen Teamkollegen kämpfen und es kommt auf das letzte Rennen an, wer die WM gewinnt. Jetzt ist es so weit, all der Frust und die schönen Momente kommen zusammen. Wenn dir dann ein Mikrofon unter die Nase gehalten wird und dir die richtige Frage gestellt wird, führt das manchmal zu einer guten Schlagzeile wie gestern. Für mich ist das ein Boomerang, der immer wieder zurückkommt. Intern ist das ein abgeschlossenes Kapitel und wir werden nicht mehr darauf zurückkommen. Es ändert nichts an der Herangehensweise oder dem Umgang mit Lewis. Jeder weiß, dass die Dinge manchmal aus dem Zusammenhang gerissen und übertrieben werden. Wie ich vorhin bereits gesagt habe, manchmal muss man es den Fahrern einfach ermöglichen, ihren Emotionen freien Lauf zu lassen. Wir möchten sie nicht zu glatt erleben.

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