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Toto: “Wir erleben mega spannende Rennen, aber wir müssen die Fans verstehen”

Toto: “Wir erleben mega spannende Rennen, aber wir müssen die Fans verstehen”

Wie zufrieden sind Sie mit dem Ergebnis aus Hockenheim?

Es war ein großartiges Gefühl. Am vergangenen Wochenende waren viele unserer Vorstände, Kollegen und Freunde aus Stuttgart in Hockenheim. Es herrschte also ein gewisser Druck. Wir haben uns bei den anderen großen Rennen für das Team in Malaysia und Großbritannien gut geschlagen, aber dies war das absolute Heimrennen für uns. Es fühlte sich wie ein Doppelsieg an, wenn man bedenkt, dass Lewis von Platz 20 gestartet war. Es war eine magische Fahrt, besonders wenn man berücksichtigt, dass er zu Rennbeginn einige schwierige Runden zu überstehen hatte. Er machte auf der ersten Runde nicht fünf, sechs oder sieben Plätze gut. Aber er arbeitete hart weiter und kämpfte sich bis ins Ziel nach vorne. Ich weiß, dass er ein äußerst konkurrenzfähiger Kerl ist. Er ist mit Platz drei nie zufrieden, aber aus unserer Sicht war es eine sehr gute Leistung. Es war so viel los auf der Strecke und wir mussten seine Boxenstoppstrategie verändern. Nico kontrollierte das Rennen von Anfang bis Ende. Er wusste, dass er einen Vorsprung herausfahren und dann das Auto nach Hause bringen musste. Genau das hat er getan. Das war eine brillante Leistung von ihm. Insgesamt war es ein unglaubliches Rennen. Zwei Dinge möchte ich nicht unerwähnt lassen. Zunächst einmal möchte ich diesen Sieg allen unseren Kollegen bei Mercedes-Benz widmen. Sie haben uns sehr unterstützt und mit ihrer Entschlossenheit dazu beigetragen, dass wir dieses Performance-Level erreicht haben. Wir sind stolz, den Stern zu tragen und den besten Automobilkonzern in aller Welt zu vertreten. Unsere Gedanken waren an diesem Wochenende allerdings auch bei Michael Schumacher, der so viel für unseren Sport in Deutschland getan hat und so oft in Hockenheim gewonnen hat. Er kämpft, wie es nur Michael kann. Wir wünschen ihm und seiner Familie alles Gute und viel Kraft, um diese schwere Zeit durchzustehen.

Wie nah waren Sie an einem Doppelsieg dran?

Das Missverständnis mit Jenson (Button) kostete Lewis einiges an Zeit. Denn danach fehlte an seinem Frontflügel definitiv Abtrieb. Wir hatten genaue Daten, wie der Schaden aussah und wie sich das Auto danach verhielt. Wir wussten also, dass es keinen strukturellen Schaden gab - nur die Endplatte war beschädigt. Ohne die Berührung hätte er zweifelsohne eine viel bessere Performance gehabt. Ich möchte dies nicht in einer Rundenzeit ausdrücken, aber ihm fehlten viele Abtriebs-Punkte. Wir behielten es natürlich im Auge, glaubten aber, dass es nicht mehr schlimmer wurde. Als wir am Ende die Strategie änderten und auf die Option-Reifen zurückwechselten, wussten wir, dass das Fenster auf dieser Mischung wirklich sehr klein war. Letztlich verteidigte Valtteri (Bottas) sich so, wie es nötig war, und Lewis kam einfach nicht an ihm vorbei. Wir gingen auch ein Risiko ein, als wir ihn eher hereinholten. Es hätte auch ein Safety Car geben können, aber es hätte sich nicht viel für ihn verändert. Ich denke, dass es die richtige Strategie-Entscheidung war. Es sah so aus, als ob das Safety Car auf die Strecke gehen würde, aber das gehört zur neuen Formel 1-Ära dazu. Man darf ein Rennen fahren, ohne dass das Ergebnis beeinflusst wird.

Es wurde viel über die Zuschauerzahl diskutiert. Was denken Sie darüber?

Ehrlich gesagt bin ich mir nicht sicher, denn es ist nicht das erste großartige Rennen, das wir in dieser Saison gesehen haben. Die letzten paar Rennen waren großartig anzusehen. Es gab viele Überholmanöver überall auf der Strecke. Es waren mega spannende Rennen mit einigen spektakulären Momenten und großartigem Rennsport. Das beweist, dass die Formel 1 derzeit sehr gut ist und hoffentlich nimmt der Sport so weiteren Schwung auf. Es ist wichtig, dass wir das Gesamtbild verstehen. Denn aus sportlicher Sicht machen wir alles richtig. Wir müssen genau analysieren, warum in Hockenheim nicht so viele Zuschauer waren. Denn das war sehr schade. Ich bin kein Marketing-Experte, der sagen kann, warum ein Sport oder ein Sportler boomt oder nicht. Ein Lokalmatador hilft natürlich sehr. Die Zuschauer wollen ihre Helden sehen. Für sie dreht sich alles um die Fahrer und das ist einer der größten Pluspunkte des Sports. Allerdings ist die Situation viel komplexer als das. Verglichen mit vor zehn oder 15 Jahren haben die Menschen heute viel mehr Möglichkeiten, wie sie den Sport verfolgen können. Damals konnte man nicht einfach ins Internet gehen und hatte sofort alle Informationen verfügbar. Vielleicht hat das einen Einfluss, aber leider habe ich nicht die Antwort auf diese Frage.

Sollte der Sport mehr auf die Ansichten der Fans hören? Es gibt zum Beispiel viel Kritik an den Ticketpreisen. Wurde darüber gesprochen?

Als Teammitglieder müssen wir mit unserer Meinung zu diesen Themen sehr vorsichtig sein. Wir führen das Team und damit kennen wir uns aus. Bernie ist für die Show verantwortlich. Niemand kann das besser als er. Wir hatten gute Gespräche darüber in den vergangenen Tagen. Es wird auch mehr Gelegenheiten geben, um unseren Input zu geben. Aber es ist nicht unsere Aufgabe, über Dinge wie die Ticketpreise zu sprechen. Da sollten wir uns nicht einmischen. Wir müssen die Fans und ihre Kritik an bestimmten Aspekten des Sports verstehen lernen. Hätten wir den doppelten Punkten zustimmen sollen? Nein, das hätten wir nicht. Ist der neue Motorensound so gut, wie er sein könnte? Nein, das ist er nicht. Es gibt viele Dinge, die wir uns ansehen müssen, aber die Formel 1 benötigt definitiv keine Revolution. Es ist ein fortschreitender Prozess. Wir müssen allen Meinungen gegenüber offen sein und die Zukunft des Sports mitgestalten. Als Gruppe haben die Teams den Sport zu Saisonbeginn niedergemacht. Somit sind einige von uns mitschuldig.

Williams zeigte zuletzt eine starke Form. Sind sie der größte Herausforderer?

Das Williams Team ist aus der Asche auferstanden. Ich freue mich sehr für sie. Ihr Auto sah auf den letzten drei Strecken sehr gut aus. Es hatte auf der Geraden in Hockenheim einen Topspeed von 346 km/h. Das ist eine tolle Werbung für diese neue Formel. Aber Red Bull ist immer noch ein Weltmeister-Team. Wenn sie die Power Unit auf einer Strecke in den Griff bekommen, die ihrem Auto liegt, werden sie sehr schwer zu schlagen sein.

Wird die WM dadurch entschieden, wer weniger Ausfälle hat?

Die Zuverlässigkeit wird eine entscheidende Rolle spielen, aber der Kampf zwischen beiden ist so eng, dass es mich nicht überraschen würde, wenn die Entscheidung erst beim letzten Rennen mit doppelten Punkten in Abu Dhabi fallen würde. Selbst wenn ein Fahrer 30 Punkte Rückstand hätte, könnte er das bei einem Ausfall des anderen noch aufholen. Ich finde nicht, dass das fair wäre. Aus sportlicher Sicht sollten wir das nicht machen. Aber aus Sicht des kommerziellen Rechteinhabers, der Sponsorenverträge anschließen und TV-Zuschauerzahlen anheben muss, funktioniert es. Es hält die Spannung bis zum letzten Rennen offen. Ich wäre sehr überrascht, wenn das die Zuschauerzahlen nicht anheben würde. Wenn ein Fahrer die WM mit doppelten Punkten gewinnt, wird ihn das nicht stören. Aber der Verlierer braucht danach vielleicht psychologische Hilfe!

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