Back
Back

Ungarn – Renn-Blog

Ungarn – Renn-Blog

Mark Yates (Fraggle), Frontflügel-Techniker

Sonntag, Rennwochenende

Mein Wecker klingelt um 8:00 Uhr. Es ist schön, dass wir am Renntag etwas später aufstehen können, weil die Autos bis um 9:00 Uhr im Parce Fermé sind. Um 8:20 Uhr sind wir im Kleinbus unterwegs zur Strecke. Die Stadt ist am Morgen noch sehr ruhig, obwohl wir mitten durch das Zentrum fahren. In der Nähe der Strecke nimmt der Verkehr auf der Autobahn zu - auch die anderen Teams kommen gerade an der Strecke an und die ersten Fans sind auch schon da.

Im Fahrerlager angekommen haben wir etwas Arbeit mit den Ersatznasen vor uns. Da sich die Autos noch unter Parc Fermé Bedingungen befinden, stellen wir sicher, dass unsere beiden Überwacher Bescheid wissen. Sie überprüfen auch, ob unsere Änderungen auf der von der FIA genehmigten Liste stehen. Nachdem wir fertig sind, aktualisieren wir die Lebensdauerstatistik des ersetzten Kabelbaums in SAP und überprüfen, ob die Rennflügel die richtige Spezifikation vorweisen. Danach sehen wir uns die Kilometerleistung jeder Nase und jedes Hauptflügels an, um zu sehen, wie viele Kilometer sie noch bis zum nächsten Service haben. Man muss immer schon an das nächste Rennen voraus denken, um sicherzustellen, dass man die richtigen Teile dabei hat. Das wird noch schwieriger, wenn am Ende der Saison fünf Überseerennen am Stück stattfinden und man die Flügel rotieren muss, damit die Laufleistung ausgeglichen ist - denn die Flugkosten zwischen den Überseerennen sind sehr hoch.

Zur Mittagszeit schnappen wir uns etwas zu essen und dann geht es los. Um 13:00 Uhr wechsle ich in meinen schwarzen Rennanzug und setze den Funk auf, damit wir dem Briefing mit unserem Chefmechaniker Matt zuhören können. Zum Glück muss ich nicht in die Startaufstellung und dort in der brennenden Sonne stehen... Ich schwitze schon, wenn ich nur daran denke. So lange die Autos in der Startaufstellung sind, helfe ich dabei, in der Box alles vorzubereiten. Zunächst stellen wir die Ersatzflügel auf, alles bereit für den Einsatz. Danach helfen wir Tony, die Reifenwärmer auf beiden Seiten der Box aufzustellen und stellen sicher, dass sie auch heizen. Als nächstes stellen wir die Klappstühle vor dem Fernseher auf - die Reifenleute sitzen hinten, die Schlagschraubermänner vorne. Jeder Stuhl ist mit einem Namen versehen, aber jeder weiß ganz genau, wo er sitzen muss - das ist eine rein persönliche Note. Man braucht die richtigen Leute am richtigen Platz, denn es könnten nur 15 Sekunden zwischen dem Aufruf zum Boxenstopp vom Kommandostand und der Einfahrt des Autos liegen. Man muss immer auf alles gefasst sein - vom Start bis ins Ziel.

Es ist die Ruhe vor dem Sturm, wenn die Boxengasse um 13:30 Uhr öffnet und die Autos raus fahren. Die Box wird dann sehr ruhig, da nur eine handvoll Leute nicht in den Grid geht. Chris bereitet die Boxentafel vor, die beiden Assistenten der Renningenieure Riccardo (Nico) und Bono (Michael) sind auf ihren Positionen und nur Tony und ich wirbeln in der Box herum. Sobald alle Stühle stehen, stellen wir eine Flasche Wasser auf jeden, damit die Jungs etwas zu trinken haben, wenn sie aus der Startaufstellung angerannt kommen. Wenigstens müssen sie in diesem Jahr nicht so weit rennen! Im letzten Jahr hatten wir die letzte Box in der Boxengasse und es war ein sehr langer Weg in unserem Rennanzug mit all der Ausrüstung.

Wie ihr sicher schon wisst, war es nicht gerade der beste Tag für unser Team. Das Rennen begann vernünftig, aber nachdem ein Force India ein Teil des Frontflügels verloren hat und das Safety Car herauskommt, herrscht Alarmstufe Rot in der Box. Wir wissen, dass unsere Autos im richtigen Fenster sind und zum Reifenwechsel an die Box kommen werden. Die Männer mit den Schlagschraubern und Wagenhebern stehen bereit und die Reifenleute holen die Reifen von Nico und Michael, da beide sehr nah hintereinander hereinkommen werden. Da auch die meisten anderen Teams hereinkommen, ist in der Boxengasse extrem viel los.

Nico stoppt und ich stehe mit dem Anlasser bereit, sollte er das Auto abwürgen. Als der Schlagschrauber hinten rechts weggezogen wird, fällt die Mutter herunter und rollt davon, ohne dass es der Schlagschraubermann bemerkt. Leider wird Nicos Auto ohne eine Radmutter hinten rechts losgelassen. Wir wissen es sofort, aber es gibt keine Zeit, darüber nachzudenken, da Michael bereits in die Boxengasse eingebogen ist - wir müssen wieder in Position gehen und Platz für das Auto machen. Alles geschieht so schnell. Er ist nur 4,7 Sekunden nach Nico da. Michaels Auto kann sicher weiterfahren, während Nico mit nur drei Rädern am Ende der Boxengasse stehen bleibt. Er ist raus aus dem Rennen - es ist sein erster Ausfall in diesem Jahr.

Wir sind alle niedergeschlagen und enttäuscht. Es fühlt sich wie ein Schlag in den Magen an, besonders, weil wir erst später erfahren, dass das weggeflogene Rad einen Williams-Mechaniker getroffen hat. Einer unserer PR-Leute rennt zu Williams, um sich nach dem Gesundheitszustand des Kollegen zu erkundigen und zum Glück erfahren wir bald, dass er nicht schwer verletzt ist. Alle sitzen ungläubig in der Box über das, was da in weniger als einer Minute geschehen ist. Solche Dinge passieren. Der Druck in den drei Sekunden eines Boxenstopps ist so hoch, dass jedes Team im Laufe einer Saison einige Zwischenfälle hat. Das mussten auch Renault und Force India heute erleben, aber wenn du betroffen bist, tut es umso mehr weh. Der Rest des Rennens ist ehrlich gesagt ziemlich langweilig. Michael belegt Platz 11, es ist also das erste Rennen in diesem Jahr, bei dem wir keine Punkte mitnehmen. Alles in allem ein schlechter Tag.

Nach dem Rennen packen wir zusammen, was rund fünf Stunden dauert und nach einem langen und harten Tag ist es fast zu viel. Aber es gibt auch Positives: Morgen fliegen wir nach Hause und haben zwei Wochen frei und Zeit für unsere Familien. Wir hoffen, dass wir gegen 21:30 Uhr mit dem Zusammenpacken fertig sind und die Strecke verlassen können. Alle versuchen, so schnell wie möglich fertig zu werden, da Nathan heute Abend seinen Junggesellenabschied feiert und das gesamte Team mitfeiern möchte. Wie ich gestern schon verraten habe, müssen wir alle verrückte Hüte tragen und meiner besteht aus einem Verkehrskegel! Hoffentlich wird es ein schöner und lustiger Abend, denn das brauchen wir alle nach diesem Tag. Ich hoffe, dass euch mein Blog gefallen hat und ihr etwas mehr über unser Wochenende erfahren habt. Bis zum nächsten Mal...

Samstag, Rennwochenende

Mein Wecker klingelt um 7:10 Uhr nach sieben Stunden Schlaf und es ist wirklich hart, mich heute Morgen aus dem Bett aufzuraffen, vielleicht weiß mein Körper, dass es Samstag ist. Mit noch geschlossenen Augen steige ich um 7:30 Uhr in den Kleinbus und brauche dringend meine Vitamintabletten, um richtig aufzuwachen. Um kurz vor 8:00 Uhr kommen wir in der Box an und machen Nicos Startflügel fertig. Wir tauschen den linken Kabelbaum von der Kontrollbox zum Motor, den Elektromotor und einen Sensor aus. Das dauert rund 30 Minuten. So lange absolviert der Rest des Teams die letzten Boxenstoppübungen für das Rennen.

Sobald der Flügel wieder zusammengesetzt ist, muss er getestet und kalibriert werden. Uns fällt ein Problem mit dem neuen Motor auf, also nehmen wir die Mechanik auf der linken Seite noch einmal auseinander und tauschen den Motor ein zweites Mal aus. Während ich das erledige, überprüft Steve die beiden Flügel von Michael auf ihre Regelkonformität, da die Ingenieure eine Veränderung vornehmen wollen. Als ich den neuen Motor eingesetzt und mit dem Hauptprofil verbunden habe, ist es 9:45 Uhr. Ich habe leider das Frühstück verpasst! Die Telemetriejungs kalibrieren den Flügel und ich befestige mit etwas Hilfe von Jimmy die Verkleidung. Die Kalibrierung ist eine halbe Stunde vor dem Freien Training fertig - wir bringen den Flügel nach vorne, überprüfen noch mal den Verstellmechanismus und sind ein paar Minuten früher bereit für das Training. An manchen Vormittagen gibt es einfach keine Pause.

Zu Beginn der Session säubere ich unseren Bereich und dann kann der arbeitsreiche Vormittag weitergehen. Ich stelle sicher, dass die abgenommenen Teile von Nicos Flügel an unseren Ersatzteilmann Tony gehen, der sie zur Überprüfung in die Fabrik zurückschickt. Nachdem ich die Werkzeuge aufgeräumt habe, ist die Session bereits 20 Minuten alt und ich nehme schnell einen Snack zu mir. Die Session verläuft ohne Probleme mit den Frontflügeln und alles scheint gut zu funktionieren. Am Ende des Trainings bringen wir Nicos Startnase nach hinten und checken die Unterseite des Hauptprofils. Es ist unsere letzte Gelegenheit, bevor die Flügel nach dem Qualifying unter Parc Fermé Bedingungen nicht mehr verändert werden dürfen. Nicos Flügel bleibt für das Qualifying unverändert, aber es gibt einige Änderungen an Michaels Ersatzflügel, an die wir uns sofort machen.

Im Qualifying nimmt das Wochenende noch einmal Schwung auf, man weiß nie, was passiert und muss auf alles gefasst sein. Ich bin an diesem Wochenende Ersatzmann, also verbringe ich die meiste Zeit vorne in der Box. Es ist ziemlich gemütlich in der Box, wenn 28 Leute mit Vollgas an zwei Autos arbeiten. Ich kümmere mich immer noch um die Bremskühler, wenn die Autos in die Box kommen. Beide Autos kommen ohne Probleme durch das Q1 und machen einen Probeboxenstopp für die Jungs mit den Schlagschraubern. Da die Boxengassengeschwindigkeit auf 100 km/h erhöht wurde, können sie so noch einmal üben, wie der Schrauber auf die Mutter aufgesetzt wird.

Die zweite Session ist härter für uns. Nico zeigt eine gute Pace, aber Michael ist nicht ganz so schnell und schafft es leider nicht ins Q3. Die eine Seite der Box ist enttäuscht, die andere macht sich bereit für Q3. Die Formel 1 ist ein Mannschaftssport, aber es ist normal, dass jeder seine Seite der Box erfolgreich sehen möchte. Zu Beginn des Q3 überprüfe ich Michaels Flügel und säubere sein Auto, weil es nicht mehr weiter mitfährt. Steve gehört während der Fahrt zu Nicos Crew, weshalb er noch am Auto arbeitet. Nico belegt Platz sechs, was ein besseres Ergebnis ist, als wir erwartet hatten - das hebt die Stimmung bei allen.

Wenn man eine Umfrage in der Boxengasse durchführen würde, würde denke ich jeder zustimmen, dass die Parc Fermé Regel am Samstagabend die beste Regel ist, die jemals in der Formel 1 eingeführt wurde. Wir dürfen von 18:30 Uhr am Samstag bis fünf Stunden vor dem Rennen am Sonntag nicht an den Autos arbeiten. Das ist klasse für uns, denn es bedeutet, dass der Samstag früh endet und wir die Strecke noch bei Tageslicht verlassen können.

Sobald wir im Hotel zurück sind, nehme ich ein schönes, heißes Bad, um meinen Körper zu entspannen - es waren zwei harte Tage und ich fühle mich danach viel besser. Danach setze ich mich hin und schreibe diesen Blog und esse mein Sandwich. Ich bin zum vierten Mal in Budapest und habe schon alle Sehenswürdigkeiten besucht, also spare ich mein Geld, um es für meine wundervolle Tochter Ruby auszugeben! Am Sonntagabend gehe ich aber aus, denn dann feiert unser Nummer-1-Mechaniker an Nicos Auto, Nath, seinen Junggesellenabschied! Wir werden also schnell zusammenpacken und so schnell wie möglich von der Strecke abhauen. Das Thema für die Nacht ist streng geheim, aber wir müssen einen lustigen Hut tragen. Ich verrate euch morgen mehr über meinen! Ich rufe noch schnell Amy per Skype an, um zu erfahren, was sie und Ruby heute so gemacht haben. Sie waren bei meinen Eltern in Sussex und ich kann es kaum noch erwarten, wieder heimzukommen und Ruby zu knuddeln. Durch die beiden Rennen bin ich fast seit zwei Wochen unterwegs und sie verändert sich momentan so schnell. Das Härteste an unserem Job ist, so lange von unseren Familien getrennt zu sein, aber wenn wir am Montag zurückkommen, beginnt die zweiwöchige Fabrikschließung. Ich freue mich schon auf die Zeit mit meiner Familie. Gegen 23:00 Uhr schlafe ich ein. Nur noch zwei Nächte.

Freitag, Rennwochenende

Donnerstagnacht verließen wir die Strecke um 22:00 Uhr. Die letzte Stunde arbeiteten wir bei Kerzenlicht, weil der Strom in der gesamten Boxengasse ausfiel. Zum Glück hat unser Composites-Mann Jimmy alles in seinem Werkzeugkasten dabei. In diesem Fall brachte er ein paar Bergwerkslampen zum Vorschein! Gegen 23:30 Uhr schlummerte ich auf meinem Kissen ein. Zuvor nahm ich noch eine Dusche und sprach mit meiner Frau Amy über Skype. Das kostenlose Internet im Hotel ist klasse und macht es viel einfacher, mit der Familie in Kontakt zu bleiben.

Am Freitag müssen wir am frühesten aufstehen. Deshalb klingelte der Wecker schon um 6:40 Uhr und gegen 7 Uhr waren wir schon auf dem Weg. Die meisten Teams setzen auf frühes Aufstehen, aber ich war im Kleinbus gen Strecke noch halb im Schlaf. Die erste Aufgabe des Tages waren Boxenstoppübungen. Gestern sagte ich noch, dass ich daran nicht teilnehmen werde, aber das änderte sich bald! Da ich eine zusätzliche Arbeitskraft bin, bediene ich an diesem Wochenende den Anlasser, sollte einer der Fahrer das Auto beim Boxenstopp abwürgen. Normalerweise macht das der Mann hinten rechts, aber es macht Sinn, dass ich einspringe. Also freue ich mich auf einen heißen Sonntagnachmittag in meinem Schwitzanzug.

Nach dem Boxenstopp-Training überprüften wir die Nasen auf Schäden durch den Wagenheber oder die Nasenwechsel. Danach unterzogen wir die Flügelverstellung einem Check, während die Autos angelassen wurden. Die Frontflügelverstellung wird von kleinen Elektromotoren betrieben, die den Flügel nach oben oder unten verstellen und innerhalb der Vorgaben der FIA-Software bedient werden. Die Fahrer dürfen zwei Mal pro Runde eine Verstellung um nicht mehr als sechs Grad vornehmen. Wenn ein Fahrer zum Beispiel zu starkes Untersteuern hat, stellen sie den Flügel so steiler.

Nach dem Frühstück überprüften wir die Spezifikation der Flügel für das erste Freie Training und stellten sicher, dass die Kontrollboxen und die ID-Nummern korrekt waren. Diese IDs geben wir unseren Telemetrieleuten. Dabei ist es sehr wichtig, dass sie die richtigen Nummern erhalten, da sie sonst die Software für das falsche Auto einstellen. Außerdem überprüfen wir die Lebensdauer der Teile für Tony, unseren Ersatzteilmann, der die Kilometerlaufleistung jedes Teils mitprotokolliert.

Während des Trainings helfe ich bei der "Absperrung" aus. Wenn Michael Schumacher für dein Team fährt, sind immer viele Fotografen, TV-Teams und Leute vor deiner Box. Manchmal kommen sie für unseren Geschmack etwas zu nah ans Auto. Dann müssen wir sie freundlich aus dem Weg befördern. Ich stecke auch an beiden Autos den Lüfter hinten rechts auf die Bremsen, wenn sie in die Box kommen und einen Start machen. Die Strecke ist sehr fordernd für die Bremsen und wir versuchen, zu verhindern, dass die Bremsen überhitzen und die Siegel beschädigen. Dazu stecken wir Bremslüfter auf alle vier Bremsen, sobald die Autos reinkommen.

Die erste Session ist ziemlich betriebsam und nach jedem Run schaue ich geschwind über die Frontflügel und überprüfe sie auf Schäden. Sobald die Session vorbei ist, sehen wir sie uns noch einmal genau an und säubern sie. Ihr wärt überrascht, wie viele tote Fliegen wir wegwischen müssen und wie viele Gummirückstände von der Strecke aufgesammelt wurden. Zusammen mit unserem Chefingenieur Simon gehe ich die Flügel-Spezifikationen für das zweite Training durch. Da sich daran nichts verändert, überprüfen wir, ob alles bereit ist und gehen danach Mittag essen.

Das Nachmittagstraining ist genauso arbeitsreich. Wir absolvieren auch einige Live-Boxenstopps als weitere Übung für das Rennen. In Deutschland legten wir die beiden schnellsten Boxenstopps hin und alle sind fest entschlossen, unseren Vorteil beizubehalten. Es gibt keine bessere Übung als Live-Boxenstopps, bei denen der Fahrer in vollem Tempo auf dich zukommt. Das macht einen großen Unterschied aus im Vergleich dazu, wenn das Auto von Hand angeschoben wird! Am Ende der Session führen wir Stopps mit beiden Autos schnell hintereinander durch. Nach dem Fallen der Flagge ist die Boxengasse ein sehr betriebsamer Ort, besonders weil wir das erste Team am Boxeneingang sind. Wenn unsere beiden Autos stoppen, Red Bull nebenan das gleiche macht und alle anderen Autos in die Boxengasse hineinfahren, braucht man manchmal auch Augen am Hinterkopf. Meine Aufgabe ist es, sicherzustellen, dass das erste Auto, also das von Nico, niemandem in den Weg kommt, während Michael seinen Stopp macht.

Nachdem die Front-Mechaniker den Winkel des Frontflügels überprüft haben, säubern wir die Flügel und diese bleiben an den Nasen vorne in der Box. Aus den Boxen schallen Klassiker aus den 80ern. Am Freitagabend gibt es die meiste Arbeit des Wochenendes. Deshalb ist es schön, wenn die Musik alle antreibt. Wir bringen jeden Flügel, der heute benutzt wurde, in unseren Bereich hinter der Box. Dort ist nicht viel Platz, besonders wenn Jimmy gleichzeitig an beiden Unterböden arbeitet. Deshalb lassen wir die Frontflügel am liebsten vorne in der Box, um etwas mehr Platz zu haben. Hinten checken wir die Unterseite des Hauptflügels auf Schäden oder Dellen und füllen kleine Löcher aus. Es ist sehr wichtig, dass das Hauptelement glatt ist, da dieses entscheidend für die Aerodynamik des Frontflügels ist. Immerhin generiert der Flügel rund 30% des gesamten Abtriebs am Auto.

So lange wir darauf warten, dass die Ingenieure sich entscheiden, welche Flügel wir am Samstag verwenden, überprüfen wir die Lebensdauertabellen, um zu sehen, wie viele Kilometer jedes Teil noch übrig hat. Um 19:00 Uhr lassen beide Crews die Autos an und führen Gangwechselchecks mit den Telemetriejungs durch. Zudem wird die Funktionstüchtigkeit der Flügelverstellung an den Start- und Ersatzflügeln kontrolliert. Jetzt ist es Zeit fürs Abendessen. Das ist eine willkommene Abwechslung, nachdem wir seit dem Frühstück auf den Beinen waren. Unsere Hospitality-Crew ist klasse und das Essen war perfekt nach einem langen, harten Tag... Rindfleisch, Püree, Erbsen und Soße mit meinem Lieblingsnachtisch "Banoffee Pie"! Wenn wir fertig gegessen haben, sind auch die Autos bereit, um zur FIA-Überprüfung gebracht zu werden.

Alle Flügel erhalten von der FIA grünes Licht und es sind diesmal keine "Beilagen"-Veränderungen nötig. Allerdings müssen wir die Spezifikation von Michaels Ersatzflügel ändern, da sein Testflügel von heute sein Startflügel für morgen wird. Also macht sich Steve gleich an die Arbeit. Ich helfe den Telemetriejungs dabei, ein Problem an Nicos Flügel zu finden, da er in der Box gut funktionierte, aber die Daten von der Strecke andere Werte liefern. Wir versuchen die Situation in der Box nachzustellen und sie finden etwas am elektrischen Kabelbaum des linken Motors, das den Sensor stört. Also wechseln wir alle Kabelbäume von der Kontrollbox zum Motor. Als wir damit fertig sind, ist es kurz vor 23:00 Uhr und Zeit, zurück ins Hotel zu kommen. An einem Freitag ist jedes Arbeitsende vor Mitternacht gut! Ich habe gerade noch genug Zeit, um Amy anzurufen und zu erfahren, wie ihr und Rubys Tag verlaufen ist. Danach schlummere ich kurz vor Mitternacht auf meinem Kissen ein.

Donnerstag, Rennwochenende

Der Donnerstag beginnt für uns um 7:50 Uhr. Nach dem Frühstück im Hotel geht es an die Strecke. Dieses Wochenende haben wir Glück, da wir im Intercontinental mitten in Budapest übernachten. Es ist ein großes Hotel direkt am Fluss und es gibt ein klasse Frühstücksbüfett! Die Strecke ist rund 30 Minuten entfernt und es ist zum ersten Mal seit wir am Montag direkt aus Deutschland angekommen sind ein sonniger Tag.

Meine Aufgabe an diesem Wochenende ist es, beim Zusammenbau unserer Frontflügel zu assistieren. Wir haben einen neuen Mann namens Steve, der in Deutschland angefangen hat und ich helfe ihm dabei, in der Rolle Fuß zu fassen. Normalerweise arbeite ich als Mechaniker in der Fabrik und baue die Autos für Testfahrten und Demonstrationen, aber ich helfe auch im Rennteam aus, wenn ich gebraucht werde. Früher habe ich als Rotations-Mechaniker auf der linken Seite der Box im Rennteam gearbeitet (also auf der Seite von Rubens, die jetzt Nico gehört), aber nach dem ersten Rennen in Bahrain bin ich dieses Jahr in die Fabrik zurückgegangen, weil mein erstes Kind Ruby geboren wurde. Mein Spitzname ist Fraggle, benannt nach einer Kindersendung im Fernsehen: Fraggle Rock. Ich habe den Spitznamen seit der Schulzeit und er begleitet mich schon mein ganzes Leben. Die meisten Leute müssen lange nachdenken, damit ihnen mein echter Nachname einfällt!

Der Donnerstag ist unser zweiter Aufbautag in dieser Woche. Ich habe die meiste Zeit des Mittwochs damit verbracht, die Frontflügel für das Rennwochenende vorzubereiten und die Spezifikation aufzubauen, die wir im Freitagstraining benötigen. Normalerweise haben wir fünf komplette Flügel parat. Unsere neueste Spezifikation haben wir in Deutschland eingeführt. Jeder Fahrer besitzt eine Startnase und eine Testnase, die wir nur am Freitag einsetzen. Zudem gibt es eine Ersatznase, die an jedem Auto genutzt werden kann.

Ein Frontflügel besteht aus zwei Teilen: der Nasenbox und dem Hauptflügel. Rund 80% der Teile an einem Frontflügel haben eine gewisse Lebensdauer, sie können also für eine bestimmte Anzahl an Kilometern benutzt werden, die wir in unserem SAP-System mitprotokollieren. Nachdem wir sie auf Schäden vom letzten Rennen überprüft hatten, waren am Mittwochabend vier Flügel fertig. Sie waren noch in guter Verfassung und mussten nur etwas nachlackiert werden, um die Schäden durch Steinschläge auszubessern. Der Hauptflügel für den fünften Flügel kam heute Morgen in einem Kleinbus aus der Fabrik an. Der Grund: Einer der Flügel wurde am Freitag in Deutschland schwer beschädigt und musste zurückgeschickt werden. Unsere Aufgabe ist es, das Gewicht jedes Frontflügels für die Ingenieure festzustellen und gemeinsam mit unseren Telemetrie-Jungs die Flügel ans Auto zu schrauben und sicherzustellen, dass der FFA (front flap adjuster, die Frontflügelverstellung) funktioniert.

Am späten Nachmittag sind die Autos bereit für das FIA Scrutineering. Bei der technischen Abnahme werden sie darauf hin überprüft, ob sie den Regeln entsprechen. Bei den Frontflügeln werden die Höhe über dem Boden und die Abmessungen überprüft. Sobald wir wieder in der Box zurück sind, warten wir darauf, dass uns die Ingenieure Anweisungen für Veränderungen geben, etwa bei der Höhe des Flügels. Wir verändern die Höhe des Flügels durch das Hinzufügen oder Entfernen von 'Beilagen' auf einer oder beiden Seiten der Nase. Diese Änderungen führen wir auf einem großen Karbon-Frontflügel-Montagegestell durch. Für alle fünf Frontflügel dauert das ungefähr eine Stunde. Die schwierigste Aufgabe ist es, jeden Flügel einzeln von der Vorderseite der Box in unseren kleinen Bereich hinter der Box zu tragen. Denn die Flügel sind ziemlich schwer und es gibt nicht viel Manövrierraum in der Box. Sobald alle Veränderungen erledigt sind und die Flügel die richtige Spezifikation besitzen, kleben wir die Wanten ab und stellen sicher, dass die Aufkleber für Freitag korrekt sind.

Um 18:30 Uhr absolvieren wir unsere erste Boxenstoppübung des Wochenendes. Ich bin an den Boxenstopps nicht beteiligt, da ich hier nur einen Gastauftritt habe, aber als ich noch im Rennteam war, war ich dafür verantwortlich, das linke Vorderrad aufzustecken. Obwohl ich nicht beteiligt bin, muss ich am Sonntag trotzdem zur Sicherheit meinen Overall tragen. Nach dem Training essen wir zu Abend, bevor ich in die Welt der Frontflügel zurückkehre und die letzten drei Flügel fertig mache. Um 22:00 Uhr verlassen wir die Strecke. Das ist etwas später als gewöhnlich an einem Donnerstag, aber nicht allzu schlecht.

Sorry, es scheint so, als sei die Version deines Browser zu alt!

Bitte aktualisiere deinen Browser oder lade eine aktuelle Version der unten aufgelisteten Browser herunter.

Internet Explorer Internet Explorer Firefox Mozilla Firefox Opera Opera Browserr Chrome Google Chrome