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Valtteri Bottas – der Mann unter dem Helm

Valtteri Bottas – der Mann unter dem Helm

Es war ein reiner Zufall, der die Karriere eines sechsjährigen, blonden Jungen in eine ungewöhnliche Bahn lenkte. Einer jener Zufälle, wie sie das Leben eben manchmal so schreibt - und wie sie vor allem im Motorsport immer wieder gerne vorkommen. Der kleine Valtteri und sein Vater befanden sich auf dem Weg aus ihrem Heimatort Nastola ins 20 Kilometer westlich gelegene Lahti, als sie plötzlich am Straßenrand einen Hinweis auf ein Go-Kart-Rennen entdeckten. Vater und Sohn Bottas kamen dem sirenenhaften Ruf der Gokart-Bahn nach und sahen den ganzen Tag lang gebannt dem Treiben auf der Strecke zu. Das Feuer war entfacht, der kleine Valtteri hatte sich mit dem Motorsport-Virus infiziert. Von da an gab es für ihn nur noch ein Ziel: Selbst Gokart zu fahren - und eines Tages den Sprung in die Königsklasse des Motorsports, die Formel 1, zu schaffen und sich dort zum Weltmeister zu krönen.

Ein Traum als Antrieb

Gute zwei Jahrzehnte später hat Valtteri Bottas sein erstes Etappenziel erreicht - er hat sich erfolgreich in der Formel 1 etabliert. Mehr noch, er sitzt erstmals in seiner Karriere in einem Silberpfeil von Mercedes-AMG Petronas Motorsport. 'Es wäre schön, die eine Antwort zu kennen, wie man Formel 1-Weltmeister wird', sagt Valtteri über seinen Kindheitstraum. 'Aber es braucht so viel dazu. Es geht nicht nur um dich als Einzelperson.' Ob man es glauben mag oder nicht, aber die Formel 1 ist ein Teamsport. Es kommt nicht nur auf den Fahrer an, sondern auch auf dessen Mannschaft und natürlich das Auto.

'Es gibt so viele verschiedene Variablen in unserem Sport', betont Valtteri. 'Selbst wenn du der beste Fahrer bist, gewinnst du nichts, wenn dein Motor zehnmal in der Saison hochgeht. Als Fahrer musst du dich auf deine Leistung konzentrieren und alles für das Team geben. Alleine hast du keine Chance.' Die Formel 1 verlangt einem Fahrer viel ab. Hartes Training, ständiges öffentliches Interesse und volle mentale Konzentration auf das Wesentliche sind nur ein paar der persönlichen Opfer, die ein F1-Fahrer erbringen muss, um erfolgreich zu sein. 'Aber ich gebe nicht auf', sagt Valtteri. 'Ich habe weiter meinen Traum, den WM-Titel zu gewinnen. Ich werde alles geben, um das zu erreichen. Das ist derzeit mein Lebensziel.'

Der Wendepunkt

Den Grundstein für diese Einstellung legte Valtteri bereits in jungen Jahren auf den Kartbahnen in Südfinnland. Immer wieder fragte Papa Bottas seinen Sohnemann, aber er wirklich Kartrennen fahren wolle. Dieser bejahte jedes Mal vehement, bis der Vater merkte, dass Klein Valtteri es wirklich ernst meinte und in diesem Sport etwas erreichen wollte. Bereits in seinem ersten Gokart-Rennen wurde er Dritter, das zweite gewann er. 'Sobald ich aus der Schule kam, fragte ich, ob wir zur örtlichen Kartbahn fahren könnten', erinnert sich Valtteri. 'Ich kann mich nicht erinnern, dass meine Eltern je nein gesagt hätten.'

Der Wendepunkt in Valtteris junger Karriere ereignete sich, als er ungefähr zwölf Jahre alt war. Er fuhr bereits seit vielen Jahren Kart und stieg in die finnische Meisterschaft ein. Doch die kleineren Kinder hatten einen Vorteil, was ihn nicht nur stark ärgerte, sondern ihm auch seine Siegchance nahm. Vom Ehrgeiz getrieben entschied sich Valtteri, etwas dagegen zu unternehmen - er begann regelmäßig zu trainieren, verlor einige Kilo an Gewicht und gewann im nächsten Jahr souverän die Meisterschaft. 'Ich musste alles für meinen Traum geben', erinnert er sich. 'Das war der Wendepunkt, an dem ich professionell wurde und nicht mehr nur als Hobby und zum Spaß gefahren bin.'

Der lange Weg zum Erfolg

Harte Arbeit und ein fester Glaube, sein Ziel, seinen Traum, erreichen zu können, ziehen sich wie ein roter Faden durch Valtteris Karriere. So absolvierte er auch eine Ausbildung zum KFZ-Mechaniker - allerdings ohne diesen Karrierepfad überhaupt einschlagen zu wollen. 'Ich wollte stets Rennfahrer werden, nie Mechaniker - aber die Ausbildung hat definitiv nicht geschadet', erklärt er. 'Die Technik eines F1-Autos ist sehr speziell und detailliert. Je mehr man davon versteht, desto besser ist es.'

Dieses Wissen war für ihn schon in den Nachwuchsserien von Vorteil. Bereits im zarten Alter von 17 Jahren gewann Valtteri in seiner Rookie-Saison in der Formel Renault 2.0 NEC zwei Rennen. Es folgten Meistertitel in der Formel Renault 2.0 NEC sowie den Formel Renault 2.0 Eurocup und der Aufstieg in die Formel 3 Euroserie. In dieser trat er auch erstmals in einem Rennwagen mit Mercedes-Power an, die ihn beim prestigeträchtigen F3 Masters in Zandvoort zu zwei Siegen führte. Damit legte er den Grundstein für einen Wechsel in die GP3 Serie im Rahmen der Formel 1, die er in seinem Debütjahr für sich entschied.

Parallel dazu wurde das Williams F1 Team auf den schnellen Finnen aufmerksam und verpflichtete ihn als Testfahrer. Schon damals verbrachte Valtteri viel Zeit in der Fabrik, um so viele Informationen wie möglich über sein Arbeitsgerät in sich aufzusaugen. Für sein großes Ziel, die Formel 1 zu erreichen, überließ er eben nichts dem Zufall. Und selbst als er es endlich erreicht hatte, sah Valtteri keinerlei Grund, sich nun zurückzulehnen. 'Mein erster Traum war erreicht und ich war für einige Tage überglücklich. Aber dann konzentrierte ich mich schnell auf das erste Rennen und arbeitete darauf hin.'

Ein ganz normaler Kerl aus Nastola

Für Valtteri fühlt sich sein F1-Debüt in Australien 2013 an, als ob es erst gestern gewesen wäre. 'Es ist verrückt, wie die Zeit verfliegt, wenn man etwas macht, was man liebt', sagt er. 'Ich stehe jetzt schon vor meiner fünften Formel 1-Saison. Absolut verrückt. Es gibt jedoch kein schöneres Gefühl, als am Sonntag, einem Renntag, in der Box zu stehen. Die Mechaniker starten die Motoren, du hörst und fühlst es, du weißt, dieses Juwel gehört in den nächsten zwei Stunden dir. Jetzt liegt es an dir.'

Druck verspürt er dabei nicht. Im Gegenteil: Valtteri liebt seinen Job und genießt sein Leben in vollen Zügen. 'Natürlich ist es auch harte Arbeit, aber ich lebe jeden Tag meinen Traum', betont er. 'Im Leben dreht sich aber nicht alles um Motorsport. Es gibt auch noch andere Dinge, die mir sehr wichtig sind; meine Familie, meine Freunde, meine Ehefrau Emilia. Gesundheit ist das Wichtigste. Ich weiß das alles zu schätzen, da ich meinen Kindheitstraum lebe. Ich bin für alles bislang dankbar, aber ein Teil von mir ist eben nie ganz zufrieden und strebt immer nach mehr.'

Dieser Ehrgeiz und sein kometenhafter Aufstieg in die Formel 1 haben ihn jedoch nicht verändert. 'Schlussendlich bin ich ein ganz normaler Kerl aus Nastola, Finnland, der eben Formel 1-Fahrer ist.' Das zeigt sich auch daran: Wenn Valtteri zwischen seinem strikten Trainingsprogramm, Besuchen in der Fabrik des Teams und den vielen Grands Prix etwas Zeit findet, kommt er immer wieder gerne in seine Heimat zurück. 'Dort kann ich mich erholen. Ich reise um die ganze Welt, sehe so viele Orte, aber ich glaube, es gibt keinen schöneren Ort als Nastola.' Jene 15.000 Seelengemeinde, in der vor so vielen Jahren alles mit einem unscheinbaren Zufall begonnen hat.

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